Autor: Helmut Roewer (Seite 4 von 4)

Schilda an der Ilm – Aus dem Sudelbuch III 

22. September 2021

Deutschland schnappatmet über den Mord in der Tankstelle (strafbar nach § 211 StGB). Ich versuche, mir das Geschehen vorzustellen: Will einer fürs Tanken bezahlen. Wird von einem Bürschlein hinter der Plexiglasscheibe angepöbelt, er solle gefälligst die Maske aufsetzen, sonst hole er die Polizei. Der Kunde verlässt die Tankstelle. Das Bürschlein ist sich sicher, dass nix passieren kann, denn der Tankvorgang nebst Nummernschild wurde videografiert. Doch der Kunde kommt wieder. Erneut sieht sich das Bürschlein zum Pöbeln berechtigt, nicht ahnend, dass dies das letzte Mal sein wird. So ungefähr wird es sich abgespielt haben.

Mord in der Tankstelle (2): Gutmensch weiß es. Der Täter muss ein Querdenker sein, aber zumindest ein AfD-Sympathisant. Deswegen müssen alle Demokraten zusammenstehen und das Waffenrecht verschärfen. Wie in Kriegszeiten: Wer Waffen hatte, wurde hingerichtet.Mord an der Tankstelle (3): Die Belehrung durch einen der kleinen Kriecher war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Das Medien-Palaver über die Mordtat verdeckt, was ihr Anlass war – das Lebenmüssen in einer absurden Welt.

21. September 2021

In der Konditorei Steineke am Markt in Halberstadt wird man angeschnauzt, wenn man unaufgefordert den Verkaufsraum betritt („draußen warten!“). Ich ging wieder raus, wartete aber nicht, so dass mir weitere Belege dieses freundlichen Familienbetriebs erspart blieben.

Halberstadt (2): Der verheerende amerikanische Luftangriff erfolgte am 8. April 1945. Einen militärischen Grund für diese Verwüstung gab es nicht, einen politischen dagegen schon: Es sollten, solange es ungestraft möglich war, soviel wie möglich Kultur zerstört und Deutsche getötet werden. Heutige Reiseführer eiern herum, wenn sie den trostlosen Zustand der Innenstadt erklären sollen.Halberstadt (3): Wie die Stadt einmal ausgesehen haben könnte, kann man im benachbarten Quedlinburg studieren. In einem dortigen Café werde ich freundlich bedient.

20. September 2021Zappen Sie weiter, hier gibt’s nichts zu sehen.

19. September 2021

Vorwintertag in Schilda. Ich begegne einigen wenigen Passanten, die keine Hiesigen sind. Man erkennt es an den unentschlossenen Bewegungen und an den unters Kinn geklemmten Gesichtsmasken. Das ist die neue Ich-habe-verstanden-Geste.Der Krach in der sonntäglich toten Schillerstraße stammt nicht aus der Großbaustelle, sondern wird von einer greisen Band erzeugt, die den Untergang der DDR vermutlich nicht mitbekommen hat.

18. September 2021Beim Aldi in Schilda gibt’s den alljährlichen Oktoberfestblödsinn. Von mir sehnlich erwartet, sog. Bierstengl. Dieses Jahr in den Varianten „Laugen Brezelino“ und „Bio-Bierstegel. Wiesn Schmankerl“. Kaufe beide, zunächst in Versuchsgebinden (beide außen Pappe, innen zelophanverschweißt). Nach dem praktischen Test steht für mich fest: Die mit dem albernen italieniserten Namen passen, wenn man sie in ungesalzene Butter in Raumtemperatur stippt zu jeglichem Blaumacher, die politisch korrekte Variante knirscht nicht mal, wenn man draufbeißt und ist sicher ein treffliches Zubrot zu alk-freiem Ökobier. Ich stelle mir vor, dass der grün-ambitionierte Innenstadttrachtentrinker hierzu zertifizierte Krachlederne aus Biobaumwolle (mit Ablaufdatum) trägt.Insa-Chef Hermann Binkert aus Erfurt sagt im Auftrag der Sächsischen Zeitung voraus, dass die AfD in Sachsen die Spitzenkraft sein wird. Könnte sein, ist aber nicht so sensationell, wie es manchem scheinen mag. Mich interessiert mehr, wie dieses wahrscheinliche Ergebnis möglichst weit nach unten gefälscht werden wird. Das wird Binkert, den ich mit gutem Grund nicht frage, auch nicht so genau wissen. Ich schon.

16. September 2021

Der Oberbürgermeister von Schilda, Kleine heißt der Mann, lässt mir via Bildschirm nahelegen, das Fliegen zu unterlassen, um unser Klima in Schilda zu retten. Wusste gar nicht, dass man von hier abfliegen kann, wenn man dem täglichen Irrsinn entfliehen will.

Schilda (2): Das Städtchen an der Ilm ist das Freiburg des Ostens.

Male mir aus, einen Maskenball zu veranstalten. Bin sicher, dass alle verbliebenen Freunde sich nach meinem Wohlbefinden erkundigen würden. 18 Monate Corona-Wahn haben das Umfeld neu strukturiert.

Der Impftod scheint ein neues Modewort zu werden. Das Wort war mir schon länger geläufig, auch wenn Word es nicht akzeptiert (vermutlich, weil Bill G. davon nichts wissen will). Impfdurchbruch hingegen ist neu. Es ist die politisch korrekte Umschreibung dafür, dass die Impfung vor einer Ansteckung nicht schützt.
Wenn einer unter konvulsivischem Äußerungszwang leidet, müssen alle anderen, die ebenso heißen wie er (siehe Suchmaschine), darunter leiden, denn ihre Freunde fragen: Sag mal, hast du se noch alle?

15. September 2021

Kompletter Nonsens: Nach einer G2-Party (nur nachweislich Geimpfte und Genesene) werden in Münster unter den Ex-Teilnehmern 75 Infektionen gemessen (erkrankt ist übrigens niemand). Das bedeutet: Hier wird erneut zum großen Lockdown geblasen, denn jetzt steht für die Zeugen Corona fest, dass die Seuche durch Impfungen nicht aufzuhalten ist. Deswegen lautet das Motto: Weiterimpfen.

Kompletter Nonsens lässt sich steigern: Der Impf-Spahn verkündet, dass die Geimpften und die Ungeimpften vor den Ungeimpften geschützt werden müssen. Dabei würde es völlig ausreichen, die Bürger vor diesem Mann zu schützen.Neues aus der Wahlbeeinflussung: Nach dem Abklingen der Bärbock-Besoffenheit setzten die Mainstreamer auf die Gleichrangigkeit der drei Kandidaten. Damit bringen sie zum Ausdruck, dass es nicht nur egal ist, was man wählt, sondern dass man genauso gut zu Hause bleiben kann. Dieser Eindruck ist erwünscht, denn das sind Bürger, denen man Restverstand zutraut (vulgo: Nazis).

14. September 2021

Über die Kandidat von Ulrich Schödlbauer habe ich Tränen gelacht. Für die ein oder zwei Leser, die im Ruhrgebiet nicht zu Hause sind, hier als Sprechübung: Kan-di-dat?

Kan-di-dat (2): Die Antwort heißt Nein. Denn sie ist blöd. Besonders gefährlich ist: Alle wissen es, nur sie selbst nicht.Kan-di-dat (3): Nein, ich bin nicht frauenfeindlich. Ich liebe Frauen, bin aber gewiss, dass dieses Bekenntnis heutzutage Anlass ist, um als frauenfeindlich beschimpft zu werden. Zum Trost: Leute, die sich so äußern, sind nicht die Frauen, die ich liebe. Was an der Grundaussage nichts ändert.

13. September 2021„Dann ist ja auch schrecklich, dass wir in einem Land leben, in dem nicht nur Bildungswillige leben, sondern auch hinreichende Zahlen von Bekloppten.“ Sagte der Namensgeber der ehemaligen Stasiakten-Behörde just in Rostock. Doch wen meinte er? Und in welche seiner Kategorien gehören die Gender-Professorinnen und ihre Groupies? Und erst Annalena pp.? Und die ganzen weiteren Studienabbrecher in Politik und Medien? Fragen über Fragen.

Bildungsbeflissene & Bekloppte (2): Beim Einparken sehe ich aus dem Augenwinkel, wie zwei ältere Knaben das AfD-Plakat von der Laterne vor meinem Wohnhaus herunterholen wollen. Bevor ich mich an den vergeblichen Bemühungen des hoffnungsfrohen Nachwuchses, eine praktische Aufgabe mit Hilfe eines Stubenbesens zu lösen, mit Genuss weiden kann, kommt ein Mann mit Hund über die Straße und sagt mit ausreichender Lautstärke: Wenn ich nachher hier vorbei komme, und das Schild hängt nicht mehr da, kriegt ihr ne Anzeige wg. Sachbeschädigung. Und geht weiter. Spätabends hängt der AfD-Kandidat immer noch oben.

Bildungsbeflissene & Bekloppte (3): Es ist in den Rubriken viel vom stattgehabten Kandidaten-Dreier die Rede, den man im Fernsehen präsentiert hat. Für die Bildungsbeflissenen ist keiner von den Dreien wählbar. Bleiben, wenn der allseits beliebte Ex-Präsident recht hat, nur noch die Bekloppten als potenzielle Wähler übrig.Bildungsbeflissene & Bekloppte (4): Die Kommentare in den Medien weisen aus, dass die Mehrzahl derer, die da kommentieren, keinen der drei für wählbar halten. Stattdessen fallen die Namen von zwei Frauen, die zu recht als chancenlos eingeschätzt werden, Kanzler der Republik zu werden. Wenn also von den drei Gesetzten und den beiden für geeignet Gehaltenen keiner es wird, muss das Bewährte bleiben.

12. September 2021

An Sonntagvormittagen fühlen sich Leute, die sich keineswegs zum engeren Freundeskreis zählen dürfen, zu Anrufen veranlasst. Sie wähnen den Angerufenen unbeschäftigt und versorgen ihn mit Nachrichten, auf die er nicht gewartet hat.

Vom hiesigen Schilda an der Ilm erfuhr ich auf diese Weise, dass in einem der Kindergärten vor Tagen Corona ausgebrochen sei, worauf die fürsorgliche Gesundheitsverwaltung über das Personal, die Kinder, deren Eltern und Geschwister die Quarantäne verhängt habe.

Maßnahmen (2): Bei näherem Hinsehen reduzierte sich der mitgeteilte Seuchenausbruch auf einen etwas schlichteren Sachverhalt. Eine der Kindergärtnerinnen, zweimal geimpft und am Morgen wie gewohnt negativ getestet, fühlte sich mittags nicht wohl und ging deswegen nach Hause. Vorsorglich testete sie sich erneut, diesmal mit positivem Ergebnis, was sie der Kindergartenleiterin mitteilte, die es an die Obrigkeit weitergab, welche, siehe oben, Maßnahmen traf.

Maßnahmen (3): Besser einer zu viel als einer zu wenig, ist eine Denkhaltung, die in totalitären Systemen eine Selbstverständlichkeit ist.Maßnahmen (4): Das breite Publikum – von den Massenmedien an den Rand der Debilität geführt – hat sich daran gewöhnt, die Maßnahmen für richtig zu halten („besser ist es“). Erst wenn der Einzelne selbst der Betroffene ist, stellt er die einzig richtige Frage: Hat man mir die ganze Zeit etwas vorgelogen? Wenn er damit fertig ist, fragt er: Warum?

11. September 2021

Wenn sich zwei Bankräuber wg. der Beute öffentlich in die Haare kriegen, hat das fürs geprellte Publikum den Effekt, den man mit Häme am besten umschreibt. Das hat natürlich nichts damit zu tun, wenn plötzlich ein gewisser Soros und Black Rock sich zum Gaudi des nicht-investierenden Publikums öffentlich beharken. Parallelen kommen schon deswegen nicht in Frage, weil es sich im letztgenannten Fall nicht um Täter, sondern um Wohltäter handelt.

Häme (2): Dem Menschenfreund Soros missfallen die Chinaaktivitäten von Black Rock außerordentlich. Amerikas nationale Interessen gerieten hierdurch in Gefahr. Man liest und stutzt. War der Ex-Ungar nicht bis vor kurzem ein erbitterter Feind des Leuchtturms der nationalen Interessen Donald Trump? Wenn die Fortführung der Anti-Chinapolitik unter dessen Amtsnachfolger diese Kehrtwende verursacht hat, darf man dann vermuten, dass Soros im Weißen Haus bessere Karten hat als Black Rock? Keiner weiß es. Vielleicht hat Soros auch nur größere Anteile in der amerikanischen Kriegsindustrie, zu deren Vorteil im Moment der größte Militärhaushalt beschlossen wurde, den die USA je hatten.Häme (3): Noch immer bewegt Pimmel-Grote aus Hamburg die alternativen Netze. Das ist nicht weiter überraschend. Mir fiel lediglich auf, dass dies ein reines Männerthema zu sein scheint. Frauen fassen sowas nicht an. Um es einmal so zu sagen. Das Thema.

10. September 2021

Die R&V-Versicherung ließ abfragen, wovor sich die Deutschen am meisten fürchten. Die Spitzenängste drehen sich um Steuererhöhungen, Lebenshaltungskosten und Zuwanderung. Da kann man nur sagen: Alles Nazis.

Nazis (2): Vor wenigen Tagen bekam ich den Roman von Juli ZehÜber Menschen geschenkt. Die Protagonistin flieht im Jahr eins von Corona wegen einer Beziehungskrise aus der Wohnung in Berlin Kreuzberg in ein verwahrlostes Haus in der Prignitz. Ihr Nachbar dort ist ein Nazi-Brutalo, der auf 300 Seiten erstaunlich menschliche Züge entwickelt. Zum Glück kommt er zum Schluss um. Nicht auszudenken, wenn das nicht passiert wäre.

Nazis (3): Die Redewendung „man wird doch wohl noch sagen dürfen“ stammt angeblich von Leuten, die sich dem Sprechdiktat nicht beugen mochten. Jetzt ist sie leicht verändert von Mainstream übernommen worden: Seht mal, man darf in Deutschland so gar einen Roman schreiben, wie es Mme. Zeh gerade tat („ein großer Roman“) und bei Bertelsmann veröffentlichen.

Wer einen Innenminister als Pimmel bezeichnet, muss damit rechnen, dass umgehend seine Wohnung durchsucht wird. Das ist unter keinem denkbaren Gesichtspunkt rechtmäßig, doch das ist gar nicht mehr der Maßstab. Es geht um Einschüchterung.

Pimmel (2): Selbstredend weiß ich, was das Wort bedeutet, doch ich muss mich einen Moment besinnen, wann und wo ich es zuletzt hörte. Es muss in meiner frühen Kindheit gewesen sein und hatte mit mangelnder Größe zu tun. Es war ein Synonym für lächerlich klein und – weil es damals noch zwei klar unterscheidbare Geschlechter gab – auf Mädchen nicht anwendbar.Pimmel (3): Der Mann, den man aktuell nicht so bezeichnen darf, ist der Hamburger Innensenator A. Grote. In etlichen Kommentaren der sog. sozialen Medien firmiert er bereits als A. Pimmel Grote. Der Mann hat offenbar nicht das Format (in jeglicher Hinsicht), um unwiderlegbar den Beleidigern durch ein Seht-her das Maul zu stopfen.

Zu den Vorteilen des Zentralismus (europäische Lösung) gehört es, dass überall dasselbe gilt. So die Abstandsregel. Zuweilen bereitet die Umsetzung etwas Mühe, so zum Beispiel im Duschraum des Schwimmbades. Die Duschen neu zu installieren, ist offenbar im Jahr zwei von Corona nirgends gelungen, und das mechanische Abstellen jeder zweiten Dusche wurde von den Schwimmbad-Erbauern kursichtiger Weise auch nicht vorgesehen. Also behilft man sich mit infektionsgerechter (abwaschbarer) Beschilderung. Da man die Schilder mühelos abnehmen und umdekorieren kann, gelingt es, eine Duschecke für alle zu installieren. Erstaunlich ist, dass das nach getaner Tat offensichtlich niemand absonderlich findet.

9. September 2021

Der Zweck der Veröffentlichung von Umfragen über Wahlabsichten dient den veranstaltenden Instituten (als Einnahmequelle) und den Medien (als Palavergegenstand). Beide sind überzeugt, auf diese Art Einfluss ausüben zu können.

Wahlmanipulation (2): Ein seriöser Beobachter würde rückfragen: Wie kommen Sie beim Zugrunde-legen Ihrer eigenen Zahlen auf die Idee, dass beispielsweise die CDU zwischen Ende Juli und Anfang September rund ein Drittel ihrer Wähler verloren hat. Erdrutsche im Meinungsklima – in diesem Fall bei mehren Millionen Deutschen – pflegen einen konkreten Auslöser zu haben. Habe ich etwas nicht mitbekommen?

Wahlmanipulation (3): Wenn man annimmt, dass die neuen Zahlen eine Art Handlungsfaden für Wahlfälscher sein sollen, wäre das mit Sicherheit eine Verschwörungstheorie.Wahlmanipulation (4): Die Entscheidung der Wahl findet weniger an der Urne, sondern auf den Meldewegen statt. Gibt es hier einen Grundkonsens, ist jedes gewünschte Ergebnis machbar. Auch das ist eine Verschwörungstheorie.

Vielleicht waren unsere germanischen Vorfahren nicht ganz so tumb, wie man sie gemeinhin darstellt. Ihren Mythen kannten ein Ende, die Götterdämmerung.

Götterdämmerung (2): Wenn man sich vorstellt, dass die Multimilliardäre die Götter der Gegenwart sind, und jeder nun mit ansehen darf, wie sie den Endkampf unter sich ausfechten, drängen sich Parallelen auf.Götterdämmerung (3): Dass Bill Gates offenbar auf der Abschussliste der Titanen steht, fiel mir im Frühjahr auf. Jetzt fand ich einen weiteren Hinweis von Elon Musk, der, ins Olympische gewendet, als Hallodri unter den Göttern an der Spitze des Verfolgerfelds steht. Selbst wenn der Tweet ein Fake sein sollte, beschreibt er die Position der Kontrahenten ziemlich zutreffend.

8. September 2021

Was schreiben Sie gerade?, ist die Frage, die ich in den letzten Tagen am meisten gehört habe. Das ist nicht ohne Witz, wenn man soeben ein 300-Seiten-Buch herausgebracht hat. Die Antwort Nichtswäre blöd. Man ist schließlich ein Autor und will sein Publikum bei Laune halten. Also sage ich, ich recherchiere gerade. Das klingt emsig, und weil ich kein Thema angebe, klingt es auch noch ziemlich geheimnisvoll.

Bei Stephan Paetow lese ich, dass rund 4 Mio. die abendliche Tageschau gesehen haben sollen. Das liegt etwas über Bildzeitungs-Niveau. Rechnet man bei Bild die Schlagzeilen hinzu, die beim Einkauf den Wagenschieber vom Regal aus anschreien, liegt Bild deutlich vorn.

Bild (2): Einigen wenigen Mitarbeitern empfahl ich seinerzeit die Bildzeitung zur Morgenlektüre. Dann störten sie wenigstens bis zur Mittagspause den Dienstbetrieb nicht.

Bild (3): Wenn ich ein gebrauchtes Buch von Privat via Internet bestelle und es beim Auspacken in eine Zeitung eingewickelt finde, versuche ich mir vorzustellen, warum das Buch in den Verkauf kam. Ist die Zeitung eine Bildzeitung, bin ich in der Regel ratlos.

Bild (4): Da es im überbordenden Maße sog. Medienstudiengänge zu geben scheint, habe ich Verständnis dafür, dass die Beteiligten nicht für Zeitungen schreiben, sondern über Zeitungen. Deswegen verwunderte es mich kaum, als ich wissenschaftlich begründet fand, warum das Busenmädchen auf Seite eins der Bild verschwinden musste.

Als das Wort Kulturschaffende vor einiger Zeit auftauchte, hielt ich das zunächst für eine witzige Persiflage einschlägigen DDR-Vokabulars, war es aber gar nicht, sondern eine Wiederkehr. In der Ehemaligen nannte man Leute so, die per Wort oder mit handwerklichem Geschick die lichte Zukunft illustrieren konnten. Heute ist das wieder so. Doch gibt es auch ein Mehr. Das kommt daher, dass der ehemalige Westkünstler sich befleißigte, ununterbrochen die bösen Geister der Vergangenheit zu beschwören. Der gegenwärtige Kulturschaffende hat neben der lichten Zukunft nun auch die bösen Geister übernommen, letztere aber aus der Vergangenheit befreit, so dass sie den konsumierenden Zeitgenossen ununterbrochen ängstigen können.

In Sachsen werben die CDU-Direktkandidaten an den Laternen, ohne das Kürzel CDU zu erwähnen.

Im Buch Corona-Diktatur schrieb ich vor kurzem im Zusammenhang mit Merkels Handstreich auf das Amt des Thüringer Ministerpräsidenten über den regionalen CDU-Vorsitzer, dass man sich dessen Namen nicht merken müsse. Jetzt hängt er unter Namensnennung im Weimarer Land an den Bäumen und will in den Bundestag. Merke: Hat einer sich für seine Partei als blamabel unfähig erwiesen, versucht man, ihn in den Bundestag zu entsorgen.Vor meiner Haustür fand ich an der Laterne in Greifhöhe den Linken-Spitzenmann (die sog. Fleurop-Suse), deutlich überragt und außer Reichweite vom AfD-Kandidaten.

7. September 2021

Die Stadt Portland an der US-Westküste, wo der Straßenmob und die sog. Demokraten eine Symbiose bilden, verhängt einen Handelsboykott gegen Waren aus Texas. Der Grund: Das dortige Abtreibungsverbot verstößt nach Auffassung der in Portland Herrschenden gegen die Menschenrechte.

Texas (2): Die gleichnamige Stadt lockt mit einem gigantischen Steuergeschenk die Firma Samsung zum Bau einer Chipfabrik herbei. In D werden derweil die Steuermilliarden für Elektrospielzeuge der Firma Tesla in den märkischen Sand gesetzt.

6. September 2021Es tritt eine aus der FDP-Fraktion in Thüringen aus. Da waren’s nur noch vier und keine Fraktion mehr. Sagt deren Vorsitzer, dass das nichts mache. Zumindest spart der Steuerzahler, denn die doppelten Diäten, die das Parlament seinen Fraktionsvorsitzenden zuschiebt, sind für den Mann Geschichte. Das Mitleid ist begrenzt, denn mit etwas Rückgrat könnte er noch heute der Ministerpräsident des Landes sein – unabsetzbar bis zum Ende der Legislaturperiode.

5. September 2021

Leere: Die Bild bringt am Sonntag eine weiße Seite mit dem Hinweis, das sei der Platz für ein Interview mit Annalena Bb. gewesen. Besser lässt sich deren Kompetenz kaum darstellen.

Bild (2): Da ich nie Leser dieser Zeitung gewesen bin, kann sie mich demzufolge auch nicht zurückgewinnen. Ich ahne allerdings, dass die neuen amerikanischen Eigentümer von Springer Kohle sehen wollen. Daher das auffällige Abstandnehmen von Mainstream.

Ein Krankenbesuch wird überraschend verlängert. Das Auto gibt keinen Mucks mehr von sich. Ich tippe auf die Batterie, doch nicht einmal die Heckklappe lässt sich öffnen, um als Notnagel das Fremdstartkabel rauszuholen. Kein erbaulicher Zustand am späten Abend in der Thüringer Mittelgebirgseinsamkeit. Nach kurzer Beratung der Gastgeber erscheint einer aus dem Nachbardorf mit Batterie und Kabel. Während wir noch kramen, erzählt er von seinen Protestaktionen in der letzten Woche. Dann grinsen wir uns an, das war’s.

Batterie (2): Jahrzehnte der Autopraxis haben mich gelehrt, dass diese notwendige Kraftquelle ein Schwachpunkt ist. Doch ein modernes Auto, dass sich bei Batterieausfall weder öffnen, geschweige denn anschleppen lässt, das ist eine unnütze Addition von Störquellen. Gefährlich sind sie zudem.

4. September 2021

Dresden: Wenn einer über 250 km anreist, nur um mich sprechen zu hören, muss er wohl ein hartnäckiger Fan sein oder ein Dienstreisender.

Beim Hotelfrühstück klärt mich ein vorbeigehender Gast („Sie kenne ich doch“) über Hegel und die AfD auf. Ich stehe nicht auf, um ihm zuzuhören, denn das Ei, das ich gerade löffle, ist recht flüssig. Die Distanz bewirkt, dass die Ansprache in Saallautstärke stattfindet. Die zur Schau gestellte Reserviertheit der Mitesser an den anderen Tischen erscheint mir nachvollziehbar.In Pulsnitz in der Lausitz entdecke ich in einer großen Gärtnerei, in der ich mit landesüblichem nackten Gesicht eine große Papier-Tüte voller frischer grüner Bohnen kaufe, ein Schild, das sodann diskret den Besitzer wechselt.

3. September 2021

Die Lutherstadt Wittenberg verdankt ihren etwas angeberischen Namenszusatz der verblichenen DDR. Man besann sich auf das beste, nämlich sozialistische Deutschland, das es je gab. Der Luther-Name hat überlebt. Im Lutherjahr gab’s dann ordentlich Knete aus der Bundeskasse. Die Stadt ist heutzutage ein Schmuckstück. Doch deutlich ist die Diskrepanz zwischen Andenkenläden und der vornehmen Zurückhaltung der Kirchenoberen gegenüber ihrem Reformator. Ihnen ist dieser kluge und derbe Mann peinlich (Nazi-Verdacht).

Luther (2): Der Künstler und Geschäftsmann Lucas Cranach wohnte und arbeitete in einem stattlichen Gebäudekomplex am Markt (heute sehenswert restauriert und als kommodes Hotel ohne Fernseher genutzt und nutzbar). Cranachs Werk hat unsere bildliche Vorstellung der Reformationszeit geprägt. Wenn ich die Augen schließe und an Luther & Co denke, habe ich Cranach-Bilder vor Augen.

Luther (3): Für meine Kitschsammlung erstehe ich in einem weltlichen Laden einen 10 cm hohen Porzellan-Luther: Kutte mit starker zentraler Vorwölbung, Bibel unter dem Arm, Barett mit Ohrenklappe, selbstbewusste Züge mit einem Schuss Dreistigkeit.

Nochmal Wittenberg: Ein erstaunliches Publikum wartet daselbst auf mich. Es ist 20 Jahre jünger als üblich. Fast alle kennen einander. Als ich später an einem der Tische sitze, höre ich mehr als genug von den Ausschreitungen der Obrigkeit im Namen von Corona gegen die Untertanen, die man früher einmal als die Bürger bezeichnete.

2. September 2021

Auf den Personen-Plakaten der Grünen herrscht hellgrüner Nebel vor.Plakate (2): Die Personen-Plakate der SPD weisen in Aufbau und Farbgebung verblüffende Ähnlichkeit mit einschlägigen Exponaten aus der frühen Sowjetunion auf (links; rechts die moderne Zeller-Variante).

1. September 2021

Der Tag ist nach wie vor ein Solist im Jahr. Der Kriegsbeginn 1939 veranlasst den gemeinen Gutmenschen zu Zerknirschungsritualen. Ich empfinde eher grimmen Ärger über den unfähigen Kanzler, der weder die Einkreisung Deutschlands, noch die Stärke der feindlichen Kriegskoalition richtig einzuschätzen wusste und das Land durch seinen Größenwahn ins Verderben stürzte.

Einkreisung (2): Man stelle sich auf den Brocken, drehe sich um 360 Grad und stelle sich die Frage, mit welchem der Anrainer es die Kanzlerin nicht versemmelt hat.Einkreisung (3): Selbst die Luxemburger riskieren eine große Lippe, von den Polen ganz zu schweigen.

31. August 2021

An das Nachbartischchen des Lieblingscafés in Rom setzt sich ein Mann, der eine bauchige Papiertüte neben sich abstellt. Er entnimmt der Tüte einen kleinen Stapel Bücher, offensichtlich neue Bücher, deren Umschläge er genüsslich streichelt. Dann wägt er die Bücher in der Hand ab, wählt eines aus und liest sich fest. Die winzige Tasse bleibt unberührt. – Befriedigt stelle ich fest, dass es auch anderswo Leute gibt, die das Erlebnis des neuen Buches kennen. Unbedingte Requisiten sind eine gut bestückte Buchhandlung und ein Café in der Nähe. Ich kannte mal so einen Ort in Berlin-Dahlem. Dafür machte ich auch unbequeme Umwege. – Als der Hermes-Bote mit einem Bücherkarton kommt, den er in den Hausflur wirft, fällt mir plötzlich das Römische Café ein. Verrückt, aber wahr.

Und nun zum Wetter: Der August endet, wie er begonnen hat, dicht bewölkt und kalt. So eine Art Hochsommerwetter am Rande eines deutschen Mittelgebirges. Nachts am Schreibtisch dicke Socken angezogen.

Beim nächtlichen Lesen einige Zahlen bemerkt: Die Grippe-Saison 2020/21 betraf 854 Infizierte. Es wird nicht einmal ein vager Versuch unternommen, das de-facto-Verschwinden der Grippe zu erklären.

Zahlen (2): Es sind seit März 2020 rund 92.200 Leute an oder mitCorona in D gestorben. Diese Zählweise „an oder mit“ des amtlichen Gesundheitswalters Lothar W. ist so blödsinnig, dass einen das Fremdschämen überkommt.

Zahlen (3): Nun haben deutsche Mediziner und Statistiker die hierzu vorgelegten Quellen nachvollzogen und kommen zu dem Ergebnis, dass die eigentlich interessante Zahl, also an Corona verstorben, bestenfalls 20 % ausmache. Dann sind wir bei 18.440 Corona-Toten.

Zahlen (4): Die US-Gesundheitsbehörde hat offenbar dieselbe Arbeit nunmehr erledigt. Sie sagt, das rund 5 % der gemeldeten Toten an Corona gestorben seien. Auf D übertragen, bedeutet das 4.610 Corona-Tote.Zahlen (5): Die Grippesaison 2017/18 galt als schwer. In ihr wurden rund 25.000 Grippetote gezählt. Mehr muss man dazu nicht sagen.

Die Kaste ohne Maske: Das ist klar, man ist unter sich. Es ist eine Lage nationaler und so weiter, und von Tragweite ist sie auch. Kann mir das gestelzte Gefasel nicht mehr merken.Ohne Maske (2): Bei der Dame in Violett sehe ich nicht mal einen Slip. Kann man verstehen, denn Covid-19 überträgt man mehr oben und nicht unten.

30. August 2021

Schubert-Nachklang vom Vortag: Nachts Kontrollblick in die Luther-Bibel. Du sollst Vater und Mutter ehren. Die 80jährige Schubert hatte ihr Leben lang angenommen, da stünde: Du sollst Vater und Mutter lieben, bis eine junge Pastorin sie korrigierte. Offenbar fiel ihr danach ein Stein vom Herzen.

Schubert (2): Ihr jüngstes Buch, das sind wieder diese kurzen Geschichten. In einigen die Mutter im Mittelpunkt einer dramatischen Mutter-Tochter-Beziehung. Doch das wäre, wenn es nur das wäre, nicht viel. Es sind die Beobachtungs- und die Erzählkunst, die sprachlos machen.

Bibel (2): Aber auch das: Im Luther-Text im Anschluss an die 10 Gebote einfach weitergelesen. Sozusagen die Nebenbestimmungen des Rechts. Davon hörte ich während meiner Schulzeit nie.

Bibel (3): Arbeits- und Sachenrecht, archaisch: Gibt der Herr dem Knecht ein Weib und lässt er den Knecht im siebten Jahre frei, fällt das Weib an den Herrn zurück. Gefällt es dem nicht, gibt er’s an seinen Sohn weiter. Stelle mir vor, dass das den einen oder anderen Vater-Sohn-Konflikt auslöste, denn, wenn diesem das Weib auch nicht gefiel, hatte er womöglich einen Ladenhüter am Bein.Bibel (4): Abschweifung der Gedanken in jene Gegenden, in denen man das Alte Testament noch heutzutage für geltendes Recht hält, selbst wenn die Überzeugten sich Christenmenschen nennen. Wenn man das weiß, reduziert sich das Verwundern. Nebenbei bemerkt: Die Unterschiede zum Koran sind bestenfalls geschmacklicher Art.

29. August 2021

Vor drei Tagen auf Zuruf ein Buch von Helga Schubert gekauft (Globus-Intelligenz-Abteilung). Zum Glück war kein Aufpapper als Spiegel-Bestseller drauf. Hätte es sonst nicht getan. Heute den Tag über gelesen. Ich bin fasziniert von der Erzählkunst.

Schubert (2): Andere, weit ältere Bücher in der Bibliothek entdeckt. Offensichtlich nicht von mir erworben. Eines mit einer Widmung aus den 1970er Jahren. Gelesen und die Portraits der Autorin in den verschiedenen Bänden aus den Jahrzehnten betrachtet. Das wache Gesicht.Schubert (3): So ist ein ganzer Sonntag ins Land gegangen. Mit Lesen und Gesprächen. Abends zum Ausgleich Film mit Peter Sellers.

28. August 2021

Das sind ja wieder tolle Nachrichten aus den USA: Die Arzneimittel-Zulassungsbehörde genehmigt den Stoff von Pfizer (Corminatiy). Gleichzeitig wird mitgeteilt, dass das selbe Gebräu, das von der europäischen Behörde vorläufig zugelassen wurde, weiter verbraucht werden darf. Das ist nicht ohne Reiz, denn nur der (endgültig) zugelassene Stoff unterliegt der dortigen Produkthaftung, der andere tut es nicht. Der Unterschied wird so begründet: Niemand muss sich mit einem Versuchsprodukt impfen lassen.

Versuchskaninchen (2): Ob der Impfling (schönes Wort) mit dem einen oder dem anderen Stoff geimpft wird, kann er theoretisch erkennen, wenn er sich die Pulle zeigen lässt. Wäre ich der Impfstoff-Hersteller, würde ich entdecken, dass ich noch unbegrenzt viele Etiketten für den Versuchsimpfstoff von Biontec/Pfizer besitze, die nur darauf warten, aufgeklebt zu werden.

Versuchskaninchen (3): Die Zwangsimpfung mit Versuchsmedikamenten ist in den USA und anderswo verboten. Die Gleichstellung des Versuchsimpfstoffes mit der Endzulassung hebelt dieses Verbot de facto aus.

Versuchskaninchen (4): Man kann die Uhr danach stellen, dass sich unsere Gesundheits-Experten darauf berufen werden, der Stoff habe in den USA die End-Zulassung. Lauterbach übernehmen Sie.Versuchskaninchen (5): Passend wäre jetzt eine weitere Impfkampagne der Bundesregierung unter dem Motto „Das Sterben der anderen“.

In Ramstein sind mittlerweile Zehntausende von Afghanen, von der US Air Force entsorgt.

Mit der Waffe in der Hand: Das sieht man in D nicht oft, dass ein deutscher General mit dem schussbereiten Sturmgewehr zu den Reportern im Inland spricht. So gestern Brigadegeneral Jens Arlt, der die übers Knie gebrochene Afghanistan-Aktion der Bundeswehr kommandierte, von der er zurück ist.

Bewaffnet (2): Wo bleibt da die Gutmensch-Presse mit ihren Friedlichkeits-Empörungsritualen? Denn der Mann sieht nicht so aus, als wäre er gerade auf einer Ich-bringe-die-niedlichen-Mädchen-zur-Schule-Mission gewesen. Der hat noch andere Bilder vor Augen. Er trägt das Gewehr so, dass er sofort damit schießen kann.Bewaffnet (3): Der Auftritt von Arlt ist ein demonstrativer Akt eigener Art (seine ordnungsgemäße Waffe sei eine Pistole, so sagte mir gerade ein Con-General). Für mich stellt der Auftritt klar, wer hier der Waffenträger der Nation ist. Eine Begrüßung durch diejenigen, die den sinnwidrigen Einsatz befohlen haben, ist offensichtlich entbehrlich. Dennoch ist die Dame mit dem verwirrenden Namen erschienen. Vermutlich war sie mit dem Flammkuchenbacken fertig.

26. August 2021

Während die Grünenspießer sich am deutschen Liedgut laben, teilt der Chef von Pfizer, Albert Bourla, mit, er halte es für wahrscheinlich, dass es eine Virus-Variante geben werde, die den Infektions-Schutz, den sein Impfstoff biete, aushebeln werde. Wie sagt das treffliche Sprichwort? Der kluge Mann baut vor.

Ansagen zum Impfstoff (2): Mit Muße betrachte ich das Gesicht dieses Coronagewinners.

Ansagen (3): Der Bundestag trifft sich, um die Verlängerung des Notstandes zu beschließen. Wurde höchste Zeit, schließlich sind deutschlandweit 800 Leute ernsthaft an Corona erkrankt – für die Zahl übernehme ich keine Garantie. Es gilt der Grundsatz: Zahlen sind Schall und Rauch.

Gleichzeitig erfahren wir aus dem Munde der Gesalbten, dass wir alles richtig gemacht haben. Deswegen müssen wir jetzt ein bisschen zusammenrücken, damit die, die mit uns zusammen alles richtig gemacht haben, ein Plätzchen an Rhein, Main und Spree finden.

Alles richtig (2): Die diversen Zentralräte schweigen vor lauter Zustimmung. Ist eigentlich irgendwie angenehm, dieses Schweigen.Alles richtig (3): Bernd Zeller schickt mir seinen Kommentar:

25. August 2021

Die Grünen haben eine perfekte Selbstdarstellung ins Netz gestellt. Öde Spießer grillen vor ihrem Einfamilienhaus auf dem politisch korrekten Gasgrill politisch korrekte Ekel-Bratlinge.Öko-Spießer (2): Die singen auch noch zu allem Überfluss: „Ein schöner Land in dieser Zeit | Es regt sich Aufbruch weit und breit.“ Man soll ja nicht ständig meckern, aber ich hätte passend gefunden: „Heute roden wir den Westerwald | Und machen dort die Vögel kalt.“

24. August 2021

Universitäre Reinigungskräfte ringen um die Krone des Wahnsinns. Im Moment liegt das Vereinigte Königreich vorn, wo soeben ausgerechnet an der Universität zu Canterbury der Dichter Geoffrey Chaucer (ca. 1340-1400) aus den Kanon englischer Literatur entfernt wird. Seine Canterbury Tales sind nicht die Urstücke englischer Sprache und Dichtkunst, sondern der Beleg dafür, dass der Mann ein Vergewaltiger, Rassist und Antisemit gewesen sei.

Cancel (2): Germanisten aufgepasst. Das dürfen wir nicht auf uns sitzen lassen. Vom Nibelungenlied kennt man leider den Autor nicht. Er wäre es allemal wert, bei Worms im Rhein versenkt zu werden. Aber was ist mit Walter von der Vogelweide, was mit Wolfram von Eschenbach?Cancel (3): Im Nibelungenlied kommt, soweit ich weiß, kein einziger – na, Sie wissen schon – vor, dafür, wenn ich dem Regietheater glauben darf, jede Menge Nazis. Diese zu entsorgen, wäre die Sache wert.

23. August 2021

Die Ortskräfte der nationalen Zerstörung haben ein neues Kuscheltier entdeckt, den Afghanen. Deswegen demonstrierte die Seebrücke gestern für dieselbe nach in dem Hindukusch.

Für normale Menschen lautet die Lehre aus dem Hindukusch-Desaster: Wir hatten dort nichts verloren. Es ist nur eine winzige Denkleistung notwendig, um zu folgern: Die Leutchen von dort haben bei uns nichts verloren.Exklusiv fürs fortschrittliche Kinderzimmer: der Hindukuschel.
Eine totsichere Methode, den Protest gegen das Regierungshandeln zu beenden, wäre die Besteuerung des Einsichtsvermögens.

22. August 2021

Nun gilt es unter Politik-Experten als ausgemacht, dass seit der Unabhängigkeitserklärung alles Wesentliche aus den USA stammt. So der Grundsatz, der als Basis die Grundlage aller Fundamente bildet. Einfacher ausgedrückt: für Geld kann man alles haben. Das gilt auch für die sog. Cancel Culture, also das Totmachen von Gegenstimmen. Bei Cancel Rent lässt heutzutage derjenige arbeiten, der sich nicht gern die Finger schmutzig macht. Eine amerikanische Erfindung? Nein. Ich denke mal, die Urheberrechte liegen bei Reinhard Mey. Die etwas Älteren unter den schon länger hier Lebenden werden sich an dessen Ballade vom sozialen Aufstieg des Fleischermeisters Fred Kasulzke erinnern.

Der Experte ist einer, der zu Wort kommt, wo nachvollziehbare Erklärungen nicht möglich sind. Sind sie indessen möglich, bedarf es mehrerer Experten, damit die Wahrheit nicht so ungeschminkt ans Tageslicht kommt.

Mein Lieblingsexperte ist der Terrorismus-Experte. Er erklärt nach der Bluttat, warum die so kommen musste. Die richtige Frage an ihn wäre: Warum haben Sie das vorher nicht gesagt?

Im Moment befindet sich der Taliban-Experte auf der Überholspur. Wenn in seinen Ausführungen von Islamistinnen die Rede ist, so reizt das, ihm zuzurufen: Kuck denen mal unter den Kittel. Wenn du anschließend den Kopf noch heben kannst, dann weißt du Bescheid.Man erinnert sich: Vor einiger Zeit wurde unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt. Das wurde jetzt abgeblasen, um das verräterische Wort Freiheit aus der Debatte zu verbannen. Ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Wie sagen doch die Labermäuler seit Jahren? „Wir müssen die Menschen abholen.“ Wie wahr, wie wahr.

21. August 2021

Dass es sich bei Corona nicht um Volksgesundheit, sondern um eine Religion geht, wird einem bewusst, wenn man sich das Verbreitungsgebiet ansieht. Dieses ist identisch mit den Regionen des ehemaligen Christentums. Ebenso wie dieses soll es universell gelten, also eine weltweite Herrschaft beanspruchen. Tut es aber nicht. Auch die Accessoires wurden übernommen: Es gibt eine allgegenwärtige Priesterkaste, gewaltige Geldmengen werden bewegt (diesmal allerdings nicht gen Rom), Bußen auferlegt und ein ewiges Leben versprochen. Lediglich die Zahl der Kamele hat sich dort, wo sie, biologisch gesehen, nichts zu suchen haben, drastisch vermehrt. Aber die Funktion ist dieselbe geblieben: Früher führte man sie zur Krippe, jetzt auch. Und schließlich: Ungehemmt arbeitet die Inquisition. Was noch fehlt, ist ein Fall von Wiederauferstehung.

Schnell noch etwas Weltliches: Morgens um halbsechs ist es am Schreibtisch so kühl, dass ich einen Pullover überziehe. Seit Tagen ist es in Mitteldeutschland herbstlich, nach dem Kalender Hochsommer. Dass es sich hierbei um die Folgen der Erderwärmung handelt, ist das Dogma einer anderen Religion.

Religiöses (3): „die Militäroperation ‚Enduring Freedom‘ in Afghanistan ist vorbei. Die Taliban haben wieder das Sagen. Und was ist jetzt mit den Menschenrechten?“ fragt mich am frühen Morgen Sibylle von der Evangelischen Akademie. Die richtige Antwort, aber nicht für Sibylle, wäre: Nichts, denn soeben erst wurde im Praxistest nachgewiesen, dass die universell geltenden Menschenrechte ein Hirngespinst sind, das außerhalb des Kern-Glaubensgebiets von Europa und Nordamerika lediglich als koloniale Einflusswaffe verwendet worden ist, um nachzuweisen, dass es keinen Kolonialismus mehr gibt. Der Nachweis ist soeben – wieder einmal – misslungen.Religiöses (4): Von Zeit zu Zeit seh‘ ich den Alten gern. Das ist fürwahr eine teuflische Schmeichelei. Andererseits: Wer würde das nicht gern mal gesagt bekommen.

20. August 2021Das neue Zauberwort an der Impffront heißt Booster (sprich: Buhster). Damit wird den zweimal Geimpften klar gemacht, dass das, was man ihnen bislang verpasst hat, nicht so unbedingt schützt, jedenfalls nicht gegen das Virus Sars-CoV-2 in seinen verschiedenen Varianten. Jetzt kriegen die Impflinge ab September eine Zusatzdröhnung, die es ultimativ bringen soll – den Booster. Das klingt ein bisschen nach Porsche Turbo. Witzig auch, dass im Amerikanischen eine der Bedeutungen des Wortes Booster Preistreiberei ist.

19. August 2021

Deutsche Fallschirmjäger und Kommandosoldaten sollen Menschrechtsaktivisten aus Afghanistan rausholen. Zwiefaches Verwundern: (1) Dachte bis gestern, alle deutschen Kampftruppen seinen wg. Naziverdachts aufgelöst worden. (2) Hatte noch vorgestern im Ohr, dass die deutschen NGO’ler mit den Taliban auf Augenhöhe verhandeln wollten. Jetzt haben sie offenbar Schiss.

Deutsche Soldaten mit Kampfauftrag? Wehe, wenn da ein Schuss fällt. Auffällig auch, dass von Soldatinnen nicht die Rede war. Schwangeren-gerechte Sturmgewehre schießen vermutlich nicht geradeaus genug.

Die Oberbefehlshaberin backt derweil Flammkuchen. Das kann man nur loben, denn in dieser Zeit kann sie nichts versemmeln. Die Führerin macht derweil einen auf Mutter der Kompanie. Das wird die Soldaten vom AfD-Wählen kaum abhalten.Über 100.000 US-Amerikaner sind nach Auskunft des Weißen Hauses noch in Afghanistan. Soviel Menschenrechte waren nie. Oder was wollten die dort?

18. August 2021

Monatelang wurde der Staat Israel gelobt, weil er die Impfung der Bevölkerung konsequent durchzog. Biontec/Pfizer lieferten den Stoff der Wahl. Jetzt bestimmen die hohen Infektionszahlen dortzulande die Schlagzeilen. Der große Menschenversuch zeigt also die ersten schlichten Ergebnisse. Diese lauten: Die Impfung schützt vor Ansteckung nicht. Sie bewirkt nicht einmal, dass die Infektionszahlen niedriger bleiben als anderswo – ganz im Gegenteil.

Menschenversuch (2): Eine Massenimpfung mit einem nicht erprobten Stoff ähnelt deswegen nicht dem Russisch Roulette, weil bei diesem bestenfalls Einzelpersonen tot umfallen, die es wegen offensichtlicher Todessehnsucht kaum besser verdienen.

Menschenversuch (3): Der Wissenschaftler am MIT, der aktuell die verheerenden Ergebnisse des israelischen Impf-Haurucks untersucht hat und jetzt einschließlich der alarmierenden Impffolgeschäden öffentlich macht, heißt Refzet Levi. Das ist deswegen nicht ganz unwichtig, da man ihm den Antisemitismus als Motiv kaum wird unterstellen können.Menschenversuch (4): Warum ausgerechnet Israel? Die Antwort, mein Freund, kennt nicht einmal der Wind.

F-Wort: Die Gazetten berichten im Ton der Empörung, dass in Sachsen rätselhafte Schriften gesichtet worden seien. Da hätten Unbekannte das Wort Freiheit mit Hilfe einer Schablone auf die Straßen und Plakatwände gepinselt. Gottlob ermittelt der Staatsschutz.

F-Wort (2): Die Sache ist nicht ganz neu. In den 1950er Jahren gab es die F-Kampagne in West-Berlin, als Unbekannte drei F und das Wort Freiheit in den Abteilen der S-Bahnwagen anbrachten, die notgedrungen durch den Westteil der Stadt fahren mussten. Das frisch installierte MfS ermittelte.

F-Wort (3): Wer hätte das gedacht? Der Ruf nach Freiheit stempelt den Rufer zum Verfassungsfeind. So kehrt das frühe 19. Jahrhundert zurück. Die einschlägigen Staatsfeinde hießen nur ein bisschen anders, man nannte sie Demagogen (Turnvater Jahn und Konsorten, preußischer Ermittlungsrichter war ein gewisser E.T.A. Hoffmann).

F-Wort (4): Statt des F könnte man auch das Doppel-G wählen, denn das ist die gängige Abkürzung für das Grundgesetz.

17. August 2021

Gezeitenwechsel: Früher hatte ich Sorge, mir könnten die Themen ausgehen, heute denke ich, es könnte die Zeit nicht reichen.

Ein langer Tag ist einer, an dem ich abends feststelle, nichts geschafft zu haben. An guten Tagen verfliegt die Zeit im Nu.

Der Unterschied zwischen Gegner und Feind ist Jahrzehnte lang in Abrede gestellt worden. Selbst Feinden wurde der Status des Gegners zugebilligt, ganz so als könne man mit ihnen etwas Vernünftiges aushandeln. Wo Stich- und Schusswaffen regieren, sind die Verhältnisse wieder klargestellt.Feindbild (2): Wenn ich jemanden als Feind bezeichne, zuckt Gutmensch entrüstet zusammen und beeilt sich nach Überwindung der Schrecksekunde, Hilfstruppen anzufordern, die mich fertigmachen sollen.

16. August 2021

Das vor Tagen mit Markus Gärtner geführte Interview zur Corona-Diktatur ist online. Mal sehen, wie lange es dort bleibt. https://www.youtube.com/watch?v=nV3iKgYDU04&t=10s.Angeblich sind wir – wer immer das sein mag – überrascht worden von der Schnelligkeit der Machtübernahme der sog. Taliban. Lese hierzu die tollsten Ansichten, nur ein Thema wird kaum behandelt: Dass es nämlich einen Nationalstaat Afghanistan nur in den Hirnen von West-Weltlern gibt, der seine fiktive Existenz dem Zusammenprall der Kolonialmächte Großbritannien und Russland in jener Ecke der Welt vor rund 150 Jahren verdankt. Die Realität der fünf, sechs Bergvölker, die einander spinnefeind sind, wurde seither souverän ignoriert. Sie werden nach dem Abzug fremder Besatzer erneut für Blutbäder der Sorte Auge-um-Auge Zahn-um-Zahnsorgen. Das ist sicher. Sicher ist auch, dass Gutmensch weiterhin Steuermillionen dort verschwenden wird, um sein Irresein zu bemänteln.

15. August 2021

Politisch korrekter Sonntag: Vormittags vegetarischer Waldspaziergang (= kein Tier gesehen). Schuhe total durchweicht. Das ist die Strafe dafür, dass ich immer noch spanische Sommerschuhe aus Leder trage. Nachmittags zum fair gehandelten Kaffee Milch aus Bayern mit der Aufschrift „klimaneutral“. Na also, geht doch. Abends zum Gin (wieder aus Spanien, obwohl bekannte englische Marke) Tonic von Schweppes (sprich: Sssschweppss). Die Flasche versichert, dass der Inhalt vegan sei. Das Postulat erzeugt Trunkenheit mit gutem Gewissen.

Korrektes Trinken (2): Ich könnte auch einen fröhlich Weißwein aus Portugal trinken. Aber, wenn ich an all die mitverarbeiteten Rebläuse denke…

Korrektes Trinken (3): Das wichtigste – vor allem im Kollektiv – ist die Leichenbittermine, denn Frohsinn kann angesichts der Welt-Uhrzeit (fünf nach zwölf) nicht mehr geduldet werden.Korrektes Trinken (4): Nur noch nach Impfung und mit Maske. Letztere dämpft das Lallen.

14. August 2021

Habe eine Petition unterschrieben. Kein gutes Gefühl dabei. Nicht wg. des Inhalts, sondern weil ich mich als Bürger nicht freiwillig selbst zum Bittsteller degradieren mag. Ich weiß zudem, dass die Petition völlig zwecklos ist. Die Reaktionen meiner Leser waren ungewohnt bitter. Die Zersetzung der Denkenden schreitet munter voran.Zersetzung (2): Vernehmer: Sie wollen also das demokratische System abschaffen! – Beschuldigter: (schweigt). – Vernehmer: Nun gut, Sie haben am 13. August eine Petition unterschrieben, in der Sie die Demokratie in Abrede stellen. – Beschuldigter: Den Corona-Wahnsinn. – Vernehmer: Na also, warum nicht gleich so.

Unpolitisches: Wer den Hopfen nicht von der Gerste unterscheiden kann, sollte sich beim Bierbrauen Zurückhaltung auferlegen.

Unpolitisches (2): Wenn ein Narr den Narren predigt, wird Narretei zum Evangelium.

Unpolitisches (3): Man kann Beliebiges darauf wetten, dass deutsche Professoren im Falle von 1 und 2 das Gegenteil beweisen können.

Unpolitisches (4): Folgt-der-Wissenschaft ist die Beschwörungsformel, die vor dem Veitstanz der Klima- und Corona-Besoffenen lauthals aufgesagt wird.Unpolitisches (5): Bei der Suche nach meinen diversen Impfausweisen – es geht nicht um Corona – finde ich stattdessen in meiner Sammlung von Fahndungskuriositäten einen Internationalen Führerschein. Der Vordruck lautet: Angaben über den Führer. Da kann man nur sagen: Hilfe, da wurde den Anfängen nicht gewehrt. Zum Glück gibt es heutzutage nicht einmal mehr Reiseführer. Wikipedia-Fälscher, übernehmen sie.

13. August 2021

Während andere selbstbeweihräuchernd des Mauerbaus gedenken (frage mich im übrigen, was es da zu gedenken gibt ­­– über die Toten lasse ich mit mir reden –), entdecke ich, das es in D einen Ort 76831 Impflingen gibt. Äächt.

Mauerbau (2): Das Problem Berlin wäre lösbar, natürlich nur rein theoretisch. Früher sprach man von der Insellage (West)-Berlins und es gab das Kabarett Die Insulaner. Jetzt gibt es einen Regierenden Müller.In D nichts Neues.

Nichts Neues, sondern nur ein Nachtrag. Frage: Wie geht’s den Impflingen? Wer sind diese, die Schlange-stehenden oder die Abgefertigten? Fragen über Fragen.

US-Boss Sleepy Joe hat festgestellt, dass es in seinen USA 350 Mio. Geimpfte gibt. Das sieht nach sozialistischer Planübererfüllung aus, denn das Land hat bestenfalls 330 Mio. Einwohner (Zahl ist nicht genau bekannt).

Wenn einer sich um 20 Mio. Einwohner verschätzt, in einem 330 Mio.-Land, das er zu führen vorgibt, nennt man das Demenz oder statistisches Rauschen?Offenbar durch Bidens Aktivitäten angestachelt, wollen Robert Kochs Nachfolger eine Meinungsumfrage abhalten, wie viele Geimpfte es in D gibt. Ich dachte, die würden gezählt. Offenbar ein Irrtum. Bleibt die Frage: Wenn ich als Befragter nun der Meinung bin, dass ich geimpft wurde, obwohl das gar nicht stimmt, bin ich dann geimpft oder nicht?

12. August 2021

Na, also: Youtube sperrt den Arzt und US-Senator Rand Paul wg. seiner Ansichten zur Covid-19-Politik. Welcher Zensor lässt sich schon gern als kleiner Tyrann bezeichnen.

Im US-Staat Oregon (Pazifikküste) wird fürderhin für das Studium nicht mehr der Nachweis benötigt, dass der künftige Student lesen, schreiben und rechnen kann. Das ist dieselbe Weltgegend, wo vor anderthalb Jahren der gewalttätige Pöbel in der Stadt Portland die Macht übernahm – eine Hochburg der sog. Demokraten.

In D nichts Neues.

In Dresden vor einigen Tagen Ein spanisches Testament von Arthur Koestler gekauft. Nach Lektüre im einschlägigen Regal einsortiert, dabei festgestellt, dass dort bereits ein Exemplar stand, das ich im März 1994 las. Damals war ich noch penibel genug, solche Daten im Buch zu vermerken. Erstaunlich bei der jetzigen Lektüre, dass sie keine Erinnerung weckte. Weiß demzufolge nicht, ob ich vor Jahren schon den Verdacht hatte, dass er unmöglich diesen Text während der Haft verfasst haben könnte. Machte mir einen Spaß daraus, die beiden von den Verlagen verfassten Lebensläufe zu vergleichen:

Hübsch auch: Im älteren Text (Fischer-Verlag) begeht Koestler wie in Wirklichkeit Selbstmord. Heutzutage wird das nicht für erwähnenswert gehalten.

11. August 2021

Wir müssen ihre Auflagen nicht akzeptieren, ihre Lockdowns und die ganze schädliche Politik der ganzen kleinen Tyrannen und Bürokraten. Wir können einfach sagen: Nein! Nicht schon wieder (der Arzt und US-Senator Rand Paul).Eine Frau wird in Deutschland wegen Körperverletzung angeklagt, weil sie trotz Positiv-Test ein Krankenhaus betreten hat, um einen Angehörigen zu besuchen. Wer wurde verletzt? Niemand.

10. August 2021

Kanzlermathematik: „Nachdem im Frühjahr die Infektionszahlen gesunken sind und sich im Sommer auf niedrigem Niveau befunden haben, steigen sie seit einigen Wochen wieder an.“ Hier nun die Übersetzung ins Klardeutsche für alle, die sich im Jahreszeitenkalender noch vage auskennen: Nachdem der Sommer vor einigen Wochen begonnen hat, ist er gleichzeitig beendet worden. Aus diesem Grunde war es möglich, dass niedriges Infektions-Niveau und Anstieg gleichzeitig stattfinden konnten.

Kanzlermathematik (2): Wer schwachsinnige Grundbehauptungen akzeptiert, sollte sich über blödsinnige Schlussfolgerungen nicht wundern.Kanzlermathematik (3): Wer mir das Erdenken von Absurditäten unterstellt, hat die Beschlussvorlage aus dem Kanzleramt von heute Nacht nicht gelesen, mit welcher die heutige Bundländer-Video-Schaltkonferenz eröffnet wird, deren Ziel es ist, die verfassungswidrige Notstandsgesetzgebung über den 15. September hinaus zu verlängern.

9. August 2021

Über den Daumen: 15 Millionen deutscher Bürger schaffen durch ihre Arbeit das Einkommen, aus dem die Fütterungskosten der übrigen 68 Millionen Einwohner entnommen werden. Zieht man von den Alimentierten die Zahl von 15 Millionen ab, die aus Altergründen noch nicht wählen dürfen, so zeigt sich das Missverhältnis innerhalb der Wählerschaft bei allgemeinen und gleichen Wahl in aller Schönheit, nämlich 15 : 53, oder: 1 : 3,5. Mit andern Worten: Die Arbeitenden haben nichts zu bestimmen, und die Alimentierten haben keinen Anlass, dies zu ändern.

Daumen (2): Durch Absenken den Wahlalters lässt sich das Missverhältnis zuungunsten der Arbeitenden mit einem Federstrich auf 1 : 4 verändern.Daumen (3): Da die Arbeitenden durch ihr Wahlverhalten nichts ändern können, braucht die Politik auf sie keine Rücksicht zu nehmen. Von Bedeutung sind vielmehr nur zwei voreinander unterscheidbare Regelungsbereiche: (a) der Brot-und-Spiele-Komplex für die Masse und (b) der Perpetuum-mobile-Komplex für die Selbstbediener. Alle derzeitigen politischen Maßnahmen lassen sich diesen beiden Komplexen mühelos zuordnen.

8. August 2021

Mehr Demokratie wagen: Der Werbeslogan von Willy Brandt hat sich dem halbgebildeten Michel so tief eingeprägt, dass er glaubt, man könne diesen Merksatz auch auf Mensch und Tier übertragen. Das führt zu Fehlvorstellungen über das Abrichten von Hund und Pferd. Da Gutmensch in aller Regel nicht zu Pferd sein Ziel erreicht, sieht er sich berechtigt, moralisch hoch zu Ross, eine Olympiareiterin zu verdammen, die ihr Pferd, wenn auch vergeblich, über das Hindernis zu zwingen versucht.

Hoch zu Ross (2): Den Namen einer Medaillenhoffnung hätte ich mir mit Sicherheit nicht gemerkt – ich hätte ihn nicht einmal zur Kenntnis genommen –, jetzt kenne ich ihn: Annika Schleu. Sie ist blond, weiß und eine Fünfkämpferin im Weltformat. Und ihr wurde ein erprobt ungeeignetes Pferd untergewuchtet. Kein deutscher vollgefressener Sportfunktionär hat protestiert. Mainstream plustert sich stattdessen auf, dass sie das Pferd auf Kurs zwingen wollte, und behauptet, die junge Frau könne nicht richtig reiten.

Hoch zu Ross (3): Das Vorgehen, das sich Gutmensch gegenüber Andersdenkenden, großspurig Folgen erheischend, leistet, ähnelt verblüffend dem, was ihm am Verhalten von anderen so grässlich missfällt. Es ist Erregung im Schutze der Meute.

Fake macht Spaß:  Eine bisher unerprobte Quelle meldet, dass die Linke, um ein Zeichen zu setzen, ihren früheren Vorsitzenden in Wilhelm Pieks hat umbenennen lassen. Das Bild zeigt ihn (noch als Wilhelm Pieck) im Januar 1919 in Berlin, wo er auf offener Straße ein Hoch auf Rätedeutschland ausbringt. Nicht im Bild: Kurz zuvor stand er auf dem Flur des Berliner Hotels, in dem die Gardekavallerie-Schützendivision ihr Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Es war der Moment, als die Genossen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht aus ihren Verstecken herausgeholt worden waren und als Gefangene dort eingeliefert wurden, um nach kurzer Identifizierung ihrer Ermordung entgegenzugehen. Lange Zeit habe ich mich gefragt, wer sie wohl verpfiffen und sodann identifiziert haben mochte.
Fake (2): Aus derselben Quelle stammt, dass Buhrow, Kleber & Co von der Rundfunkgebühr befreit wurden.

Kalenderblatt der Dienste II

Das Kalenderblatt der Dienste ist ein Kind des Lexikons der Geheimdienste im 20. Jahrhundert, das ich – zusammen mit Stefan Schäfer und Matthias Uhl – im Jahre 2003 herausbrachte. Es entwickelte sich in den Folgejahren weiter zu einem Umfang, der es ausschließt, veröffentlicht zu werden. Jetzt, nach Jahren, mache ich mir einen Spaß daraus, den Leser in eine Art Chronologie ab und an hineinsehen zu lassen. Leider ist dieses Verfahren aufwendiger, als ich es mir vorgestellt hatte, denn immer wieder gerate ich in Zweifel, ob das, was das steht, auch stimmt, so dass neue Recherchen nötig werden.

16. September 2021 – 120. Geburtstag der sowjetischen Agentin Jeanne Großvogel-Pesant; 60. Todestag des sowjetischen Geheimdienst-Funktionärs Wolf Stern; 125. Geburtstag des Theologen und Mehrfachagenten Eduard Winter; 110. Geburtstag des sowjetischen Fallschirmagenten Franz Berger

Jeanne Großvogel-Pesant (16.9.1901 Bevere-Audenarde/Belgien-6.7.1944 Berlin, hingerichtet), ?Französin, sowjetische Agentin. Ehefrau und Helferin des Agenten Leo Großvogel. Sie leitet die Ostender Filiale der Tarnfirma Le Roi du Caoutchouc, wird bei der Fahndung nach der Roten Kapelle am 25.11.1942 festgenommen und am 6.7.1944 durch Enthaupten in Berlin-Charlottenburg hingerichtet.

Wolf Stern (urspr.: Jonas Leib Stern) (15.12.1897 Woloka/Bukowina/Österreich-Ungarn-16.9.1961), sowjetischer Geheimdienst-Funktionär, deutscher Offizier. Bruder von Manfred Stern. Im Ersten Weltkrieg als Fähnrich in der k.u.k. Armee; danach in der rumänischen Armee; aus dieser in den 1920er Jahren in die Sowjetunion desertiert. Tätigkeit für die GRU; Auslandseinsätze in Wien (Ende der 20er Jahre) und Paris (Anfang der 30er Jahre) und Spanien. Anfang 1939 erneut in der Sowjetunion. 1941-50 in der Kriegsgefangenenarbeit des NKWD; dabei 1944/45 für die kommunistische Umerziehung des Feldmarschalls Friedrich Paulus eingesetzt. Anfang der 1950er Jahre verhaftet, unter Hausarrest gestellt. Mitte der 1950er Jahre Ausreise in die DDR, dort Offizier der NVA, zuletzt Oberst und Leiter des Instituts für Militärgeschichte.

Eduard Winter, Prof. Dr. theol. (16.9.1896 Grottau/Nordböhmen-3.3.1982 Ost-Berlin), Theologe, Wissenschaftler, Mehrfachagent. 1915-19 Studium der katholischen Theologie und der Geschichte in Innsbruck. 1919 Priesterweihe, sodann bis 1945 an der Deutschen Universität Prag, dort Promotion und Habilitation, 1929-41 Professor für Kirchengeschichte, 1941 als Mitglied der SS von den priesterlichen Amtspflichten entbunden, Professor für Geistesgeschichte; zugleich mindestens 1945 als Mitarbeiter des SD in Prag eingesetzt. Sodann 1945-47 Forschungs- und Lehrtätigkeit in Wien; zugleich und in der Folgezeit für einen sowjetischen Geheimdienst tätig. 1947 Professor für osteuropäische Geschichte an der Martin-Luther-Universität Halle, dort 1948-51 Rektor. 1951-66 Ordinarius am Institut für Geschichte der Völker der UdSSR der Ost-Berliner Humboldt-Universität; zugleich Mitarbeiter der HVA des MfS.

Franz Berger (16.9.1911 Lichtenegg b. Wels/Österreich-?1942/43, vermisst), österreichischer Hilfsarbeiter, sowjetischer Agent (Decknamen: Reuter, Emil). Mitglied der SDAP, Teilnahme am Februaraufstand 1934. 13.2.1934 in der Oststeiermark verhaftet. Sommer 1934 Flucht über die Tschechoslowakei in die Sowjetunion. Instrukteur für Alpinistik, Eintritt in die KPÖ. Im Spanischen Bürgerkrieg Bataillonskommandeur (österreichisches Bataillon 12. Februar 1934) bei den Interbrigaden, ab Sommer 1938 Stabschef der XI. Inter-Brigade. 1939 nach Paris geflohen, von dort in die Sowjetunion zurückgereist. Im Frühjahr 1941 aufder Sonderfahndungsliste SU als: B192, RSHA IVA1, IVA2, Stapo Halle/Saale. Agent o. Mitarbeiter der ?GRU. 18./19.5.1942 als Leiter einer Gruppe von Fallschirmagenten (vermutlich der GRU) über den Generalgouvernement abgesprungen. Ums Leben gekommen.

11. September 2021 – 120. Geburtstag des kommunistischen Geheimdienst-Funktionärs Jonny Dettmer; 80. Jahrestag des von Stalin angeordneten Massenmords an ca. 160 politischen Gefangenen aus dem Gefängnis von Orjol bei der Annäherung der deutschen Wehrmacht, unter den Getöteten etliche Männer und Frauen mit Geheimdienst-Karrieren, so Fritz Eichenwald, Joseph Erdmann, Franz Faustmann, Warwara Jakowlewa, Christian Rakowski, Georgij Sibold und Julius Trossin

Jonny Dettmer (auch unrichtig: Johnny) (11.9.1901 Hamburg-19.5.1934 ebd., hingerichtet), kommunistischer Geheimdienstfunktionär. In den 1920er/30er Jahren im M-Apparat in Hamburg, bereits 1923 beim dortigen Aufstandsversuch als Waffenschmuggler tätig; Anfang der 1930er Jahre Leiter der Roten Marine im M-Apparat; in dieser Funktion führend bei der Ermordung von NS-Mitgliedern tätig. 1933 festgenommen und 1934 im Roten-Marine-Prozess zum Tode verurteilt. Mit dem Beil hingerichtet.

Fritz Eichenwald (russ. Namenszusatz: Moritzowitsch, Эйхенвальд Фриц Морицович) (29.5.1901 Illva/Böhmen-11.9.1941 Orjol, hingerichtet), kommunistischer Geheimdienst-Funktionär (Deckname o. Klarname: Joseph Schmitz). 1921-28 Chemiestudium in Berlin. 1924 Mitglied der KPD und Funktionär in Recklinghausen. Mitarbeiter im BB-Apparat. März 1933 Emigration in die Schweiz, dort Physikstudium. Nach kurzer Verhaftung im Juli 1934 wg. kommunistischer Umtriebe aus der Schweiz ausgewiesen. Über Österreich Anfang 1936 in Prag. Von dort vermutlich 1936 nach Moskau einbestellt, dort als Ingenieur tätig. Am 27.4.1937 verhaftet und am 2.8.1937 wg. Teilnahme an einer Terrororganisation zu 10 (+ 5) Jahren Haft verurteilt. Wird im Frühjahr 1941 vom RSHA in der Sonderfahndungsliste SU ausgeschrieben als: E35, RSHA IVE5, Stapo Recklinghausen. Bei Annäherung der deutschen Wehrmacht am 11.9.1941 zusammen mit 160 anderen politischen Gefangenen im Gefängnis von Orjol vom NKWD erschossen. 26.7.1990 in der Sowjetunion posthum rehabilitiert.

Joseph Erdmann (russ. Namenszusatz: Nikolaijewitsch, Эрдман Иосиф Николаевич) (4.12.1900 Labischin/Posen-11.9.1941 Orjol, hingerichtet), Schlosser, kommunistischer Geheimdienst-Funktionär. Schlosser in Bromberg, Essen, dann 1922 in Berlin. 1918 Mitglied der USPD, 1920 der KPD, 1926 in der Bezirksverordnetenversammlung von Neukölln, Mai 1927 wg. Kritik ausgeschlossen, Mai 1928 wieder aufgenommen. 1929-33 Stadtverordneter in Berlin; zugleich im AM-Apparat. Februar 1933 festgenommen und in KZ-Haft. Freigelassen und abgetaucht, 1935 Emigration in die Tschechoslowakei. 1936 in die Sowjetunion, dort Anfang November [o.30.10.]1936 im Moskauer Emigrantenhotel Baltschuk verhaftet. Ohne klare Spur verschwunden. 23.7.1937 zu 8 Jahren Lagerhaft verurteilt. 1954 wird Erdmann ehemaliger Frau mitgeteilt, dass er 1936 wg. Spionage für Deutschland zu 10 Jahren Lager verurteilt worden sei. Wird im Frühjahr 1941 vom RSHA in der Sonderfahndungsliste SU ausgeschrieben als: E82, Gorki, RSHA IVA1. Bei Herannahem der deutschen Wehrmacht am 11.9.1941 im Gefängnis von Orjol zusammen mit weiteren 160 politischen Häftlingen vom NKWD erschossen. 6.7.1990 posthum in der Sowjetunion rehabilitiert.

Franz Faustmann (russ. Namenszusatz: Simonowitsch, Фаустман Франц Симонович) (25.2.1909 Spital o. Sital am Semmering-11.9.1941 Orjol, hingerichtet), Bergmann, mutmaßlicher kommunistischer Agent, angeblicher deutscher Agent. 1931 Eintritt in die KPÖ. Ende 1932 in die Sowjetunion ausgewandert. Juni 1937 festgenommen, 25.10.1938 wg. Spionage zu 20 Jahren Arbeitslager verurteilt. Wird im Frühjahr 1941 vom RSHA in der Sonderfahndungsliste SU ausgeschrieben als: F23, Prokpjest, anzuwerben als V-Mann, RSHA IVA2. Bei Annäherung der deutschen Wehrmacht am 11.9.1941 zusammen mit 160 anderen politischen Gefangenen im Gefängnis von Orjol vom NKWD erschossen. Posthum rehabilitiert am 26.7.1990.

Warwara Nikolajewna Jakowlewa (Яковлева Варвара Николаевна) (1.1. o. 19.12.1884 Moskau-11.9.1941 Orjol, hingerichtet), sowjetische Politikerin, Geheimdienst-Funktionärin. Die Tochter eines wohlhabenden Moskauer Juweliers schlägt frühzeitig die Kariere einer sozialistischen Revolutionärin ein. 1904 Mitglied der SDAPR. In den Folgejahren viermal in Verbannung, aus der sie entkommt, schließlich im Ausland mit Stationen in Paris, Berlin und Warschau. Zur Februarrevolution 1917 zurück in Russland, nimmt an der ZK-Sitzung der SDAPR(B) im Oktober 1917 teil, während der der Aufstand beschlossen wird. Neben anderen Funktionen 1917/18 Mitglied des Kollegiums der Tscheka, nach der Ermordung von Tscheka-Chef Moissej Urizkij am 30.8.1918 De-facto-Vorsitzende der Tscheka des Nordgebietes. Sie übt in dieser Funktion eine Schreckensherrschaft aus, die schließlich im Januar 1919 zu ihrer Ablösung und zum Rückruf nach Moskau führt. Danach in anderen Staats- und hohen Parteifunktionen, vor allem 1930-37 als Kommissarin für Finanzen der Russischen SSR in Moskau tätig, bis zur Verhaftung am 12.9.1937. In den letzten beiden Jahren bis hierhin betätigt sie sich zudem als Denunziantin gegenüber ehemaligen Genossen im Verfolg der Großen Säuberung. Am 24.5.1938 zu 20 Jahren Haft verurteilt. Bei Herannahen der deutschen Wehrmacht wird Jakolewna zusammen mit 160 anderen politischen Häftlingen am 11.9.1941 im Gefängnis von Orjol nach einer am 8.9.1941 ergangenen Weisung von Lawrentij Berija erschossen. 1958 posthum in der Sowjetunion rehabilitiert.

Christian (Christo) Rakowski (russ. Namenszusatz: Georgijewitsch, urspr. Krystju Statsev, Раковский Христиан Георгиевич) (1.8.1873 Kotel/Dobrudscha-11.9.1941 Orjol, hingerichtet), sozialdemokratischer später bolschewistischer Funktionär. Vor dem Ersten Weltkrieg sozialdemokratischer Funktionär in Bulgarien und Rumänien. Während des Ersten Weltkriegs zugleich besoldeter Agent des deutschen Auswärtigen Amtes; hierbei enge Zusammenarbeit mit Alexander Helphand. Ab 1917 Mitglied der Bolschewiki. Sodann hoher Funktionär im sowjetischen Partei- und Staatsapparat (im Bild zusammen mit Leo Trotzki, ca. 1918). 1927 erster Parteiausschluss. Im dritten Moskauer Schauprozess 1938 als angeblicher britischer Agent zu 20 Jahren Haft verurteilt. Bei Herannahmen der deutschen Wehrmacht am 11.9.1941 zusammen mit 160 anderen politischen Gefangenen im Gefängnis von Orjol vom NKWD erschossen.

Georgij Wladimirowitsch Sibold (?o. Georg Siebold, Зибольд Георгий Владимирович) (1897-11.9.1941 Orjol, hingerichtet), Deutscher, sowjetischer Geheimdienstfunktionär, zuletzt Intendant zweiten Ranges. 1916 Absolvent der Kriegsschule Pawlowsk. Reserveoffizier. 1924-26 bei der GRU. 1926-28 Beamter im sowjetischen Generalkonsulat in Täbris/Persien, Sekretär im Konsulat Urmia/Persien und im Konsulat Kars/Türkei. 1928-30 Agent mit dem Spitznamen Persansnefti. 1930-36 Gehilfe des Leiters der Sprachenausbildung bei der GRU. 1936-38 stellvertretender Leiter der Registratur der GRU. Im März 1938 aus der Roten Armee entfernt. Bei Herannahmen der deutschen Wehrmacht zusammen mit 160 anderen Häftlingen im Gefängnis von Orjol vom NKWD erschossen.

JuliusTrossin (o. Trosin, Julius Franz, Троссин Юлиус)(15.1.1896 Stettin-11.9.1941 bei Orjol, hingerichtet), Seemann, deutscher Mehrfachagent. Mitglied der KPD, Kurier für die GRU zwischen Hamburg und den USA sowie zwischen dem Baltikum und Frankreich. Am 6.7.1933 von der Gestapo verhaftet, der er zahlreiche Verbindungen aufdeckt. Seine Aussagen führen u.a. zum Zusammenbruch des sowjetischen Netzes in Estland. Trossin wird sodann von der Gestapo als deren Doppelagent in die Sowjetunion geschickt. Dort enttarnt und am 4.8.1933 verhaftet, am 4.11.1933 wg. Spionage zu 10 Jahren Arbeitslager verurteilt. Am 8.9.1941 zum Tode verurteilt, am 11.9.1941 bei der Räumung seines Gefängnisses zusammen mit 157 anderen Inhaftierten vom NKWD erschossen. Wird im Frühjahr 1941 vom RSHA auf der Sonderfahndungsliste SU ausgeschrieben als: T117, Lubjanka-Gefängnis, Moskau, RSHA IVA1, IVA2. In der Sowjetunion posthum rehabilitiert in zwei Verfahren, 1989 und 26.7.1990.

10. September 2021 – 110. Geburtstag des kommunistischen Geheimdienst-Mitarbeiters Otto Falke; 125. Geburtstag des sowjetischen Geheimdienst-Funktionärs Jakob Locker, alias Franz Miller

Otto Falke (10.9.1911-), Elektromonteur, kommunistischer Geheimdienst-Mitarbeiter. In den 1930er Jahren im E-Ressort (SPD) des AM-Apparats der KPD in Wuppertal, zur Tarnung auch in der SA. 2.7.1936 festgenommen, 6.3.1937 zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt.


Jakob Locker (russ. Namenszusatz Germanowitsch; Локкер Яков Германович (10.9.1896 Kronstadt/Siebenbürgen/Österreich-Ungarn-8.5.1939 Butowo b. Moskau, hingerichtet), sowjetischer Geheimdienst-Funktionär, zuletzt Bataillon-Kommissar (17.2.1936) (Decknamen: Friedrich Konrad, Фридрих Конрад, Franz Miller, МиллерФранц). 1912-18 Mitglied der Sozialdemokratischen Union der jüdischen Jugend Paolej Zion, 1912-18 von anarchosyndikalistischen Gruppen, 1918-25 der KPÖ und 1925-27 der KPD, seit 1927 der KPdSU. Im Ersten Weltkrieg Soldat der k.u.k. Armee, gegen Kriegsende desertiert. Seit 1921 bei der Roten Armee unter dem Decknamen ?

Franz Johannowitsch (o.Iwanowitsch) Miller (МиллерФранцИоганнович, Иванович), geb. 1896 in Danzig, zunächst als Illegaler der GRU in Lemberg Aufbau eines illegales kommunistisches Netzwerks (zusammen mit Ignatz Reiss-Porezkij). Sodann als Agent in Österreich, Deutschland, Polen, Rumänien und China. Ende der 1920er Jahre in Wien, bzw. Wiener Neustadt. Dort mit ca. 60 Agenten aufgeflogen. Flieht nach Berlin. Dort unter den Namen Franz Birk bzw. Jacob Locker Beziehung zur Abwehr IIIF (Richard Protze, der ihn zutreffend als Stabshauptmann und Agenten in China unter Borodin beschreibt). Wickelt über diesen mit Genehmigung der Reichswehrführung den Ankauf von U-Bootkonstruktionsunterlagen in Den Haag (deutsche Tarnfirma unter Korvettenkapitän Blum) ab. Beliefert die Abwehr mit Informationen über die polnische Armee; setzt hierfür zwei ungarische Offiziere (Juden) als Unteragenten ein (?Decknamen: Ungern, einer davon Fritz). Kurz vor Hitlers Machtergreifung aus Berlin abgezogen. Sodann weiterhin Kontakte zur Abwehr in der Schweiz o. über die Schweiz (noch 1937).Von dort 1937 nach Moskau zurückbeordert, aus der Roten Armee entlassen. Vor der Festnahme wohnhaft in Moskau, Hotel Nowo-Moskowskaja als Bataillons-Kommissar der GRU. Verhaftet im Februar 1939 wg. Spionage; vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der Sowjetunion am 14.3.1939 zum Tode verurteilt, am 8.5.1939 erschossen. Posthum rehabilitiert am 4.8.1956.

7. September 2021 – 135. Geburtstag des kommunistischen Geheimdienst-Mitarbeiters Hermann UngarHerman

Hermann Ungar (?recte: Unger, Унгер Герман) (7.9.1886 Kassel-6.11.1937 Butowo b. Moskau, hingerichtet), kommunistischer Geheimdienst-Funktionär. 1914 als Techniker nach Königsberg, 1915 als Techniker und Ingenieur in Berlin, 1918 Mitglied der SPD, 1919 der USPD, 1923 der KPD. 1929 als Oberingenieur bei der sowjetischen Handelsvertretung angestellt, in Wirklichkeit beim AM-Apparat beschäftigt. Als Anfang 1934 mehrere deutsche Mitarbeiter der sowjetischen Handelsvertretung von der Gestapo verhaftet werden, entkommt Ungar in die Sowjetunion. Dort bei der Eisenbahn beschäftigt, im Juli o. am 10.8.1937 vom NKWD verhaftet, am 16.11.1937 wg. Spionage für Deutschland und Mitgliedschaft in einer rechtstrotzkistischen terroristischen Organisation vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der Sowjetunion zum Tode verurteilt, am selben Tag erschossen. Wird im Frühjahr 1941 vom RSHA auf der Sonderfahndungsliste SU ausgeschrieben als: U14, Moskau, als V-Mann anzuwerben, RSHA IVA1, IVA2. In der Sowjetunion am 23.3.1998 posthum rehabilitiert. Die Ehefrau, Elfriede Ungar (14.8.1892-27.9.1967), wird am 2.12.1937 in der Sowjetunion festgenommen und im Juni 1938 nach Deutschland ausgewiesen; ihr Mann wird ihr gegenüber im Nachhinein zum 31.12.1937 für tot erklärt.

3. September 2021 – 90. Geburtstag des Militär-Geheimdienstlers Günter Oldenburg; 160. Geburtstag des kommunistischen Geheimdienst-Mitarbeiters Heinrich Arenz; 40. Todestag des sowjetischen Militär-Geheimdienstlers Alexej Asmolow

Günter Oldenburg (3.9.1931 Stettin-18.6.2010), NVA-Offizier, zuletzt Generalmajor (7.10.1974). 1949 Eintritt in die Deutsche Volkspolizei, später Wechsel zur NVA. 1982-87 Militärattaché in der Sowjetunion. 1987 kommandiert zum Chef der Aufklärung im Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR, 1989 stellvertretender Chef Aufklärung und Chef der 2. Verwaltung Bereich Aufklärung; bis 30.4.1990: Entlassung in den Ruhestand.

Heinrich Arenz (3.9.1861 Köln-4.9.1943 Bonn, Selbstmord), Straßenbahnschaffner, kommunistischer Geheimdienst-Funktionär. In den 1930er Jahren Mitglied im AM-Apparat der KPD. Im März 1933 in den Kölner Stadtrat gewählt, kann jedoch das Mandat wg. des Verbots der Betätigung der KPD nicht antreten. Flieht ?1934 nach Frankreich. Dort bei Kriegsbeginn interniert. Wird 1940 durch das RSHA irrtümlich zur Fahndung in Großbritannien ausgeschrieben. 1943 in Frankreich festgenommen und nach Deutschland überstellt, Selbstmord in der Haft.

Alexej Nikitowitsch Asmolow (Асмолов Алексей Никнтович) (30.3.1906 Alexaschkino-3.9.1981 Moskau), sowjetischer Geheimdienstfunktionär (Deckname: Leonid), zuletzt Generalmajor (19.4.1945). Ab 1928 Angehöriger der Roten Armee, 1932 Mitglied der KPR(B). 1939 Abschluss an der Frunse-Militärakademie. 1942 Abteilungsleiter für die Partisanenbewegung beim Kriegsrat der Nordwestfront. Leitet 1941-43 Partisaneneinsätze im Raum Leningrad. Im August 1944 als Oberst Leiter eines Kommandounternehmens, das mit 1000 Fallschirmspringern im Raum Banska Bystrica durchgeführt wird, um in der Slowakei einen Aufstand gegen die deutsche Besatzung auszulösen; das Unternehmen scheitert. Asmolow wird hierbei von den Sowjets als stellvertretender Stabschef der slowakischen Verbände eingesetzt. 1952 Abschluss an der Akademie des Generalstabes, jedoch weiterhin für das MGB und später den KGB tätig. 1956 nach der Geheimrede Chruschtschows in den Ruhestand.

2. September 2021 – 120. Geburtstag de slowakischen Politikers und ungarischen Agenten Franz Karmazin

Franz Karmazin (2.9.1901-25.6.1970), Politiker, Agent. Vor dem Zweiten Weltkrieg führender Funktionär der Karpathendeutschen Partei; während des Krieges Staatssekretär in der Slowakei; deswegen in der Tschechoslowakei 1947 in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Lebt nach dem Krieg unter dem Aliasnamen Franz Dibak in Westdeutschland; führender Funktionär der sudetendeutschen Landsmannschaft und des Witiko-Bundes; zugleich Agent des ungarischen Geheimdienstes.

31. August 2021 – 80. Todestag der russischen Dichterin und mutmaßlichen sowjetischen Agentin Marina Zwetajewa

Marina Iwanowna Zwetajewa (26.9./8.10.1892 Moskau-31.8.1941 Jelabuga/Tatarische SSR), russische Dichterin, Schriftstellerin, mutmaßliche sowjetische Agentin. 1908 Studium der Literaturgeschichte an der Sorbonne, Paris. Lebt während des Ersten Weltkriegs auf der Krim, während des Bürgerkriegs in Moskau, wo eine ihrer beiden Töchter verhungert. Flieht 1922 nach Deutschland, in Berlin 15.5.-Ende Juli 1922, wohnt dort vorübergehend beim GPU-Agenten Ilja Ehrenburg. Sodann zusammen mit ihrem Mann, Sergej Efron, in Prag. Von dort 1925 nach Paris, nur geringe Beachtung als Dichterin. Wie ihr Ehemann Sergej Efraon wird auch sie vermutlich Agent der OGPU; erhält nach dessen Flucht nach Moskau sein Gehalt in Paris ausbezahlt. 1939 Rückkehr nach Moskau. Dort 1941 nach Jelabuga ausgewiesen, begeht sodann Selbstmord. Ihre Werke werden ab Mitte der 1950er Jahre von ihrer Tochter Adriana herausgegeben. Gilt heute als eine der bedeutendsten russischen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts.

30. August 2021 – 140. Geburtstag des deutsch-finnischen Agenten Walter von Gerich

Walter Harald von Gerich (30.8.1881 Helsingfors/Finnland/Russisches Reich-1.9.1939 Helsinki/Finnland, Unfalltod), deutscher Agent (Deckname: Friedrich Walter von Rautenfels). 1905/06 Leutnant in einem finnischen Gardeverband der russischen Armee. 1907-16 Direktor des Wyborger Gefängnisses. September/Oktober 1916 illegal über Schweden nach Deutschland ausgereist. Nunmehr (?und zuvor) Agent des Marinenachrichtendienstes N, von diesem als diplomatischer Kurier getarnt, reist u.a. mit Sprengstoff im falsch deklarierten Diplomatengepäck zwischen Berlin Schweden und Norwegen. Dort nach Beobachtung durch die norwegische Polizei in Flagranti festgenommen und Ende Juni 1917 abgeschoben. Der Fall um diesen zugleich aufgeflogenen deutschen Sprengstoffverteilungsring löst die Rautenfels-Affäre aus. Von Deutschland aus Anfang 1918 zum Finnland-Unternehmen, dort Offizier bei den Weißen. Danach als Geschäftsmann in Finnland tätig.

28. August 2021 – 60. Jahrestag der Entführung des Journalisten Hans Joachim Helwig-Wilson nach Ost-Berlin; 65. Todestag des Sowjetagenten Rudolf Herrnstadt; 110. Geburtstag des sowjetischen Geheimdienstfunktionärs Iwan Agajanz

Hans Joachim Helwig-Wilson (12.3.1931 Berlin-14.9.2009), Bildjournalist, vorgeblicher Agent. In den 1950er Jahren als Bildreporter für das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen tätig. Am 28.8.1961 unter einem Vorwand in die Redaktion der Zeitung Neues Deutschland nach Ost-Berlin gelockt, dort festgenommen und am 22.2.1962 wg. angeblicher Spionage und schwerer Hetze zu 13 Jahren Haft verurteilt, von denen er vier Jahre in der DDR verbüßen muss. H-W. war ohne sein Wissen wegen seiner Kontakte zu dem DDR-Überläufer Heinz Lippmann durch den Doppelagenten Michael Gromnica dem MfS gegenüber als BfV-Quelle Linse bezeichnet worden. 1965 Abschiebung in die Bundesrepublik. 1967-93 in der Presseabteilung des Berliner Senats.

Rudolf Herrnstadt (Гернштадт Рудольф)(18.3.1903-28.8.1966 Halle/Saale), Journalist, sowjetischer Agent (Deckname: Arbin o. Albin, Албин), kommunistischer Spitzenfunktionär. In den 1920er Jahren im AM-Apparat der KPD, Redakteur beim Berliner Tageblatt, 1928 als dessen Korrespondent nach Prag, seit 1929 Agent der GRU, 1932 deren Resident in Warschau. 1933 Rückruf nach Moskau, im selben Jahr nach Prag entsandt, sodann wieder in Warschau, dort zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Sowjetagentin Ilse Stöbe (Alta), der er im August 1939 die Leitung des Rings übergibt, u.a. den von ihm als sowjetische Spitzenquelle geworbenen und geführten Diplomaten Rudolf von Scheliha. 1939-45 als Emigrant in der Sowjetunion, Mitarbeiter der Komintern; hierbei 1942/43 Instrukteur für sowjetische Fallschirmagenten, sodann Mitbegründer des NKFD. 1945 Rückkehr nach Deutschland, Spitzenfunktionen in der SED, u.a. Chefredakteur des Neuen Deutschland, bis Juli 1953: Verlust aller Ämter, 1954 wegen fraktioneller Tätigkeit aus der SED ausgeschlossen. (im Bild links, zusammen mit dem Mit-Agenten Rudolf Kegel, 1946).

Iwan Iwanowitsch Agajanz (АгаянцИванИванович) (28.8.1911 Jelisabetpol-12.5.1968 Moskau), sowjetischer Geheimdienstfunktionär, zuletzt Generalmajor. Armenier. Seit 1930 Mitarbeiter der OGPU. 1936 zur Auslandsaufklärung versetzt (INO). Ein Jahr später unter der Tarnung eines Mitarbeiters der sowjetischen Handelsvertretung in Paris als Agent der INO tätig. Schleust 1938 die spanischen KP-Funktionäre Josè Diaz und Dolores Ibárruri nach Moskau. Ab 1941 Resident des NKGB im Iran (Deckname: Iwan Iwanowitsch Angarow). Nach Kriegsende erneute Tätigkeit in Paris, dort NKGB-Resident. 1947 Rückkehr nach Moskau, dort in der Zentrale der Auslandsaufklärung in verschiedenen Dienststellungen eingesetzt; zunächst Chef der für Europa zuständigen Verwaltung, dann seit 1959 Chef der neuen Abteilung D(esinformation); löst in dieser Funktion durch die Belieferung der Zeitschrift Der Spiegel mit KGB(?)-Material den Sturz von Verteidigungsminister Franz Josef Strauß aus (® Spiegel-Affäre). 1967 Ernennung zum stellvertretenden Chef der 1. Hauptverwaltung des KGB.

27. August 2021 – 120. Geburtstag des französischen Sowjetagenten Pierre Villon

Pierre Villon (urspr.: Roger Samuel Ginsburger; auch falsch: Roger Walter Ginsburg) (27.8.1901 Sulz/Oberelsaß [heute: Soultz/Dep. Haut-Rhin]-6.11.1980 Vallauris/Dep. Alpes-Maritimes), Architekt, kommunistischer Politiker, sowjetischer Agent (Decknamen: Antoine; Cantais; Philippe; Walter). Ende der 1920er Jahre als Architekt in Paris tätig; gleichzeitig unter dem Decknamen Walter Anlaufpunkt für Komintern-Agenten. Bereits gleich nach Beginn des Zweiten Weltkriegs in den Untergrund abgetaucht; Annahme des Namens Pierre Villon, den G. später beibehält. 8.10.1940 festgenommen; 17.1.1942 aus der Haft entflohen, Mitgründer des Front National, ab 1942 im Conseil National de la Resistance. Nach dem Krieg bekannter kommunistischer Politiker, 1946-76 (mit einer Unterbrechung 1962-67) Mitglied der Nationalversammlung und führender Funktionär der KPF.

25. August 2021 – 115. Geburtstag des kommunistischen Geheimdienstlers Josef Bender; 115. Geburtstag des Abwehrmitarbeiters, CDU-Politikers und angeblichen Gestapo-Agenten Eugen Gerstenmaier

Josef Theo Bender (25.8.1906 [Wuppertal]-Elberfeld-?), Arbeiter, kommunistischer Geheimdienst-Funktionär. Ab ca. 1931 Leiter des AM-Apparats der KPD in Wuppertal. Wird 1940 vom RSHA irrtümlich in Großbritannien vermutet und zur Fahndung dort ausgeschrieben. Im deutschen Machtbereich festgenommen und am 4.3.1942 zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Eugen Gerstenmaier, Dr. Dr. (25.8.1906-13.3.1986), Theologe, Politiker, angeblicher Agent. Im Zweiten Weltkrieg am aktiven Widerstand gegen Hitler beteiligt. Beschäftigt beim Auswärtigen Amt, sodann beim Amt Ausland/Abwehr; nutzt diese Dienststellung für Reisen in die Schweiz. Am Tag des Attentats vom 20.7.1944 verhaftet und am 11.1.1945 zu einer siebenjährigen Zuchthausstrafe verurteilt (Bild: G. vor dem Volksgerichtshof); im April 1945 befreit. Nach dem Krieg prominenter Politiker der CDU, u.a. seit 1949 MdB und seit 1954 Präsident des Deutschen Bundestages. In den 1960er Jahren Opfer einer lang andauernden Verleumdungskampagne mit der Behauptung, Gerstenmaier sei SD-Agent (Registriernummer P 38/546) gewesen und habe den Auftrag gehabt, in die Verschwörer des Kreisauer Kreises einzudringen, die er sodann der Gestapo denunziert habe. Maßgeblicher Miturheber und Bearbeiter der Aktion ist der MfS-Agent Hans-Joachim Seidowsky. Die Kampagne, die in Westdeutschland willig aufgegriffen wird, ist ein Auftragswerk des SED-Politikers Albert Norden an die Abteilung X (Desinformation) der HVA. Da die ursprüngliche Kampagne keine rechte Wirkung zeigt, wird Ende der 1960er Jahre das Gerücht nachgelegt, Gerstenmaier habe zu Unrecht Wiedergutmachungsleistungen erhalten; diese Angelegenheit wird im Januar 1969 von der Zeitschrift Stern „enthüllt“; Gerstenmaier tritt daraufhin von seinem Posten als Bundestagspräsident zurück. Die kurz darauf von Albert Norden veröffentliche Broschüre Vom SD-Agenten… geht in ihrer politischen Wirkung ins Leere; ein durch Desinformation dauerhaft beschädigter Politiker bleibt zurück. Ein Ermittlungsverfahren wg. des Verdachts des Betruges wird 1974 eingestellt.

21. August 2021 – 80. Todestag des kommunistischen Geheimdienstlers Johann Dombrowski; 100. Geburtstag des CDU-Politikers und MfS-Agenten Wolfgang Heyl

Johann Dombrowski (13.4.1903 Stolp-21.8.1941 Berlin, hingerichtet), kommunistischer Geheimdienst-Funktionär. 1923 Mitglied der KPD. 1925 führend am Aufbau des Rotfrontkämpfer Bundes beteiligt, Mitarbeiter im AM-Apparat. April-November 1933 KZ-Haft. Dezember 1933 Flucht nach Amsterdam, Rückkehr nach Hamborn. 1937 Leiter des M-Apparats Ruhr, organisiert in dieser Funktion Industrie- und Wehrmachtsspionage. Im März 1939 verhaftet, im März 1941 zum Tode verurteilt, hingerichtet.

Wolfgang Heyl (21.8.1921 Borna-14.5.2014), DDR-Funktionär, Agent. 1939 Mitglied der NSDAP. 1941-45 Wehrdienst, zuletzt Oberleutnant. 1945 kurzfristige sowjetische und US-amerikanische Kriegsgefangenschaft. 1945-47 Zimmermann. 1949 Mitglied der CDU (Ost), darin zahlreiche Funktionen, u.a 1958-66 stellvertretender Generalsekretär, sodann bis 1989 stellvertretender Vorsitzender. Auch zahlreiche Staatsfunktionen, u.a. 1958-90 Mitglied der Volkskammer; zugleich (nach Gerken) zumindest in den 1950er/60er Jahren Agent des MfS (Deckname: Herold).

20. August 2021 – 50. Todestag des Luftwaffenoffiziers und Nachrichtendienstlers Jens Peter Petersen: 40. Todestag des sowjetischen Agenten Sándor Radó

Jens Peter Petersen (12.10.1893 Bredebro/Tondern-20.8.1971 Stuttgart) Luftwaffenoffizier, zuletzt Generalmajor (1.1.1944). Im Ersten Weltkrieg Kriegsfreiwilliger, zuletzt als Leutnant d.R. Luftbeobachter. 1934 Eintritt in die Luftwaffe. 1938-30.9.1942 (o. 30.4.1940-27.12.1942) als Oberst Luftattaché in Stockholm (zeitgleich Leiter der KO Schweden o. Resident des SD-Ausland). Danach andere Verwendungen bzw. Führerreserve. 2.5.1945-10.3.1947 Kriegsgefangenschaft.


Sándor Radó (auch: Alexander Rado, Alexander Radolfi) (5.11.1899 Újpest (Budapest)-20.8.1981 Budapest), ungarischer Kartograph und Geograph, sowjetischer Agent (Deckname: Albert, ab 1941 Funkdeckname: Dora). 1917 Einberufung zur k.u.k. Armee; zugleich Beginn des Jurastudiums in Budapest. Dezember 1918 Mitglied er KP Ungarns. 1918/9 Teilnahme an der ungarischen Räterevolution, sodann im Juli Flucht nach Österreich. Beginn des Geographiestudiums in Wien und 1920 Gründung der sowjetischen Nachrichtenagentur Rosta-Wien, die Informationen in die Sowjetunion liefert, und später in Intel umbenannt wird. 1922 Übersiedlung nach Deutschland; Fortsetzung des Studiums in Jena; Mitglied im M-Apparat der KPD. Im Oktoberaufstand 1923 operativer Leiter der Proletarischen Hundertschaften in Sachsen. 13.10.1923 Festnahme; 1924 Flucht in die Sowjetunion. Mitte der 1920er Jahre Korrespondent der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS in Berlin, Mitarbeiter der Komintern. 1933 Wechsel nach Paris. 1935 Wechsel zur GRU. Ab März 1936 Resident der GRU in der Schweiz. Gründet im August 1936 zur Tarnung die Presseagentur Atlas Permanent S.A. in Genf. Unterhält ein Agentennetz in der Schweiz. Leitet im Zweiten Weltkrieg, nach dem Abzug von Ursula Kuczynski, die sowjetischen Spionageringe in der Schweiz. Radó taucht im Oktober 1943 nach der weitgehenden Enttarnung seiner Organisation unter; er wird am 18.5.1944 verhaftet, jedoch bereits nach 111 Tagen wieder auf freien Fuß gesetzt; flieht sodann nach Frankreich. Eine Anklage vor dem Militärtribunal wegen Spionage im Frühjahr 1945 endet nach Intervention des schweizerischen Nachrichtendienstes mit dem Freispruch von Radó, der kurz darauf nach Moskau zurückgerufen wird; dort verhaftet und zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt (1947 in Abwesenheit in der Schweiz wegen Spionage verurteilt), aus der er 1955 freigelassen wird. Sodann Übersiedlung nach Ungarn, wo er bis 1966 Geografie und Kartografie lehrt.

19. August 2021 – 140. Geburtstag des holländischen Mehrfachagenten Alois Snep

Alois (Aloisius) Petrus Laurenzius Snep (19.8.1881 Westervoord-März 1961 St. Albans/England), Niederländer, Polsterer, Dekorateur, Mehrfach-Agent (deutscher Deckname: GV88; sonst: Sloot; Slooter; Sleeper). Vor Beginn des Ersten Weltkriegs als britischer Agent gegen Deutschland, von Amsterdam aus operierend, im ?Juli 1914 in Duisburg festgenommen. 1914 in Deutschland wg. Spionage zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, die zum Teil in Essen verbüßt werden. Ende 1918 auf freien Fuß gesetzt. Erneut gegen Deutschland operierend, später an den französischen Dienst übergeben, als Briefe schreibender Werber tätig. 1935 erneut in Hannover und im Ruhrgebiet in Erscheinung getreten. Von Abwehr III F gegen Zahlung von 25.000 Mark überworben; verrät die französischen Hintermänner, u.a. den Leiter der Marinespionage in Dünkirchen, Henri Trautmann, und den angeblichen Konsulatsbeamten Fontes in Amsterdam; in den kommenden Jahren gegen ein monatliches Fixum für Richard Protze als Doppelagent tätig. Führt 1938-40 für Protze die Verbindung zu dem MI6-Mitarbeiter aus dessen holländischer Residentur, Folkert Arie van Koutrik (unter dessen Abwehr-Decknamen Walbach). Beim Einmarsch der Deutschen in Holland 1940 flieht Snep in die Schweiz.

17. August 2021 – 115. bzw. 110. Geburtstag der SD-Funktionäre und Kriegsverbrecher Eduard Strauch und Martin Sandberger

Eduard Strauch (17.8.1906 Essen-15.9.1955 Uccle/Belgien), SD-Funktionär, zuletzt SS-Obersturmbannführer (20.4.1939). 1931 Mitglied der SA, Dezember 1931 Übertritt in die SS. Ab 1.7.1934 hauptamtlich beim SD. September bis Dezember 1939 SD-Einsatz in Polen. Ab 1.3.1941 Leiter des SD-Leitabschnitts Königsberg. 4.11.1941 Leiter des Einsatzkommandos 2, 3.12.1941 Leiter des Sonderkommandos 1b zugleich BdS Weißruthenien (Minsk); bis 24.6.1943; sodann Verbindungsmann des SD beim Chef der Bandenkämpfe (von dem Bach-Zelewski), 5.4.1944 Beauftragter des RSHA-Chefs Ernst Kaltenbrunner beim Militärbefehlshaber Belgien und Nordfrankreich, 31.5.1944 KdS Wallonien (Lüttich); bis 11.10.1944. 21.10.1944 Einberufung zur Waffen-SS, Ic-Generalstabslehrgang. Verwendung nach dem 16.12.1944 unklar. Nach dem Krieg im Einsatzgruppenprozess zum Tode verurteilt, sodann nach Belgien ausgeliefert, dort erneut zum Tode verurteilt und in einem Krankenhaus in Uccle verstorben.

Martin Carl Sandberger, Dr. jur. (17.8.1911 [Berlin]-Charlottenburg-30.3.2010 Stuttgart), SD-Funktionär, zuletzt SS-Standartenführer (30.1.1945). Seit Mai 1935 für den SD tätig, ab Januar 1936 hauptamtlich. 1939/40 als Sturmbannführer Leiter der Einwandererzentrale beim Chef der Sipo und des SD; zugleich stellvertretender Gruppenleiter I B (Erziehung, Ausbildung, Schulung) im RSHA. Juni-Dezember 1941 Chef der Einsatzgruppe 1 a; 3.10.1941-Herbst 1943 zum Teil gleichzeitig auch Kommandeur der Sipo und des SD (KdS) in Estland. Sodann Rückkehr zum Amt I des RSHA. 1.12.1943 Leiter der Gruppe VI A (Organisation) des Amtes VI (SD-Ausland); bis Kriegsende. Nach dem Krieg im Nürnberger Einsatzgruppenprozess am 10.4.1948 zum Tode verurteilt, 1951 Umwandlung in lebenslange Haft, 1958 entlassen.

15. August 2021 – 80. Todestag des deutschen Agenten Josef Jakobs; 110. Geburtstag des MfS-Funktionärs Hans Fruck

Josef Jakobs (auch: Jacobs) (30.6.1898 Luxemburg-15.8.1941 London, hingerichtet), Deutscher, Agent. August-Dezember 1914 Soldat im 4. Garderegiment zu Fuß, Oktober 1916-November 1918 Leutnant im selben Regiment. 1935-37 in Haft in der Schweiz. Sodann Schiebergeschäfte mit gefälschten Pässen für ausreisewillige Juden. Festgenommen und in KZ-Haft. 1940 von der Abwehr angeworben. 31.1./1.2.1941 als Agent über Ramsay/Huttindonshire/Großbritannien mit dem Fallschirm abgesetzt; hierbei ein Bein gebrochen. Festgenommen, im August 1941 zum Tode verurteilt; Jacobs macht im Gerichtsverfahren vergeblich geltend, als Freund Englands gekommen zu sein. Er wird im Tower erschossen.

HansFruck (15.8.1911-15.12.1990), Werkzeugdreher, kommunistischer Funktionär, MfS-Offizier, zuletzt Generalmajor (1953). Im Dritten Reich als Werkzeugdreher Leiter einer illegalen kommunistischen Gruppe, 1943 festgenommen und wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. 1945 Einstellung bei der Polizei. 1950 Wechsel zum MfS, Leiter der Verwaltung von Groß-Berlin. 1956 stellvertretender Leiter der HVA; bis 1977: Entlassung.

13. August 2021 – 115 Geburtstag des sowjetischen Agenten Karl Helfrich

Karl Helfrich, Dr. (13.8.1906 Lampertheim-31.5.1960 Bonn), 1941/42 Mitarbeiter im Auswärtigen Amt; zugleich Lebensgefährte und Mitagent (Deckname: Хир [=?Hier]) der GRU-Agentin Ilse Stöbe (Alta). 12.9.1942 festgenommen (Bild: Erkennungsdienstliche Fotos der Gestapo, 1942). Überlebt das Kriegsende. November 1945 Chefredakteur der Berliner Abendzeitung Kurier. 1948 Teilnehmer eines sowjetisch gesteuerten Kongresses der Intellektuellen zur Verteidigung des Friedens in Breslau.

11. August 2021 – 140. Geburtstag des Abwehroffiziers Günther Schwantes

Günther Schwantes (15.10.1881 Kolberg-11.8.1942 Gläsen/Kr. Lobschütz), Offizier, zuletzt Generalleutnant. 1899 Eintritt in die Armee. 18.5.1901 Leutnant. 1.10.1908 für drei Jahre an die Kriegsakademie kommandiert. 22.3.1912 zum Großen Generalstab kommandiert. Während des Ersten Weltkriegs im Truppengeneralstab, ausgezeichnet mit dem EK II und I sowie dem Hausorden von Hohenzollern. 1.10.1919 der Heeresfriedenskommission zugeteilt. Von dort im Februar 1921 in die Reichswehr versetzt. Nach Truppendienst September 1925 Versetzung ins Reichswehrministerium, Abteilung T3, 1926 Referent in der Abwehrgruppe der Reichswehr. 1927 als Major stellvertretender Leiter der Abwehrabteilung. 1.4.1928-31.1.1930 als Oberstleutnant Leiter der Abteilung. Sodann andere Verwendungen, zuletzt: 1938-41 Divisionskommandeur.

9. August 2021 – 140. Geburtstag des ungarischen Schriftstellers Bela Vago

Bela Vago (ung. Vágó Béla; russ. Namenszusatz: Alexandrowitsch, ВагоБельаАльексвндрович) (9.8.1881 Keczkemet/Ungarn-10.3.1939 Butowo b. Moskau, hingerichtet), jüdisch-ungarischer Schriftsteller, mutmaßlicher kommunistischer Agent, angeblicher deutscher Agent. Hochschulausbildung abgebrochen. Seit 1905 Mitglied der Sozialdemokratie in Ungarn, dort ab 1906 Sekretär. Während des Ersten Weltkriegs pazifistischer Redner. 1919 führende Rolle in der kurzzeitigen ungarischen Räterepublik als Innenkommissar und Militärkommandant. Nach der Niederschlagung des Putsches Flucht ins Ausland (Bild links). Mitglied der KPD. Heirat mit der deutschen Kommunistin Erna Schaefter. Emigration in die Sowjetunion, dort Hg. der Zeitung Hammer und Sichel sowie Leiter der ungarischen Sektion im Verlag für ausländische Arbeiter in Moskau. Verhaftet am 28.2.1938 wg. Spionage und Teilnahme an einer konterrevolutionären Terrororganisation (Bild rechts); vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der Sowjetunion am 10.3.1939 zum Tode verurteilt und am selben Tag erschossen. Wird im Frühjahr 1941 vom RSHA auf der Sonderfahndungsliste SU ausgeschrieben als: V2, RSHA IVA2, Stapo Berlin. In der Sowjetunion am 25.2.1956 posthum rehabilitiert.

8. August 2021 – 60. Todestag des sowjetischen Einflussagenten Wilhelm Kropp; 120. Geburtstag des kommunistischen Geheimdienst-Funktionärs Franz Riegg

Wilhelm (Willi) Kropp (3.11.1899 Grünberg/Hessen-8.8.1961 Weimar), kommunistischer Funktionär, sowjetischer Einflussagent (Deckname: Willi Keller). 1919/20 Mitglied der KPD im Ruhrgebiet. Juni 1923 von der französischen Geheimpolizei verhaftet. Nach einem Jahr Haft Übersiedlung nach Dietz/Lahn. Verschiedene Funktionen als KPD-Funktionär und Redakteur. Am 4.5.1933 in Berlin verhaftet. Nach Entlassung aus dem KZ Sonnenburg Emigration über Saarbrücken und Paris in die Sowjetunion; dort im März 1935 eingetroffen. Mitarbeit im Sekretariat des EKKI. Oktober 1941-Februar 1942 Kursant an der Komintern-Schule in Kuschnarenkowo. Februar 1942-Februar 1943 Oberkommissar in einem sowjetischen Gefangenenlager. 1943-45 Beeinflussungsarbeit gegenüber deutschen Kriegsgefangenen an der Zentralschule 27 und im Objekt 12 unter dem Decknamen Willy Keller. 28.5.1945 Rückkehr nach Schwerin als Mitglied der Gruppe Sobottka. Sodann Parteifunktionär, u.a.: Leiter der Parteihochschule der SED.

Franz Riegg (8.8.1901 München-4.5.1945 Lübecker Bucht), kommunistischer Geheimdienst-Funktionär. 1921 Eintritt in die KPD, 1923 aktiv an deren Aufstandsvorbereitungen beteiligt, sodann aus Bayern geflüchtet. Lebt ab 1924 unter dem Falschnamen Max Dänicke im Ruhrgebiet, Tätigkeit in der KPD-Presse. Ende 1927-Frühjahr 1929 Agentenausbildung an der M-Schule der Komintern in Moskau. Sodann Funktionär im AM-Apparat, zugleich Redakteur bei der KPD in Berlin. Ende 1933 verhaftet und bis Mai 1945 durchgehend in Zuchthaus- und KZ-Haft. Bei Untergang des Passagierschiffs Cap Arcona in der Lübecker Bucht Anfang Mai 1945 ums Leben gekommen.

7. August 2021 – 50. Todestag des Offiziers Enno von Rintelen; 110. Geburtstag des SD-Funktionärs und Kriegsverbrechers Martin Sandberger

Enno von Rintelen (6.11.1891 Stettin-7.8.1971 Heidelberg), Offizier, zuletzt General der Infanterie (1.7.1942). 18.9.1910 Eintritt in die preußische Armee als Fahnenjunker. Im Ersten Weltkrieg Truppenoffizier, Beförderung zum Oberleutnant (18.9.1915) und Hauptmann (18.10.1918), ausgezeichnet mit dem EK II und I. Nach 1918 Übernahme in die Reichswehr, Eingesetzt bevozugt in Stäben, ab 1.10.1921 Abwehroffizier im Gruppenkommando 1 in Berlin. Frühjahr 1924/Anfang 1925 im Stab des Gruppenkommandos 2 in Kassel. 1.10.1936-31.8.1943 Militärattaché in Rom (November 1937-April 1939 zusätzlich in Albanien) und ab 1.6.1940 zugleich Bevollmächtigter General bei der italienischen Wehrmacht, bis 1.9.1943. September 1943 Versetzung in die Führerreserve, Ende 1944 a.D.

Martin Carl Sandberger, Dr. jur. (17.8.1911 [Berlin]-Charlottenburg-30.3.2010 Stuttgart), SD-Funktionär, zuletzt SS-Standartenführer (30.1.1945). Seit Mai 1935 für den SD tätig, ab Januar 1936 hauptamtlich. 1939/40 als Sturmbannführer Leiter der Einwandererzentrale beim Chef der Sipo und des SD; zugleich stellvertretender Gruppenleiter I B (Erziehung, Ausbildung, Schulung) im RSHA. Juni-Dezember 1941 Chef der Einsatzgruppe 1 a bei der Heeresgruppe Nord; 3.10.1941-Herbst 1943 zum Teil gleichzeitig auch Kommandeur der Sipo und des SD (KdS) in Estland. Sodann Rückkehr zum Amt I des RSHA. 1.12.1943 Leiter der Gruppe VI A (Organisation) des Amtes VI (SD-Ausland); bis Kriegsende. Nach dem Krieg im Nürnberger Einsatzgruppenprozess am 10.4.1948 zum Tode verurteilt, 1951 Umwandlung in lebenslange Haft, 1958 entlassen.

6. August 2021 – 120. Geburtstag des britischen Nachrichtendienst-Offiziers Angus Campbell; 80. Todestag der Agenten Theodor Drücke und Robert Petter

Angus Campbell (6.8.1901 London-), britischer Nachrichtendienst-Offizier. ?1939 Beamter des britischen Passport-Office Berlin. Vom RSHA zuletzt in Oslo lokalisiert, sodann in England vermutet und wg. Spionageaktivitäten zur Fahndung in Großbritannien ausgeschrieben (RSHA IV E 4).

Karl Theodor Drücke (auch falsch: Drucke, Druecke, Theodore) (1906 Grevenstein-6.8.1941 London, hingerichtet), deutscher Abwehr-Agent (Deckname: Francois de Deeker). Vermutlich bereits in den 1930er Jahren (?oder früher) in der deutschen Frankreich-Spionage tätig (?V-Mann-Führer: Hilmar Dierks). 12.5.1936 in Frankreich wg. Spionage zu 3 Jahren Haft verurteilt. Ab?1938 wieder auf freiem Fuß. Reist über Belgien und Holland nach Deutschland zurück. Am 30.9.1940 im Mory Firth (GB) zusammen mit Vera Chalburg und Robert Petter von einem Flugboot zur Spionage abgesetzt. Am selben Tag von britischen Sicherheitskräften festgenommen, wird er am 6.8.1941 gehängt.

Robert Petter (14.12.1915 Zürich-6.8.1941 London, hingerichtet), deutscher Abwehr-Agent (Decknamen: Keller; Werner Heinrich Wälti o. Waelti, auch: Walti; möglichweise sind Klarname und Deckname auch umgekehrt: Wälti/Petter). Vor dem Zweiten Weltkrieg angeblich Fahrer des französischen Konsuls in Hamburg. 1939 in Antwerpen, um sich dort als Funkagent der Abwehrstelle X, Hamburg,zu etablieren. Als angeblicher Schweizer Staatsbürger am 30.9.1940 im Mory Firth (GB) von einem Flugboot zur Spionage abgesetzt. Am selben Tag von britischen Sicherheitskräften in Edinburgh festgenommen; Petter wird sogleich aufgrund seines gefälschten, mit „ä“ geschriebenen britischen Passes enttarnt; er wird am 6.8.1941 gehängt.

4. August 2021 – 130. Geburtstag des SD-Funktionärs und Kriegsverbrechers Max Thomas

Max Thomas, Dr.med. (4.8.1891-November o. 3.12.1945, Selbstmord), Arzt, SD-Funktionär, zuletzt SS-Gruppenführer (9.11.1942) und Generalleutnant der Polizei. Teilnehmer am Ersten Weltkrieg, ausgezeichnet mit dem EK I. Seit 1933 Mitglied der NSDAP und der SS. Oktober Inspekteur der Sipo und des SD (IdS) Wiesbaden. Juni 1940-Oktober 1941 Beauftragter des Chefs der Sipo und des SD in Frankreich. Oktober 1941-29.4.1943 Kommandeur der Einsatzgruppe C in der Sowjetunion. 1944 im SS-Personalhauptamt.

3. August 2021 – 155. Geburtstag des kommunistischen Geheimdienst-Funktionärs Friedrich Senger

Friedrich Senger (3.8.1866 Bochold-3.8.1936 Wuppertal, ?Selbstmord), Kraftfahrer, kommunistischer Geheimdienst-Funktionär. Ursprünglich Mitglied SPD, nach 1933 zum AM-Apparat der illegalen KPD, 30.7.1936 festgenommen, in der Haftzelle erhängt.

2. August 2021 – 135. Geburtstag des kommunistischen Spitzenfunktionärs Paul Bertz

Paul Bertz (2.8.1886 Mühlhausen/Thüringen-18./19.4.1950 Gera, Selbstmord), Werkzeugschlosser, kommunistischer Spitzenfunktionär, mutmaßlicher Agent (Deckname: Johann). 1910 Eintritt in die SPD, im Ersten Weltkrieg im Spartacus-Bund, ab Ende 1918/Anfang 1919 Mitglied der KPD, deren Abgeordneter 1922-25 in Sachsen und 1924-30 im Reichstag. Als sog. Linksabweichler verfemt. Nach Der NS-Machtübernahme Flucht Ende 1933 in die Niederlande, von dort 1934 nach Frankreich, Wiederaufnahme in die illegalen Parteistrukturen unter dem Decknamen Johann; in einzelnen Veröffentlichungen als Leiter der Abwehr bezeichnet. Vorn Frankreich aus Schleusungstätigkeit nach Deutschland, auch Leiter des KPD-Grenzstützpunktes Zürich. Ab August 1939 erneut in Widerspruch zur Parteilinie wg. des Hitler-Stalin-Pakts, den er verurteilt. Nach Kriegsbeginn im September 1939 als deutscher Emigrant in Frankreich interniert. Nach der Freilassung in die Schweiz ausgewichen, dort Führungsfigur in der illegalen KPD. Im Frühjahr 1941 zu Unrecht vom RSHA auf der Sonderfahndungsliste SU als: B227, RSHA IVA2-2909/36g zur Festnahme in der Sowjetunion ausgeschrieben, während sich Bertz in Wirklichkeit unerkannt in der Schweiz aufhält. Nach dem Krieg Rückkehr nach Deutschland, in die Sowjetische Besatzungszone, dort erneut als Abweichler verfemt und alsbald in Verdacht geraten, ein sog. Noel Field-Agent zu sein. Begeht, als er sich vor der Zentralen Parteikommission der SED in Ost-Berlin rechtfertigen soll, Selbstmord.

31. Juli 2021 – 50. Todestag des britischen Geheimdienstoffiziers Desmond Morton

Desmond Morton (13.11.1891 Hyde Park Gate/England-31.7.1971), britischer Offizier, Geheimdienstmitarbeiter. Schulausbildung in Eton. 1909 an der Royal Military Academy in Woolwich. Artillerieleutnant. Ab Sommer 1914 beim Britischen Expeditionskorps in Frankreich. Nach Verwundung und Genesung ab 23.7.1917 dem Feldmarschall Sir Douglas Haig als Adjutant zugeteilt; zugleich enge Verbindung zum britischen Munitionsminister Winston Churchill. 1919 zum Foreign Office abgeordnet, in Wirklichkeit zu MI 6, dort Leiter der Sektion V (Bolschewismusabwehr). 1930-39 Leiter des Industrial Intelligence Center (IIC) ; in dieser Zeit Weitergabe von Geheimdienstinformationen über die deutsche Wiederbewaffnung an Winston Churchill, der ohne Regierungsamt ist. Danach Mitarbeit beim Aufbau des Ministeriums für wirtschaftliche Kriegführung (MEW), in diesem dann 1. Assistent des Ministers. 1940-45 Persönlicher Sekretär von Winston Churchill. 1946 Delegierter bei der Interalliierten Agentur für Reparationen. 1950 Wechsel vom Schatz-Amt zum Ministerium für zivile Luftfahrt. 1953 in Ruhestand.

29. Juli 2021 – 120. Geburtstag des mutmaßlichen Agenten Davis Bengen

Davis Bengen (29.7.1901 London-? [?ders. -Februar 1978 West Hempstead/Nassau County/New York]), mutmaßlicher Agent. Wird 1940 vom RSHA in London vermutet und auf der Sonderfahndungsliste GB wg. vorangegangener Spionageaktivitäten zur Fahndung in Großbritannien ausgeschrieben (RSHA IV E 3, Stapoleitstelle München).

28. Juli 2021 – 125. Geburtstag des estnischen Geheimdienstoffiziers Richard Maasing; 110. Geburtstag des Kriminalbeamten Heinz Pannwitz; 80. Todestag des sowjetischen Geheimdienstfunktionärs Samuil Perewosnikow; 130. Geburtstag des finnischen Einflussagenten Waino Ilmari Pesonen

Richard Maasing (28.7.1896 Vorbuse/Estland-10.4.1976 Stockholm), estnischer Offizier. Im Ersten Weltkrieg russischer Offizier. 1918 bei der deutschen Frühjahroffensive an der Ostfront in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten. Ende 1935-38 (o. 1.4.1934-1.9.1939) als Oberst Leiter des estnischen Geheimdienstes (Abteilung II des Generalstabs). In dieser Funktion und danach enge Zusammenarbeit mit dem Amt Ausland/Abwehr gegen die Sowjetunion. Verlässt am 9.10.1939 Tallinn mit dem Schiff und reist über Stralsund nach Stockholm. 1938?-40 estnischer Militärattaché in Stockholm; verbleibt dort auch nach der Besetzung durch die Sowjetunion; enge Zusammenarbeit mit dem japanischen Heeresattaché Ondera Makato bei des Spionageaktivitäten gegen Deutschland und die Sowjetunion. (?Anschließend/zwischenzeitlich Übersiedlung nach Deutschland).

Heinz Pannwitz (recte: Heinz Paulsen) (28.7.1911 Berlin-1975), Kriminalbeamter, SS-Offizier. Zunächst Studium der Theologie; nach der Aufgabe 1937 Eintritt bei der Kripo, 1939 Kripokommissar in Berlin. 1940 Versetzung zur Gestapo, dort Kriminalrat, Leiter des Referats IIg (Attentate, illegaler Waffenbesitz, Sabotage) bei der Gestapo in Prag; dabei 1942 bei der Mordsache Heydrich als Leiter der Soko eingesetzt, sodann Strafversetzung zur finnisch-russischen Front. März 1943 als Kriminalrat im RSHA Chef der Sonderkommission Rote Kapelle in Paris. Begibt sich zusammen mit Anatolij Gurjewitsch im Mai 1945 in Bludenz/Österreich in französische Gefangenschaft, wird nach Paris überstellt und sodann in die Sowjetunion verbracht, 1945-55 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft; dort umfangreiche Vernehmungen, u.a. durch den Smersch-Chef Viktor Abakumow. Zu 25 Jahren Haft verurteilt. Lebt nach der Freilassung in Ludwigsburg. Sein früherer Vorgesetzter Eugen Steimle behauptet später, Pannwitz sei sowjetischer Agent gewesen.

Samuil Markowitsch Perewosnikow (ПеревозниковСамуилМаркович) (12.1.1904-28.7.1941 Moskau, hingerichtet), sowjetischer Geheimdienstfunktionär (Deckname: Semjon Markowitsch Petrow, Семён Маркович Перов), Nationalität lt. Haftakte: Jude. 1922 Übersiedlung nach Deutschland, dort in Berlin Ausbildung zum Bankkaufmann. 1924 Eintritt in die KPD, gleichzeitig Sekretär der Vereinigung der sowjetischen Studenten in Deutschland. 1926 Rückkehr in die Sowjetunion, dort zur Roten Armee einberufen. Ab 1933 Mitarbeiter der INO, 1934-39 illegaler Resident in Shanghai. 1939 Rückruf nach Moskau, dort Anfang September verhaftet. Am 7.7.1941 wegen angeblicher Spionage zum Tode verurteilt und wenig später erschossen. 1967 posthum rehabilitiert.Waino Ilmari Pesonen (28.7.1991 Helsingfors-?), Finne, deutscher Agent (Decknamen: Björkman; Erik Salin o. Sahlin). Reist 1915 illegal nach Deutschland aus und wird im (finnisch-deutschen) Jäger-Bataillon militärisch ausgebildet. Seit Herbst 1915 erneut in Finnland, um dort weitere Jäger anzuwerben. Betätigt sich ab März 1917 beim Sprenstoffverteilungsring von N in Oslo (Rautenfels-Affäre).

27. Juli 2021 – 105. Todestag des britischen Piraten Charles Fryatt

Charles Algernon Fryatt, (auch: Edward) (2.12.1872 Southampton/England-27.7.1916 Brügge/Belgien, hingerichtet), britischer Seeoffizier, Saboteur. Rammt mit seinem als U-Boot-Falle (Q-Ship) benutzen Handelsschiff im März 1915 ein deutsches U-Boot. Wyatt lässt die im Wasser treibenden deutschen Soldaten von Bord aus erschießen. Wird 1916 mit seinem Dampfer Brussels von deutschen Seestreitkräften in der Nordsee vor Holland aufgebracht; bei der Durchsuchung des Schiffes werden zahlreiche Berichte des britischen Spionagerings von Richard Tinsley aus Holland aufgefunden, die zum Auffliegen etlicher Agenten in Belgien führen. Wird im Juli 1916 im besetzten Belgien als Saboteur erschossen. Der Fall Fryatt wird von den Kriegführenden beider Seiten für propagandistische Zwecke ausgeschlachtet. Die englische Seite behauptet noch heute, das U-Boot sei gar nicht gesunken.

25. Juli 2021 – 80. Todestag des Komintern-Agenten Willi Gall

Willi Gall (3.10.1908 Falkenstein/Vogtland-25.7.1941 Berlin-Plötzensee, hingerichtet), kommunistischer Funktionär, Komintern-Agent. Lehre als Dreher. 1929 Eintritt in die KPD. Funktionär in der Unterbezirksgruppe Zittau. 1933 Flucht in die Tschechoslowakei, bei der sog. Grenzarbeit mehrfach Einreise nach Deutschland. 1938/39 in Dänemark. Von dort imAugust 1939 illegale Einreise nach Berlin. Versucht dort, Verbindungen wiederaufzubauen. Hierbei im Dezember 1939 festgenommen. Zum Tode verurteilt und hingerichtet.

23. Juli 2021 – 110. Geburtstag des sowjetischen Geheimdienstfunktionärs Norman Borodin

Norman Michailowitsch Borodin (БородинНорманМихаилович; urspr. Grusenberg, Грузенберг) (23.7.1911 Chikago/USA-8.1974), sowjetischer Geheimdienstfunktionär (Deckname: Granit), zuletzt Oberst. Sohn des Revolutionärs Michail Borodin. 1923 zusammen mit der Mutter Übersiedlung aus den USA in die Sowjetunion. Seit März 1930 Mitarbeiter der ® INO in der ® OGPU. 1931-33 Agent der INO in Berlin. 1934 Rückkehr mach Moskau, Studium an der Militärchemischen Akademie der Roten Armee. 1937 Ernennung zum Stellvertreter des illegalen Residenten Itschak A. Achmerow in den USA. Als Student getarnt, wirbt er mehrere Quellen in der Lateinamerikaabteilung des State Departments an. 1938 Rückkehr in die Sowjetunion, während des Krieges NKWD-Mitarbeiter in Moskau (nach anderer, aber unwahrscheinlicher Darstellung während des Krieges als Mitarbeiter des Internationalen Roten Kreuzes getarnt in Berlin). 1949 verhaftet und nach Karaganda deportiert. 1955 in das KGB aufgenommen, dort Leiter der Abteilung für die Arbeit mit ausländischen Korrespondenten. 1961-67 Chef der aktiven Reserve der PGU des KGB, gleichzeitig Chefredakteur bei Nowostij; publiziert dort unter den Pseudonymen: N. Bardin, N. Barojan, N. Borisow, N. Tariblow. – Borodin dient dem sowjetischen Autor Julian Semerow als literarisches Vorbild für dessen (erfundenen) Helden Maxim Issajew, alias SS-Standartenführer Otto von Stierlitz in der Spionageschnulze Siebzehn Augenblicke im Frühling, die in der Spionageliteratur als Selbstläufer für viel Verwirrung gesorgt hat.

Sudelbuch II 1.1.-9.6.2021

Am 10. Juni 2021 verschwand das Sudelbuch II bis einschließlich 9. Juni 2021 aus meiner Homepage auf Nimmerwiedersehen. Leser B.S. wollte das nicht einsehen und hat mir eine Rekonstruktion ab dem 1. Januar 2021 übermittelt. Da ist sie:

1. Januar 2021

Noch verschreibe ich mich bei der neuen Jahreszahl, nachdem ich so oft 2020 getippt habe. Beim Betrachten der Neuerwerbungen von A. Paul Weber, fällt die Graphik Vater & Sohn auf den Fußboden. Aus der versuche ich einen Neujahrspruch zu destillieren. Anders, als womöglich vom Künstler beabsichtigt, fällt mir ein: Man kann sich dem rasenden Zug nicht in den Weg stellen, aber eine Weiche sollte man schon in seine Hand bringen.

3. Januar 2021

Über Nacht hat es geschneit. So schnell wirkt die CO2-Abgabe. Nach nur zwei Tagen. Wer hätte das gedacht.

Schnee von gestern: Früher wurde er geräumt. Das war mal, jetzt bleibt er in Weimar, wo er ist, jedenfalls auf den Fahrbahnen. Merke: Die Menschen wollen das so.

Nachts am Schloss vorbeigefahren, um Besucher nach Hause zu bringen. Niemanden gesehen, nicht mal die sonst dort parkenden Autos.

4. Januar 2021

Die Demokratie stirbt an der Gleichgültigkeit ihrer Bürger.

Die montagmorgendlichen Verkehrsgeräusche sind kaum zu hören. Wg. Schnee und Corona.

Hochnebel und völlige Windstille. Frei nach Matthias Claudius: Der Wald steht weiß und schweiget. 

7. Januar 2021

Die Wahlfälscher in den USA haben heute Nacht einen historischen Sieg über das von ihnen beherrschte Volk errungen.

Wahlfälscher (2): Das politische Personal spricht vollmundig von einem Sieg der Demokratie und ahnt nicht, wie dicht es an der Schwelle der Selbstabschaffung steht.

Wahlfälscher (3): Wir werden die Folgen hierzulande zu spüren bekommen, denn Nachahmung ist naheliegend.

15. Januar 2021

Letztes Frühjahr zwei Langzeit-Wetten gegen Leute eingegangen, die was von Politik verstehen. Wette 1: In Thüringen wird im April 2021 nicht neu gewählt – Wette gewonnen. Wette 2: Die Führerin bleibt uns über den September 2021 erhalten – die Chance steigen jeden Tag, an dem wir diese Zahlen haben.

Wette (3): An diesem Wochenende wird angeblich ein neuer CDU-Vorsitzer gewählt. Die Aufregung über den Ausgang der Sache ist in der politischen Klasse beträchtlich. Aber nur dort. Wetten?

20. Januar 2021

Neues aus der Wagenburg: „Zum Beginn des Jahres 2021 ist die Corona-Pandemie von großer Hoffnung geprägt.“ (Beschlussvorlage aus dem Kanzleramt vom Vortage).

Wagenburg (2): Das Stümperdeutsch der Kanzlerin ist offenbar ansteckend. Siehe oben.

Wagenburg (3): In Washington DC. sollen 25.000 Nationalgardisten die Krönungsfeier von Sleepy Joe beschützen. Soviel Furcht vor dem Bürger war nie.

Wagenburg (4): Die Gardisten sollen nach dem Willen Bidens unbewaffnet auftreten. Sonst sei der Eindruck im Ausland schlecht. Doch ich denke: Soviel Furcht vor den eigenen Wachen war nie.

22. Januar 2021

Purer Zufall: Genau eine Stunde nach dem Amtswechsel im Weißen Haus ändert die WHO ihre Testmethode für Covid-19. Ergebnis: Rund 90 Prozent der bisher als positiv Getesteten haben mit der Seuche nichts zu tun – nicht krank, nicht ansteckend. Ischt over, wie man in EU-Kreisen sagen würde.

Zufall (2): China hat entscheidenden Einfluss auf die WHO. Ob China auch entscheidenden Einfluss auf den neuen US-Präsidenten hat, gilt als umstritten. Für das Erste gibt es Zahlen, für das Zweite gibt es bald nur noch ein Erinnern bei Verschwörungsphantasten.

Kein Zufall: Der eine rackert sich ab und verliert die Wahl, der andere gewinnt sie im Schlaf.

23. Januar 2021

Apropos Wissenschaft: Es fragte der Journalist Boris Reitschuster in der Bundespressekonferenz in dieser Woche die Göttliche: „Auch in der Unionsfraktion wurde Ihnen gestern vorgeworfen, dass Sie sich einseitig beraten ließen, in der Expertenrunde waren zwei Vertreter von Null-Covid, es war kein einziger expliziter Kritiker dabei, es gibt die Studie von Ioannidis, wissenschaftlich belegt. Der sagt, Lockdown schadet, hilft nicht, es gibt keine wissenschaftlich belegte …, die die Bundesregierung nennen konnte. Warum tauschen Sie sich nicht mit den expliziten Kritikern offensiver aus, warum wird diese Ioannidis-Studie nicht berücksichtigt, als Wissenschaftlerin müssen Sie doch immer beide Seiten hören, und woher kommt der Glaube, wie das Ihre Sprecherin ausdrückte, wenn ja auch viele Wissenschaftler andere Meinungen haben.“

Sie antwortete: „Jeder Wissenschaftler arbeitet nach bestem Wissen und Gewissen. Aber die Grundentscheidung heißt, wie will ich darauf setzen, doch natürlich durch den Impfstoff etwas weniger ausgeprägt, darauf setzen immer sich so viel wie möglich Leute anstecken zu lassen, um dann doch irgendwo zu einer besseren Durchseuchung vielleicht der Jüngeren, schrecklich, anderes Wort, also besseren Infektionsimmunität sag ich mal, jüngerer Altersgruppen zu kommen. Oder will ich das nicht. Und diese politische Entscheidung, die habe ich getroffen. Dann kann ich trotzdem die wissenschaftlichen Studien lesen, aber uns nimmt ja keiner die Entscheidungen ab. Und diese politische Entscheidung habe ich getroffen, weil ich weiß, Prof. Kulmer hat mir gesagt, aus der Charité, vor kurzer Zeit war das Durchschnittsalter der dort liegenden Menschen 63. Und da, wie Sie wissen, dass die Todesrate natürlich bei den Älteren viel, viel höher ist, oder der viel schwerere Verlauf. Wissen Sie, wenn 63 der Durchschnitt ist, wie viel jüngere auch davon betroffen sind.“

Da kann man nur sagen: Danke.

24. Januar 2021

Галерея:

Der Wärmetod erreicht, wie vom Club of Rome vorhergesagt, die Ilm und erfreut den letzten freilaufenden Wandersmann.

27. Januar 2021

Der Zeitgeist lebt, der Bundeszentrale für politische Bildung sei Dank: „Das bpb:seminar digital Postkolonialer Blick und koloniale Kontinuitäten bietet eine einführende Auseinandersetzung mit postkolonialer Theorie. Vorkenntnisse werden nicht benötigt. Durchgeführt wird das Angebot von Referent*innen der Initiative Bonn postkolonial.“

Depinnensterne (2): Na, Gott sei Dank. Oder sollte man formulieren: Voodoo sei Dank. Wahrscheinlich weiß die durchführende Initiative postkolonial das genauer, denn sie sagt: „Wir möchten eine Balance finden zwischen expliziten Räumen für nicht-weiße Perspektiven und auch der Ort sein, an dem trotz unterschiedlicher Diskriminierungserfahrungen gemeinsam an postkolonialen Strukturen gearbeitet wird.“ Genau: Postkolonialer Blicke sind postkoloniale Erfahrungen plus postkoloniale Theorie. Oder ist es andersrum? Na, egal. Hauptsache: keine Vorkenntnisse.

Kaisers Geburtstag: Der wurde vor 100 Jahren nur noch von den Unverbesserlichen gefeiert. Davon ist nichts mehr geblieben, nicht mal Kaisers Kaffee.

17. Februar 2021

Im Herzogin-Elisabeth-Krankenhaus in Braunschweig traten nach der Corona-Impfung von 88 geimpften Mitarbeitern sodann 37 wegen Impf-Reaktionen nicht zur Arbeit an. Die Klinik unterbrach die weitere Impfung, um den Betrieb nicht zu gefährden.

Impf-Reaktionen (2): Der Leiter des niedersächsische Krisenstabes bemerkte hierzu, die erwartbaren Nebenwirkungen seien letztlich ein positives Zeichen. Man sehe, dass der Impfstoff wirke. – Bleibt die Frage: Ist das Satire, oder wird der Mann für seinen zynischen Schwachsinn aus der Porto-Kasse eines Pharma-Konzerns bezahlt?

18. Februar 2021

Wenn–dann: Wenn ein Impfstoff zugelassen ist, ist er wirksam und sicher. So BMG Spahn gestern in Sachen AstraZeneca. Der Mann wiederholt sich.

Wenn–dann (2): Wenn 740.000 Impf-Dosen AstraZeneca angeliefert wurden, von denen nur 90.000 gebraucht („verimpft“) wurden, dann zeigt das, die hohe Zustimmung von Jedermann mit dem volkstümlichen Minister und seiner Kompetenz.

Wenn–dann (3): Wenn bei 88 Impfungen im Braunschweiger Krankenhaus 33 mal Komplikationen auftraten, dann spricht alles dafür, dass in 55 Fällen keine auftraten. Hochgerechnet auf die verimpften 90.000 Dosen, sind rund 55.385 Fälle komplikationslos verlaufen, oder anders gesagt: 34.615 nicht.

Wenn–dann (4): Wenn man im Gesundheitsamt Weimar anruft, um sich einen Impf-Termin geben zu lassen, dann geht niemand ans Telefon.

12. März 2021

„Eine interdependente Welt ist eine Welt der tiefen systemischen Vernetzung, in der sich alle Risiken durch ein Netz komplexer Wechselwirkungen gegenseitig beeinflussen.“ (Klaus Schwab: Der große Umbruch).

Ich übersetze mal: „Wenn die Dinge zusammenhängen, wirken sie aufeinander ein – mit jedem und allem, überall.“ Da kann man nur sagen: Danke Klaus.

2. April 2021

Impfkarnickel: Wenn ich dem amtlichen Schreiben des Weimarer Oberbürgermeisters trauen darf, soll ich mich dringlich impfen lassen.

Impfkarnickel (2): Wenn ich den konfusen Mitteilungen der Führerin trauen darf, ist AstraZeneka-Impfstoff ein sicheres Mittel, weil er zugelassen ist. Warum dennoch damit die unter 60-jährigen nicht mehr geimpft werden sollen, kann ich mir nur so erklären, dass er wohl doch nicht so sicher ist.

Impfkarnickel (3): Warum ich mich trotzdem jetzt damit impfen lassen soll, kann nur bedeuten, dass es bei mir nicht mehr darauf ankommt, ob ich über die Klinge gehe. Der Feldversuch findet an den Alten statt. Zwar schützt Alter von Torheit nicht. Dennoch verzichte ich dankend.

Impfkarnickel (4) Wo bleibt hier eigentlich der Artenschutz?

3. April 2021

Hans-Georg Maaßen (CDU), der Ex-Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, kandidiert, so lese ich, in Thüringen für den Bundestag. Warum auch nicht. Wenn man bedenkt, dass er vor gut einem Jahr gefragt wurde, ob er sich als Ministerpräsidentenkandidat im selben Kleinstaat zur Verfügung stelle, was er zurückwies, obwohl er es dann ziemlich sicher heute wäre, stellt sich die Frage: Warum nicht jener Durchmarsch, dafür nun diese Kandidatur? Nicht ganz fernliegend wäre wohl die Antwort: Ihm fehlt(e) es am Willen zur Macht.

5. April 2021

Zensur: Dass es diese in D nicht gibt, wissen wir aus den einschlägigen Festworten unseres politischen Leitungspersonals. Es verschweigt in diesem Zusammenhang gern die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Diese wird nicht durch den Schutz des Bürgers vor Eingriffen, sondern durch Pharisäertum bestimmt. Dieselben, die davon schwatzen, dass hierzulande jeder alles sagen dürfe, haben die Kompetenz, genau das zu unterbinden, auf mächtige Private übertragen.

Zensur (2): Der Berliner Hauptstadtjournalist Boris Reitschuster führt ein Interview mit dem ehemaligen Fußballprofi Thomas Berthold. Der berichtet von seinem Auftritt auf einer der Corona-Demonstrationen. Das Video wird umgehend auf Google-Youtube gelöscht.

Zensur (3): Was ist es, dass Otto Normale nicht mitkriegen soll? Hier redet ein beim Volk als Ex-Fußballweltmeister bekannterer Mann als alle Regierungs-Hanseln zusammengenommen, und er redet gegen die Coronamaßnahmen. Er sagt: Von zehn Leuten, die ich auf der Straße anspreche, denken zehn so wie ich. Sagt auch, dass Leute hier Geschäfte machen, die er nicht durchblicke. Kurzum, er redet schrecklich leicht nachvollziehbar, und er redet in freundlichem Ton. Das muss weg. Denn so wie der sieht wahrlich kein rechter Verschwörungsdepp aus. Der taugt nix als Feindbild. Daher muss das insgesamt weg, denn es könnte Schule machen. Gefunden auf: https://sciencefiles.org/2021/04/04/diktatur-ist-ein-meister-aus-deutschland-youtube-zensiert-boris-reitschuster/.

6. April 2021

Über Nacht hat es erneut geschneit. Früher hätte man von Aprilwetter gesprochen und sich entsprechend warm angezogen. Heutzutage spricht das Führerin-Gefolge von Erderwärmung und Einskommafünfgrad-Ziel und stellt eine ins Schwachsinnige reichende Verbindung zu Corona auf. Es sei der Lockdown der die Erderwärmung gottlob gestoppt habe. Einem normalen Menschen geht Anderes durch den Kopf: der Kälteeinbruch wird die diesjährige Erkältungssaison verlängern.

8. April 2021

Beim morgendlichen Suchen gedacht: Dem Einfüßigen fehlt keine Socke. Erfreut über den Einfall, doch bärenschlechtes Gewissen. Gedanken sofort verbannt. Nicht erfolgreich, denn am Schreibtisch fiel er mir wieder ein.

11. April 2021

Nach dem Tod des britischen Prinzgemahls ruft die WHO eine weltweite Empathie aus.

18. April 2021

Bei Hadmut Danisch entdeckt: Systematisch gesehen war Martin Luther [dank Johannes Gutenberg] der erste deutsche Blogger.

24. April 2021

Der am Vortage erworbene sau-teure Gemüseschäler einer französischen Küchengröße widersetzt sich seiner Anwendung am hiesigen Spargel. Greife entnervt zum angejahrten Vorgänger. Stelle später fest, dass die Klinge des Neuen mit einer hauchfeinen Folie bündig verschweißt ist, wohl um den Käufer vor unbeabsichtigter Verletzung zu schützen. Die Folie lässt sich nach mehreren Fehlversuchen nur mit Hilfe eines spitzen, sehr scharfen Messers entfernen. Dass ich mir hierbei nicht in die Hand schneide und den Schäler nicht beschädige, wundert mich hinterher noch.

Schauspieler plädieren ironisch für den totalen Lockdown. Jetzt ist Mainstream empört. Die Geldgeber fordern Berufsverbote. Recht so. Ich möchte nicht, dass meine Zwangsgebühren an Leute ausgereicht werden, die meine Gefolgschaftstreue unterminieren.

Schauspieler (2): Der Unterwerfungsvorgang wird interessant sein. Selbstkritik und Trotz. Die Selbstkritik wird nur der allerersten Garnitur helfen, weil nur diese ein oder zwei Stars für Propaganda nützlich sind. Der Rest geht – schon aus Gründen der Abschreckung – über den Jordan, egal ob er sich von sich selbst distanziert oder nicht.

28. April 2021

Rechtsstaat: Ein Weimarer Amtsrichter hebt einen Lockdown-Bußgeldbescheid wg. offensichtlicher Rechtswidrigkeit auf. Die Obrigkeit legt Rechtsmittel ein.

Rechtsstaat (2): Ein Weimarer Amtsrichter ermittelt ex officio gegen die Stadt wg. Verstoßes gegen das Kindeswohl, weil die Schüler vom Unterricht ausgesperrt werden. Er ordnet das Stattfinden des maskenfreien Präsenzunterrichts an. Die Entscheidung ist lesenswert. Die Obrigkeit legt Rechtsmittel ein.

Rechtsstaat (3): Amtsräume und Privaträume des Amtsrichters werden von der Staatsanwaltschaft wg. des Vorwurfs der Rechtsbeugung durchsucht.

3. Mai 2021

Der Verlag Knaur stand einmal für Kompaktes, verständlich für jedermann. Jetzt wird er als Lumpensammler tätig: Die Großen Reden der A.M.

Großes Gerede (2): Die DDR war zuweilen von amüsanter Ehrlichkeit heimgesucht. Sie verwendete den Ausdruck Autorenkollektiv.

Großes Gerede (3): Bis zum 2. August müssen wir noch warten. Warum bloß? Eine Sinologin, so liest man, müsse die Sentenzen erst sichten.

4. Mai 2021

#allesdichtmachen feiert seine Rückkehr auf YouTube nach anwaltlicher Abmahnung. Ich kann das Siegesgeheul verstehen, aber den Sieg nicht erkennen. Mainsteam ist vielmehr bemüht, die Sache aus den Schlagzeilen zu bringen. So marginalisiert man den kleine Schauspieler-Aufruhr zum Nichtereignis, das bestenfalls belächelt wird. Die Quittung erfolgt, wenn keiner mehr darüber redet.

Eine Svenja Schulze trägt den Kuller für One World-Deppen aus dem UNO-Shop am Revers ihrer roten Jacke während einer Presskonferenz, die sie in ihrer Rolle als Umweltministerin der Republik gibt. Das ist verständlich, denn sie rettet gerade das Weltklima. Man wird kaum sagen können, dass dies ein Alleingang sei, denn die Rechnung zahlen wir, die deutschen Steuerbürger.

5. Mai 2021

Doch noch mal #allesdichtmachen. Da trifft es jetzt einen (mir bis dato Unbekannten), der nach meinem Geschmack den schärfsten aller Sprüche losgelassen hatte: „Mein Name ist Volker Bruch, ich bin Schauspieler. Und ich habe Angst. Aber ich merke, wie meine Angst nachlässt. Das macht mir Angst“. Die Wut von MS ist verständlich, denn das ist keine Satire mehr, sondern pure Subversion.

10. Mai 2021

Querdenker, so lese ich, delegitimieren den Staat. Diesen Stuss kann sich nur einer der seit geraumer Zeit beim Verfassungsschutz ganz nutzlos angestellten Politologen ausgedacht haben. Hätten diese Sprachholperer recht, würden diese neuerdings nachrichtendienstlich Beobachteten prinzipiell die Berechtigung der staatlichen Organisationsform in Abrede stellen. Tun sie aber erkennbar nicht, sondern sie halten bemerkbare Teile des heutigen Regierungshandelns für illegal, wofür vieles spricht, wenn man sich der Mühe unterzieht, im Grundgesetz zu blättern.

Legitimation (2): Wie hatten es unsere Vorväter doch einfach. Die Legitimation der Herrschaft folgte aus Gottes Gnadentum: Der Herrscher hatte seine Berechtigung zum Herrschen auf direktem Wege von Gott. Mancher jener Amtsinhaber verwechselte sich daher mit Gott. Es sieht so aus, als wären wir auf ähnlichem Wege. Die moderne Vokabel heißt Alternativlosigkeit.

Legitimation (3): Bis gestern galt als Berechtigung zur staatlichen Herrschaft in den demokratischen Staaten westlichen Zuschnitts der Wille des Volkes. Wenigstens in der Theorie. Klingt unglaublich – ich weiß.

19. Mai 2021

In den USA und auch in Deutschland müssen die Auto-Hersteller ihre Produktion drosseln, weil sie die benötigten Chips nicht beschaffen können. So simpel geht Wirtschaftskrieg, wenn ein Land die Globalisierung als Waffe benutzt.

20. Mai 2021

Nachdem die Big Tech-Matadore den gemeinsamen Hauptfeind Donald T. erledigt haben, ist es um ihre Einheit geschehen. Jetzt streiten sie, wer der Größte und der Schönste ist. Billy Boy jedenfalls ist es nicht. Der ist gerade für die Medien-Meute freigegeben worden, damit sie ihn fertiggemacht. Unklar ist noch, ob es die üblichen und beliebig austauschbaren Apparatschiks sind, die das Microsoft-Imperium übernommen haben. Wenn ja, wer lenkt sie?

21. Mai 2021

Ein Gesicht gibt Auskunft: Vor knapp 20 Jahren notierte ich, weil ich sonst nichts zu erkennen vermochte, zur Kandidatin: Verschlagen.

Ein Gesicht gibt Auskunft (2): Diese Schwierigkeiten bestehen heuer nicht. Die Antwort heißt dummdreist.

22. Mai 2021

Sowas kann man beim besten Willen nicht erfinden: „In manchen Dingen sind wir einfach sehr anders, und dann gibt’s natürlich Themen, ja … vom Hause her … kommt er [Annalena zeigt auf Habeck] … Hühner, Schweine, äh, weiß nich, was haste … Kühe melken … ich komm eher aus dem Völkerrecht, ja … da, e-eg … da, eg … komm‘ wir aus ganz anderen Welten im Zweifel, und, äh … das passt gut! Ich glaube halt, es is gut, dass wir ’n Ding … es wär doch blöd, wenn wir genau beide sagen, ich bin aber Völkerrechtsexperte, oder ich bin aber Landwirtschafts, äh, experte, ja, dann würden wir uns dauernd streiten, wer dieses Themenfeld, äh, besetzen darf.“ [https://www.youtube.com/watch?v=nOMW8Kn4OLw].

YouTube (2): Manchmal ist dieser Kanal sehens- und hörenswert. Aber man muss es speichern, sonst ist es plötzlich nicht mehr da.

23. Mai 2020

Die grünen Politbüromitglieder müssen, so lese ich, ihr Weihnachtsgeld nachmelden. Hätten das halt übersehen. Wenn einer hohe fünfstellige Einnahmen übersieht, müssen die sonstigen gewöhnlichen Einkünfte wirklich beträchtlich sein. Wenn einer als Grüner überhaupt Weihnachtsgeld bezieht, muss er zuvor, wie ich annehme, ein Weihnachtsgedicht aufgesagt haben: Von drauß‘ vom Völkerrecht komm ich her.

Mainstream überkugelt sich, dass Obama die Meldung von Militärs bestätige, wonach die US-Boys Ufos gesichtet hätten. Das ist Framing pur, denn in allen Meldungen wird darauf hingewiesen, dass dies der ehemalige US-Präsident sei. Zutreffend, aber weniger spektakulär wäre der erläuternde Zusatz, dass O. und seine Michelle einen lukrativen Beratervertrag bei Netflix haben. Sie sollen dafür sorgen, dass die Serien realistischer werden. Na dann.

26. Mai 2021

Der Kampf der New Tech-Giganten um die Meinungshoheit nimmt Fahrt auf. Amazon kauft für über 8 Mrd. Dollar den Filmriesen MGM. Das begleitende Ökonomengeschwafel seines leitenden Vizepräsidenten kann das nicht verdecken: „Der wahre finanzielle Wert hinter diesem Deal ist der Schatz an geistigem Eigentum in dem umfangreichen Katalog, den wir gemeinsam mit dem talentierten Team von MGM neu definieren und entwickeln möchten. Es ist sehr aufregend und bietet so viele Möglichkeiten für qualitativ hochwertiges Storytelling“ (https://www.epochtimes.de/wirtschaft/unternehmen/amazon-kauft-beruehmtes-hollywood-studio-mgm-fuer-845-milliarden-dollar-2-a3521843.html).

Meinungshoheit (2): Storytelling ist das neue Zauberwort, was, vom Zuckerguss befreit, Beeinflussung bedeutet.

27. Mai 2021

Es ist zweieinhalb Jahrzehnte her, dass ich den Thriller-Autor Giesbert Haefs in Erfurt lesen hörte. Dieses hier aus seiner Feder (1998) hatte ich nicht mehr im Ohr: „Der gemeine Gutmensch deutscher Fertigung, homo politicorrectus, verbindet abstoßende Langeweile mit ätzender Lästigkeit; er vertritt immer alle Positionen, die zur Zeit von der Abteilung Weltverbesserei belegt werden, und zwar vertritt er sie missionarisch. Ein Phänomen, nebenbei – missionarisches Zeitgeistsurfen. Wenn man es so nennen mag. Er ist zum Beispiel gewalttätiger Pazifist, die Umgebung durch Geschwätz verschmutzender Umweltschützer, doktrinär antiautoritär, so was. Richtet pausenlos zur ernstgemeinten Beglückung der Welt neue Inquisitionen ein. Mit einem Wort: widerlich“.

30. Mai 2021

Der für mich zuständige Beauftragte der Bundesregierung heißt Wanderwitz – wirklich, der heißt so. Wieso die Leute im Osten eines besonderen Beauftragten bedürftig sind, hat mir noch niemand erklären können. Ich weiß über diesen Wanderwitz – er heißt wirklich so – nichts, nur dass er meine Nachbarn als nicht in der Demokratie angekommen bezichtigt. Ich kann aus eigenem nunmehr 30jährigem Erleben sagen: Der Mann hat sie nicht mehr alle.

Wanderwitz (2): Möchte nicht wissen, was es für ein Theater gäbe, wenn die Bundesregierung plötzlich einen Westbeauftragten einrichten würde, der den Leuten sagte, sie sollen endlich von den Marx’schen Lehren Abstand nehmen. Sie wären erwiesener Weise unbrauchbar – selbst wenn sie grün gestrichen sind.

1. Juni 2021

Wahn und Wirklichkeit: Im Staatsnahblatt FAZ verkündete die Führerin am 24. Februar 2021 ihre Impfziele: 9,5 Mio pro Woche. Bei Anwendung der Grundrechenarten wäre Deutschlands Bewohner Ende Mai 2021 „durchgeimpft“ gewesen. Die Zahlen von Robert Koch & Co sehen etwas anders aus. Stand gestern sind es – falls die offiziellen Zahlen stimmen, was man nie weiß – 17,6 Prozent (Erst- plus Zweitimpfung).

Wahn und Wirklichkeit (2): Das Gedrängel an den Impfstellen ist überschaubar, seit letzter Woche geht der Andrang merklich zurück. Keine Angst mehr vor Corona? Da hat die Propaganda versagt. Lauterbach übernehmen Sie!

2. Juni 2021

Der Chef von Microsoft hat eine Warnung an die Politik herausgegeben, die Möglichkeiten der Künstliche Intelligenz (KI) seien auf dem besten Wege, den totalen Polizeistaat zu verwirklichen, der sich von seinen Installateuren unabhängig mache. Weiß dieser Mann im Ernst nicht, was seine Firma seit vielen Jahren tut? Oder handelt es sich hier um das Feurio-Rufen eines geschlagenen Konkurrenten, der erkannt hat, dass Apple, Google und Amazon ihm davongelaufen sind?

Speicherwahn (2): Vielleicht hat der Microsoft-Lenker sich auch erstmals ernsthaft mit den Aktivitäten der eigenen Firma befasst, die seit etlichen Jahren die gigantischen Speichermöglichkeiten der DNA erforscht hat (Projekt Microvenus, wie lieb) und nun zur praktischen Anwendung bringen will.

Speicherwahn (3): Vielleicht hat der besorgte Mann auch erstmals zu Hause einen neuen PC installieren wollen und bemerkt, was Windows10 unbeeinflussbar mit seinen Daten veranstaltet. Zu kontrollieren ist das eine, aber selbst kontrolliert zu werden, ist nicht jedermanns Sache.

5. Juni 2021

Neues Wort gelernt: Völkerrechtlerinleugner.

Leugner (2): Ja, dazu bekenne ich mich, obwohl Mr. Gates sich dagegen sträubt (rote Schlangenlinie).

Leugner (3): Bitte keine Rückfragen. Das Wort ist nicht von mir. Bin auch kein Völkerrechtler, und vom Völkerrecht komme ich schon gar nicht her. Habe nur, ach, Juristerei studiert, wie mein verstorbener Kollege aus Weimar, J.W.G., einst dichtete.

Facebook sperrt Trump für 2 Jahre. Und dann? Wiederzulassung, nachdem der einen Zuckerberg-Diversity-Nachweis erbracht hat? Oder so.

Zuckerberg (2): So manifestiert sich Größenwahn. L‘état c‘est moi.

6. Juni 2021 

Annalenas Welt: „Das geht gar nicht: Kohlestrom verstopft die Netze, Atomstrom darf obendrein in Netzengpassgebiete übertragen werden… https://t.co/we0zKiCuj3“ (Empörungsgebrabbel über die angebliche Strompolitik des BMWi).

Annalenas Welt (2): Das Leistungssportlerin hüpfte auf Minitrampolins und im Bauernhaus, in dem die Wiege stand, da trieb seit Generationen niemand mehr Landwirtschaft.

Annalenas Welt (3): Was mag in dem Kopf vorgehen? Blättere im Pschyrembel. Die Antworten dort sind unerfreulich.

9. Juni 2021  Von der Werbe-Firma Spreadshirt kann ich nur abraten. Dort kann man zwar gewerblich T-Shirts bedrucken lassen, nicht jedoch, wenn es der Firma plötzlich einfällt, dass ein Kunde oder seine Wünsche ihr irgendwann nicht mehr gefallen. Dann wird er ohne Federlesens gelöscht und seine Aufträge verschwinden im Nichts. So erging es vor wenigen Tagen dem Blogger Egon W. Kreutzer. Sein Vergehen war der Spruch: „Getestet? Nein | Genesen? Nein | Geimpft? Nein| Gesund? Ja“

Schilda an der Ilm – Aus dem Sudelbuch

31. August 2020 

Führerworte: Das Virus ist eine demokratische Zumutung.

Führerworte (2): Habe drei Tage gebraucht, um zu glauben, dass sie das tatsächlich gesagt hat. Hat sie.

30. August 2020 

Das dank Klimawandel nicht endende Sommerloch beschert mir Stoff zum Nachdenken. Krokodil in der Unstrut gesichtet. Sagen zwei Zeugen, sagt die Polizei. Das Polizeiaufgebot ist ca. 100 zu 1. Doch wo ist das Krokodil? Wäre nicht die Bereitschaftspolizei aus Fünfneuland zum Wochenendausflug nach Berlin gereist, stünde der Staat dem Krokodil überzeugender gegenüber.

Sommerloch (2): Wer das Krokodil für einen gelungenen Scherz hält, ist ein Krokodil-Leugner. Nebenbei bemerkt: Es bedarf, dank der jüngst aufgetretenen verheerenden Wasserknappheit der Svenja Schulze – und die muss es wissen – nur ein wenig der Geduld, dann sitzt das Unstrut-Krokodil auf dem Trockenen und muss von Tierschützern aus der Luft versorgt werden.

Sommerloch (3): Nasenbären in Berlin gesichtet. Das Polizeiaufgebot ist mit ca. 3.000 zu 150.000 oder, wenn man so will, mit 1 zu 50 doch etwas schwächlich, um alle Corona-Leugner dingfest zu machen. Erst wenn man von den auf der Ost-West-Achse pilgernden Volksmassen die Zahl der Antifa-Chaoten und der Reichsbürger-Volldeppen extrahiert, kommen wir wieder zur gewohnten staatlichen Übermacht, ausgewiesen durch 300 Festnahmen.

Sommerloch (4): Das, was sich da vor meinen ungläubigen Augen ungehorsam, aber in guter Ordnung tummelt, ist also das von den sog. Eliten angeblich gefürchtete Volk? Doch sich die nicht festgenommenen sonnenbeschienenen 149.700 Corona-Leugner an einem nebligen Herbstabend auf dem Leipziger Ring vorzustellen, will nicht nur mir nicht gelingen.Sommerloch (5): Die Klima-Jugend hat in Hamburg das Dürresommer-Camp in der vergangenen Woche wg. Regens abgebrochen. Merke: Wo Erkältungen drohen, muss der Klima-Tod warten.

20. August 2020 

Wg. Corona: Die Ministerpräsidentin von Neuseeland kündigt an, die Wahlen zu verschieben. Der Vorschlag – er wird Schule machen – hat ein historisches Vorbild: Die Einführung des Austro-Faschismus Ende der 1920er Jahre in der Alpenrepublik. Nein, nein, nicht der Anschluss, der kam erst 10 Jahre später.

Wg. Corona (2): Der Genosse Lauterbach kündigt an, Karneval ausfallen zu lassen. Das ist konsequent in Zeiten, wo ohnehin jeder eine Maske tragen muss.

Wg. Corona (3): Schon wieder ein Toter. Er starb in Sachsen-Anhalt im Alter von 91 Jahren.

Wg. Corona (4): Wenn Tatsachen und Ansichten nicht zusammenpassen, spricht man von Wahn. Die Tatsachen lauten: Immer mehr Leute werden getestet, und immer weniger sind ernsthaft krank (die Zahl der intensiv Pflegebedürftigen liegt in ganz Deutschland bei 230 Personen). Für diese werden 12.000 komplexe Behandlungsplätze freigehalten. Deutschland im Corona-Wahn.Wg. Corona (5): Ein ziemlich großer Asiate („Du Helmut?“), der in eine Art durchsichtigen Weltraumfahreranzug verpackt ist, stochert durch das geöffnete Seitenfenster meines Autos mit einem überlangen Pfeifenreiniger in meinem Rachen und beiden Nasenlöchern (in dieser Reihenfolge), danach bin ich, das jedenfalls entnehme ich der im Übrigen unverständlichen Nachricht, Cov-19 neg. Das ist natürlich pos., weil es mich weiterer Überwachung enthebt.

Da haben Leute in den USA ein Problem mit einer Blondine namens Millie Weaver. Nicht, weil ihr Blondsein etwas übertrieben scheint, sondern weil sie einen Film veröffentlicht hat: Shadowgate. Er wird sofort aus den üblichen Netzwerken gelöscht. Ich sehe ihn auf der Plattform banned.video an. Über zweieinhalb Millionen Neugierige waren innerhalb von Stunden schneller als ich.

Shadowgate (2): Der Film handelt von der selbsternannten Nebenregierung der USA. Seine Quellen sind im Wesentlichen zwei Aussteiger aus dem sog. Militärisch-industriellen Komplex.

Shadowgate (3): Die Autorin wurde festgenommen. Ihr wird Einbruch und Behinderung der Justiz vorgeworfen. Das klingt angesichts des Filminhalts nicht gerade überzeugend.

Shadowgate (4): Der Inhalt des Films ist mit meinen Ermittlungen in Sachen Spygate, jene Operation des Establishments, Donald Trump zu Fall zu bringen, in Teilen kompatibel.Spygate (2): Die öffentliche justizielle Aufarbeitung des Putsches gegen Trump hat diese Woche begonnen. Gestern bekannte sich als erster einer der FBI-Juristen, Kevin Clinesmith, für schuldig, Ermittlungsakten verfälscht zu haben. In meinem Buch hatte ich ihn nur als möglichen Mittäter bezeichnet. Das wäre nunmehr zu korrigieren.

19. Juli 2020

Endlich mal wieder Nachrichten, die diese Bezeichnung verdienen: Der Großohr-Pfeifhase aus dem Himalaya hielt bis dato mit einer belegten Sichtung auf 5182 Metern den Säugetierhöhenrekord. Er musste jetzt der Blattohrmaus weichen, die auf dem Gipfel des Vulkans Llullaillaco im Norden von Chile in 6739 Meter Höhe entdeckt wurde. Das ist ein Sprung von über 1557 Metern in einer Welt, wo Rekorde seit Jahren in Nanometern gemessen werden.

Nachrichten (2): Es ist nicht mitgeteilt, ob die Blattohrmaus ihrem Entdecker zurief: I can breathe.

18. Juli 2020

Es gibt viel guten Willen. Aber es gibt auch viele Positionen. Und so werde ich mich mit dafür einsetzen. Aber es kann auch sein, dass es heute zu keinem Ergebnis kommt. – So die Führerin in Brüssel.

19. Juni 2020 Dazugelernt: Gestern polemisierte ich noch gegen die taz, weil sie empfahl, die Polizisten auf die Müllkippe zu kippen und zwar genau im Wortsinne, heute sagt mir der Deutschlandfunk, dass ich mich für meine Entgleisung zu entschuldigen habe. War alles nur Satire. Okay, ich entschuldige mich, dass ich keinen der Kollegen der Polizei angestiftet habe, mit den Redakteuren der taz einen Ausflug auf die nächste Müllkippe zu unternehmen. So zum Spaß.

18. Juni 2020 

Es genüge nicht, verlautbart der von allen geschätzte Bundespräsident, keine Rassist zu sein, sondern: Wir alle müssen Antirassisten werden. Bravo, aber nicht weitgehend genug. Mein Vorschlag: Es genügt nicht, kein Faschist zu sein, wir alle müssen Antifaschisten werden. 

Problem: Wenn wir dann, so wie der von allen geschätzte Bundespräsident es verordnet hat, alle Antirassisten geworden sind, gegen wen wenden wir uns dann eigentlich? Merke: Kluge Religionsstifter wissen: ohne Teufel geht es nicht.

Präsidiales: In Artikel 48 der Weimarer Reichsverfassung von 1919 gab es das Notverordnungsrecht des Reichspräsidenten. Ich müsste nicht Jurist sein, um nicht begründen zu können, dass diese Vorschrift auch unter der Herrschaft des Grundgesetzes fortgilt. So gesehen, erlangen die Worte des allseits geschätzten Bundespräsidenten die notwendige Rechtskraft.Wenn alle Polizisten als strukturelle Rassisten, so wie die Tageszeitung taz es fordert, auf der Müllkippe zu entsorgen sind, bliebe zu klären, wer denn das exekutiert. Ich nehme an: die Antifa.

17. Juni 2020 

Ich bin doch nicht blöd! – Warum fällt mir jetzt nur dieser saublöde Werbespruch ein? Ach so, ja: Corona-App: Ich bin doch nicht blöd.

Corona-App (2): Kenne niemanden, der das Ding installiert. Fazit: Ich habe die falschen Freunde.

Corona-App (3): Wenden Sie, wenn möglich, um.

14. Juni 2020 

Trinken mit andern nennt man zechen, tut man’s allein, ist es Suff.Greift einer zum zweiten und dritten Glas, ruft er bestenfalls Stirnrunzeln hervor, lehnt er das erste ab, muss er sich rechtfertigen.

13. Juni 2020 

Über die regionale gastronomische Spezialität der Mecklenburger Seenplatte habe ich vor Ort schon öfter dumme Witze gemacht. Jetzt weiß ich endlich, wer sie servieren sollte. Es ist die blonde Nadine Julitz. Sie sorgte mit der Kürze ihres Rocks im Schweriner Landtag für Aufmerksamkeit und hielt, was sie den Blicken aufdrängte, hernach für Sexismus. Beim Servieren in einem der Uferlokale in Waren an der Müritz hätte sie stattdessen nach Feierabend beim Zählen des Trinkgelds ihre empörungsfreie Freude gehabt. Fazit: Beruf verfehlt, für den Vornamen kann sie nichts.

Minirock (2): Einen zu kurzen Rock kann man kaum praktisch nennen, es sei denn man reduziert seine Funktion auf die eines Blickfangs. Und selbst dabei löst er, maßgeblich bestimmt durch seinen Inhalt, längst nicht immer die beabsichtigte Wirkung aus.Minirock (3): Wenn es die Absicht der Trägerin ist, bestätigt zu bekommen, dass Männer Schweine sind, hätte es genügt, auf den Rock zu verzichten.

29. Mai 2020

Trump unterzeichnet eine Executive Order, um gegen die Meinungsmonopolisten vorzugehen, welche die Meinungsfreiheit nach Gutdünken beschneiden, nachdem Twitter zum ersten Mal in dieser Woche einen Beitrag von ihm zensuriert hat. Trump (2): Ja, er zaudert nicht lange, der US-Präsident. Facebooks Zuckerberg sagt, seine Firma träfe das nicht, weil sie nicht zensuriere (hüstel, siehe Facebook vom Vortage), Twitters Dorsey besteht auf seinem guten Recht als private company. Das wird sich weisen im Land der Rechtswege.

28. Mai 2020 

Neues Wort aus der Neuen Welt: He Epsteined himself, für: er hing sich auf. Wie macht man bloß den richtigen Anglizismus daraus? Er epsteinte sich? Oder so: er epsteinigte sich? Hm.

Tichy gewinnt Gerichtsverfahren gegen Facebook, weil man ihm einen Schwanz von Correctiv angehängt hatte, der ihn der Falschmeldung bezichtigte („Behauptungen teils falsch“). Die Pressemeldung des Gerichts lese ich nicht bei TE, sondern tagsüber bei Epoch Times und spätabends bei Paetow.

26. Mai 2020

Wer sagte: „Was im Supermarkt versagt, funktioniert auch sonst nicht!“ Na? Es war der lebende Berufs-Philosoph Markus Gabriel, der die Leser der Neuen Züricher Zeitung ins Bild setzte, was über Corona zu tiefdenken sei. Merke: Nicht jeder Sinn ist tief, er kann auch schwach sein.

Schwachsinn (2): Den Gebrüdern Albrecht hätte ich den Satz ähnlich gewerbetextet, allerdings das Wort „was“ durch „wer“ ersetzt.

24. Mai 2020 

Habe mein Lebtag am 23. Mai nicht ans Grundgesetz gedacht, es sei denn, ich hatte gerade beruflich mit Grundgesetzfragen zu tun, dann aber nicht wg. des 23. Mai.

Grundgesetz (2): 71 Jahre Provisorium sind nun mal kein Anlass für stolzes Erinnern, sondern eher für skeptisches Betrachten.

Ein Staatsvolk, dem das Erinnern beschnitten wurde, hat nur einen hässlichen Historien-Torso zur Verfügung. Den zu feiern, gleicht einer Travestie.

Zustimmlinge, die 1945 elegant die Wende machten, sprachen an Stelle von Vaterland salbungsvoll von Verfassungspatriotismus. Der war ein tot geborenes Kind. Der etwas später geborene Verfassungsfeind erfreut sich hingegen bester Gesundheit.Der Angepasste hat keine Schwierigkeit mit Änderungen – nie.

20. Mai 2020 Finde im Netz allerlei frivole Hinweise, was am Vatertag an Corona-Regeln zu beachten sei. Als dieser Tag noch Christi Himmelfahrt hieß, hätten die Kirchen sicher auch ein Wort mitgeredet. Doch leeren Bänken ist schlecht predigen.

19. Mai 2020 

Corona-Abwehr: Tansanias Staatschef John Magufuli weiß, wovon er redet: „Es ist offensichtlich, dass Gott auf unsere Gebete gehört hat.“ Tja, Bill, wat sagste nu?

Verschwörung: Dunkle Kräfte wollen auf den Straßen ahnungslose Demonstranten verleiten, sich von der weltweiten liberalen Ordnung abzuwenden und damit von der Demokratie, so ein Handelsblatt-Interviewpartner.

Verschwörung (2): The Liberal World Order war mir bislang im Grundgesetz nicht aufgefallen. Sicher ein Fehler.Nur wenn man den Amtsnachfolger selbst ausgesucht hat, sollte man sein Tun beobachten.

17. Mai 2020 

Die Führerin lobt 75 Jahre Pressefreiheit in Deutschland. Die freie Presse lobt hierfür die Führerin. Nach dem Treuegelöbnis wird die Kollekte diskret zu den Limousinen getragen.

Pressefreiheit (2): Was mag der Startpunkt der wunderbaren 75 Freiheits-Jahre gewesen sein? Die Befehle der alliierten Militärbefehlshaber, die 1945 jegliche Pressetätigkeit strikt verboten?Der Zenit einer Karriere ist überschritten, wenn jede Äußerung eines jeglichen Potentaten ein Missverstanden-werden enthält.

15. Mai 2020 

Tabula rasa: In einer Nacht- und Nebelaktion werden die Kühltürme des stillgelegten Kernkraftwerks Philippsburg weggesprengt und somit die am 31. Dezember 2019 vorgenommene Abschaltung unumkehrbar gemacht.

Unumkehrbar (2): Es war das Vermögen der deutschen Stromkunden, das hier in die Luft gejagt wurde, denn die Laufzeit des Reaktors war bis zum Jahre 2032 ausgelegt.

Unumkehrbar (3): So wie in Philippsburg handelt sonst nur ein erkennbar Irrer, der das Porzellan der Familie zerschlägt, nachdem er auf Pappteller umgestiegen ist, um Wasser zu sparen, weil er nun nach dem Essen nicht mehr abwaschen muss.

Unumkehrbar (4): Die Maßnahme der grün-schwarzen Landesherren erinnert fatal an das Tun der Realsozialisten in der nunmehr verflossenen DDR, die Gebäude dem Erdboden gleichmachen ließen, die dem eigenen Weltbild im wahrsten Sinne des Wortes monumental entgegenstanden. Nach Jahrzehnten zur Besinnung gekommen, bemühen sich Heutige um den Wiederaufbau. Es wird sich weisen, ob auch im Falle von Philippsburg Jahrzehnte vergehen müssen, bis den ernüchterten Leuten auffällt, dass sie des Stroms aus Reaktoren bedürftig sind.

Aufbau und Zerstörung: Ideologien erkennt man daran, dass sie den Aufbau einer lichten Zukunft verheißen und zu diesem Zweck handfeste Werte, die anderen gehören, in die Luft sprengen.Aufbau und Zerstörung (2): Eine Ideologie hält sich so lange an der Macht, bis auch der letzte Tölpel begriffen hat, dass es nicht mehr lohnt, weitere Zerstörungen hinzunehmen.

14. Mai 2020 

Der US-Botschafter in Berlin Richard Grenell macht im Moment in Washington seinem Ruf, der Mann fürs Grobe zu sein, alle Ehre. Er hat als vorübergehend Beauftragter Direktor für die Geheimdienste (Acting DNI) eine Liste von Spitzenpolitikern veröffentlicht, die 2016/17 während der letzten Atemzüge der Obama-Regierung Mitgliedern des Trump-Teams durch fragwürdige Anfragen bei der Abhörbehörde NSA nachspionieren ließen. Auf der Liste auch der jetzige Hoffnungsträger der Demokraten Joe Biden, damals Vizepräsident der USA.

Abstieg: Kaum hat VW das Wiederanfahren des Autobauens verkündet, werden diese Woche die Schichten in Wolfsburg wieder reduziert. Man wird die Autos nicht los.Absatzkrise: VW-Leute verlangen nach dem Staat. Die Steuermilliarden, die ihnen vorschweben, ließen sich durch einen Federstrich des Gesetzgebers vermeiden – Aufhebung der sog. Klima-Ziele. Ist das einzig Realistische realistisch? Ich fürchte: Nein.

13. Mai 2020 

Etikettenschwindel und Retusche: Der CDU-Wirtschaftsrat ist nicht Teil der CDU. Sondern? Ein peinlicher Arbeitgeberclub, der sich unerlaubt mit dem Namen der CDU schmückt? Das soll ich glauben, nachdem ein Mitglied dieser fragwürdigen, von der CDU nicht zur Kenntnis zu nehmenden Gesellen in Gera am Wochenende öffentlich sagte: „[Kemmerich] war für einen Tag unser Ministerpräsident, bevor ihn ein Anruf einer machtgierigen Frau aus Südafrika gestürzt hat.“

CDU (2): Jetzt sind alle Wohlmeinenden empört. Fragt sich worüber. Dass sie anrief oder dass er es gesagt hat?CDU (3): Dass die Wohlmeinenden in ihrer Empörung von Entgleisung sprechen, zeichnet ein zutreffendes Bild. Der Redner hat die Trasse des Sagbaren verlassen. Der Entgleiste muss nun weggeräumt werden.

11. Mai 2020 

Frühmorgens bei Bernd Zeller kennengelernt: Wer annimmt, dass der Bundespräsident gar nicht existiere, sondern nur von einem Darsteller in Szene gesetzt werde, ist ein Steinmeier-Leugner. Recht so. Doch wenn das so ist, ist also derjenige, der die Existenz des Steinmeier-Darstellers in Abrede stellt, ein Steinmeier-Leugner-Leugner? Wo steckt bloß der Fehler?

Josef Kraus ist ein zuverlässiger Geograph unserer verflachenden Bildungslandschaft. Der gelernte Psychologe und Gymnasialdirektor spürt den Strömen des Schwachsinns bis hinauf zu ihren Quellen nach. Dass er heute den Stuss thematisiert und zitiert, den der deutsche Bundesaußenminister (der wg. Auschwitz) zur 1933er Bücherverbrennung in grässlichem Deutsch abgesondert hat, finde ich eher gewöhnungsbedürftig, wiewohl mich die Frage von Kraus, ob der Auschwitz-Mann auch auf die ihm zugeordneten Goethe-Institute einwirkt, zum Aufruf einschlägiger Homepages veranlasst hat. Da purzeln sie denn durch die Gegend: Schulabgehende und vieles andere, was zu wiederholen mir der gute Geschmack verbietet.Goethe (2): Eine Russin erklärte mir gestern auf dem menschenleeren sonnenbeschienenen Theaterplatz, dass sie die Männer (Schiller & Goethe) kenne. Führte sie daraufhin zum Goethehaus am Frauenplan. Da waren Fenster und Türen verrammelt.

Die Hypothek hat sich in unsere Bildsprache eingeschlichen, um eine Last aus der Vergangenheit zu umschreiben. Dabei läge es bei den schuldbeladenen Deutschen nahe, von Grundschuld zu sprechen. Das wäre passend und lächerlich zugleich.

Rechtsstaat a.D.: Nachdem das Bundesverfassungsgericht – vermutlich über sich selbst erschrocken – die Bundesregierung massiver Verfassungsverletzung geziehen hat, weil sie gegen den ebenso massiv vertragswidrigen Griff der EZB in das Portemonnaie des deutschen Steuerzahlers nicht eingeschritten ist, hat die Pressestelle des Europäischen Gerichtshof mitgeteilt, das deutsche Urteil sei unbeachtlich.

Rechtsstaat (2): Nur kurz war zu lesen, dass die Kommissionspräsidentin (= die Vorsitzende des Rats der Kommissare, also eine Art Lenin zum Europäischen Haus-Gebrauch für Ewig-Heutige) gegen Deutschland wg. des Urteils ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten werde. Das wurde wieder gelöscht, denn es wurde entbehrlich, nachdem die Pressestelle des EuGH das deutsche Urteil für unbeachtlich erklärt hat.

Nachbar Kemmerich, der regionale FDP-Vormann, sprach mundschutzlos auf offener Straße bei einer Kundgebung von Gewerbetreibenden in Gera (Ostthüringen). Jetzt musste er bedauernd von seinem Auftritt zurücktreten, denn unter den Zuhörern waren auch die Falschen.

Mundschutz (2): Wenn die Falschen, die sich perfide unter die Richtigen mischen, Pleite gehen, trifft es die Richtigen.

Mundschutz (3): Wenn er bleibt, bleibt auch der Islam. Das Gegenteil dürfte kaum zutreffen.

Thomas Mann schrieb um 1910 die Novelle Der Tod in Venedig – zunächst nur als Privatdruck in kleiner Auflage publiziert. Man kann die anfänglich geübte Zurückhaltung angesichts dieser Hommage an die Päderastie verstehen. Thomas, Thomas, wir durchschauen dich. Bleibt die Frage, wie der Meister der bürgerlichen Langeweile seinen schwülen Weltschmerz heute in Worte gefasst hätte. Mein Vorschlag, nachdem die trauertragenden Gondeln verbraucht sind: Wenn die Gondolieri den Mundschutz abstreifen.

Das Wort zunehmend ist eine ebenso beliebte wie schrille und sinnfreie Vokabel. In der jetzigen Krise zeigt sich eine Korrektur – zumindest beim zunehmenden Wirtschaftswachstum, ja sogar beim Mantra des Wirtschaftswachstums ohne den Nonsens-Zusatz zunehmend.

Bei Kindern kann man beobachten, dass das Wachstum nicht zunehmend, sondern abnehmend ist. Erst in den späteren Lebensjahren nimmt es hie und da wieder zu, dann allerdings mehr im Mittelbau.Der Zentralrat der Nagetiere beschloss soeben, die Tätigkeit der Wühlmäuse zu beobachten. Der Beschluss wurde auf Vorschlag der Feldmäuse gefasst, die vorbrachten, die Tätigkeit der Wühlmäuse untergrabe die naturkonforme Grundordnung der Gesamtnager.

10. Mai 2020 

Der Volksmund umschreibt die politische Passivität der Masse in unserm Land mit den Begriffen Mitläufer oder Zuschauer. Ich weiß nicht genau, was abfälliger ist, denn die einen halten in Bewegung, was ohne ihr Tun ein Nichts wäre, während die anderen teilnahmslos dastehen, um die Arena nicht betreten zu müssen.

Nie wurde deutlicher als in der derzeitigen Krise, dass unser Volk sich spaltet: Hier die Leistungserbringer, die auf die sichere Pleite zulaufen, dort die Leistungsbezieher, denen der Stillstand als Freizeit erscheint.

Spaltung (2): Dass die Leistungserbringer sich zu den Leistungsbeziehern rettungslos in der Minderzahl befinden (in etwa 1 : 16), zeigt sich an der Mehrheitsmeinung, die den Stillstand richtig findet. Anders ausgedrückt: Arbeiten ist unpopulär.

Gott ist entweder riesengroß oder überhaupt keine Größe. Das Erfreuliche an dieser Alternative ist die Abwesenheit von Mittelmaß. Um diese Lücke zu füllen, sind die Theologen berufen. Doch sie sind nicht Gott, selbst wenn sie dessen Größe zu wissen vorgeben.

Gottes Größe (2): Bleibt die Erkenntnis, dass diese nur für diejenigen Menschen eine Größe ist, für die Gott eine Größe ist. Die andern nehmen einschlägige Behelligungen mit dem Thema für gewöhnlich mehr oder minder gutmütig hin.Die Wahl zwischen dem Einen oder dem Andern nennt man Alternative. Das ist ziemlich alternativlos. Der Gebrauch von Alternative im Plural bezeichnet so gut wie nie eine Alternative, sondern mehr als zwei Möglichkeiten.

9. April 2020 

Oh Gott, wie mutig. Die CDU-Fraktion will die Kanzlerin beim verschärften Klima-Wahn, dem sie am Montag freien Lauf ließ, nur folgen, wenn die Lasten auf die anderen EU-Mitglieder verteilt werden. Besagt ein Positionspapier, das von der Presse besungen wird. Und wenn die andern nein sagen? Dann gehen wir eben mit guten Beispiel voran, denn einer muss hier schließlich den Anfang machen.

Als ich 2003/4 das Verhalten der herrschenden Schicht 1916 in St. Petersburg etwas irritiert untersuchte in einem Land, dem das Wasser bis zum Hals stand, und mir kein besseres Bild als der Tanz auf dem Vulkan einfiel, konnte ich nicht ahnen, dass ich Zeitzeuge von Nachahmern im eigenen Land werden könnte.

St. Petersburg (2): Die Selbstauflösung der Herrschenden wurde durch die Ermordung des Wunderheilers Rasputin von einem schwulen Bürschlein des Hochadels eingeläutet, danach überschlugen sich die Ereignisse.St. Petersburg (3): Man hielt die Massen auf der Straße im Februar 1917 für eine der üblichen Hungerrevolten, doch es ging um den Sturz des Zaren. Was danach kam, waren sechs Monate Chaos und dann 70 Jahre Diktatur des Proletariats.

8. Mai 2020 

Die US-Justiz lässt die Anklage gegen Trumps ersten Kurzzeit-Sicherheitsberater, den US-General Michael Flynn, fallen. Damit ist für Mainstream klar: Alle Mitwirkenden an diesem überfälligen Schritt sind russische Agenten.

Flynn (2): Die Beteiligten an der mutwilligen Anklage im Flynn-Verfahren sehen jetzt massiver Bestrafung entgegen. Sie haben nicht damit gerechnet, dass einer von ihnen über einzelne Schritte – einschließlich deren Motivation – in amtlichen Notaten Buch geführt hat.Flynn (3): Am meisten verwunderlich ist, dass diese unfreiwillig entlastenden Aktenvermerke noch da sind. Sie kamen vor zwei Wochen ans Licht. Ihr Autor, der Chef der US-Spionageabwehr E.W. „Bill“ Priestap, so hatte ich mir nach dessen Auftauchen in den Senatsverhören schon vor Jahr und Tag notiert, gehöre in die Kategorie der Raushalter und Absicherer.

7. Mai 2020 

Frage an Radio Eriwan: Soll ich mir ein Elektroauto für den Weg zur Arbeit kaufen? Antwort: Im Prinzip ja – wenn Sie sich gleichzeitig ein zweites für den Weg nach Hause zulegen.

Eriwan (2): Stimmt es, dass die Führerin zurücktreten will? Antwort: Im Prinzip ja – gemeinsam mit Putin.

Eriwan (3): Nachfrage: Werde ich den Rücktritt noch erleben? Antwort: Im Prinzip nein – doch das Amtsende kann auch durch seine Erledigung eintreten. Demokratie im Sturzflug: Besser als durch die Genossin, die man im Bundestag gerade zur Wehrbeauftragten kürte, kann man die Streitkräfte nicht verhöhnen. Die Botschaft lautet: Um eure Sache zu vertreten, braucht man keinerlei Qualifikation, denn eure Belange sind uns völlig schnuppe.

Wehrbeauftragter (2): Warum lässt man eigentlich nicht die Soldaten auswählen, wer ihre Belange gegenüber Parlament und Regierung vertreten soll? Angst vor unangenehmer Wahrheit?Wehrbeauftragter (3): Hätte man die Soldaten auswählen lassen, wäre es der Gegenkandidat geworden. So bleibt den Soldaten nichts anderes übrig, als bei nächster Gelegenheit die Partei mit militärischer Kompetenz zu wählen.

5. Mai 2020 

Auf dem Pappschild einer Demonstrantin lese ich: „Wir wollen unsere Grundrechte zurück“. Das ist der naive Ruf nach dem Obrigkeitsstaat, der etwas gewähren soll. Nein, junge Dame, so funktioniert der Ruf nach Freiheit nicht.

Grundrechte (2): Sie werden nicht gewährt, sondern ausgeübt.

Gran Consiglio del Fascismo hieß das Gremium, welches den Duce im Juli 1943 absetzte, um stehenden Fußes die Fronten zu wechseln. Danach herrschte Mussolini noch fast zwei Jahre in dem ihm vom Führer geschenkten Norditalien an der Spitze einer Marionettenregierung, bis ihn kommunistische Partisanen auf der Flucht in die Schweiz ermordeten.

2. Mai 2020 

Ich verstehe das nicht, kann auch bedeuten, es ist unverständlich. Du verstehst das nicht, bedeutet zumeist, ich weiß es auch nicht.

Was bedeutet das, ist häufig der Beginn einer klugen Frage. Das meint, ist so gut wie immer der Anfang einer saublöden Antwort.

Schwierigkeiten mit dem Geschlecht: Das Wort Hype ist dabei, sich als Ersatzwort für Medienrummel einzubürgern. Aber noch nicht so sehr, dass man sich dessen grammatischen Geschlechts im Deutschen sicher wäre. Ich neige intuitiv zu die Hype (vermutlich weil ich das Wort mit Hysterie assoziiere), werde aber durch ein Lektorat belehrt, das mir der in den Text hineinverbessert.

Hype (2): Kein Wunder, dass Mainstream auf dem Neuwort besteht, denn es strömt irgendwie etwas Großartiges aus, während es im Amerikanischen abfällig gebraucht wird, eben wie Presserummel.

Ein Fernsehteam des ZDF wurde gestern in Berlin bei den üblichen, dort zum Folklore des links-faschistischen Pöbels gehörigen Erster-Mai-Straßenschlachten gewaltsam behelligt. Die Reaktionen sind gemischt – wie stets, wenn Sympathisanten aufeinander einschlagen.ZDF (2): Mundtotmachen hält die deutsche Bildersprache im Vorrat, um zu sagen, dass man jemanden zum Schweigen bringt. Der Angriff, der dies bewirkt, muss nicht körperlicher Art sein, aber er wirkt auf Leute, die ständig mit dieser Möglichkeit spielen, besonders wirkungsvoll. Der in Berlin angegriffene ZDF’ler soll ein sog. Comedian gewesen sein. Ich übersetze mal: einer, den man beim Geheimdienst Provokateur-Agent nennt, da er Leute zu Äußerungen anstiften soll, die später als Beweis vorgezeigt werden.

1. Mai 2020

Vom Vortage: Die im Rahmen des Nowcastings geschätzte Anzahl von Neuerkrankungen wurde bisher als gleitendes 3-Tage-Mittel dargestellt, um Zufallseffekte einzelner Tage auszugleichen. Ab heute verwendet das RKI ein 4-Tage-Mittel, das den Verlauf noch etwas glättet und gleichzeitig die Berechnung des Punktschätzers für den R-Wert erleichtert: für einen bestimmten Tag ergibt sich der R-Wert jetzt als einfacher Quotient der geschätzten Anzahl von Neuerkrankungen für diesen Tag geteilt durch die Anzahl von Neuerkrankungen 4 Tage davor. Dadurch hat sich die Form der dargestellten Kurve leicht verändert.

Vom Vortage (2): Diese Information der Bundesregierung bedeutet nichts. Im Wortsinne: nichts. Man erkennt es daran, dass das Auge nach wenigen Wörtern abschweift und der zugehörige Kopf anfängt, an etwas anderes zu denken.

Vom Vortage (3): Es bestätigt sich, dass man niemals einem Experten überlassen sollte, einen allgemeinverständlichen Satz zu formulieren. Und vielen Nicht-Experten auch nicht.Vom Vortage (4): Mein lange schon verstorbener Vorgesetzter Dr. Gerhard Heuer gab mir den Rat: „Wenn Sie nach einer Zahl gefragt werden, legen Sie die Stirn einen Moment in Falten, und dann nennen Sie eine. Was immer auch kommen mag, bleiben Sie bei dieser Zahl.“ Der heutigen Bundesregierung scheint diese Weisheit unbekannt.

27. April 2020 

Wo zum Henker nagt denn das böse Virus tatsächlich, wenn an ihm doppelt so viele Männer wie Frauen sterben? Vor allem, was ist mit diesen – na, Sie wissen schon? Sind die immun?

Virus (2): Ich verlange von diesen flächendeckend schweigenden Gleichstellungsbeauftragten, dass sie wg. der katastrophalen Männersterblichkeit endlich initiativ werden. Oder wozu sind sie da?

Dass der Mensch so schrecklich kompliziert sei, wissen wir daher, dass es Menschen sind, die uns mitteilen, was der Mensch sei. Könnte uns ein Regenwurm seine Auffassung über den Menschen übermitteln, sähe die Sache bedeutend übersichtlicher aus.

Regenwurm (2): Der Zentralrat der Regenwürmer in Deutschland beschließt, der Führerin ein Doktorat h.c. in Klimafragen (Dr. rer. climax) zu verleihen. Der von ihr vorangetriebene Handel mit CO2-Zertifikaten werde nachweislich dazu führen, dass es in Deutschland wieder regne.

Merkwürdig erscheint mir, dass die vermummten Kassiererinnen bei Kaufland dazu neigen, ihre Kunden anzuschreien. Noch merkwürdiger finde ich, dass sie bei real freundlich sind.

Warum im Baumarkt Obi Tomatenpflanzen verkauft werden, mögen die Götter wissen. Meine Frage, ob die Fleischtomaten auch von Veganern gegessen werden dürfen, bleibt unbeantwortet.

Bei Roller lerne ich den Unterschied zwischen bis zu und über 800 qm Verkaufsfläche kennen. Rotweißes Trassenband sorgt für die nötige Erkenntnis. So lernt man Grenzen im eigenen Land kennen. Verwunderlich: alle halten sich dran.Max. 800 qm (2): Wie hieß es dereinst? Volk ohne Raum.

26. April 2020 

„Es wird schwieriger, je länger es dauert.“ Sagte wer? Kassandra zu ihrer Zeit oder W. Schäuble gestern erst?Schäuble (2): Mein Ex-Minister war mir seinerzeit durch humorige Einlagen nicht aufgefallen. Er muss wohl dazugelernt haben.

25. April 2020 

Die Führerin sagt: „Wir merken jetzt schon in diesen Tagen, dass es in vielen Gebieten Deutschlands nicht ausreichend regnet.“ Da kann man nur hoffen, dass sie von ihrer letzten Afrikareise einen Regenmacher mitgebracht hat.

Pluralis majestatis: Das „wir“ im Gerede der Gesalbten gibt ihren Äußerungen etwas Allumfassendes.

Führerin-Worte (2): Dass wir des Regens entbehren, weckt die schlimmsten Befürchtungen. Es ist der Anlauf zu neuem Klimaschwachsinn und sonst gar nichts.
https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/eu-ratspraesidentschaft-merkel-will-sich-auch-um-klima-kuemmern-a3223509.html.

24. April 2020 

Erklärte einem Ausländer auf seinen Wunsch hin den Unterschied von märchenhaft und traumhaft. Sagte als Vorrede, die deutsche Sprache stecke voller boshafter Rätsel. Also sprach ich: Sich von der guten Fee im Schlafe fesseln zu lassen, bedeutet Traumhaft, während der Lockdown von Dornröschen Märchenhaft war. Wir redeten anschließend über was anderes.

Novelle zur Straßenverkehrsordnung tritt in vier Tagen in Kraft. Im Klartext: massive Erhöhung der Abzocke und Behinderung des Autoverkehrs. Straßenverkehrsordnung (2): Es unterblieb die Aufhebung des Rechtsfahrgebots.
Straßenverkehrsordnung (3): Der zuständige Minister heißt Scheuer. Ächt.

23. Aperol 2020

Sprachnot und Wortwitz: Nach dem wortklitternden Verlangen der Beendigung von Öffnungsdiskussionsorgien (A. Merkel) der Hinweis auf die seit Jahren unterbliebenen Öffnungsorgiendiskussionen (B. Zeller).

Von dem Willkommensbürger lernen, heißt Orgien lernen.Vom Auge des Sturms las ich oft, doch vom Auge der Orgie hörte ich nie. In dem Zusammenhang eher von Voyeuren.

22. April 2020 

Harmonie in Absurdistan: Während die Deutschen ihre Getreideproduktion durch die neue Düngemittelverordnung vorsätzlich einschränken, beschließen im selben Monat April die Weizen-Exportnationen Rumänien, Russland und die Ukraine einen sofortigen Ausfuhrstopp, um die eigene Bevölkerung zu schützen.

Wer andauernd zitiert, hat nicht genug gelesen, um eigenständige Gedanken zu entwickeln.

Zitat (2): Wenn ein Schriftsteller für jede Gelegenheit ein Zitat im Köcher hat, könnte sein Maßstab die Beliebigkeit sein.

Toleranz und Beliebigkeit sind nur zu oft Geschwister im Geiste, Dummheit und fester Standpunkt mitunter auch.Das Softwarehaus SAP bzw. sein Eigentümer haben ein halbes Jahr gebraucht, um die Untauglichkeit einer gemischten Doppelspitze zu erkennen. Behilflich war die augenblickliche Wirtschaftskrise.

Doppelspitze (2): Im Gegensatz zu den zahlreichen gemischten Veranstaltungen des Zeitgeist-Komplexes, hat die Firma die angezeigt erscheinende Konsequenz gezogen und die Quotenfrau nach Hause geschickt, da es jetzt auf schnelle und zutreffende Entscheidungen ankomme.Doppelspitze (3): Man stelle sich vor, SPD und AfD würden die SAP-Regeln anwenden. Tun sie aber nicht, versprochen.

20. April 2020 

Umlaufender Trump-Witz: Wenn er übers Wasser ginge, würden die Medien sagen, er sei zu blöd zum Schwimmen.

Wasserläufer (2): Täte es die Führerin, würde Mainstream sagen: Wer soll es denn sonst machen?

Das Versanden der Corona-Panik ist ein Muss, damit wieder Platz für Scheinthemen wird. Am Klima-, Diesel- und Gendertropf hängen schließlich die semi-debilen Claqueure des Mainstream.

Einfache Rechnung: Wenn in Deutschland nur 5,9 Millionen Bürger durch ihre Arbeit den Wohlstand schaffen, arbeitet jeder von ihnen für 14 andere mit, die das nicht tun. Was mag in diesem Zusammenhang das Wort Lastenausgleich bedeuten, von dem die Politkaste fabuliert?Entnehme der Applauspresse, dass die Führerin Diskussionsorgien missbilligt. Recht so. Erstens, noch immer gilt: Es gilt der Führerbefehl. Zweitens, wie schon Stabsunteroffizier Rieske, mein Ausbilder in der Grundausbildung sagte: Da gibt es keine Diskussion drunter.

Um der lästigen Notwendigkeit von Differenzierung auszuweichen, sollten sich die Korrekten darauf verständigen, alle mit Irgendwie-ismus oder Sonstwie-phob etikettierten Zeitgenossen schlicht als Phob (Substantiv) oder phob (Adverb) zu bezeichnen. Das wäre dann die Schmähung schlechthin. Das Wort ist so kurz, dass es sich auch ein Idiot merken kann. Es ist davon auszugehen, dass der Begriff sich alsbald zu fop (phon.: foop) abschleift. 

Martin Luther – aktuell: „Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, dass er die Weisen zu Schanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, dass er zu Schanden mache, was stark ist (1. Korinther 1.27).“ 2000 Jahre alt, und alles ist gesagt, worüber man sich heutzutage die Wundermütze aufsetzt.

Die Stummelsprache schreitet munter fort. Nach der mir schon länger bekannten Umkleide und der Tanke lernte ich am Wochenende die Schalte kennen. Gemeint war das technische Zusammenschalten von Teilnehmern zu einer Videokonferenz.Schalte (2): Sie gebiert ein hübsches Wortungetüm, denn statt Schaltprobe spricht man neudeutsch von Probeschalte.

19. April 2020 

Zeitgemäße Marktlücke für heimliche links-güne Porschefans: Tiefergelegtes Hochbeet.

Gestern: Mann an der Kasse des Baumarktes (= legale Kontaktperson) redet abfällig über Allas. Brauche einen Moment, bis bei mir der Groschen fällt.

Baumarkt (2): Bin der Einzige in der Kassenschlange, der erkennbar nicht wg. der Verschönerung von Haus und Garten hier ist.

Das who der WHO scheint mir das Gebot der Stunde. Erste Zwischenantwort: Sozialisten wissen nun mal, was das Beste für die Menschen (= neudeutsch für: die Menschheit) ist.

Was man früher als Kakophonie bezeichnete ist heute identisch mit der Coronaphonie.Im Vorgriff auf den 20.4.: Wer A sagt, muss auch Dolf sagen.

18. April 2020 

Die Ostküstenpresse weiß, dass Joe Biden in der Wählergunst vor Donald Trump liegt. Aber nur knapp. Das zeigt: Man hat dazugelernt. Vor vier Jahren lag Hillary Clinton haushoch vorn, doch Trump gewann. Die Erklärung: Viele Demokraten waren einfach zu Hause geblieben, da die Sache sowieso entschieden erschien. Das soll nicht noch mal passieren.

Mit allen Mitteln – USA-Update Juni 2020

Der Kampf zur Abwahl von Trump tritt in die entscheidende Phase ein und überschreitet die Schwelle der Gewalt

Zur Zeit wird die Nachrichtenlage von den chaotischen Vorgängen in den USA dominiert. Es sieht so aus, als wäre der Bürgerkrieg zwischen schwarz und weiß ausgebrochen. Zumindest wird dies landauf landab behauptet. Ich habe Zweifel, ob dies auch nur annähernd so ist. Wenn überhaupt handelt es sich hier um einen Kampf von links außen gegen das Bürgertum.

Ich schicke voraus: Es ist nahezu ausgeschlossen, sich ein einigermaßen zutreffendes, seriöses Urteil zu bilden, weil die Grundvoraussetzungen hierfür fehlen: Fakten, Fakten und nochmals Fakten. Sie sind aus den USA selbst in der üblichen Form durch Augenschein nicht zu beschaffen, da man nicht einreisen kann.

Neben den Krawallen und ihren möglichen Ursachen werde ich in diesem Update Nachträge zum Wahlkampf in den USA liefern, zum Eingreifen der Kanzlerin in diesen und zum Rundschlag der social media gegen Trump, um dessen Abwahl zu erzwingen.

Who is who – über wen sprechen wir hier eigentlich und warum?

Am 25. Mai 2020 kam in Minneapolis ein Schwarzer im Zusammenhang mit einem Polizeieinsatz ums Leben. Minneapolis ist eine Stadt in dem im Norden der USA gelegenen Bundesstaat Minnesota – in seiner Selbstbeschreibung ein Land der zehntausend Seen, also eine Art Mecklenburg-Vorpommern im Großformat. Bis hierhin scheint alles klar zu sein, doch das war es dann auch schon. Ich besitze keinerlei belastbare Information über: (1) Wer genau ist dieser Tote? (2) Was genau löste den Zusammenstoß mit der Polizei aus? (3) Was genau löste den Tod des Mannes aus?

(1) Der Name des Toten ist George Floyd. Ich nehme an, das stimmt. Sein Vorstrafenregister ist ellenlang. Falls diese Angaben stimmen, ist er ein polizeibekannter Gewohnheitskrimineller gewesen. Hinzu tritt eine offenbar bis zu seinem Tode andauernde Karriere als Drogenkonsument. Ob die Angaben aus dem Umfeld des Toten zutreffen, Floyd habe sich aus dem kriminellen Milieu gelöst und sei nur noch auf dem Trip gewesen, um ein besseres Leben zu beginnen, vermag ich nicht einzuschätzen. Immerhin ist es so, dass ich mit Spontanangaben aus dem Umfeld von Verbrechensopfern, ebenso wie aus dem Umfeld von Verbrechern, oft auf eine falsche Fährte gelockt worden bin.

(2) Es ist wahrscheinlich, dass der Tod von Floyd mit einem polizeilichen Zugriff im unmittelbaren Zusammenhang steht. Mir sind wenigstens drei kurze Video-Sequenzen bekannt, aus denen sich eine Szene rekonstruieren lässt, die einen Zusammenstoß von Floyd mit der örtlichen Polizei nahelegen. Aus diesen, aus unterschiedlicher Perspektive aufgenommenen Kurzfilmen ergibt sich nicht, wie es dazu kam, dass einer der Polizisten auf dem später tot am Boden Liegenden kniete. Es sind jeweils nur wenige Sekunden zu sehen.

Falls die Videos tatsächlich den fraglichen Vorfall abbilden, scheint es mir so zu sein, dass das Geschehen sich in unmittelbarer Nähe zu einem Polizeiwagen abspielte. In einem der Streifen wird der Eindruck erweckt, als sei Floyd bereits vorher im Polizeiwagen gewesen, bevor er dann auf der Straße direkt neben dem Wagen lag. Das könnte auf einen Ausbruchsversuch aus dem Polizeiwagen nach einer Festnahme hindeuten. Ich kann es unmöglich so oder so behaupten. Ich zähle auf den Videos mindestens vier Polizisten, die in diesem Geschehen unmittelbar beteiligt gewesen zu sein scheinen. Vier namentlich genannte Polizisten wurden offenbar wegen des Vorfalls aus dem Polizeidienst entfernt.

Es wird behauptet, dass der Polizeieinsatz gegen Floyd durch den Anruf eines Ladenbesitzers ausgelöst wurde, der von Floyd eine gefälschte Zwanzigdollarnote erhalten habe. Diese Aussage wird bestritten, bzw. durch die Angabe ergänzt, im Nachhinein habe sich die Dollarnote als echt erwiesen. Vor dem Laden haben später massive Proteste stattgefunden.

(3) Der Tod von Floyd steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz. Jedenfalls zeitlich gesehen. Die Frage ist, ob er durch unsachgemäßes oder unrechtmäßiges polizeiliches Tun verursacht wurde. Oder anders ausgedrückt: Starb Floyd der Polizei unter den Händen? Bevor sich jetzt die Leser ereifern, sei anmerkt, dass dass zwei spezielle Faktoren zu berücksichtigen sind, die dringend der Aufklärung bedürfen. War der Tote durch Drogenkonsum bereits so weit hinüber, dass er Stress, welchen auch immer, nicht ertrug und daran starb? Dafür scheint die soeben veröffentlichten Obduktion zu sprechen, welche einerseits den Eintritt des Todes durch Strangulierung oder Sauerstoffmangel ausschließt, andererseits die Anreicherung von Rauschmittel im Körper bestätigt.

Das mag man bezweifeln. Dass die Angehörigen des Toten mit diesem Ergebnis nichts anfangen können, bedarf kaum des Kommentars. Eine zweite Obduktion soll ihnen recht gegeben haben. Ankläger des polizeilichen Vorgehens machen zudem geltend, dass der später tote Floyd die Polizisten darauf hingewiesen habe, er bekomme keine Luft mehr, was diese nicht davon abgehalten habe, ihn zu Boden zu zwingen und dort festzuhalten. Das mag so sein, ich weiß es nicht, weil die mir bekannt gewordenen Bilder nicht zu solch einer Feststellung zwingen. 

Anlass oder Gelegenheit – löste der Tod von Floyd die landesweite Randale aus, oder war er lediglich eine willkommene Gelegenheit?

Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob der Tod des George Floyd eine landesweite Spontanerhebung auslöste, oder ob das Ereignis eine willkommene Nachricht war, das ohnehin schon lange Geplante beginnen zu lassen. Deswegen ist zu fragen: (4) Wann und wo begannen die gewaltsamen Ausschreitungen? (5) Wer löste sie aus, und wer nahm daran teil? (6) Und wer ist eigentlich diese Antifa, von der jetzt überall die Rede ist?(4) Es lässt sich derzeit nicht zuverlässig rekonstruieren, wann und wo die Randale in den USA begann und was bzw. wer sie auslöste. Die im Übermaß im Internet und bei den Mainstream-Medien verbreiteten Stellungnahmen und vor allem die Videos lassen keinen sicheren Schluss zu, wann und wo die brennenden Kaufhallen und randalierenden, vorwiegend maskierten Menschen aufgenommen worden sind.

Um es klar zu sagen: Die Gewaltvideos, die zur Zeit kursieren, können irgendwann und irgendwo gedreht worden sein. Klar ist allerdings, dass in den letzten Tagen in mindestens zehn Staaten der USA sowie in einzelnen Städten der Ausnahmezustand ausgerufen wurde und strikte Ausgangssperren verhängt wurden. Das deutet auf wüste Gewaltaktionen kreuz und quer in den USA hin.

(5) Eins jedoch lässt sich aus dem veröffentlichten Video-Material sicher folgern: Es stützt die pauschale Behauptung nicht, dass es sich hier um einen Aufstand der Schwarzen handelt. Schwarze gibt es zwar auch in solchen Filmsequenzen, doch nur auf einzelnen sind nur Schwarze zu sehen. Aber die Masse ist nicht so eindeutig, oder aber es ist evident, dass es sich hundertprozentig um Weiße handelt. Soweit diese randalieren, ist die Mehrzahl davon maskiert und schwarz gekleidet. Ist das so, befinden wir uns auf einer ganz anderen Baustelle. Dann nämlich geht es nicht mehr um einen in der Luft liegenden Aufstand einer wie auch immer fabulierten unterdrückten schwarzen Minderheit, die sich, angeblich verständlich genug, Luft verschafft, sondern wir haben die Bilder einer ganz anderen Angreifertruppe vor uns, die unter dem selbstgewählten Namen Antifa agiert und zudem zusätzlich Leute anstiftet, die ohnehin nichts zu verlieren haben.
(6) Man glaubt ja als Deutscher, sich verhört zu haben, wenn in den USA von Antifa die Rede ist. Es handelt sich indessen um exakt dasselbe, was man aus heimischen Gefilden bis zum Überdruss gewohnt ist: Aggressive Outlaws jugendlichen bis mittleren Alters, die mit sozialistischen ideologischen Versatzstücken der etablierten Gesellschaft den Kampf angesagt haben. Die etablierte Gesellschaft, das ist aus der Sicht der amerikanischen Antifa die Herrschaft des weißen Mannes, welcher der Faschist schlechthin ist. Diesen im Wortsinne zu beseitigen, ist das Ziel des sogenannten antifaschistischen Befreiungskampfes.

Dass dieser Kampf zu Straftaten aller Art berechtigt, ist notwendiges ideologisches Beiwerk. Straftaten der Antifa richten sich gegen beliebige Andersdenkende. Sie sind bevorzugt so ausgerichtet, diese zum Schweigen zu bringen, indem unerwünschte Meinungsäußerungen durch Gewalt oder deren Androhung verhindert werden. Hauptkampfplatz der Antifa war der Campus von College und Universität, neuerdings auch die Veranstaltungen und Meinungskundgaben unerwünschter politischer Kandidaten, bevorzugt aus dem Lager der Republikaner. Jetzt wurde die nächste Stufe gezündet: das Hineintragen der Gewalt in die Fläche des Landes.
Die Tätigkeit der Antifa in einer Breite, wie sie jetzt in den USA feststellbar ist, erscheint nur möglich, weil sie sich auf ein noch breiteres Unterstützerfeld aus etablierten und wohlhabenden Kreisen stützen kann. Es sind letztlich dieselben üblichen Verdächtigen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die traditionellen Strukturen des Staates USA zu zerstören, um eine One World-Gesellschaft oder den Sozialismus oder beides in einem an deren Stelle treten zu lassen, in der alle gleich sind, jedoch unter der Herrschaft sogenannter Eliten. Mit besonderem Hass werden hierbei nicht nur die sehr unterschiedlichen regionalenTraditionen der USA angegriffen, sondern als geradezu Ausbund des Bösen die Traditionalisten der ehemals konföderierten Staaten (Südstaaten im Bürgerkrieg 1861-65).

Die gegenwärtigen Gewaltausbrüche, die vermutlich auf Kosten der Antifa gehen, haben den US-Präsidenten auf den Plan gerufen, der angekündigt hat, mit den Mitteln der Terrorbekämpfung vorgehen zu wollen. Das hat ihm die nun schon bekannten Hassbotschaften in den Mainstream-Medien eingetragen. Prominente Demokraten ringen mit sich, wie sie das Verständnis für die Proteste richtig rüberbringen sollen, da ihnen ihre Stellungnahmen als Sympathiekundgebungen mit der Gewalt ausgelegt werden.
Den Vogel haben allerdings deutsche Politiker landauf landab abgeschossen, indem sie Solidaritätserklärungen mit der Antifa verlautbaren. An der Spitze der Bewegung befinden sich die derzeitige SPD-Vorsitzende, deren Namen ich mir nicht merken kann, und die robuste Renate Künast von den Grünen, die kürzlich so etwas wie ein sicheres staatliches Einkommen für die Antifa gefordert hat. Das riecht nach den braunen Bürgerkriegs-Bataillonen der SA – schwarz angemalt.

Randale und Wahlkampf – einiges über die Methoden, die Wiederwahl von Donald Trump zu sichern oder zu verhindern

Nachdem sich der für sicher geglaubte, von den Eliten der USA befürwortete und beförderte Wahlsieg der Hillary Clinton im November 2016 in Luft auflöste, konzentrierten sich dieselben Kräfte in den USA, den gegen ihren Willen Gewählten um sein Amt zu bringen. Ich habe versucht, beide Phasen bis einschließlich Februar 2020 im Buch Spygate zu beschreiben.

Ab März 2020 entwickelten die Ereignisse rund um die Corona-Epidemie eine eigene Dynamik, die den USA einen gigantischen Wirtschaftseinbruch bescherten. Damit kam das Kernstück der Politik des 45. Präsidenten, nämlich die wirtschaftliche Gesundung der USA, an einen Wendepunkt. Wäre ich der Verschwörungstheoretiker, zu dem mich die Fachkräfte von Wikipedia & Co ernannt haben, wäre es für mich ein Leichtes, ab sofort die Auslösung der Corona-Krise durch die Trump-Gegner, wie Bill Gates & Genossen, zu behaupten. Sicher ein verlockender Weg, aber einer ohne soliden Untergrund.Richtig ist lediglich, dass Trump gezwungen wurde, seinen Kurs zu korrigieren. Während es ursprünglich sein Rezept war, lediglich die Rahmenbedingungen des Wirtschaftens in den USA so zu verändern, dass die landeseigenen Kräfte wieder Lust zum Handeln verspürten, ist er jetzt auf direkte Staatshilfen für die eigne Wirtschaft umgeschwenkt. Hierbei wird er von der US-Zentralbank FED mit Hilfe der Notenpresse nahezu unwidersprochen unterstützt, denn diese weiß auch kein besseres Rezept zur Selbst- und Banken-Rettung. Ob das gutgehen kann, wird von den Auguren unterschiedlich bewertet. Man kennt das.

Die Wirtschaftsdaten werden es sein, welche den kommenden Präsidentenwahlkampf entscheiden. Das sagen fast alle. Ich tippe aber eher auf ein benachbartes Spielfeld. Es wird darauf ankommen, ob die breite Masse Trump zutraut, dass er die Karre wieder aus dem Deck holt. Mit anderen Worten: ob Trump den Amerikanern glaubwürdig versichern kann, dass es zu den amerikanischen Tugenden gehöre, sich selbst am Zopf aus dem Sumpf zu ziehen. So jedenfalls lese ich die derzeitigen Aussagen von Trump.

Einiges spricht für den Erfolg dieser Vertrauens-Spende-Mission, denn seinen Gegnern, egal bei welcher Partei sie eingeschrieben sind, vor allem natürlich bei den Demokraten, gebricht es an einer Führungsperson, die Hoffnung verströmen kann, welche noch hoffnungsvoller stimmt, als die Appelle des amtierenden Präsidenten. Insbesondere ist es nicht Joe Biden, der so etwas könnte. Trotz der massiven Unterstützung durch die Mainstream-Medien, wirkt er eher, wie gar nicht auf der Bühne angekommen. Für ihn äußerst lästige Ermittlungen des Senats und der Justiz trüben die Gewinnaussichten, wenn denn je welche vorhanden waren, erheblich.

Bei dieser Gefechtslage erscheint es nicht abwegig, dass nunmehr ganz andere Kräfte sich entschieden haben, in den Wahlkampf gegen Trump einzugreifen. Die landesweit seit der letzten Woche ausgebrochene Gewalt deutet in diese Richtung. Erste ziemlich konkrete Vorwürfe an die Adresse führender Demokraten, mit Geld und Logistik die sehr wahrscheinlich von der Antifa durchgeführte Randale erst möglich gemacht zu haben, geistern durch das politische Washington und die zugehörigen Internetforen. Auch hier rate ich eher zur Zurückhaltung, aber ich erinnere mich deutlich an meine eigene Abwehrreaktion, als ich im Januar 2017 wenige Tage vor der Inthronisierung von Trump erstmals von dem Putschverhalten der Demokraten-Führung im Verein mit den Spitzen der Bundesbehörden hörte. Die Wirklichkeit, welche in den folgenden Monaten und Jahren offenbar wurde, sprengte alles Vorstellbare. Das Bekanntgewordene offenbarte eine handfeste Verschwörung, die alles andere als eine Theorie war.

Und zum Schluss Berlin und Silicon Valley – wie die deutsche Kanzlerin und Twitter mit Trump Schlitten fuhren

Zum Abschluss dieses Updates, das zugegebener Maßen vieles mangels greifbarer Fakten in der Schwebe halten muss, schnell noch etwas, was feststeht. Das ist das Tun der deutschen Kanzlerin. Sie ist sich in ihrem Bemühen treu geblieben, gegen Trump aufzutreten und so das ohnehin schon getrübte deutsch-amerikanische Verhältnis weiter zu zerrütten. Was sie tat, ist Folgendes:

Für den Herbst dieses Jahres war das nächste G 7-Treffen angesagt, eine Gipfelveranstaltung der führenden Industrienationen dieser Welt. Ausrichter würden turnusgemäß die USA sein. Dem hat die deutsche Kanzlerin durch eine Absage im Vorfeld einen Riegel vorgeschoben. Man denkt, man hätte sich verhört. Was will sie eigentlich? Nicht mehr zum Club gehören? Nein, so deutlich wird das nicht gesagt. Auf jeden Fall will sie mit diesem Mann nicht zusammen sein – einer, von dem ihr die Hofschranzen des publizistischen Führer-Begleitkommandos geweissagt haben werden, dass er demnächst ohnedies nicht mehr im Amt sei.

Wie reagierte Trump auf die deutsche Brüskierung? Er sagte das geplante Treffen rundweg ab und kündigte an, dass er über eine Nachfolgeveranstaltung mit zehn oder elf Beteiligten nachdenke, zu dem er zu gegebener Zeit einladen werde. Sind unter den zehn oder elf auch die Deutschen? Davon war bislang nicht die Rede. Merkels Initiative? So etwas nennt man einen Schuss aufs eigene Tor.Bleibt die Frage: Woher haben die deutschen Auguren ihre Gewissheit über den Wahlausgang in den USA? Nun, die kommerziellen Inhaber der Wahrheit haben es so verfügt. Sie sitzen im Silicon Valley im Sonnenstaat California an der Pazifikküste und sind die Privateigentümer der großen Datenkraken, die sich – weil nach eigenen Worten left leaning – darin einig sind, dass dieser Trump nicht zu ihnen passe. Um diesem Missfallen praktische Auswirkung zu verleihen, sind sie unterschiedliche Wege gegangen. Nunmehr kann man es live verfolgen, was bei diesem Vorhaben passiert.

In den USA führt der Präsident einen offenen Schlagabtausch mit den Mainstream-Medien, denen keine Lüge zu absurd ist, um sie nicht an den Mann zu bringen. Trump hat dies in den vergangenen vier Jahren austariert, indem er sich als Opfer von finsteren Gewalten stilisieren konnte. Entscheidenden Einfluss hierbei hatte, dass es ihm gelang, die Medien als Vermittler zwischen sich selbst und dem Wahlvolk überflüssig zu machen, indem er sie umging. Sein Mittel der Wahl hieß Twitter, sein Account dort @realDonaldTrump. Was der Präsident mitzuteilen hatte, konnte, wer lesen kann und wollte, dort lesen. 60 Millionen US-Amerikaner wollten es Tag für Tag.

Nunmehr hat Twitter dem unablässig twitternden Präsidenten einen Riegel vorgeschoben. Es begann vor wenigen Tagen mit dem Anheften eines Banners an eine Nachricht, die den Präsidenten der Falschmeldung zieh, als dieser seine Vorbehalte gegen die Briefwahl artikulierte. Das war der erste Streich – jedenfalls für Trump, denn ungezählte andere Twitterbenutzer hatten schon vorher das zweifelhafte Vergnügen in der einen oder anderen Weise zensuriert worden zu sein. Trump müsste nicht Trump sein, wenn er die Zensurmaßnahme gegen ihn nicht sofort ätzend kommentiert hätte. Deshalb holte die Twitter-Firma des Jack Dorsey zum zweiten Streich aus. Sie sperrte eine Nachricht Trumps vorübergehend ganz. Der Anlass war die Androhung Trumps, Bundestruppen einzusetzen, wenn der Gouverneur eines Bundesstaates ihn hierum ersuchen sollte. Das löschte Twitter, weil – halten Sie sich fest – Trump mit diesem Aufruf Gewaltverherrlichung betreibe.

Ein neuer Kriegsschauplatz eröffnet sich vor den Augen des erstaunten Beobachters. Trump hat Konsequenzen der Exekutive angekündigt, die Nachrichtengiganten in die Stiefel zu stellen, und der Bundesjustizminister hat dies zustimmend kommentiert. Das ist erstaunlich genug, denn dieser, William Barr heißt er, ist mir in den letzten Monaten dadurch aufgefallen, dass er den oft voreiligen Trump immer dann, wenn es ihn notwendig erschien, korrigierte – auch öffentlich. Man darf gespannt sein, wohin diese Reise gehen wird.Facebook-Eigner Mark Zuckerberg hat schon mal vorsorglich erklärt, dass solche kommentierenden Korrekturen auf seiner Plattform nicht vorkämen. Nun gut, der Mann muss nicht wissen, dass seine Firma soeben in Deutschland eine krachende juristische Niederlage einfuhr, weil sich die Blog-Zeitung Tichys Einblick einen solchen fragwürdigen Wahrheits-Banner durch die noch viel fragwürdigere Plattform Correctiv auf Facebook nicht hatte bieten lassen.

Eine Lanze für Frau von Stein

Liebte Goethe – und wenn ja wen?

Als der junge Goethe im Jahre 1775 nach Weimar kam, erschien er als Gast, eingeladen durch den soeben inthronisierten achtzehnjährigen Herzog Karl August. So fangen die Geschichten meistens an. Doch es gibt eine Vorgeschichte, ohne die dieses Geschehen nicht schlüssig erklärt werden kann.
    Das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach war ein souveräner Staat mit einem absolutistisch regierenden Herzog an seiner Spitze. Das Herzogtum gehörte zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Dieses Reich war in jenen Jahren nur noch ein Gespenst seiner selbst, das ein Federstrich Napoleons 1806 begrub.
    Im Herzogtum Weimar wurde, 19 Jahre vor Goethes Anreise, am 16. März 1756 eine Sechzehnjährige mit dem regierenden Herzog vermählt. Sie hieß Anna Amalia und stammte aus dem Herzogsgeschlecht in Braunschweig. Sie brachte in den folgenden beiden Jahren zwei Söhne zur Welt. Doch bereits bei der Geburt des zweiten war sie Witwe.

Man tut nicht gut daran, sich Anna Amalia als allein erziehende Mutter im heutige Sinne vorzustellen, denn das parallele Kinder erziehen und Geld verdienen müssen kannte Anna Amalia nicht. Geld war da und genügend Personal für die Kindererziehung auch. Erziehung eigenhändig zu betreiben, war in dieser Zeit in jenen Kreisen ohnedies nicht üblich.
    Das Problem der Anna Amalia war ein anderes. Für sie galt es, zwei Dinge zu organisieren, die eng miteinander verwoben waren. Zum einen war der Rechtstitel ihres Sohnes als eines Herzogs von Sachsen-Weimar über die Runden der Minderjährigkeit zu retten, zum zweiten galt es, eine drohende über den Sohn von fremder Hand auszuübende Vormundschaft zu verhindern. Das tat sie, indem sie die Vormundsrolle selbst ausübte. Diese Kombination der Dinge, die den angenehmen Effekt hatte, selber dem Herzogtum als Alleinherrscherin vorzustehen, war nur zu haben und über mehr als anderthalb Jahrzehnte in einem feindseligen machtpolitischen Umfeld zu behaupten, wenn man über besondere Qualitäten verfügte. Zumindest über klaren Blick, starken Machtwillen und eine gute Hand bei der Personalauswahl.
    An dieser Stelle ein kurzer Blick auf die Personalauswahl. Zum einen war da eine Charlotte von Schardt, später verheiratete von Stein. Sie wurde die Hofdame der Herzogin. Hofdame, das darf man sich in diesem Fall nicht als ein nutzloses, wenn auch lebendiges Möbelstück denken, sondern Hofdame der regierenden Herzogin war ein persönlicher Mitarbeiter im unmittelbaren engsten Herrschaftsapparat. Die andere Position, die es zu besetzen galt, war die des Prinzenerziehers. Das wiederum war eine Sache, die nichts von einem Lehrer Lempel aus Max und Moritz an sich hatte, sondern ein Prinzenerzieher war der Mann, der aus dem herzoglichen Knaben den späteren Herrscher formen sollte, ein verantwortungsvoller Job und keine ganz leichte Aufgabe. Im Falle des späteren Herzogs Karl August hieß dieser Prinzenerzieher Graf Görtz.
    Mit dem Herannahen der Volljährigkeit des Herzogs wurde die Situation für die Regentin kritisch. Es kann der Herrscherin nicht verborgen geblieben sein, dass dies die Stunde der Hofschranzen war. Diese pflegen, wenn sie sonst schon nichts Gescheites tun, mir feinem Gespür zu ertasten, dass der Wind sich dreht. Ein Lächeln hie, ein Tuscheln da, die Geste nach hier ein wenig flacher, der Bückling nach dort einen Zoll tiefer. Der Wechsel würde kommen. Den galt es unbeschadet zu überstehen. Bis hierher war alles wie heute.
    Und doch fällt es schwer, sich in die persönliche Situation bei Hofe hineinzudenken. Positionen, die über Sein und Nichtsein entschieden, waren Gnadenakte, oft der Tageslaune des Herrschers geschuldet. Wie gesagt, beim Herrschaftswechsel waren die Dinge für den Hofstaat besonders prekär, denn es stand zu befürchten, dass der Neue Tabula rasa machen würde. Im Falle des Wechsels von Anna Amalia auf Karl August kam erschwerend hinzu, dass dieser Wechsel nicht durch Tod und Erbfall eintrat, sondern durch Übergabe der Herrschaft unter Lebenden. Die Abtretende blieb also existent, wenn auch ohne die formale Position der Macht. War der Neue nicht gewillt, eine Art Nebenregierung der Mutter zu dulden, so hatten alle Männer und Frauen der Mutterpartei fürderhin schlechte Karten.
    Dem Prinzenerzieher Görtz war dieses Dilemma mit Sicherheit bekannt. Seine Position beim Herrschaftswechsel war besonders gefährdet, da er gleichzeitig auch eine persönliche Positionsänderung vornehmen musste, die nicht nur formaler Art war: Der Erzieher eines Prinzen konnte er nicht bleiben, denn den gab es nicht mehr, und der eines Herrschers konnte er nicht sein, denn diese Position gab es per se nicht. Der Erzieher musste also in die Haut eines Beraters schlüpfen. Dieser Rollentausch war psychologisch heikel, weil er die Verkehrung der Fronten vom Befehlenden hin zum Gehorchenden bedeutete. Das war nicht nur für Görtz ein Problem, sondern der andere, also Karl August, musste ertragen, dass Görtz, der ihm Jahre vorstand, jetzt weiterhin in seiner unmittelbaren Umgebung verbleiben wollte.
    Die Ereignisse lehren, dass Görtz diese Wende meisterhaft schaffte – zumindest zunächst. Er begab sich mit dem ehemaligen Zögling auf Kavalierstour. Für Görtz galt hierbei: In dieser Zeit musste er die Wende vom Erzieher zum gern geduldeten Begleiter schaffen, er muss sie geschafft haben. Was er hierbei im Einzelnen unternahm, ist unbekannt, klar ist nur, dass er ein lohnendes Ziel verfolgte, denn die zukünftige Stellung eines ersten Beraters bei einem nicht sonderlich gescheiten jugendlichen Herzog war ein Amt, gleichbedeutend mit dem eines tatsächlich Regierenden.
    Für Görtz bedeutete das Beachten der ihm bekannten Spielregeln, dass er aus dem Fahrwasser seiner bisher allein maßgebenden Herrscherin, das war Anna Amalia, entkommen musste und auch den leisesten Hauch ihres Parfums aus seiner Perücke zu verbannen hatte. Es spielte dieses Spiel der Herrschaftssicherung perfekt, indem er die Trennung der bisherigen Regentin vom Hofe und ihre Abschiebung auf den Alterssitz organisierte. Das wäre vielleicht glatt gegangen, wenn dem cleveren Grafen nicht ein Fehler unterlaufen wäre, von dem er unmöglich wissen konnte, dass es einer war, als er ihn beging.
    Jetzt, und erst hier, kommt Goethe in der Geschichte vor. Als der gerade volljährige, aber noch nicht inthronisierte Karl August mit Görtz seine Kavalierstour unternahm, streiften die beiden, auf dem Wege nach Frankreich, auch die Reichsstadt Frankfurt. Hier organisierte Görtz, dem es zu tun war, seinen ehemaligen Zögling auf das angenehmste zu unterhalten, einen Besuch beim Jungstar des Theaterlebens, dem dort ansässigen Johann Wolfgang Goethe.
    Den Starrummel um Goethe recht zu verstehen, muss man sich vor Augen führen, welchen Stellenwert das Theater im damaligen gesellschaftlichen Leben einnahm. Das ist mit den heutigen Zuständen kaum zu vergleichen, weil das sog. gesellschaftliche Leben auf eine kleine Gruppe von Herrschenden und Reichen fokussiert war und die Vergnügungen eher ortsgebunden stattzufinden hatten. Neben der Jagd, ausschweifenden Sauf- und Fressereien war es vor allem das Theater, das für Kurzweil sorgte. Wer auf dieser Woge zu schwimmen verstand, befand sich in der Sonne des Lebens. Der junge Goethe, der auf Kosten seiner wohlhabenden Eltern leben durfte, gehörte dazu. Sein Götz von Berlichingen hatte Furore gemacht.
    Aus dem Kennenlernen in Frankfurt wurde eine Einladung nach Weimar, als der nunmehrige Herzog in Thüringen zurück und in sein Amt eingeführt war. Aus der Einladung wurde ein längeres Dableiben und aus dem Dableiben eine Freundschaft, schließlich eine Lebensstellung. Schon die Freundschaft zwischen Goethe und dem Herzog kann nicht im Sinne des Staatenlenkers Görtz gelegen haben. Denn nunmehr trat etwas ein, was alle sorgsam organisierten Pläne zunichte machte, denn Görtz verlor seine Stellung.
    Der Prozess ging keineswegs so schnell, wie sich das hier schreibt, und den Beteiligten wurden die Folgen ihres Tuns erst allmählich klar. Der Tourist und Spaßmacher Goethe bewegte sich zunächst in einem höfischen Leben, das die bürgerliche Vaterstadt nicht zu bieten hatte. Dort hatten Pfeffersäcke das Sagen, hier in Weimar war es überfeinerte Etikette nebst einem zum Herzog erhobenen vierschrötigen Jüngling, der die Späße des Frankfurters anziehender fand, als das streng distanzierte Wohlwollen des gewesenen Erziehers. Etwas besonderes war auch dem Zugereisten angenehm. Die schier exstatische Bewunderung, wenn nicht Vergötterung, die ihm aus den Gemächern der abgetretenen Herzogin zuteil wurde. Es waren zwei Frauen, die hier ihr Garn spannen, Anna Amalia und die Hofdame Charlotte von Stein. Beide hatten eigenwillige Motive, den jungen Goethe bei der Stange zu halten.


    Zunächst ein Blick auf das rein Weibliche. Die Aussagen darüber, wie denn nun die Damen aussahen, sind spärlich und zu allem Überfluss durch Parteinahme so unterschiedlich, dass eine auch nur vage objektive Beurteilung scheitern muss. Von Charlotte von Stein ist ein Scherenschnitt bekannt, der sie im Profil zeigt. Auch der ärgste Widersacher wird an diesem Profil wenig auszusetzen finden. Es ist zumindest denkbar, dass es zu einer schönen Frau gehörte. Bei den Abbildungen der Anna Amalia kann man zwei Dinge mit Sicherheit sagen. Erstens würde es kein Auftragsmaler gewagt haben, die Dame ungünstig abzumalen, zum zweiten ist das, was wir heute betrachten können, nicht dazu angetan, sie im heutigen Sinne als schön zu bezeichnen. Mag sein, dass man vor zweihundertundfünfzig Jahren anders über diesen Umstand dachte, aber sehr wahrscheinlich ist das nicht.
    Nun zu den sog. inneren Werten, über die man gerne spricht, wenn’s mit der blendenden Schönheit nicht ganz so leuchtend bestellt ist. Auch hier ist es so, dass die Urteile der Zeitgenossen schwankend sind. Einige wenige haben die Mme. Stein als ein bisschen blöd dargestellt. Sowas soll auch heutzutage, vor allem unter Kollegen üblich sein. Bei der Herzogin war man zurückhaltender, denn sie konnte einem sehr schaden, wenn die Kritik ruchbar wurde. Von ihren sonstigen Vorzügen wissen wir wenig. War sie klug? War sie charmant? War sie gar zärtlich, mannstoll, frivol, originell, schlagfertig, zurückhaltend, nachtragend, freigiebig? Alles unbekannte Größen. Musisch wird sie wohl gewesen sein.
    Was also zog den nachmaligen Dichterfürsten durch diese Frauen an, mit denen er so viele Abende in den ersten zehn Jahren seiner Weimarer Existenz verbrachte. Wir lesen zu diesem Zweck die Unzahl seiner Liebesbriefe und kommen zu dem Ergebnis: Es ist nicht herauszufinden.
    Die Schriftstücke, die man als die Briefe an Frau von Stein bezeichnet, was neuerdings heftig bestritten wird, lassen eines mit Sicherheit sagen. Sie sind in der Diktion so unterschiedlich, dass man Zweifel anmelden mag, sie seien an ein und dieselbe Person gerichtet. Ton, Anredformen und Mitteilungsrichtung ändern sich ständig. Bei einer ganzen Zahl von Briefen ist fraglich, ob man sie überhaupt im Wortsinne als Briefe bezeichnen sollte. Etliche sind Notizzettel, andere eher Tagebuchblätter von Reisen. Aus diesem Mangel an Stringenz ist der Schluss gezogen worden, die meisten Briefe seien nicht an Charlotte von Stein gerichtet, sondern an die gewesene Herzogin Anna Amalia. Sie, und nicht Frau von Stein, sei mithin Goethes Geliebte gewesen.
    Das sind kühne Gedanken, denn eines ist vorweg zu sagen. Niemand sah die Paarung Johann Wolfgang und Charlotte, geschweige denn Johann Wolfgang und Anna Amalia in Flagranti. Nichts dergleichen ist bekannt, man kann die wenig wohlmeinenden Briefe von Zeitgenossen solang auswringen, wie man will, außer Gerüchten tritt nichts zu Tage.
    Doch sehen wir weiter. Wie sieht es nun mit den sog. Liebesbriefen aus? Aus welchem Spundloch traten sie zutage, um den angemessen erschauernden Apologeten der Weimarer Klassik die Liebesgeschichte vom Dichterfürsten mit der Charlotte von Stein aufzutischen? Hier ist die Antwort: Aus dem Nachlass jener Charlotte von Stein. Wie man angesichts dieser Tatsache behaupten kann, die Briefe seien nicht an sie, sondern an ihre Chefin Anna Amalia gerichtet gewesen, ist rätselhaft. Das schon deswegen, weil dann die schöne Konstruktion, Charlotte sei quasi nur der Briefkasten gewesen, um die Briefe an die wahre Empfängerin durchzureichen, auf wackligen Beinen steht. Die wirkliche Adressatin, Anna Amalia, müsste dann die Briefe nach Lektüre an ihre Hofdame wieder herausgegeben haben. Um somit was zu erreichen? Den Mummenschanz zu verlängern? Dann müssten die Damen wahrhaft genial konspirativ gehandelt haben, nach dem Motto: Ich gebe die Briefe nach dorthin zurück, wo der vermeintliche Empfänger ist, damit spätere Forschung dereinst irre geleitet wird. Die Frage bleibt: Handelt eine liebende Frau so, selbst wenn sie Fürstin ist? Wohl kaum.
    Goethe war ein Schlawiner. In der Tat. Schrieb Briefe („hier meine Liebe, noch ein Biefgen“) durchsetzt mit fremdsprachigen Floskeln, auch in Italienisch und in Latein. Diese Sprachen, so lesen wir, verstand nicht Charlotte, sondern nur ihre Herrin, die Frau Herzogin. Wozu also diese Sprachbrocken? Sie konnten sich nur an Anna Amalia richten. So wird gesagt. Doch auch an dieser Brücke muss das Schild „Betreten auf eigene Gefahr“ aufgestellt werden. Warum schrieb Goethe italienisch? Weil er es gut konnte? Nein, er schrieb es, weil er in Italien war, dem Land seiner Sehnsüchte, wo es warm war, ein Land, das ihn bezauberte, wie viel Deutsche vor und nach ihm. Er schrieb italienisch, weil er, in aller Bescheidenheit sei es angemerkt, ein Angeber war. Seht her, ich kann es. Und nun: Charlotte konnte das nicht lesen? Wenn sie, was man bislang annahm, ein volles Jahrzehnt die heimliche Geliebte dieses Mannes war, wird sie Wege gefunden haben, das, was der ferne Gott aufschrieb, ins Deutsche übertragen zu lassen. Vielleicht sogar von der Herzogin. Da werden die beiden Vertrauten beisammen gesessen, sich über die Auslassungen amüsiert haben, war sonst ja nicht viel los in Weimar.
    Damit sind wir an einer wichtigen Ecke dieses Beziehungsgeflechts angelangt. Wie war das mit den beiden Frauen, was trieben sie mit dem zunächst auf Besuch in Weimar weilenden jungen Goethe? Wir stellen uns vor, sie werden sich verhalten haben, wie es ihrem Alter, ihrem Geschlecht und den Sitten der Zeit angemessen war. Das bedeutet, sie haben auf Teufel komm raus geflirtet mit dem jungen Mann, der sich so wohltuend vom grobschlächtigen Hofstaat unterschied. Ein Blick hier, eine Berührung da, und dann vor allem, um ihm den Kopf zu verdrehen, ein Briefchen hier, ein Zettelchen dort, überbracht von einem Diener nach Einbruch der Dämmerung. Das brachte ein wenig Spannung in die triste Provinzexistenz an der Ilm. Die Damen hatten Erfolg mit ihrem Tun, der Jungstar verlor den Kopf, verlor ihn so stark, dass er die Abreise immer wieder hinauszögerte.
    Hier ist zu fragen: Warum handelte das Duo Anna und Charlotte so? Die Antwort ist ernüchternd. Die soeben aus der Machtstellung entfernte Anna Amalia unterlag den geläufigen Mechanismen eines Machtverlusts. Hier tut sich dem Betroffenen der schier unglaubliche Zwiespalt zwischen Gewohntem und der Realität auf. Es ist wie eine im Leerlauf auf höchsten Touren laufende Maschine. Dieses Laufen ohne Last geht nie lange gut. Dann folgt das Zerbrechen.
    Anna Amalia war klug genug, um zu erkennen, in welcher Situation sie sich befand. Selbstredend trugen ihr Höflinge zu, was die Görtz-Partei, die sich stromlinienförmig im Schlepptau ihres drallen Sohnes eingeschleimt hatte, mit ihr, der gewesenen Herrschaft vorhatte – nämlich die Sechsunddreißigjährige vom Hofe zu verbannen. Nun zog die Mutter ihre Strippen, sie tat es auf die ihr gemäße Weise. Schnell erkannte sie, dass der dichtende Taugenichts, der da zusammen mit ihrem Sohn die umherspringenden Bauernmädel beschlief, eine ganz andere Saite besaß, die man nur zum Klingen bringen musste. Dem Flausenmacher, der auch ein Flausenhaber war, musste höfische Liebe in derart manifester Form vorgegaukelt werden, dass er blieb. Ihm musste also suggeriert werden, dass er sonst etwas verlor, und dieses Etwas war ein unstillbares Verlangen, eine unerfüllbare Sehnsucht, eine höfische Liebe eben.
    Aus Sicht der Anna Amalia war dies reine Berechnung. Sie stellte sich vor, und lag damit genau richtig, dass der anwesende Goethe ein Garant dafür war, dass sie den Platz bei Hofe halten konnte. Hier war das körperliche Anwesendsein gemeint, alles andere würde sich wie von selbst ergeben. Auch damit lag sie goldrichtig.
    Nebenbei galt es, den Sohn zu bearbeiten. Der war nur äußerlich ein schwerer Brocken. Er musste gesagt bekommen, dass sein neuer Lieblingsgespiele nur dann zu halten sei, wenn neben dem Kumpanentum ein prächtiges Staatsamt zum Bleiben nötigen würde. So ward es verhandelt und beschlossen. Goethe wurde Minister, und er blieb. Ihn hielten zwei starke Argumente. Das eine war ein festes Gehalt, wichtig genug für einen, der als junger Literatenstar bereits erfahren hatte, dass man in Deutschland von den Tantiemen aus Geschriebenem nicht leben kann; das andere waren zarte Bande, über deren reale Existenz nunmehr zu reden sein wird.
    Wen also liebte Goethe? Und: Wurde diese Liebe erwidert, oder platt gefragt: Wurde er zurückgeliebt? Mit dem Dichter zu beginnen: Er liebte stark, nämlich sich selbst. Wenigstens hierüber sind wir ausreichend unterrichtet. Wer nach diesen Dingen forscht, trifft auf ein gigantisches Oeuvre, das uns Goethe über sich selbst hinterlassen hat. In diesem hat der Meister dem Publikum kund getan hat, was für ein toller Hecht er war. Das ganze Gerede vom Musenhof der Anna Amalia war ihm vor allem eines: Es war der Hochsitz, auf dem sich der angehende Dichterfürst der aufhorchenden Öffentlichkeit glanzvoll präsentieren konnte, ein Zustand, der bis heute andauert. Goethe wurde zum Multi-Star. Dass dies geschehen konnte, verdankte er vor allem einem, nämlich sich selbst. Wenn je einer ein Meister der Selbstinszenierung war, dann er. Doch Goethe war klug genug, um zu wissen, dass zum höfischen Hochsitz eben jener Hof gehörte. Also machte er den Damen den Hof. Es waren deren zwei, die der Dichter zu versorgen hatte: eine Adlige und eine Fürstin, beide standen im gesellschaftlichen Rang weit über ihm, die eine deutlich und die andere unerreichbar. Liebte er sie, eine von beiden, oder gar alle beide? Wir befinden uns in der peinlichen Situation zugeben zu müssen, dass wir es nicht wissen. Wir stellen uns allerdings vor, dass er Charlotte sehr konkret zum Anbeißen fand und die Fürstin eher zum Anschmachten. Ein Mann seines Zuschnitts mochte das durchaus verbinden: Während er mit der einen schlief, dachte er an die andere.
    Schnell sei an dieser Stelle eingeräumt, dass wir uns in einiger Verlegenheit befinden, das zuvor Gesagte mit Nachdruck zu behaupten, denn wir kennen aus erster Hand nur die eine Hälfte des Corpus delicti, nämlich die „Zettelgen“ und „Briefgen“ aus des Dichters Hand, aufbewahrt im Nachlass der Charlotte von Stein. Sie kann, so wird gesagt, die Bettgenossin des jungen Goethe nicht gewesen sein, verheiratet und Mutter von sieben Kindern zudem. Sowas gehe nicht zusammen. Wieso eigentlich nicht, so ist zu fragen. Dass Frauen praktisch ständig schwanger waren, ist der Normalfall jener uns heute so fern scheinenden Zeit, und dass die Schwangeren auch gern anderweitig verkehrten, wie es so schön heißt, kannten bereits die klassischen Römerinnen als viel belachtes gesellschaftliches Phänomen. Wieso also nicht nacheifern in einer Zeit der allgemeinen Klassik-Besoffenheit.
    Wir können, das sei wiederholt, dergleichen nur vermuten. Es fehlt das wesentliche Beweisstück von einigem Rang, nämlich die Briefe, die es in der Gegenrichtung gegeben haben muss. Es waren dies Schriftstücke von der Hand der Charlotte von Stein oder von Anna Amalia oder gar von beiden. Wir stellen uns vor, dass sich aus diesen Briefen neben der Masse der Belanglosigkeiten auch interessante Details ergeben haben mögen. Denken wir nur an Hinweise auf Schwangerschaften. Doch auch hier sind alle, die sich mühen, auf reine Spekulation angewiesen.
    Eines, am Rande bemerkt, ist nahezu sicher: Goethe war nicht impotent. Er wird es auch in der Zeit seines ersten Weimarer Jahrzehnts nicht gewesen sein. Ob er sich in dieser Zeit allein an den Landmädchen abarbeitete, wie er es in seinen Briefen zu schildern durchaus nicht unterließ, mag dahinstehen. Dass er es in den Briefen an die Geliebte überhaupt erwähnte, wirft ein seltsames Licht auf seine Beziehungen zu den Damen bei Hofe. War man derartig intim, dass er die Adressatin quasi in sein Bauernbett mitnahm? Oder wollte er sie schlicht eifersüchtig machen. Schau mal, ich kann auch ohne dich.
    Es bleibt, wie schon gesagt, müßige Spekulation, solange wir die Antworten nicht kennen. Diese Briefe wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit vernichtet. Im Haus am Frauenplan walteten nach Goethes Tod für Jahrzehnte die beiden männlichen Enkel. Sie hockten auf dem großväterlichen Hort und mögen den, bevor sie alles dem Staate Sachsen-Weimar vermachten, bebrütet und bereinigt haben. Die Vernichtung inkriminierender Briefe lag nahe. Hierüber belehrt ein Blick in die Sitten der Zeit. Wir befinden uns in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Die Ära bürgerlicher Prüderie strebt ihrem Höhepunkt entgegen. Wir stellen uns die beiden unbeweibten Enkel vor, wie sie mit glühenden Wangen Liebesbriefe verschlangen, an den vergötterten wie gefürchteten Großvater gerichtet, der längst in den Olymp der Unsterblichen aufgestiegen war. Sie mussten befürchten, dass hier Menschliches allzu Menschliches zu Tage trat, was dem Bilde des Olympiers abträglich sein musste. Sie lasen die Korrespondenz zweier Frauen, die an Deutlichkeit vielleicht nichts zu wünschen übrig ließ, und konnten nur hoffen, dass die Gegenstücke von der Hand des Großvaters längst im Orcus verschwunden waren. Das war ein Irrtum, wie sich später zeigen sollte, doch da war es bereits zu spät. Was den Goethefreund und seinen Fledderer brennend interessieren musste, existierte nicht mehr.
    Nun kommt das Ende. Das Ende der Liebesgeschichte. Goethe floh nach einem Jahrzehnt in Weimar gen Italien. Er hatte allen Grund dazu. Er fürchtete die Offenbarung eines Geheimnisses, doch es war nicht, wie zu lesen ist, die Aufdeckung der Liaison zwischen ihm und der Fürstin Anna Amalia, denn dieses Geheimnis gab es nicht. Diese Liaison war jahrelang Gegenstand aller Plappermäuler. Die in Weimar gebliebene Gräfin Görtz schrieb ihrem in den Preußendienst gewechselten Hofmann spitzmäulig darüber, und es kann nicht angenommen werden, dass dieser die schlüpfrige Geschichte für sich behielt. Nein, die Wirklichkeit im Kopfe Goethes sah etwas trister aus. Ein Jahrzehnt lang hatte er in höfischer Liebe geschwelgt, hatte angenommen, das, was ihm an glühenden Episteln eingefallen war, werde erwidert, und nun war er ans Ende der Fahnenstange gekommen. Ihm wurde klar, wahrscheinlich sagte es ihm einer, was seine Rolle in diesem Spiel gewesen war: die eines Hahnreis, den die Damen Anna Amalia und Charlotte heimlich belachten.
    Die Kränkung seiner Selbstliebe muss unbeschreiblich gewesen sein. Unerträglich war ihm mit Sicherheit, dass auch Karl August, der Herzog und sein Dienstherr, in die Details eingeweiht war. Vielleicht war er es, der den entsetzt schweigenden Goethe bei einer Sauferei ins Bild setzte. Der Genasführte floh, er brauchte lange, um sich wieder zu beruhigen. Was er als Dichter hierüber zu Papier brachte, war ein schlecht gemachtes Theaterstück mit einer stümperhaften Handlung. Torquato Tasso. Ein Dichter liebt vergeblich eine Fürstin. Er zerbricht dran und geht zugrunde. Nun, Goethe war von robusterer Natur, er kehrte an den Futtertrog nach Weimar zurück.

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