Den nachfolgenden Artikel von Egon W. Kreuzer stelle ich zur Diskussion. Er beschreibt eine unerfreuliche Sicht auf die Möglichkeiten, Kriege auszulösen, die Schwierigkeiten, sie wieder zu beenden, und den Veranlasser der jetzigen Misere: Donald Trump.
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Das jüngste Gemetzel in Nahost begann am 28. Februar 2026. Dieser Krieg beruht, so wie es in der Weltpolitik nur zu häufig zu beobachten ist, auf zwei einander feindseligen, unversöhnlichen Standpunkten, die dann schließlich in einen heißen Krieg einmünden. Mit anderen Worten: Der Gewaltausbruch kam nicht aus dem Nichts, sondern er hat eine lange Vorgeschichte. Genau genommen hat er deren zwei. Es geht um zwei miteinander unvereinbare Geschichtserzählungen, zum einen um die Persiens und zum andern um die der Juden und – hiervon unentwirrbar – die des Staates Israel.
Historischer Vorlauf
Persien hat eine über Jahrtausende währende Geschichte. Diese hier nachzuzeichnen, würde den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen. Deswegen mag der Hinweis genügen, dass die Perser nach einem über mehrere Jahrhunderte andauernden Anlauf im 6. vorchristlichen Jahrhundert die beherrschende Weltmacht in Asien wurden. Nach ihrem Niedergang als Weltmacht verschwand das Reich der Perser indessen keineswegs, sondern blieb als eine unübersehbare mächtige Land- und Volksmasse dort bestehen, wo wir es heute noch vorfinden.
Unbestritten ist, wenn man nicht aus ideologischen Gründen weltfremd ist, der hohe Rang der frühen persischen Kultur in der Geschichte der Menschheit. Ich erwähne diesen Umstand, weil die Perser selbst den größten Wert darauf legen. Sie selbst bezeichnen sich als Nachkommen der Indogermanen und grenzen sich schon aus diesem Grund von den benachbarten arabischen Völkern ab, denen sie sich geistig überlegen fühlen.
Man muss diesen Standpunkt keineswegs teilen, sollte ihn aber wenigstens zur Kenntnis genommen haben – besonders dann, wenn man sich anschickt, Persien als Feindstaat zu behandeln. Dies besonders dann, wenn man die Sicht auf Persien durch den Umstand zu verkürzen droht, dass an dessen Spitze ein schauerliches Mullah-Regime steht. Das stimmt zwar, doch führt solche Verkürzung leicht zu Fehleinschätzungen, für die der in diesem Aufsatz behandelte Krieg reiches Anschauungsmaterial bietet.
Persien und die modernen Großmächte
Im 19. Jahrhundert waren die kolonialen europäischen Großmächte damit beschäftigt, die noch unverteilte Welt zwischen sich aufzuteilen. Die Perser gerieten dabei zwischen die russische und britische Zange, die Russen von Norden und die Engländer vom Süden her. Aus den Weltkriegen konnte sich das Land heraushalten, jedoch um den Preis der Aufteilung in Einflusszonen. Den Anreiz lieferten die zu erwartenden reichen Ölfunde. Hierbei hatten die Engländer nach dem für Russland verheerend ausgegangenen Ersten Weltkrieg deutlich die Nase vorne.
Geradezu symbolisch war der erste Treffort der drei künftigen Sieger des Zweiten Weltkrieges. Sie wählten im November 1942 Teheran, wo sie die ersten weitreichenden Absprachen über die zukünftige Aufteilung der Welt vornahmen. Mit am Tisch in Teheran also die US-Amerikaner, die sich von diesem Moment an von dieser Stelle auf absehbare Zeit nicht mehr wegbewegen sollten. Sie würden eher Monate als Jahre brauchen, um das strauchelnde britische Imperium vom persischen Öl zu verdrängen.
Einen ersten überraschenden und nahezu entscheidenden Einbruch erlebten die Amerikaner, als sich die von ihnen zum Abschütteln des Schah-Regimes gedrängten Perser dafür entschieden, eine Regierung ins Amt zu wählen, die den Ausverkauf des persischen Öls an Fremde zu stoppen versprach. Diese demokratisch gewählte Regierung des persischen Ministerpräsidenten Mossadegh wurde durch einen von der CIA orchestrierten Putsch um ihr Amt gebracht und durch ein von der USA wiedereingesetztes Schah-Regime der Pahlewi-Familie ersetzt.
Es gehört zu den Routine-Erzählungen im Westen, dass es dem Land, auf westlichem Niveau und mit westlichen Werten lebend, fortan glänzend ging, so dass es nahezu unbegreiflich erscheint, wie 1979 eine national-religiöse Revolution in Persien überhaupt stattfinden und sich zudem an die Macht setzen konnte, an der sie sich noch heute befindet. Die nach 1979 folgenden Jahrzehnte waren von Auseinandersetzungen mit den dortzulande entmachteten Amerikanern geprägt, von denen vor allem die über 400 Tage andauernde Besetzung der US-Botschaft in Teheran und der gescheiterte US-amerikanische Versuch, die dortigen Geiseln mit Hilfe eines groß angelegten Kommando-Unternehmens zu befreien, in der Erinnerung der Völker zurückgeblieben sind.
Mit dem Untergang der Sowjetunion (1989-92) wurde vor allem in den USA die Auffassung Allgemeingut, dass nunmehr ihre Zeit als Einzige Weltmacht angebrochen sei. Diese Änderung der Weltmachtdoktrin führte in unmittelbar folgende außen- und militärpolitische Aktionen, von denen hier bei uns in Deutschland die Nato-Osterweiterung die bekannteste ist, zumal sie auf geradem Wege in den Ukraine-Krieg führte. Doch weltpolitisch zumindest gleichbedeutend ist der amerikanische Anlauf, die Welt im Nahen und Mittleren Osten in ihrem Sinne neu zu ordnen. Man griff zu den bekannten Mitteln wie der Propaganda, der inneren Einmischung, der Sabotage, des Wirtschaftskrieges und des militärischen Angriffs. Die hiervon betroffenen Staaten waren Libanon, Syrien, Irak, Jemen, Libyen, Ägypten. Schließlich kam der Iran an die Reihe. Davon ist in diesem Aufsatz die Rede.
Die Sonderrolle der jüdisch-israelischen Vorgeschichte
Nichts annähernd Ähnliches wie zur persischen Vorgeschichte gibt es von der politischen Geschichte der Juden zu berichten. Insbesondere ist angesichts der soeben skizzierten Geschichte Persiens die gern wiederholte Behauptung unzutreffend, dass kein Volk wie das jüdische eine so lange währende Geschichte überblicken könne. Die jüdische Geschichte ist vielmehr von anderer Art. Es handelte sich beim jüdischen Volk in jenen vorchristliche Jahrhunderten um mehrere weltpolitisch unbedeutende Stämme von Wüstenbewohnern, die fast durchweg unter Fremdherrschaft lebten. Nach einer gewaltsamen Auflehnung gegen die römische Weltmacht im ersten nachchristlichen Jahrhundert wurde der in jenen Tagen nur noch rudimentär bestehende jüdische Staat gewaltsam aufgelöst.
Die Bedeutung des Judentums für die Geschichte der Menschheit ist damit nicht annähernd erschöpfend umrissen. Ganz im Gegenteil, aus der jüdischen Religion entsprangen die beiden Eingott-Religionen, welche vor allem die westliche Welt, aber nicht nur diese, über zwei Jahrtausende hinweg dominiert haben. Ohne den Juden-Gott Jehova wären Christentum und Islam nicht entstanden. Versatzstücke der jüdischen Religion geistern noch heute im Denken der ehemaligen Christenheit und der real existierenden Welt des Islam herum.
Um es zu wiederholen: Die Geschichte des jüdischen Staates endete im ersten nachchristlichen Jahrhundert mit der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n.Chr. durch die Römer. Nach einem neuerlichem Aufstand (132-135 n.Chr.), benannt nach dessen Anstifter Bar Kochba, erfolgte die endgültige Vertreibung der Juden aus Palästina.
Erst knapp zweitausend Jahre später zur Jahrhundertwende auf das 20. Jahrhundert gewann der Gedanke an einen Judenstaat wieder eine konkretere Gestalt. Die einschlägigen Konzepte und die Werbung unter den weltweit verstreut lebenden Juden für ein solches Projekt fasste man unter dem Begriff des Zionismus zusammen. Dessen Erfinder und zugleich einflussreicher Promotor war der österreichische Journalist Theodor Herzl. Dessen grundlegende, knapp hundertseitige Propaganda-Schrift mit dem Titel Der Judenstaat erschien erstmals 1896.
Die Aussicht auf einen Judenstaat wurde konkreter, als 1917, also mitten im Ersten Weltkrieg, der damalige britische Außenminister Lord Balfour eine (später nach ihm benannte) Erklärung öffentlich machte. Es handelte sich um eine Art von Schenkungsversprechen an die Juden der Welt für ein eigenes Siedlungsgebiet in Palästina. Das war ein Landstrich, der gar nicht zum British Empire, sondern zum Osmanischen Reich (der heutigen Türkei) gehörte. Nach der türkischen Niederlage Ende des Jahres 1918 wurde Palästina unter dem beschönigenden Begriff eines Mandats-Gebietes britischer Kolonialbesitz. Er wurde von den Engländern angesichts der verschiedenen Ethnien und religiösen Gruppierungen nach dem alten und erfolgreichen Prinzip des Teile-und-herrsche geführt, wobei die Spannungen sich dadurch verschärften, dass die britischen Kolonialherren die jüdische Einwanderung nach Palästina zunächst wohlwollend förderten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die britische Herrscher-Herrlichkeit zu Ende. Sie scheiterte am jüdischen Terrorismus gegen die Kolonialmacht. Ebenso scheiterte ein Teilungsplan der noch jungen UNO, der eine staatliche Selbständigkeit für Juden und Palästinenser in getrennten Siedlungsräumen anstrebte. Auch in diesem Fall siegte die Gewalt, die bevorzugt von jüdischer Seite ausging, als man sich Gebiete aneignete, die erkennbar nicht zu den jüdischen Siedungsgebieten gehörten. Vereinfacht gesagt: Fortan wollte das jüdische Mündel Vormund sein. So hängen die Dinge zusammen.
Daran zu erinnern erscheint notwendig, wenn heutzutage vom Existenzrecht Israels die Rede ist. Mit anderen Worten: Ohne die Balfour-Erklärung, die Zulassung jüdischer Einwanderung und den drei Jahrzehnte später erfolgten Rückzug der Briten aus Nahost gäbe es heute keinen Staat Israel. Wer diese noch nicht sehr weit zurückliegende Landumverteilung nicht als Anspruchs-begründend für das Existenzrecht Israels ausreichend sein lassen will, der muss schon das Alte Testament mit den einschlägigen Landnahme-Erzählungen bemühen. Ich gebe allerdings zu bedenken, dass das nicht jedermanns Sache ist.
In der Zeit vor und nach der Staatsgründung Israels (1948) haben die dort lebenden Juden Krieg um Krieg gegen alle ihre Nachbarn geführt. Dieses Verhalten war nur möglich, weil sie sich auf eine finanzstarke jüdische Lobby, vor allem in den USA, stützen konnten. Diese Unterstützung war von Beginn an entscheidend, wenngleich sie zunächst mit der offiziellen US-Politik nicht übereinstimmte, der es darum zu tun war, das sich in Luft auflösende Britische Empire zu ersetzen und hierbei die arabischen Staaten nicht zu verärgern. In amerikanischen Darstellungen wird dieses zionistische Israel-Sponsoring daher als „privat und illegal“ bezeichnet. Ab Ende der 1950er Jahre änderte sich dann die amerikanische Position, nachdem es den USA misslungen war, in Ägypten Fuß zu fassen. Die israelische Lobby übte nunmehr ganz unverhohlen entscheidenden politischen Einfluss auf die offizielle US-Politik aus, wenn es zum Beispiel darum ging, in internationalen Gremien, wie der UNO, das Gewicht der Veto-Macht USA in die Waagschale zugunsten Israels zu werfen.
Dieser pro-israelische Vorgang ist auch im aktuellen Kriegsgeschehen gegen den Iran zu beobachten. Der Angriff der israelisch-amerikanischen Koalition gegen den Iran ist ohne die amerikanische Akzeptanz der offenbar aus Israel stammenden Anstiftung kaum vorstellbar. Es ist umstritten, ob es für diesen Angriff gute Gründe gab, die ein solches Vorgehen gerechtfertigt erscheinen lassen. Die Angreifer-Seite behauptet dies und spricht von einem Präventiv-Schlag zur Wahrung des Existenzrechts Israels. Es sei u.a. darum gegangen, die nahe heranrückende Fertigstellung der iranischen Atom-Bewaffnung zu verhindern. Dieses Vorhaben sei, so die israelische Führung, essentiell, da der Iran seit der Revolution von 1979 dem Staat Israel mit der Vernichtung drohe.
Die Gegner dieses Standpunktes tragen vor, dass die israelischen Behauptung ein Vorwand für die Schaffung eines Großisrael im Nahen Osten sei, während es den US-Amerikanern vor allem darauf ankomme, die Hand auf die persischen Ölvorkommen zu legen. Das Vorgehen gegen den Iran sei ein Puzzle-Teil der seit den frühen 1990er Jahren verfolgten US-Strategie, den Nahen Osten Staat um Staat unter US-Kontrolle zu bringen.
Alle die in diesen Komplex gehörigen, in den 1990er Jahren begonnenen US-Aggressionen führten zur Destabilisierung der hiervon betroffenen Staaten: Libanon, Ägypten, Syrien, Libyen, Irak. Der Angriff auf den Iran schien diesem Muster zu folgen, doch das gewünschte Ergebnis der Vernichtung des herrschenden Regimes trat in diesem Fall nicht ein – jedenfalls bis zu dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe.
Der Kriegsverlauf
Es erscheint mir müßig, den bisherigen Kriegsverlauf, dessen Ende noch nicht klar abzusehen ist, in diesem Text genau zu beschreiben. Es genügen einige Eckpunkte. Der Krieg begann mit dem israelisch-amerikanischen Überraschungsangriff, der durch Raketenbeschuss gezielt die geistlichen Führer des Landes tötete. Der durch dieses Kriegsverbrechen für sicher gehaltene Erfolg blieb jedoch aus. Der nur scheinbar enthauptete Iran streckte nicht nur nicht die Waffen, sondern er begann, sich zur Überraschung der Angreifer wirkungsvoll gegen diese zu wehren.
Obschon das US Central Command, das von Stuttgart aus die Iran-Aktion ins Werk setzte, alsbald den erfolgreichen Luftangriff auf über 10.000 Ziele meldete und unter diesen mit Schwerpunkt die Zerstörung der persischen Raketenabschuss-Basen, häuften sich die iranischen Raketen- und Drohnenangriffe auf Ziele in Israel und auf US-Militärbasen im gesamten Nahen Osten. Es begann ein Wettlauf der Raketen- und Drohnen-Arsenale, wobei mit zunehmender Länge der Auseinandersetzung die Fähigkeit der israelisch-amerikanischen Koalition abnahm, sich mit Raketenabwehr-Raketen gegen die persischen Attacken erfolgreich zu wehren. Da die Perser in ihre Angriffe auch Ziele in den Golfanrainer-Staaten einbezogen, zeigte sich angesichts der dortzulande bei Ölförderanlagen und Raffinerien angerichteten Schäden, dass die USA als jahrzehntelange Schutzmacht nicht in der Lage waren, ihren Schutzversprechungen auch nur ansatzweise zu genügen.

Damit nicht genug: Mit der Sperrung der Straße von Hormus ab Anfang März 2026 versetzte der Iran der Weltwirtschaft einen schweren Schlag, der zum rasanten Anstieg der Preise für Öl und Erdgas führte. Die ultimativ vorgetragene Forderung der USA an die anderen Nato-Staaten, sich an einer gewaltsamen Öffnung der Straße von Hormus zu beteiligen, wurde von diesen bereits im März durch die Bank abgelehnt. Sehr schnell wurde deutlich, dass auch die US Navy sich diesen Angriff nicht zutraute, bzw. traute.

Stattdessen gingen die USA dazu über, gegen den Schiffsverkehr von und nach Persien eine umfassende Seeblockade der gesamten persischen Küste zu verhängen – letztlich also eine Blockade der Blockade. Die Wirksamkeit dieser US-Kriegführung gilt als umstritten. Es wurde nämlich nicht nur der Handelsverkehr Persiens zu seinem Nachteil blockiert, was jedoch offenbar nur zum Teil gelang, sondern die Blockierer schädigten sich auch selbst. Etwas mühsam durchdrang den westlichen Propagandavorhang, wie sehr auch der gesamte Westen einschließlich der USA von diesen Maßnahmen nachteilig betroffen war. In den USA beispielsweise gingen die Vorräte der nationalen Ölreserven zur Neige. Genau dieser Umstand macht es verständlich, warum die USA im Juni darauf drängten, mit dem Iran zu einer Verständigung zu gelangen.
Der Ansehensverlust der USA als Weltmacht wurde folglich unübersehbar, und als der Iran dazu überging, den weiterhin stattfindenden Export des eigenen Öls nicht mehr auf Dollar-Basis, sondern mit Krypto-Währungen oder in chinesischen Yuan abzurechnen, wuchsen die Zweifel der Golf-Anrainer beträchtlich. Hatten Staaten wie Saudi Arabien zu Beginn des Krieges noch öffentlich erwogen, mit eigenen Truppen am Iran-Krieg teilzunehmen, so machten sie spätestens Ende März 2026 eine Kehrtwende und versuchten, Wohlverhaltens-Abkommen mit dem Iran einzufädeln: Durchlass ihrer Schiffe durch die Straße von Hormus gegen Zahlung einer beträchtlichen Maut (umgerechnet ca. 2 Mio US-Dollar pro Tanker) an die persische Staatskasse.
Der nächste auffällige Schritt war die Auflösung des Kartells erdöl-exportierender Staaten OPEC. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihren Austritt am 29. April 2026 erklärt. Sie waren vor dem Krieg einer der großen Erdölexporteure der Welt. Inwieweit sie durch diesen Schritt das Wohlwollen Persiens erkaufen wollen, ist bestenfalls spekulativ beantworten.
Man kann zur Zeit der Niederschrift dieser Zeilen nicht erkennen, wie das alles einmal enden wird. Klar ist nur schon jetzt: die USA haben über den konkreten Ausgang dieses Krieges hinaus eine strategische, ja welt-strategische Niederlage erlitten. Die beiden anderen Weltmächte – Russland und China – haben die Gelegenheit genutzt, auf den massiven Widerstand des Iran aufzusatteln, indem sie diesen mit Waffen und Informationen versorgt haben. Es wäre den Persern sonst kaum in der Weise, wie es geschehen ist, möglich gewesen, den USA, den Israelis und den Golfanrainern so wirksame Schläge zuzufügen.
Die erzielten Ergebnisse gehen also weit über einen möglichen konkreten Kriegsausgang hinaus. Persien ist auf dem Weg zur Führungsmacht im Nahen Osten, und die USA sind dabei, ihre Vormachtstellung dort einzubüßen. Sie wissen es nur selbst noch nicht, zumal ein großsprecherischer Präsident sich und seinem Land einzureden versucht, er habe den Krieg bereits gewonnen. Hierbei zeigten sich deutliche Hinweise von Größenwahn, denn Trump präsentierte sich im April 2026 in einem KI-generierten Gemälde als Messias. Ich hielt seine einschlägigen Posts zunächst für eine Fälschung von böswilligen Anti-Trump-Propagandisten. Doch ich irrte mich.

Die Wirklichkeit sieht anders aus, als die US-Propagandisten und deren Satrapen es uns glauben machen wollen. Die Folgen einer Niederlage zeigten sich nicht nur an den Benzinzapfsäulen, wo die Preise nach oben schossen, sondern vor allem auch im schrittweise Abbau des Dollars als Öl-Zahlungsmittel und damit einhergehend als Weltreservewährung. Hierdurch werden die gewohnten Dollareinnahmen des Staates USA so drastisch zusammenschmelzen , dass die Gesellschaft dortzulande ihre gewohnte Wohlstandsbasis zu verlieren droht. Wie sich die USA hierdurch notgedrungen verändern werden, kann niemand, der bei Verstand ist, exakt vorhersagen.
Die Sonderrolle Israels beim derzeitigen Versuch der USA, aus diesem Krieg wieder zu entkommen
Unabhängig von einem möglichen Kriegsausgang bleibt noch ein Randgedanke, den Staat Israel betreffend, zu erörtern: Die beiden Angriffe auf den Iran im Juni 2025 (12-Tage-Krieg) und am 28. Februar 2026 haben eines kaum abweisbar ans Licht gebracht: Der Anstifter der beiden Angriffskriege saß in Israel. Das lässt sich vordergründig an einer einzelnen Person festmachen, die hierfür die Verantwortung trägt. Es ist Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der aus seinem Tun, vor allem 2026, keinen Hehl mehr gemacht hat. Doch es wäre ein schräges Helden-Epos, ihm allein die Auslösung dieser Krieges zuzuschieben. Es ist vielmehr so, dass es eine Fronde superreicher Zionisten unter der Führung einer Frau namens Miriam Adelson in den USA gibt, die bei der Auslösung dieser Kriege nicht hinweggedacht werden kann.
Die Motive dieser Kriegspaten zu beschreiben, hat ein Heer von zustimmenden und verdammenden Welterklärern auf den Plan gerufen. Was sie vorzubringen haben, passt unter keinen gemeinsamen argumentativen Hut. Da sind religiöse Fanatiker ebenso vertreten, wie strikte Rassisten, Weltuntergangs-Propheten, jüdische Weltherrschafts-Vertreter und Weltherrschafts-Anklägern, Existenzrecht Israels-Befürworter, Holocaust-Leugner, Büßerhemdträger, Wiedergutmacher und was auch immer. Der Leser suche sich etwas aus.
Es macht Mühe, sine ira et studio den zur Zeit der Niederschrift dieser Zeilen vermutlich in Israel vorherrschenden Pro-Krieg-Standpunkt zu verstehen. Was also ist es, was angeblich zudem die große Masse der Juden auf dieser Welt eint? Es ist, so liest man es landauf landab das Existenzrecht Israels. Dazu ist weiter oben bereits das Notwendige gesagt. Hinzuzufügen wäre, dass die Zeitgenossen, die dieser Meinung sind, eher eine lautstarke Minderheit in dieser Welt sind. Da diejenigen in dieser Gruppe, die sich selbst als Juden definieren, in großer Zahl keinen Hehl daraus machen, dass sie an den jüdischen Gott Jehova nicht glauben, fragt sich der außenstehende Beobachter mit neugierigem Interesse, was denn der Kitt ist, der diese Menschen zusammenhält.
Meine Antwort kann bestenfalls einen unvollkommenen Versuch bedeuten. Wir stoßen bei der Suche nach dem, was das Jude-sein ausmacht, auf zwei unterschiedliche Hauptquellen: Das Auserwählt-sein und das ständige Verfolgt-sein. Erst die Kombination von beidem (auserwählt, um ständig verfolgt zu werden) schafft ein Zusammengehörigkeits-Moment, das sich fast notwendig in Aggressivität äußern muss, denn wer überall und auf unabsehbare Zeit verfolgt wird, hat kaum eine andere Wahl, als unterzugehen oder gegen seine Feinde loszuschlagen. Jüdische Judentums-Erklärer sprechen in diesem Zusammenhang von Muskeljuden. Es versteht sich am Rande, dass diese Idee vom Muskeljuden von vielen Nicht-Juden nicht geteilt wird. Sie wird vielmehr als Kampfansage verstanden.
Bei uns zulande überwiegen die veröffentlichten Auffassungen der Israel-Versteher. Je weiter man sich geographisch von Deutschland entfernt, desto weniger sind dieselben anzutreffen, vom Nahen Osten selbst ganz zu schweigen. Dort wird Israel als raumfremde Macht bezeichnet, die es zu beseitigen gelte. Noch einmal: Besonders bei uns in Deutschland wird auf solche Auffassungen mit Empörung reagiert, wobei mir zugleich eine gewisses Schizophrenie beigemischt zu sein scheint, wenn dieselben Leute, die vom Existenzrecht Israels reden, vor der Wirklichkeit der in unserem Land agierenden und agitierenden muslimischen Ausländer-Massen die Augen verschließen, die mutwillig ins Land gelassen wurden und nun unverhohlen Judenhass auf offener Straße predigen.
Dies vorausgeschickt, ist es bei nüchterner Lagebeurteilung an der Zeit, einen Standpunkt – allein an den deutschen Interessen ausgerichtet – zu formulieren. Die deutsche politische Klasse weicht dieser Notwendigkeit, ebenso wie in vielen anderen Problembereichen, aus, indem sie diejenigen, die sich um einen vertretbaren Standpunkt bemühen, als Nazis oder Antisemiten verteufelt. Diese Ignoranz muss nahezu zwangsläufig in eine innenpolitische Explosion einmünden.
Die jüngste Entwicklung und das Memorandum of understanding
Zurück ins Geschehen vor Ort. Am 18./19. Juni haben die USA und der Iran ein Memorandum of understanding (MOU) unterzeichnet, binnen einer Sechswochenfrist das Kriegsgeschehen im Verhandlungswege zu beenden. Das Memorandum enthält die folgenden Themen: sofortige Beendigung des Waffeneinsatzes, einschließlich desselben im Libanon, sofortige Beendigung der US-Seeblockade vor Persien, sofortige Öffnung der Straße von Hormus, Beendigung der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran, Freigabe der in den USA eingefrorenen persischen Vermögen, amerikanische und arabische Zahlungen in einen milliardenschweren Wiederaufbaufonds, Verhandlungen über die Durchlassrechte der Straße von Hormus und Verhandlungen über die Nuklearindustrie des Iran, insbesondere über die Uran-Anreicherung.
Zu den Besonderheiten dieses Abkommens gehört es, dass die jeweiligen Verbündeten mit einbezogen werden, ohne dass sie mit am Verhandlungstisch saßen, auf US-amerikanischer Seite also Israel. Die Israelische Regierung hat sogleich erklärt, dass sie sich hieran nicht zu halten gedenke. Sie ist nicht bereit, sich aus dem Libanon wieder zurückzuziehen. Der Iran hat unmittelbar darauf die Straße von Hormus wieder partiell geschlossen und ist dazu übergegangen, diese Schließung durch Drohnen und Schnellbootbeschuss von Blockadebrechern durchzusetzen. Die USA haben daraufhin erneute Luftangriffe gegen die persischen Küstenbefestigungen geflogen. Der Krieg dümpelt seitdem auf kleinstmöglicher Flamme vor sich hin.
Politische Ereignisse und ein mögliches Ende des Konflikts
Während der Krieg irgendwie nicht zum Stillstand kommen will, ist Bewegung in die politischen Aktivitäten gekommen. Hierbei ist zu bemerken, dass es nicht möglich ist, irgendeine in etwa bündige Äußerung aus dem Mundes des US-Präsidenten zum Beurteilungsmaßstab zu erheben, da dieser sich von Tag zu Tag anders und häufig genug widersprüchlich einlässt. Wenn überhaupt eine gewisse Kontinuität festzustellen ist, so betrifft diese seine Einlassung, dass Amerika groß und seine Armee siegreich ist. Dass dies mit der wahren Lage in Nahost nicht übereinstimmt, wurde bereits dargestellt.
Aus diesem Grunde konzentrieren sich US-Beobachter auf den Vizepräsidenten. Dieser äußerte sich vor wenigen Tagen hinsichtlich der von ihm selbst mitausgehandelten Waffenruhe, es komme jetzt darauf an, die geschwundenen Öl-Reserven wieder aufzufüllen. Danach werde man weitersehen. Diese Stellungnahme ist weltweit vielfach so verstanden worden, als wollten die USA nach dem Auftanken den Krieg wieder weiterführen. Das ist nicht auszuschließen.
Es wundert daher nicht, dass einige Schwergewichte in der Region offenbar nunmehr praktische Konsultationen aufgenommen haben, um eine Sicherheitsarchitektur des Mittleren und Nahen Ostens zu erörtern und ggf. aufzubauen, die ohne Beteiligung der USA wirksam werden soll. Die Nachrichten hierüber sind ab Ende Juni 2026 nicht mehr zu übersehen. Die beteiligten Staaten sind Pakistan, Iran, Türkei und Saudi Arabien, ziemlich sicher auch Oman und ggf. der Jemen. Auffällig ist Pakistan als Atommacht, die wesentlich als Mediator an den derzeitigen Absprachen zwischen den USA und dem Iran beteiligt war, und die Türkei, eine Mittelmacht mit Großmachtambitionen, von der nicht klar ist, wie weit ihre Neuausrichtung mit der gleichzeitigen Nato-Mitgliedschaft harmoniert. Unbekannt sind die ggf. wohlwollenden Unterstützungs-Handlungen aus Russland und China. Wie auch immer man dies im Einzelnen ansieht, diese Einigungsbemühungen sind deutlich anti-amerikanisch. Das ist umso verständlicher, als die militärischen Hauptbasen der USA in der Region zerstört oder doch zumindest schwer beschädigt worden sind.
Wie wird die Kampagne gegen den Iran letztlich ausgehen? Ehrlich gesagt: ich weiß es nicht. Es sind mehrere Varianten vorstellbar: a) Der Krieg schläft nach Öffnung der Straße von Hormus irgendwie ein. Die schwer beschädigte Weltwirtschaft erholt sich wieder. b) Die Perser akzeptieren das neuerliche Vernichtungsgeschehen in den an Israel angrenzenden Gebieten nicht, schließen erneut die Straße von Hormus und verursachen hierdurch erneutes gewaltsames Vorgehen Israels und der USA, die sich einer wirtschaftlichen Katastrophe konfrontiert sehen. c) Im Verlauf der wiederaufgeflammten Gewalt gerät Israel durch persische Luftangriffe an den Rand einer existenzvernichtenden militärischen Niederlage, so dass Israel selbst oder die USA Atomwaffen einsetzen. Was hierauf folgt, lässt sich beim besten Willen nicht vorhersagen. Man sollte indessen im Auge behalten, dass China durch einen hochrangigen Regierungsvertreter bereits vor Wochen, am 13./14. April 2026, angedroht hat, dass es in diesem Fall innerhalb von Tagen kein Israel mehr geben werde.
©Helmut Roewer, Juli 2026
Der nachfolgede Beitrag von Wolfgang Prabel stammt von Prabels Blog vom 2. Juli 2026. Er enthält einen interssanten Rundblick mit länderspezifischen Informationen, die man sonst in dieser gebündelten Form nirgendwo zu lesen bekommt.
Für den Beitrag von Egon W. Kreutzer, den ich hier mit seiner Erlaubnis weiterverbreite, wünsche ich dasselbe Lesevergnügen, wie ich es empfungen habe, denn merke, schon die alten Lateiner (in diesem Fall Juvenal) wussten es: difficile est satiram non scribere (es ist schwer, keine Satire zu schreiben).

Am 28. Februar 2026 begann der von der US-israelischen Allianz losgetretene Dritte Golfkrieg. Er dauert jetzt seit 90 Tagen an, und wir haben uns, so scheint’s, daran gewöhnt. Die Aussichten auf einen Frieden, der diesen Namen verdient, sind erbärmlich, denn die Gründe für die Fortsetzung überwiegen, weil die Beteiligten…
… keinen Frieden wollen (Israel),
… keinen Ausweg wissen (USA),
… sich rächen wollen (Persien),
… keinen entscheidenden Einfluss haben (Golfstaaten einschließlich Saudi Arabien),
… ein Ablenkungsmanöver für die eigene Misere benötigen (D, F, GB),
… ihr eigenes Machtspiel spielen (China, Pakistan).
So jedenfalls sieht meine Beurteilung am 90. Tag des Krieges aus. Wie ich hierzu komme und wie oft ich mich in den letzten Wochen geirrt habe, kann der Leser, wenn er Lust und Zeit hat, meinen unveränderten Tag-für-Tag Sudelbuch-Aufzeichnungen entnehmen.
Teil 1 – 28. Februar bis 31. März 2028:
Teil 2 – 1. bis 30. April 2028
Teil 3 – 1. bis 29. Mai 2026
Im Folgenden werde ich drei Aufsätze zur Diskussion stellen, die ich den letzten Tagen erhalten habe. Hierbei handelt es sich um Beiträge der Autoren Walter Post, Egon W. Kreuter und Michael Wolski.
Der Beitrag des Hambuger Historikers Dr. Walter Post betrifft das Stadium des potentiellen Atomwaffen-Staates Iran. Dieses Thema ist einer der Hauptstreitpunkte, die zum US-irraelischen Angriff auf den Iran am 28. Februar 2026 geführt haben. Es war sogar der offiziell bekanntgegebene Kriegsgrund.
Der Aufsatz von Egon W. Kreutzer ist eine Momentaufnahme der Ostfront nach den ukrainischen Drohnenangriffen auf das Innere Russlands vom Wochenende des 15.-17. Mai 2026 und die nun zuvermutende russische Reaktion. Dieser Aufsatz sei allen Kriegsbegeisterten anempfohlen.
Der Aufsatz von Michael Wolski weicht von den üblichen Interprätationen der heutigen Kriegslage um Meilen ab, indem er Anleihen bei einer Publukation vom seinerzeit sehr bekannten Soziologen Helmut Schelsky macht, die er mit Aussagen des Ex-BfV-Chefs Hans-Georg Maaßen kombiniert, wonach das jetzige Geschehen in den 1980er Plänen des KGB seinen Ursprung hat. Ich sage deutlich, dass ich skeptisch bin, ob das eins zu eins für bare Münze zu nehmen ist, finde den Ansatz aber originell und diskussionswürdig.
Der nachfolgend widergegebene Artikel über den neuen persischen Führer und die Lage im Lande ist eine Momentaufnahme aus der Feder des Hamburger Historikers Dr. Walter Post, die ich mit seiner Genehmigung zur Kenntnis bringe, weil sie von dem um Meilen abweicht, was man sonst an Aufgeregtheiten hierzulande zu lesen und zu hören kriegt. Es ist seine Auffassung, ich finde sie lesenswert.
Die folgende nüchterne und zutiefst ernüchternde Analyse der Weltlage mit Schwerpunkt zum Iran-Konflikt nebst Ausblick auf die vermutlichen weltwirtschaftlichen Folgen hat der Blogger Egon W. Kreutzer am 30. März 2026 verfasst. Ich rücke den Aufsatz hier auf meinem Blog mit seiner Erlaubnis ein:
Oder: Es hat sich seit vier Jahren nichts verändert

Das Morgenlicht durchdringt diffus die Jalousette
Ich denke vor mich hin, es wär doch schön
wenn ich nur einmal nichts zu denken hätte
Ich würd sogleich zu Fuß nach Compostella gehn.
Dort würd ich lila Rosenkränze kaufen
und dicke Nonnen schubsen – ab und wann
und mit den Maulbeerbäumen um die Wette laufen
weil ich nicht denken, aber schrecklich rennen kann.
Ich mach die Augen wieder auf, es hat sich nichts verändert
Noch immer ist es ziemlich grau
Kein Frühling hat den Erlenbaum bebändert
Jetzt lieg ich reglos da und gucke nicht sehr schlau.
Begleitender Chorus der tanzenden Trucker:
Reich mir Ricarda den Rautenkranz
Trage Tusnelda das Tamburin
Bleib wo du bist, vor allem aber bleib ganz
Lass mich mit den Gänsen nach Süden ziehn.
©HR20220217
Nachbemerkung vom 26.März 2026: Das kommt davon, es tritt gnadenlos zutage, wenn man den Arbeitsrechner aufräumt, um Platz zu schaffen.
Dieser Beitrag schildert die Fortentwicklung des Ukraine-Konflikts. Er schließt an mein Buch Nicht mein Krieg. Deutschland und der Ukraine-Konflikt und dessen Update vom November 2024 an. Dort findet der Leser alle wissenswerten Grundlagen zu Vorgeschichte, Ausbruch und Verlauf des Konflikts sowie zu den gegensätzlichen Interessen der Konfliktparteien.
Die folgenden Ausführungen sind dreigeteilt: Sie beschreiben die Fortentwicklung der politischen Lage, die Fortentwicklung der militärischen Lage, einschließlich der Veränderung des Geschehens auf dem Gefechtsfeld, und die prekäre Sonderrolle Deutschlands.
Vorab kann gesagt werden, dass meine bisherige Einschätzung des Konflikts weiterhin von den Darstellungen der Meinungsführer in Deutschland und im westlichen Ausland ebenso abweicht wie von der gängigen russischen Propaganda. Ich verfolge weiterhin die Methode, die Meldungen beider Seiten auf Übereinstimmungen zu untersuchen, um die raren Fakten vom Spreu der Meinungen zu trennen. Diese Methode hat bislang zu einer, nicht nur aus meiner Sicht, ziemlich zutreffenden Lagebeschreibung geführt. In den US-Mainstream-Medien tauchten im Februar 2025 erstmals die einschlägigen Kartenbilder auf:
Das große Gerede – die politische Entwicklung des Ukraine-Konflikts
Eine tiefe Zäsur im bisherigen politischen Meinungsstreit zwischen den unmittelbar Beteiligten und den zahlreichen Zuschauern und Nutznießern erfolgte durch die Wahl des neuen US-Präsidenten im November 2024. Dieser hatte im Wahlkampf angekündigt, er werde den Krieg an einem einzigen Tag beenden. Trump ist jetzt nahezu 100 Tage im Amt, und man kann mit Sicherheit feststellen, dass dies – obschon er es versucht hat – nicht gelungen ist. Hierfür gibt es zahlreiche Gründe. Der wichtigste darunter ist, dass er nunmehr offenbar erstmalig gezwungen wurde, der russischen Seite zuzuhören, gegen die er augenscheinlich kein wirksames Erpressungsmittel in Händen hält. Im Gegenteil, er steht unter Zeitdruck, denn die russische Seite ist dicht davor, diesen Krieg mit militärischen Mitteln zu entscheiden.
Die Forderungen der russischen Seite sind seit Ende 2023/Anfang 2024 vielfach und nicht voneinander abweichend formuliert worden. Sie lauten: a) Anerkennung der vier Provinzen Lugansk, Donjezk, Saporoshje und Cherson sowie – selbstredend – der Krim als Teil des russischen Staatsverbands. So, wie das im Oktober 2022 nach einer Volksabstimmung im vorangegangenen September von der Duma beschlossen wurde. b) Entnazifizierung der Rest-Ukraine. Hinter diesem russischen Propagandabegriff verbirgt sich die Entmilitarisierung und Einsetzung einer russland-freundlichen Regierung. c) Verzicht auf jegliche Nato-Mitgliedschaft. Diese Forderungen sind aus russischer Sicht nicht nur Bedingungen für einen Friedensvertrag, sondern bereits die Voraussetzung für einen Waffenstillstand.
Die US-Seite sieht diese russischen Forderungen als eine kaum zu akzeptierende Zumutung an. Der Grund hierfür erscheint – aus meiner Sicht vordergründig – der Wunsch des US-Präsidenten, merkbare Erfolge als Friedensstifter vorweisen zu können. In Wirklichkeit jedoch befindet sich Trump in einem US-internen Interessenkonflikt. Etliche seiner Unterstützer und seiner Gegner haben bei einem russischen militärischen Sieg, der zu einer vermutlich bedingungslosen Kapitulation der Ukraine führen würde, unabsehbar große Vermögen zu verlieren. Selbst politisch bedeutsame kriegsbegeisterte Figuren, wie der republikanische Senator Lindsey Graham, haben wissen lassen, dass sie Trumps Friedensinitiativen begrüßen, weil sie sich ausgerechnet haben, dass US-Interessen in der Ukraine, vor allem in der Ost-Ukraine, nur dann realisiert werden können, wenn Trump diese gegenüber Russland durchzusetzen weiß. Jedem dieser Geschäftsleute – soweit sie nicht vom Großmachtwahn geblendet sind – muss klar sein, dass es hier nur noch um die Alternative Weniges oder Nichts geht.
Nüchternen Rechner werden wissen, dass Russland am längeren Hebel sitzt, weil die vielfachen seit 2002 (!) bis heute verhängten Wirtschaftssanktionen nicht den gewünschten Eindruck auf das Russische Reich gemacht, sondern zur Solidarisierung der US-feindlichen Staaten dieser Erde geführt haben. Dieser Solidarisierungs-Effekt wurde bereits im März 2022, also unmittelbar nach dem russischen Angriff deutlich. Er hält bis heute an.
Für Trump und seine Kriegsbeendigungsstrategie kommt es also darauf an, nicht nur das Schießen dortzulande ans Ende zu bringen, sondern vor allem die US-Interessen auf beiden Seiten der mit Sicherheit entstehenden neuen Staatsgrenzen zu sichern. Gelingt ihm das nicht, gehen die US-Interessen zumindest östlich der neuen Grenzen komplett den Bach runter. Es liegt allein an den Russen, ob sie sich Vorteile davon versprechen, mit den USA neu zu starten oder auch nicht.
Die US-Verhandlungsposition gegenüber der heutigen Herrschaft der Ukraine ist heikel, weil deren Herrschaftsstruktur von den USA selbst installiert worden ist. Die US-Wirtschaftsinteressen hier durchzusetzen, stößt auf Forderungen der Selenskyj-Regierung nach militärischer Sicherung der Gebietshoheit, die sich an den Grenzen von vor 2013/14 orientiert. Der bemerkenswerte Auftritt von Trump-Vance mit Selenskyj im Weißen Haus am 28. Februar 2025, wo es zum offenen Konflikt hierüber kam, sollte allen Illusionisten zu denken geben.
Die Gebiets- und Herrschaftsrestitution der Ukraine ist aus jetziger Sicht der USA unrealistisch und auch unerwünscht, weil Deals mit Russland hinsichtlich der Bodenschätze des jetzt unter russischer Herrschaft befindlichen Donbass offensichtlich lukrativer sind. Selenskyj pokert weiterhin mit den von den USA verlangten wirtschaftlichen Abtretungen, die nach amerikanischer Forderung als Sicherheit für die bereits verausgabte finanzielle und sachliche Unterstützung herhalten sollen. Es wird von der ukrainischen Führung nicht ohne Grund eingewandt, dass es sich hier um den wirtschaftlichen Ausverkauf des Landes handele.
Die Selenskyj-Regierung fühlt sich durch Zusicherungen aus Großbritannien (Starmer) und Frankreich (Macron) in ihrem Widerstand bestärkt, weil diese Länder – und ebenso die Führung der EU (v.d. Leyen) – für den Ausfall der amerikanischen Hilfen einspringen wollen. Die ukrainische Führung hat auf diese Zusagen aufgesattelt, indem sie die Entsendung von Nato-Truppen ins Kampfgebiet verlangt hat. Macron und Stamer haben im Februar/März 2025 einschlägige, wenn auch vage Zusagen (für die Zeit nach einem Waffenstillstand) verlauten lassen. An der jüngsten Ukraine-Dreierkonferenz in London, die für den 24. April 2025 vorgesehen war, weigerten sich überraschend die Briten teilzunehmen.
Nach dem Stand von Ende April 2025 haben die USA, diesmal durch den Mund des Vizepräsidenten Vance, versucht, die Ukraine und Russland zu einem Waffenstillstand aufzufordern, wobei deutlich zu erkennen gegeben worden ist, dass keine Seite auf maximalen Territorialforderungen bestehen könne. Selenskyj hat diesen Vorstoß unverzüglich abgelehnt, während Kreml-Sprecher Peskow mitgeteilt hat, Russland betrachte diesen Vorstoß nicht als Ultimatum, wiewohl Vance kurz zuvor öffentlich ausführte, dass die USA sich aus dem Ganzen zurückzögen, wenn beide Seiten auf ihren Forderungen beharren würden.
Sollte die US-Regierung die Drohung mit dem Rückzug aus dem Ukraine-Konflikt ernst machen, sind die Tage der jetzigen ukrainischen Regierung gezählt, denn die EU-Staaten und Großbritannien können den Ausfall der US-Hilfen nicht kompensieren. Erschwerend kommt hinzu, dass die EU-Staaten keine einheitliche Linie zur Ukraine-Hilfe zustande bringen. Außer aus Frankreich und Deutschland sowie Polen und der Tschechei sind substanzielle Beiträge nicht zu erwarten.
Gefallene, Verwundete, Flüchtlinge – die militärische Fortentwicklung des Krieges
Die militärische Lage in der Ukraine hat sich seit November 2024 insofern verändert, als die nach Russland vorgedrungenen ukrainischen Truppen-Kontingente im Oblast Kursk (August 2024) und Bjelgorod (Februar 2025) alle restlos von russischem Territorium unter erheblichen ukrainischen Verlusten vertrieben worden sind. Der ukrainische Vorstoß zur Gewinnung von Faustpfändern ist damit (wohl endgültig) gescheitert.
Das gesamte letzte halbe Jahr haben die Russen – ganz unbeeindruckt von den ukrainischen Vorstößen auf ihr Territorium – ihren langsamen Vormarsch gen Westen bzw. Nordwesten an dem gesamten über 1000 km langen Frontbogen fortgesetzt. Die Vorwärtsbewegungen geschahen ohne erkennbaren inneren Zusammenhang einer große Offensive, eher in Form von Nadelstichen mit geradezu provozierender Langsamkeit. Die Angriffsbewegungen erfolgten stets in derselben Manier, soweit es das Gelände zuließ, nämlich rechts und links an den befestigten Plätzen vorbeistoßend und diese dann von den Versorgungswegen abschneidend. Die Verteidiger wurden sodann dank überlegener russischer Artillerie zusammengeschossen, soweit es ihnen nicht gelang – meist ohne ihr Kriegsgerät – zu entkommen.
Es wurde auf russischer Seite die Bewegung größerer Truppenverbände vermieden. Die Angriffe selbst erfolgten in einer ersten Welle durch überraschend auftauchende motorisierte Kleinstgruppen (auf Krädern und E-Bikes), durch die die Verteidiger gezwungen wurden, sich in ihren Stellungen zu zeigen, welche dann prompt mit Drohnen und Artillerie angegriffen wurden. Darauf folgten als zweite Welle kleinste Panzereinheiten mit beigegebener Infanterie.
Die erfolgreiche Operation mit kleinsten Einheiten ist nur möglich gewesen, weil die Russen ihre Befehlsstruktur grundlegend geändert haben. Sie sind von der seit Jahrhunderten eingeübten Befehlstaktik zum preußischen System der Auftragstaktikübergegangen. Diese bedeutet inhaltlich, dass die Zielerreichung so weit wie möglich nach unten delegiert wird. Innerhalb der groben Zielvorgabe entscheidet der Kommandeur vor Ort selbst, wie er ans Ziel gelangt. Diese Änderung bedeutet eine Revolution im russischen militärischen Denken. Sie verlangt flexible Führer und motivierte Unterführer. Die Kleinstgruppentaktik verlangt zudem einen rabiaten Siegeswillen bei jedem einzelnen Soldaten. Die bisher bekannt gewordenen Beispiele lassen die Folgerung zu, dass diese Änderungen in der Truppe Fuß gefasst haben.
Der Drohnenkrieg im Erdkampf steuerte im Herbst 2024 zunächst auf einen ausgeglichenen Höhepunkt hin. Alsbald ist jedoch erneut ein Übergewicht der russischen Seite spürbar geworden, wobei die russischen, durch Glasfaserkabel gesteuerten Kampf- und Aufklärungsdrohnen das Gefechtsfeld beherrschten, da diese nicht durch elektronische Drohnenabwehr beeinflusst werden können. Überraschend war, dass der Drohnenkrieg zum Massenphänomen geworden ist. Die 2023/24 im Westen weit verbreitete Auffassung, die russische Seite sei nicht in der Lage, ihren Drohnenbedarf auf dem Gefechtsfeld zu ergänzen, hat sich als Irrtum bzw. als Zwecklüge erwiesen.
Beide Seiten haben versucht, sich mit mechanischen Schutzvorrichtungen gegen die Wirkung von Kampfdrohnen zu schützen. Auf der ukrainischen Seite sind die Versorgungsstraßen mit Netzen überspannt. Auf russischer Seite ist auffällig, dass Kampffahrzeuge Aufbauten mit herabhängenden Metallschnüren erhalten haben, die nach russischen Angaben mehrere Drohnen-Treffer verkraften können. Falls diese russischen Angaben und die ukrainischen über die Vernichtung von Panzerfahrzeugen durch Drohnen (ein Treffer = ein Abschuss) stimmen, und man sie dann miteinander vergleicht, kommt heraus, dass die russischen Panzerverluste weit geringer sind, als bislang vermutet.
Der Drohnenkrieg hat das Gefechtsfeld revolutioniert. Das enge Miteinander von Aufklärungs-. und Kampfdrohnen macht, wo diese in Massen auftreten, nahezu jede Bewegung auf dem Gefechtsfeld unmöglich, es sei denn, eine der Seiten ist gewillt, hohe Verluste in Kauf zu nehmen. Unmittelbare Folge dieser Gefährdung von Bodentruppen ist der russische Taktikwechsel hin zu Kleinst-Kampfgruppen. Der folgende Screenshot aus einem ukrainischen Drohnen-Video zeigt eine solche, mit hoher Geschwindigkeit angreifenderussische Kleinst-Gruppe (3 Kräder).
Zum Thema Verluste lässt sich zudem aus heutiger Sicht ergänzen, dass die ukrainischen Menschenverluste (Gefallene, schwer Verwundete, Deserteure) um ein Vielfaches höher liegen als die der Russen. Es besteht der begründete Verdacht, dass im Gegensatz zu den Russen die Ukrainer nicht mehr in der Lage sind, diese Verluste auszugleichen. Die in der Öffentlichkeit diskutierten Verlust-Annahmen beruhen vor allem auf Zahlen beider Konfliktparteien, die aus dem Gefangenen- und Gefallenenaustausch hochgerechnet werden. Diese Methode ist vage, sonst würde es nicht zu Abweichungen von 4 zu 1 bis 10 zu 1 zu Lasten der ukrainischen Seite kommen.
Nach wie vor gibt es keine belastbaren Angaben über die Zivilverluste durch die Erdkampfführung und durch die Luftkriegsführung. Den immer wieder durchgeführten Luftschlägen gegen militärische Versorgungseinrichtungen im russischen Hinterland durch ukrainische Drohnen stehen massive russische Luftschläge durch Drohnen, Raketen und Gleitbomben gegenüber. Diese richteten sich bislang gegen Versorgungseinrichtungen bis weit ins ukrainische Hinterland hinein und gegen Liegenschaften auf dem Land und in Städten, in denen die russische Seite den Aufenthalt fremder (Nato)-Soldaten vermutete. Aus dem Umstand, dass russische Flugzeuge bei ihren Angriffs-Aktionen immer dichter an die Frontlinie heranrücken, ist mit gutem Grund die Vermutung geknüpft worden, dass die ukrainische Luftabwehr durch vorangegangene Angriffe schwer beschädigt worden ist.
Prinzessin auf der Panzermine – die mutwillige deutsche Sonderrolle
Die Haltung der Bundesregierung blieb vor und nach der Bundestagswahl (Februar 2025) zwiespältig: Während die Grünen, vertreten durch die Noch-Minister Habeck und Baerbock als lautstarke Unterstützer agitierten, verhielt sich die SPD eher zurückhaltend, auf jeden Fall uneindeutig.
Der CDU-Vorsitzende Merz ließ keinen Zweifel aufkommen, dass er die Ukraine massiv unterstützen werde. Zu diesen Unterstützungshandlungen soll auch die Lieferung von deutschen Taurus-Marschflugkörpern gehören. Innerhalb der CDU gibt es eine lautstarke Gruppe, welche die Taurus-Lieferungen ebenfalls befürwortet. Zu dieser gehört der seit Jahren als Kriegstreiber auffällig gewordene Abgeordnete Kiesewetter und der CDU-Außenpolitiker Wadephul, der in der Union als der zukünftige Außenminister gehandelt wird.
Es steht zu erwarten, dass der politische Zwiespalt innerhalb der alten Bundesregierung auf die neue übertragen und von dieser fortgeschleppt werden wird. Ebenso wie in der CDU gibt es auch in der SPD Freunde des Eingreifens in den Ukraine-Konflikt und der Lieferung der Taurus-Waffe. Allerdings gibt es auch nach wie vor Gegner wie Boris Pistorius, den alten und vermutlich neuen Bundesverteidigungsminister, der sich wiederholt zur Priorität der Aufrüstung Deutschlands geäußert hat.
In der öffentlichen Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt hat ein merkbarer Schwenk stattgefunden. Während bisher der Chor der Kriegsunterstützer sich damit begnügte, „wir“ müssten das ukrainische Volk bei seinem Freiheitskampf gegen „den Putin seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg“ beistehen, also die Freiheit am Dnjepr verteidigen, liegt jetzt der Ton darauf, dass „wir“ verhindern müssten, dass der Russe im Jahre 2029 am Brandenburger Tor stehe. Aus diesem Grund sei die Bundeswehr hochzurüsten und die Zeit, bis das geschehen sei, durch Taurus-Lieferungen und deren Einsatz zu überbrücken.
Es bedarf keiner komplizierten Erörterungen, um die Unschlüssigkeit des nunmehr verfolgten Politikansatzes und der ihm folgenden Propaganda bloßzulegen. Es ist die Blauäugigkeit, über die man zunächst verblüfft ist, bevor sich der Ärger durchsetzt. Taurus zu liefern, das bedeutet, unmittelbare Kriegspartei zu werden. Hierbei kommt es nicht auf die eigene abweichende Ansicht, sondern alleine darauf an, wie derjenige, der das Ziel des Taurus-Beschusses werden wird, diesen Angriff beurteilt.
Es kommt, um es mit leicht variierenden Worten zu sagen, nicht darauf an, was Rechtsgelehrte in ihren Studierstuben in Berlin-Mitte formulieren, ob solche Lieferungen an eine Kriegspartei „noch“ vom Völkerrecht gedeckt seien, denn der Angegriffene wird sich einen feuchten Kehricht um solche gelehrten Sentenzen kümmern, sondern er wird gegen den Veranlasser zurückschlagen. Dies gilt umso mehr, als Waffenexperten ganz offen einräumen, dass der Taurus, zwar formell in die ukrainische Armee geliefert werden mag, jedoch von dort ohne das Eingreifen seines deutschen Personals keinen Meter weit Richtung Moskau fliegen wird, weil die Beschenkten ihn nicht sachkundig bedienen können.
Der Herrscher im Kreml hat neuerdings (im März) klargestellt, dass er den Beschuss mit Taurus als deutsche Kriegshandlung gegen Russland auffassen und mit Krieg beantworten werde. Bislang hatte man diese Töne seit etwa zwei Jahren nur durch seinen Vertreter Medwedjew vernommen. Es gehört zu den Rätseln deutscher Politiklenker, so zu tun, als habe Putin nichts gesagt. Wenn überhaupt, wird in den deutschen Medien flankierend verbreitet, er bluffe nur. Das kann man glauben, oder es bleiben lassen. Ich neige dazu, ihn ernst zu nehmen.
Die mögliche und wahrscheinliche russische Reaktion bedeutet aus meiner Sicht nicht zwingend, dass ein kaum noch zu beherrschender Weltkrieg ausgelöst werden wird. Nein, es würde genügen, um Deutschland zu domestizieren, ein weltweit bemerktes Symbol zu zerstören. Wie wäre es mit einer Kinshal-Rakete, die das Taurus-Werk in Schrobenhausen mit Mach 10 pulverisiert? Bevor der Leser jetzt aufschreit und mich des Landes- oder eines sonstigen Verrats bezichtigt: Genau das ist es, was russische Militär-Experten derzeit diskutieren. Unrealistisch wg. der Beistandspflicht aus Art. 5 Nato-Vertrag? Einen Moment bitte, man zeige mir den Verbündeten, der jetzt wg. ein paar deutschen Taurus in den Krieg ziehen wird. Die USA sind es seit dem Amtsantritt von Trump mit Sicherheit nicht.
Und zum Schluss: Vollends diffus ist die – auch von führenden deutschen Offizieren vertretene – Auffassung, die russische Armee sei im Felde schlagbar, weswegen man die Bundeswehr bis 2029 hochrüsten müsse. Weswegen der angeblich unberechenbare Führer im Kreml diesen Zeitpunkt abwarten sollte, bleibt das Geheimnis dieser uniformierten Propheten. In der Politik heißt es derzeit in Sachen Bundeswehr „Gebt mir vier Jahre Zeit“. Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Die Parole ging seinerzeit für Deutschland nicht gut aus.
©Helmut Roewer, April 2025