Monat: August 2026

Schilda an der Ilm – das Sudelbuch XXIII

22. August 2026

Weiter im Sudelbuch XXIV…


21. August 2026

Mal was schönes: Hätte ich sie vor drei Wochen auf der Bregenzer Seebühne gesehen, wäre mir die Voralbergerin Anahita Pasdar sicher aufgefallen. Jetzt nach Zeitungslektüre frage ich mich, an welchen Stellen sie – von mir unbemerkt – in das musikalische Geschehen von La Traviata mit der elektronischen Orgel eingriff. Das Nichtbemerken tut allerdings dem grandiosen Ereignis keinerlei Abbruch. Noch nach Ende der Vorstellung, d.h. nach 23 Uhr, standen die Leute in der lauen Sommernacht Stunden auf dem Vorplatz und wollte nicht nach Hause gehen.

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Schön (2) (zumindest halb-schön) ist zu beobachten, wie es ist, wenn ein wichtiger Mann seine Reputation unrettbar verliert, das heißt, er kann machen, was er will, es wirkt immer gegen ihn. Das geschieht derzeit beim Doktor Voigt, der bekanntlich dem hiesigen Ländchen vorsteht. Jetzt hat er sich auf ein Schaukelpferd gesetzt. Das ist zum Schreien komisch, obwohl es kaum so gemeint war. Ich bin sicher, er wird uns noch auf Jahre hinaus mit seiner Komik erfreuen, denn, egal wo er auftritt, es lachen die Leute. Kommende Woche soll der missglückte Akademiker sich einem Misstrauensvotum stellen. Die oppositionelle AfD täte gut daran. das Plüschpferd als Gegenkandidaten zu nominieren.

Schön (3), wenigstens für mich ist das Gefühl wohliger Leere, das sich in mir ausbreitet, nachdem ich heute Nacht die Druckfahnen von



Mein Abendland
Wegweiser durch das Labyrinth von Weltherrschaft, Realpolitik und Größenwahn


zum Druck freigegeben habe. Auch nachdem ich den Text um mehrere hundert Seiten gekürzt habe, sind es immer noch ziemlich viele. Genau 400. Was da drinsteht? Nun, das hier: Eine große Zahl unerbittlicher Gegner versucht, unser Land, seine Lebensart  und das Wohlergehen seiner Bevölkerung irreparabel zu beschädigen. Die Angreifer werden durch Weltherrschaftswahn, Geldgier oder religiöse Zwangsvorstellungen vorangetrieben. Eine Clique von korrupten Politikern und Publizisten unterstützt seit Jahren dieses zerstörerische Tun. Im vorliegenden Buch werden die Beteiligten beim Namen genannt, ihre Methoden aufgedeckt und die Chancen, sie unschädlich zu machen, beschrieben.


20. August 2026

Wort und Widerwort: Der Don kündigt einen noch nie dagewesenen Wirtschaftskrieg gegen Persien an, wenn dieses nicht augenblicklich die weiße Flagge hisse. Die Vernichtung werde auch alle Staaten treffen, die es wagen würden, mit dem Feind weiterhin wirtschaftliche Beziehungen zu unterhalten.

Wort und Widerwort (2): Der iranische Parlamentspräsident antwortet unverzüglich: Wenn die USA nicht binnen zwei oder dreier Wochen die persischen Forderungen erfüllten, als da sind: Abzug aus der Region, Freigabe des Libanon, Rückgabe der beschlagnahmten Vermögenswerte, Aufhebung der Küstenblockade und aller Sanktionen, werde der Krieg militärisch in bislang noch nie gesehener Härte weitergehen.

Wort und Widerwort (3): Das, was man hört, sind Ansprachen ans jeweils eigene Publikum. Beide Seiten wissen, dass ihre Forderung ins Leere gehen. Dennoch bleibt das Faktum, dass der Rückgriff auf Gewalt wieder in den Bereich des Wahrscheinlichen rückt.

Wort und Widerwort (4): Putin hat den Briten als den wahren Verursachern des massiven Drohnenangriffs auf Moskau vom vergangenen Wochenende Konsequenzen angedroht.

Wort und Widerwort (5): Der neue Mann an der Spitze des Vereinigten Königreichs – seinen Namen habe ich mir immer noch nicht gemerkt – hat nicht etwa die Verursachung dementieren lassen, sondern öffentlich angemerkt, dass es sich um Großbritanniens gutes Recht handele, die Waffenbrüder in Kiew wirksam zu unterstützen.

Wort und Widerwort (6): Es sieht ganz so aus, als solle Putin gezwungen werden, Gewalt anzuwenden, wenn er sich nicht unglaubwürdig machen will. Ein solches Vorgehen entspräche einem seit Jahrhunderten eingeübten britischen Vorgehen, das sich primär darauf stützt, dass andere das allfällige Kämpfen übernehmen müssen. Doch wer soll das diesmal sein? – Ich fürchte, man unterschätzt die russische Geduld, auf einen günstigen Zeitpunkt zum Zuschlagen zu warten. Eine Art Emser Depesche wie zu Zeiten von Bismarck selig, als sich die großmäuligen Franzosen gegenüber Preußen selbst in ein psychologisches Abseits begeben hatten, so dass alle Welt gegen die preußische Gewalt nichts einzuwenden wusste. Wie der geschichtsbewanderte Putin sicher weiß, kann man diese Situation mit etwas Raffinesse selbst erzeugen. Es sieht ganz so aus, als braue sich hier etwas zusammen. Das Kommando-Unternehmen von russischen Speznaz-Kräften im Raum Odessa mit der Zielsetzung, Gefangene zu machen, ordne ich hier ein, denn es sollen sich unter den Weggeschleppten etliche Nato-Offizier befinden.


19. August 2026

Ehrlich gestanden, von dem Ort Hutthurm hatte ich bis heute Morgen noch nie gehört. Die Marktgemeine liegt vor den Toren von Passau. Hier werden von der Firma Donaustahl Kriegswaffen entwickelt und hergestellt. Sie werden sodann Richtung Osten exportiert, um dort Russen zu töten. Ich mache mir Gedanken, ob das der Obrigkeit bekannt ist, denn wir haben ein Kriegswaffen-Kontrollgesetz, mit dessen Hilfe genau das verhindert werden soll. Ich frage mich, was die Bewohner dieses fortschritts- und weltoffenen Ortes wohl sagen mögen (falls sie dann noch zu Wort kommen), wenn eine russische Oreschnik-Rakete mit ihren 6 x 6 Sprengköpfen, die mit 5 km/sek anfliegen, diesem Treiben ein Ende setzt.

Hutthurm (2): Ich hätte von alledem nichts mitgekriegt, wenn deutsche Sicherheitsbehörden, die offenbar von diesem Treiben wissen, den Eigentümer von Donaustahl nicht für akut tötungs-gefährdet halten würden. Dem Putin seine GRU (das ist der russische Militärgeheimdienst) habe es auf sein Leben abgesehen. Der Name dieses 39 Jahre alten Kriegsgewinnlers lautet Stefan Thumann.

„Lebe de facto im Untergrund": Donaustahl-Chef versteckt sich seit ...

Im Nahen Osten wird der Krieg weitergehen. Die vereinbarte und ohnedies nicht eingehaltene 60tägige Waffenruhe ging am Montag zu Ende. Wie es konkret weitergehen wird? Ich sehe mir als Denkauffrischung die Gesichter der beteiligten Kommandeure an. Zum Beispiel den Oberbefehlshaber der persischen Streitkräfte, Amir Hatami. Er macht nicht den Eindruck, als würde er die Lage nicht überblicken. Vielleicht ein Vorurteil von mir, weil mir das Verhalten seiner Armee seit Kriegsbeginn durch den Kopf geht. Jetzt wird er in der Westpresse so zitiert, dass er auf das Töten von US-Soldaten Kopfgelder ausgesetzt habe.


18. August 2026

Die Bundeswehr feiert ein personelles 13-Jahres-Hoch mit 186.700 Soldaten. Von denen wurden im Juli 15.000 neu eingestellt. Seltsame Messgrößen sind das.

Soldaten (2): Im Ukraine- und Nahostkonflikt geht das Töten weiter. Am Wochenende flogen Hunderte von Drohnen Richtung Moskau und eine unbekannte Vielzahl nach Kiew und in andere Großstädte. Die israelische Armee meldet die siegreiche Ermordung von Palästinensern im Libanon, selbstredend lauter Terroristen-Chefs nebst Umfeldpersonen, die unvorsichtiger Weise im Wege standen. Derweil kündigt der Don dem Oman Bomben an, falls er sich wirklich zum Nachteil der Freien Welt mit dem Iran verbündet, was die Durchfahrt durch die Straße von Hormus anlangt. Und der Jemen beschießt munter saudische Schiffe im Ausgang des Roten Meeres. Also alles in allem nichts Neues.

Die niedersächsischen Verwaltungsgerichte bestätigen die Aberkennung des passiven Wahlrechts für AfD-Kandidaten. Die offensichtlich verfassungswidrige einschlägige Norm des Kommunalrechts, die unter keinem Gesichtspunkt mit dem Parteienprivileg des Art. 21 GG vereinbar ist (wonach nur das Bundesverfassungsgericht Parteien die Mitwirkung an der politischen Willensbildung verwehren kann), bereitet ihnen offenbar keine Probleme. Erlaubt ist, was gefällt. Man verlässt sich darauf, dass das Wahlvolk dergleichen schluckt, ohne den Machthabern die Scheiben einzuschmeißen. Ich würde mich allerdings nicht darauf verlassen, dass dies so bleibt.

Die Häme gegen den Spiegel hält an. Heute Morgen entnehme ich das hier der Zellerzeitung.


17. August 2026

Sex sells: Das Gespräch bei Tisch kommt auf ein Literatur-Genre, das mir bis dato vollkommen unbekannt war. Junge Frauen schreiben Millionen-Seller, deren Inhalt die Verherrlichung von sexueller Gewalt gegen junge Frauen ist. Ich bin zunächst sprachlos, dann dämmert es mir, dass dies womöglich die Reaktion auf nunmehr seit Jahrzehnten andauernde feminine Erziehung ist, die nicht nur den Unterschied zwischen Mädchen und Jungen zu beseitigen, sondern schlimmer noch Jungen zu Mädchen zu erziehen trachtete. – Wohlgemerkt, wir sprechen über diese Sache, aber keiner hat eines dieser Bücher gelesen, geschweige denn, eins bei der Hand. Mir graust der Gedanke, mir einen eigenen Eindruck verschaffen zu sollen.

Abwege (2): Die Illustrierte Der Spiegel macht ihren jüngsten Titel mit der Aufschrift „Der gefährlichste Mann Deutschlands“ auf und bildet dazu den AfD-Wahlkämpfer aus Sachsen-Anhalt ab. Der verteilt signierte Exemplare der Postille an seine Fans. – Man sieht, die gegenwärtige um sich greifende Verwirrung ist nicht auf pubertierende und spätpubertierende Mädchen beschränkt, sondern hat sich auch im Lager sogenannter Qualitäts-Journalisten fest eingenistet.

Abwege (3): Als sich die Prälaten von Unsererdemokratie entschlossen, ihre Konkurrenten mit den Prädikat gesichert rechtsextrem zu diffamieren, dauerte deren Erschrecken eine Weile lang an. Jetzt ist es dem Hohn gewichen.


15. August 2026

Es liegt zwar schon einige Jahre zurück, aber die Gläubigen auf Reichenau sind sich sicher, dass gestern Maria zum Himmel gefahren ist, und tragen deswegen ihre Statuen im Freien herum. Sie sind sehr hübsch anzusehen (die Marien) und wecken wie stets, wenn sie im Zusammenhang mit den Gläubigen zu sehen sind, Zweifel, dass es sich beim Christentum um eine Eingott-Religion handelt, selbst wenn man sich über die Klippe Vater-Sohn-und-heiliger-Geist hinweg argumentiert. Das Anbeten einer Holzfigur hat etwas Archaisches – erst recht, wenn sie hübsch ist, wie die in Reichenau.

Reichenau (2): Lokalpatrioten behaupten hartnäckig, der Ort sei eine Insel im Bodensee. Dem Reisenden erschließt sich dies nicht, wenn er mit dem Auto aus Richtung Konstanz anreist. Er benutzt trockenen Reifens eine Straße, die von drei Reihen alter Pappeln gesäumt ist. Sie macht aus dem Ort eine Halbinsel.

In Bodman besuche ich den Skulpturengarten des Bildhauers Peter Lenk. Das ist der, der den Konstanzern die monumentale, tonnenschwere Weibsperson auf die Mole der Hafeneinfahrt stellte. Er spricht zwei Stunden im Sonnenschein auf mich ein, umstanden von seinen riesigen Skulpturen. Man kann das alles in Ruhe betrachten und photographieren, nur ihn selber nicht.


14. August 2026

Wenn man (trotz anhaltender Hitze) die Bodenseeinsel Reichenau durchstreift, stellt man erfreut fest, dass die Zahl der ebenfalls vor Ort befindlichen Touristen überschaubar ist. Dafür unterliegen die drei Hauptattraktionen lästigen Beschränkungen durch minimale Eintrittszeiten und sorgsame Park-Beschränkungen. Doch wenn man hartnäckig ist, so wie ich, bieten die drei Kirchen lohnende Einblicke in die deutsche Frühgeschichte. Ich lerne, auf diesem paradiesischen Eiland wussten Kirchenfürsten ab 700 gut und gerne zu leben. An ihrem Wohlstand kann es keinen Zweifel geben, denn sie waren in der Lage, im Jahrhundert-Takt die Pracht ihrer Gotteshäuser neu zu gestalten. Das Um- und Überbauen der gotischen Grundstrukturen finde ich schade. Zum Glück hatte die weltliche Bedeutung dieser Kirchen-Herrscher stark nachgelassen, als Barock und erst recht das Rokoko auf dem architektonischen Speisezettel standen. – Dass der Abt von Reichenau gegen Ende der Herrschaft von Karl dem Großen als dessen Botschafter in Byzanz war, um dort Karls Gleichrangigkeit mit Ost-Rom erfolgreich zu verhandeln, will ich wenigstens erwähnt haben. Er wird nicht geahnt haben, was das weltgeschichtlich einmal bedeuten würde.

Kirchen (2): In der Stadtkirche von Stein am Rhein (in der nahegelegenen Schweiz) finde ich nicht ein einziges christliches Symbol: kein Kreuz, kein Christus und schon gar keine Maria. So radikal aufgeräumt durch die sog. Reformierten habe ich noch keine Kirche vorgefunden. Ich zögere einen Moment, ob sie überhaupt noch in Betrieb ist. Dochdoch, ist sie, es liegen Gesangbücher herum. In der Kirche ist es angenehm still, vermutlich weil es das Gewohnte nicht zu sehen gibt. Vor den Türen flutet der Sommertourist vorbei.


13. August 2026

Vice Vance macht gestern eine Ansage an den kleinen Mann aus Kiew. Er möge per sofort damit aufhören, Tanker im Schwarzen Meer zu versenken, denn auf diesen befinde sich kasachisches Öl für das große und gute Amerika. Bleibt hinzuzufügen, dass es so einer Drohne, selbst falls made in USA, ganz egal ist, ob sie Dinge zerstört, die für ihren Sponsor bestimmt sind. Den Kriegshelden in Kiew offenbar auch, so dass sie jetzt zur Ordnung gerufen werden mussten.

Schiffeversenken (2): Auf russischer Seite macht man sich ganz ähnliche Gedanken. Putin (in Uniform der russischen Kriegsmarine) machte gestern in Fernost eine Ansage an die Europäer: Das Versenken russischer Handelsschiffe durch diese werde unverzüglich zu russischen Vergeltungsmaßnahmen führen – ganz gleich, wo sich deren Schiffe befänden. Wir dürfen gespannt sein.

Putin Says Moscow Will Retaliate If European Countries Seize Russian Vessels

Während also der US-Vice seine Besorgnisse über den Krieg im Schwarzen Meer äußert, greifen seine Luftstreitkräfte gestern den Jemen an. Das Pentagon meldet nicht ohne Stolz den Erfolg: 153 Zivilisten getötet und 247 verletzt. – Woher mögen diese Zahlen stammen? Vor allem aber: Was sollen sie bewirken?


12. August 2026

Die Jemeniten machen tatsächlich ernst an ihrer Meerenge des Roten Meeres. Gestern wurde wieder ein Frachter beschossen und an der Weiterfahrt gehindert. Das dürfte jetzt in etwas das zehnte Schiff sein. Die Saudis als die im Moment Hauptgeschädigten protestieren und rufen Pakistan, mit dem sie ein Verteidigungsbündnis eingegangen sind, um Hilfe an. Dort jedoch zeigt man sich wenig beeindruckt, wohl wissend, dass das Parteiergreifen in diesem Fall die eigene Stellung im Mittleren Osten untergraben würde.

Nahost (2): Die Angriffe aus dem Jemen waren lange angedroht. Sie sind bei Lichte betrachtet die Retourkutsche für jahrelange saudische Aggressionen gegen den südlichen Nachbarn. Was wir jetzt vorgeführt bekommen, weckt den Verdacht, dass die Prinzen militärisch nicht ernst zu nehmen sind. Hierüber empfinde ich kein Bedauern, denn sie spielten seit Jahrzehnten ihr eigenes Europa-feindliches Spiel, angetrieben von ihrer Mittelalter-Religion.

Nahost (3): Der Don hat heute Nacht angedroht, dass er den Iran finanziell in die Knie zwingen werde. Soso. Seine pensionierte Generalität tönt derweil im US-Fernsehen, es werde Zeit, die militärische Karte auszuspielen. Die Herren erwähnen allerdings nicht, welche sie denn meinen, wo man seit Monaten vergeblich gebombt und geschossen hat. Die Angriffswaffen haben’s nicht gebracht und die Verteidigungswaffen scheinen sich dem Ende zuzuneigen, wenn sie denn überhaupt wirksam waren. Die US-Stützpunkte am Golf und in Jordanien können ein Lied davon singen. – Bleiben nur noch die US-Stützpunkte in Israel und auf hoher See, mindestens 500 Seemeilen von der persischen Küste entfernt. Das heißt in beiden Fällen: Luftangriffe nur mit zweimal Auftanken in der Luft. Das kann ich mir als wirksame Angriffsmethode kaum vorstellen. Und bin offenbar auch nicht der Einzige.

Schilda an der Ilm – das Sudelbuch XXII

11. August 2026

Es fällt schwer, bei der Hitze einen klaren Gedanken zu fassen. Im Netz lustloser Lektüre bleiben halbseidene Erkenntnisse hängen: Doktor Voigt vergeigt Widerspruchsverfahren gegen die Uni Chemnitz wg. Entzugs des Doktorgrades. Jetzt will er klagen. Muss nur noch ein sächsischer Richter gefunden werden, der ein Einsehen mit diesem hochgeschätzten Politik-Wissenschaftler hat.

Sachsen (2): Die Drohne von Leipzig trägt DNA, die von einem Anschlag aus dem Jahre 2024 bekannt sein soll. Da war eine Verteilungsstelle der Post das Ziel des Terrors. Die Politik schwatzt von einem hybriden Angriff, und vermummte Bundespolizisten umringen pressewirksam den Innenminister.

Sachsen (3): Leser B. teilt mir mit, dass die Plauener bereits am 17. Juni 1953 besonders ungehorsam waren und nicht nur im Herbst 1989. Das sei nachgetragen.

Ostfront: Die Töne aus Kiew klingen eher kleinlaut. Keines der zahlreich anfliegenden Geschosse wurde am Wochenende abgefangen. Sagt zumindest die ukrainische Führung erstmals. Das wollen wir ihr ausnahmsweise einmal glauben.

Raketenabwehr (2): Das Problem ist keineswegs auf den Ukraine-Konflikt beschränkt, sondern ist in den vergangenen Wochen verstänkt in Nahost aufgetaucht, wo es offensichtlich wird, dass die beiden einschlägigen US-Systeme Patriot und THHAD beide nichts taugen, jedenfalls was die Abwehr von ballistischen Raketen aus Russland und dem Iran anbelangt. Höre mir mehrere gut illustrierte Vorträge des amerikanischen Professors Ted Postol vom MIT an, der leicht nachvollziehbar erläutert, warum das mit der Abwehr moderner ballistischer Raketen nicht klappen kann. – Mit meinen Worten: Angriffs- und Abwehrrakete fliegen, wenn überhaupt, mit ca. 5 km/sek. aufeinander zu. Die geringste Seitwärtsbewegung des Angreifers lässt den Verteidiger ins Nichts enteilen. Postol hält aufgrund von zahlreichen ausgewerteten Raketenangriffen aus den letzten Monaten eine Trefferquote von 1 bis 2 Prozent für wahrscheinlich. Das bedeutet: 98 von 100 Raketen erreichen ihr Ziel.

Raketenabwehr (2): Es entbehrt nicht einer traurigen Komik, wenn die US-Regierung jetzt die verstärkte Produktion der bekannten Raketentypen mit großem öffentlichen Radau anschiebt.


9. August 2026

Der Vorschlag des Redners fand breite Zustimmung. Mit anderen Worten: Alle waren froh, dass er endlich zu einem Ende gekommen war.

Manche Dinge ändern sich einfach nicht, oder anders ausgedrückt: nicht so einfach. So die Einwohner von Plauen am Rande Sachsens. Sie gehörten bereits 1989 zum allgemeinen Erstaunen zu den Ersten, die unübersehbar auf die Straße gingen. Gestern sollen es zehntausend gewesen sein. Was sie forderten, könnte Schule machen: Regierung weg, Neuwahlen, Volksentscheide. – Wir nähern uns deutlich der Schwelle, wo es nicht friedlich bleiben wird.

Wenn der Don wie heute Nacht von Einigungen im Nahostkrieg öffentlich schwatzt, so ist das nur insofern halbrichtig, als die USA gestern an zwischen den Persern und dem Nachbarstaat Oman besiegelten Absprachen über die Straße von Hormus nicht beteiligt waren, sondern deren Gegenstand. Als da wäre: Die Straße bleibt geschlossen, bis die USA aus der Gegend abgezogen sind, das persische beschlagnahmte Auslandsvermögen freigegeben und Entschädigung für die Kriegsschäden geleistet worden ist. Was bislang nur persischer Standpunkt war, findet Zustimmung in Oman. Im Gegenzug enthält es eine Beteiligung an der zu erhebenden Maut für die Straßennutzung.

Nahost (2): In ägyptischen Gewässern wurden erstmals Schiffe in Brandt geschossen. Jetzt rätselt man: Wer war das? Anders gefragt: Wem nutzt eine Ausweitung des Konflikts?


8. August 2026

Die Stadt Arbon, auf dem schweizerischen Ufer des Bodensees gelegen, ist tagsüber fast menschenleer. Ich vermute zunächst einen mir unbekannten hiesigen Feiertag, da auch alle Läden zu sind. Bis mich ein Zettel an einem der Schaufenster aufklärt, dass wg. Sommerferien geschlossen sei. Donnerwetter, sollte ich mich im schweizer Geschäftssinn so getäuscht haben?

Da lob ich mir doch Unteruhldingen, am gegenüberliegenden deutschen Ufer gelegen. Parkplatz weit außerhalb – gebührenpflichtig. Anreise zum See runter mit einem Trekker mit 2 Anhängern, Bähnle genannt – gebührenpflichtig. Pfahlbaudorf hinter Gitterzaun, großartiger Eintrittspreis. Ich merke an der Kasse an, dass ich keineswegs beabsichtigen würde, Mitinhaber zu werden. Das wird nicht lustig gefunden. Sodann schlägt die Museumspädagogik über die Pfahlbauern und Pfahlbäuerinnen zu. Auch damit: Man wisse nicht, ob es so war, wie man es sich jetzt vorstelle. Bleibt die Fragen, warum dann diese Häuser, durch die der Besucher (bitte nichts anfassen) geht?

Während ich die imaginären Vorfahren bestaune, tagt in Berlin der Bundes-Sicherheitsrat. Na klar, denn es handelt sich bei der gestrandeten Drohne in Leipzig auf dem Flughafen um einen hybriden Angriff. Aus dem Kreml erfolgt in ungewöhnlicher Geschwindigkeit eine scharfe Abfuhr gegenüber den zur Gewissheit aufgeblasenen Verdächtigungen. – Ich stelle mir die Frage, für wie blöd man die Leute eigentlich hält. Oder anders ausgedrückt: Für wie blöd muss ich die Leute halten, die mit solchen Nicht-Ereignissen öffentlich Politik machen? Komisch ist nur, dass mir sofort passende Gesichter einfallen. Bitte keine Namen.


6. August 2026

An der Bundesstraße am Nordufer des Bodensees liegt unübersehbar zwischen Immenstaad und Friedrichshafen eines der Zentren der deutschen Rüstungsindustrie. Beim Vorbeifahren an den ausgedehnten Liegenschaften von Airbus geht es mir durch den Kopf, dass ich nicht der Einzige bin, der diesen Standort kennt und einschätzt, dass hier Kriegswaffen konzipiert werden könnten, die gegen Russland zum Einsatz gelangen.

Kriegswaffen (2) Immer noch glauben die Leute hierzulande, der böse Putin würde bluffen, wenn er sagt, er werde die Nato-Kriegstreiber an ihren Standorten, egal wo, ins Visier nehmen lassen. Vor drei Tagen hat er Nägel mit Köpfen gemacht, und eine amerikanische Drohnen-Fabrik in Kiew wurde, soweit man hört, dem Erdboden gleichgemacht. Die US-gelenkte Presse schweigt. Was Wunder.

Kriegswaffen (3): Dem kleinen Mann aus Kiew ist inzwischen das Siegesgeschrei im Halse steckengeblieben. Er mault, dass er keine wirksamen Raketenabwehrwaffen besitze. Das klang vor Kurzem noch ganz anders. Da erinnerte er mich an den Luftwaffenchef Herrmann Göring, der tönte, er wolle Meier heißen, wenn es einem feindlichen Flieger jemals gelänge, ins Reichsgebiet einzudringen. Er kam bereits kurz drauf nicht wieder darauf zurück.

Kriegswaffen (4): Ein Dutzend Kilometer weiter auf der Bundesstraße nach Osten liegt der Flughafen von Friedrichshafen. An dessen Rand ein sehenswertes ziemlich neues Museum zur Erinnerung an den Flugzeugbau-Pionier Claude Dornier, der hier vom Bodensee aus ein Luftfahrt-Imperium aufbaute. Hierzu gehörten in beiden Weltkrieges die Impulse durch die militärische Nutzung und auch nach der Zerstörung Deutschlands 1945 der Neuaufstieg aus den Trümmern. Großartige Exponate und eine erfreulich nüchterne Darstellung ohne den heute üblichen moralinen Zeigefinger. Sensationell auch der Übergang von der Luft- zur Raumfahrt. Ich habe gestaunt.

Kriegswaffen (5): Komische Meldung vom Flughaften Leipzig. Drohnenfund mit Semtex-Sprengstoff, aber defektem Zünder. Wer war das? Wir werden es bald wissen, wenn die Experten den Drohnenführerschein (?dem Putin seiner), der sicher am Tatort zurückblieb, gefunden haben werden. Nebenbei: Der tschechische Sprengstoff stammt ebenso aus Sowjetzeiten selig, wie die in ukrainischem Besitz befindlichen Antonow-Transport-Giganten, die dort ihre Heimat gefunden haben, um Kriegsgut nach Osten zu befördern.


5. August 2026

Es gilt der Merksatz: Nur aus der Ferne erscheinen die Dinge klar und eindeutig. Nach nur drei Tagen zeigt es sich nämlich, dass der Konflikt von Ceuta komplizierter ist als am Wochenende angenommen. Geht man etwas näher ran, schält sich die marokkanisch-algerische Langzeit-Fehde aus dem Wüstensand. Jetzt bekam sie neue Nahrung, als Spanien vor Kurzem mit Algerien ein taufrisches Gaslieferungs-Abkommen schloss, dessen Gag es ist, nicht mehr die existente Öl-Pipeline, die über Marokko läuft, zu nutzen. Damit fallen dort zulande wichtige Wegelagerer-Gebühren weg (Wir kennen dieses Phänomen aus Polen und der Ukraine). Summa summarum: ein aktueller Racheakt, jedenfalls vor der Hand.

Ceuta (2): Dass sich die amerikanisch-israelische Allianz bei der Unterstützung des Geschehens auf das Völkerrecht beruft, lockt bestenfalls ein verächtliches Grinsen hervor. Diese Art Völkerrechtler sehen nicht nur ein neues gewinnträchtiges Konfliktfeld, sondern auch die Möglichkeit, an der Meerenge von Gibraltar einen ihnen hörigen Pfosten einzuschlagen. Träumt weiter, Jungs.

Nahost: Heute kommt es, wenn man den großen Reden des US-Finanzministers, Bessent, wenn ich mich nicht irre, glauben will, zu einem tollen US-Iran-Deal. Soso. Vor Ort ist offenbar davon nichts bekannt. Nur eines ist gewiss: Das Morden in Gaza geht weiter. Gestern wurden nach israelischen Angaben dort 16 Palästinenser erschossen.

In Sachsen-Anhalt will Unseredemokratie im letzten Moment vor den Wahlen Anfang September die Fünfprozenthürde kippen, um die SPD weiter parlamentarisch vertreten erscheinen zu lassen. Endlich hat man geschnallt, dass es die kleinen und kleinsten Gruppen sein müssen, die einen AfD-Sieg verhindern können.


4. August 2026

Es lohnt, in der Säulenbasilika von Konstanz eine Weile stillzusitzen, um den Raum einwirken zu lassen. Es ist zu allererst verblüffend, dass die von außen deutlich gotische Kathedrale von innen ganz anders aussieht. Es ist der romanische, Jahrhunderte alte Mittelbau, der mich beeindruckt. Den Ausbruch der Baumeister der beiden Seitenschiffe in die seinerzeit gerade in Mode kommende Gotik nehme ich nur aus den Augenwinkeln wahr. Den erst viel später hinzugekommenen Schnickschnack des Barock oder gar das Klassizismus blende ich, so gut es geht, aus. Wenn ich jetzt für ein paar Minuten den durcheinanderbrüllenden Klerus des Konzils von Konstanz (1414-18) wie einen imaginären Spielfilm einblende, sehe ich den letzten Versuch, in der weltbeherrschenden Christen-Kirche zu retten, was zu retten war. Den aus Böhmen angereisten Jan Hus verurteilten sie unter Bruch des Freien-Geleit-Versprechens zum Tode auf dem Scheiterhaufen, anstatt sich mit seinen Vorschlägen auseinanderzusetzen. Immerhin, sie gewannen 100 Jahre Zeit, dann würden deutsche Denker und Theologen der katholischen Kirche das vor Gedanken schützende Dach wegsprengen.

Hus (2): Die mitten im Kirchenraum aufragende hölzerne Kanzel steht auf einer imposanten Figur, die den alttestamentarischen Kirchenvater Abraham nebst Widder darstellt (unvoreingenommene Betrachter würden vielleicht sagen, das Gesicht sei auf boshafte Weise hebräisch ausgeprägt). Ich erwähne dies, weil es spätere Eiferer nicht daran hinderte, der Statue unter der tumultarisch vorgetragener Behauptung, es handele sich um den Ketzer aus Böhmen, die Nase abzubrechen, was ganz gewiss erheblicher Gewalteinwirkung bedurfte. Heute ziert die Figur eine Ersatznase. Geht man nah genug ran, sieht man das und findet es irgendwie tröstlich, dass es immer schon eifernde Idioten gab.

Seit meinem letzten Aufenthalt in Konstanz (wg. akademischer Eitelkeiten) im Jahre 1982 ist Sehenswertes hinzugekommen, so die auf der Spitze der Hafeneinfahrt stehende tonnenschwere Figur der Prostituierten Imperia, die während des Konzils Kaiser und Papst in der Hand gehabt haben soll. Sie dreht sich nun um sich selbst, dem Betrachter mal die unbekleidete Vorderfront, mal das gewaltige Hinterteil zuwendend. Ich betrachte mit Muße die zu der Dame pilgernden Muselmanen mit ihren verschleierten Frauen und hätte deren Kommentare zu gerne einmal gehört.

Imperia (2): Die Figur (und anderes aus seiner Hand im Bodenseeraum) stammt von Peter Lenk, einem Franken, der sich am Bodensee angesiedelt hat. Beim Betrachten seiner Werke, die auf dreiste Weise lustig sind, geht mir durch den Kopf, dass offenbar jede Zeit ihre Hofnarren ausprägt. Dieser Lenk, so will es mir scheinen, ist der Unsere.


3. August 2026

Es ist wirklich allerliebst, was auf den Blocs der Kinder Gottes so alles zum Ceuta-Konflikt geschrieben steht. Rache für die Nichtteilnahme Spaniens am Iran-Krieg ist nur die kleinste Münze. Aber die größten dortigen Denker, deren realen Einfluss ich nicht abzuschätzen weiß, gehen weit darüber hinaus, indem sie eine aktuelle Chance wittern, das ganze EU-Europa zum Wohle der Koalitionäre aus Tel Aviv und DC aus dem Gleichgewicht zu bringen. Was wollen sie erreichen? Die augenblickliche israelische Auswanderung Richtung Griechenland und Zypern stoppen? Das wäre eine innenpolitische Zielsetzung, denn nichts kann für die Hardliner fataler sein, als wenn ihr eigenes Land durch die Flucht kriegsmüder Juden allmählich leer läuft.

Nahost (2): Wenn ich es richtig deute, so schweigen unsere Israel-Versteher-Medien bänglich stille. Verständlich, denn der Don hat vorgestern verkündet, dass er im Moment das ultimative Bomben Persiens unterbrochen habe, weil Verhandlungen anstünden. Frage mich, mit wem? Nehme an, dass die Saudis Stopp gerufen haben, nachdem, wie man hört, ein Emissär aus Teheran ihnen offengelegt hat, welche leicht zerstörbaren Ziele (Wasser & Öl) es auf ihrem Territorium noch zu treffen gibt. Saudi Arabien ist verletzlich wie kein Zweiter am Golf, und den US-Schutzschirm gibt es dort zulande nicht (mehr), wenn es ihn denn je in realiter gegeben haben sollte.


2. August 2026

Reisen bildet: Östlich der Autobahn bei Rottweil ragt ein dünner grauer Beton-Monsterturm in den schwäbischen Sommerhimmel. Nach unzutreffenden Mutmaßungen über ein Mahnmal für den letzten unbeschnittenen Schwaben, werde ich abends darüber aufgeklärt, dass es sich hier um eine Aufzugsversuchsanlage der Firma Krupp-Thyssen handelt.

Schwaben (2): Bei Böblingen herrscht üppiges Verkehrschaos, verursacht durch eine Autobahn-Baustelle, deren Zweck es offenbar ist, durch eine gewaltige Zigarrenschachtel aus Beton die Autostadt künftig vor dem Autolärm zu schützen. Fragt sich allerdings, ob dann, wenn dieser sehenswerte Bau fertig ist, noch namhafter Autoverkehr in der Gegend herrschen wird. Jetzt allerdings fällt mir ein Überangebot an Mercedes-Automobilen der Panzerkreuzer-Klasse auf. Deren teilverschleierte Insassen werden wohl demnächst auf fliegenden Teppichen vorbeieilen.

Die Invasion des spanischen Ceuta, jener skurrilen Enklave in Marokko, durch Glaubenskinder des Propheten hat zahlreiche Welterklärer auf den Plan gerufen. Am besten haben mir jene gefallen, die das Geschehen für ein Werk aus Tel Aviv halten, um Spanien zu bestrafen, weil es das große und gute Amerika in seinem Krieg für das Existenzrecht Israels nicht unterstützen will. Das klingt ziemlich schräg. Allerdings bin ich vorsichtig geworden, nachdem ich lernen musste, dass die Kriegsauslösung gegen Persien von der für sicher gehaltenen Prognose des Mossad ausgelöst wurde, dass die Ermordung des Führungspersonals von Teheran einen US-freundlichen Aufstand der Perser verursachen werde. – War wohl nix, wie man so sagt.


31. Juli 2026

Die beiden westlichen Kriegs-Haupthelden haben die Show-Bühne in Washington wieder verlassen. Sinn des Parallel-Auftritts von Selenskyj und Netanyahu (Ich stamme in direkter Linie von Moses ab) war die Demonstration für die amerikanische Öffentlichkeit, dass es sich hier um ein großes kriegerisches Gesamtgeschehen handele, in dem das große und gute Amerika zusammenstehen muss. Der kleine Mann aus Kiew bekommt Patriot-Luftabwehr-Raketen zum Selberbasteln, und der Mann aus Tel Aviv die Zusage, dass er sich im Moment nicht aktiv an der Bombardierung des Iran beteiligen muss. Im Gegenzug bläst er Trump die Idee eines großangelegten Hamas-Entwaffnungsplans ein, den dieser heute Nacht verkündet. Weiß man in Teheran auch schon davon?

Ostfront: Das gewaltsame Vorrücken der Russen in mehreren Kesselschlachten geht weiter. Vorletzte Nacht hat ein massiver Luftschlag gegen Kiew und andere Städte bis hin nach Lemberg (im Westen) stattgefunden. Wirklich einschneidend scheint die russische Seeblockade von Odessa zu sein. Dem Vernehmen nach ist der ukrainische Getreide-Export über das Schwarze Meer zum Stillstand gekommen.

Ostfront (2): Putins Ankündigung in dieser Woche, dass der Westen der Ukraine, sprich das Gebiet um Lemberg, auf Dauer nicht ukrainisch bleiben werde, wird man in Polen gerne gehört haben. Mit dem offenen Ausbruch eines ukrainisch-polnischen Krieges ist spätestens dann zu rechnen, wenn man in Berlin und Brüssel mitkriegt, dass die Ukraine-Karte nicht mehr zieht. Aber das kann noch etwas dauern, denn zur Zeit ist man damit beschäftigt, die eigene Industrie weiter zu zerstören.


30. Juli 2026

Fünf Tage Atempause. Kein Internet, kein Radio. Nichts. Frisch geräucherten Wels kennengelert und gegessen. Kaum wieder am Schreibtisch zerstiebt der beruhigende Eindruck in Nichts. Ein muslimischer Straftäter rast in Berlin Tiergarten in die Schwulen-Parade. Ein Toter und zahlreiche Verletzte. Er wird später von der Polizei erschossen – wenigstens das. Ein Richter hatte ihn zuvor contra legem auf freien Fuß setzen lassen. Wendet man auf den schwarzen Mann die Grundsätze seiner Kollegen aus dem Verfahren gegen Schäpe und andere an, stünde er jetzt wegen Teilnahme an einem Mord vor Gericht. Tut er aber nicht, darauf wette ich.

Atempause (2): Der Krieg in Nahost blieb wenige Tage ohne Tote, dann wurde ab Dienstag wieder geschossen. Das offizielle Amerika behauptet, es seien die US-Basen in Nahost völlig überraschend angegriffen worden, und es sei somit nötigt gewesen, heute Nacht zurückzubomben. Ich übersetze mal: Man konnte die iranischen Raketen nicht anfliegen sehen, weil die entsprechenden Radar-Stationen demoliert wurden. Wie man angesichts dieser Überraschung die anfliegenden Raketen alle abwehren konnte, ist allerdings rätselhaft.


25. Juli 2026

Gönne mir morgens fünf Minuten Direktschaltung ins Correspondents‘ Dinner im Waldorf Astoria. Ganz ohne Ton. Soviel falsches Blond sah ich in dieser Konzentration schon lange nicht mehr. Auch nicht soviel professionelles Zähnefletschen. – Letztes Jahr kroch dieselbe selbsternannte Elite am Boden herum, während Secret Service Agenten rücksichtslos über sie hinwegstiegen. Das hatte auch seinen merkwürdigen Reiz – Wichtigtuer in Panik.

Wichtigtuer (2): Unter den fragwürdig Wichtigen entdecke ich auch den US-Kriegsminister. Den sah ich kurz zuvor noch in einer Kongressanhörung, wo man ihm vorhielt, er habe bereits ab Kriegstag 1 und dann stets wiederholend gesagt, der Iran sei militärisch geschlagen, und er möge nun erklären, warum Nacht für Nacht von dort aus Raketen gegen die US-Basen am Golf abgeschossen würden. Er sagte, seine damalige Aussage sei nach wie vor richtig, denn er habe niemals behauptet, dass man alle Raketen erfasst habe, die der Feind im Verborgenen hortete. Auf erneutes Nachfragen, was er dagegen zu tun gedenke, bemerkte er, Amerika sei so groß und stark, dass niemand ihm widerstehen könne. Und auf nochmaliges Nachhaken: Das, was jetzt geschehe, sei geheim.

Wichtigtuer (3): Sein Boss, der Don, ist da weniger zurückhaltend. Er kündigte für dieses Wochenende den ultimativen Schlag gegen den Iran an. In Persien spricht man von einer noch nie dagewesenen Antwort. Wie auch immer: Das Wochenend ist im Orient angebrochen.

Wichtigtuer (4): Für kommenden Dienstag sind der kleine Mann aus Kiew und Dons Duzfreund Netanjahu im Weißen Haus angesagt. Wie sagte der Hausherr heute Nacht auf dem Presse-Fressen sehr richtig: The show must go on.


24. Juli 2026

In den Leserbriefen bei Stephan Paetow entdeckt: „Wer trotz Klingbeil und Bas immer noch SPD wählt, kann kognitiv bestenfalls teilmöbliert sein.“

Teilmöbliert (2): Während das Repräsentantenhaus die Beendigung des Iran-Krieges verlangt, verwahrt sich der Senat gegen dieses Ansinnen. Und der Don nennt die ganze Abstimmerei unconstitional oder zu deutsch: verfassungswidrig. Nun, bis zum Jahreswechsel hat er noch Zeit, um zu bomben, danach werden aller Voraussicht nach die im November ins Amt gewählten Abgeordneten und Senatoren dem Präsidenten die Mittel entziehen. Da das im Weißen Haus bekannt ist, versteht man die Hektik, durch drastischen Waffeneinsatz eine Art Sieg zu inszenieren. Nur halt die Spritpreise, die Spritpreise, die wird er nicht in den Griff kriegen, wo gestern, wie von den Houthis angedroht, die ersten Tanker im Roten Meer unter Beschuss gerieten.

Teilmöbliert (3): Im Wettkampf künstlicher Intelligenzien ist gestern der Firma Open AI ein beeindruckender Teilsieg gelungen. Die Zauberer probierten eine Variante aus, die in der Lage ist, in krimineller Absicht in einen mächtigen Konkurrenten einzudringen und dort Schaden bis hin zur feindlichen Übernahme zu stiften. Im Computer-Chinesisch hört sich das alles ganz anders und irgendwie clean an (und man versteht nichts), auch sei es so, dass ihr Agent ohne Wissen seiner Führungsoffiziere aus einem strikt abgesperrten Raum ausgebrochen sei. So ein Agent, selbst wenn er nur virtuell existiert, ist schließlich auch nur ein Mensch oder so. Ja, da kommt noch einiges auf die Menschheit zu, wenn man diese Typen erst von der Leine lässt. Da hilft nur eines: Strom abstellen.


23. Juli 2026

Heute Nacht war’s in Folge der 12. siegreiche Angriff des großen und guten Amerika auf den Schurkenstaat im Nahen Osten. Der Leser der Westpresse fragt sich, ob da überhaupt noch ein Stein auf dem anderen steht. Doch dann erinnert er sich, dass das Land riesengroß ist, und fragt gemeinsam mit der Washington Post und dem Wall Street Journal, wie es möglich ist, dass die Perser Nacht für Nacht die US-Verbündeten am Golf und in Jordanien in einer Weise angreifen, dass bevorzugt in den US-Radarstellungen die Fetzen fliegen. Igendwas passt da nicht zusammen.

Passt nicht (2): Mit Saudi Arabien schließen die USA heute Nacht einen Atom-Deal. Man will behilflich sein beim Aufbau von Kernkraftwerken, um Russland und China eins auszuwischen. Sind die saudischen Prinzen sicher, dass das in Teheran richtig verstanden wird?

Passt nicht (3): Gestern beschließt das Bundeskabinett eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit in Atom-Angelegenheiten mit Russland. Dachte erst, ich hätte mich verlesen. Kann mir mal wer erklären, was da für uns herausspringt und was der Kolonialherr in DC dazu sagt. Ist er gefragt worden? Oder Johann der deutsche Außenzwerg und selbsterklärter Russlandhasser? Der tourt derweil durch Afrika. Hoffentlich verschenkt er dort nicht die letzten deutschen Museumsbestände. Wg. Herero und so.

Passt nicht (4): Der kleine Mann aus Kiew entlässt einen nach dem anderen aus seiner Regierung: Ministerpräsidentin, Verteidigungsminister, Oberbefehlshaber. Das harmoniert nicht besonders mit den andauernd verkündeten Siegesnachrichten. Es soll Massenproteste in Kiew geben, angeblich wg. des entlassenen Verteidigungsministers, einem Mitte-Dreißiger. Wie wäre es anzunehmen, dass die Leute einfach vom Krieg und ihrem Präsidenten die Schnauze voll haben? Ich nehme an, dass ihnen zudem schwant, warum jetzt in Kiew massiv russische Drohnen und Raketen einschlagen.


22. Juli 2026

Im Golfkrieg scheint beides Wirklichkeit zu werden: Entsprechend den Ankündigungen aus DC wurden zum Wochenbeginn in Persien Straßen und Bücken zestört. Entsprechend den Ansagen aus Teheran wurde daraufhin mit den Angriffen auf Meerwasser-Entsalzungsanlagen am Golf begonnen. Soweit ich erkennen konnte, war Saudi Arabien noch nicht das Ziel.

Im Meldungswust untergegangen: Die Houthis im Jemen verkündeten vorgestern die Sperrung der Meeres-Engstelle zwischen Afrika und der arabische Halbinsel (Straße von Bar al-Mandab). Ein Wüstensohn im entsprechend geschmückten Tarnfleck sprach es aus. Was das bedeutet, falls es durchgesetzt wird, ist klar. Nur, ob es gelingt, das ist die Frage.

Sperrung (2): Die Leute rechnen nervös nach, was denn nun hinsichtlich der Straße von Homus zutrifft. Stimmt es, was Trump behauptet, dann fahren da die Schiffe, wie sie es wollen. Stimmt, was die Perser sagen, so waren es gestern 30 und zwar die, die von ihnen die Erlaubnis hatten. Andere, die es versuchten, wurden angegriffen.


21. Juli 2026

Sie ist die Frau von… oder die Tochter von… Für die so Bezeichnete oft kein Zuckerschlecken, zumal wenn sie selbst etwas darstellt. Ein solcher Fall, so dachte ich, lag womöglich vor, als ich Karten für einen Auftritt der amerikanischen Sängerin Sophie Auster geschenkt bekam, von der mir sogleich versichert wurde, sie sei die Tochter des bekannten Autors Paul Auster. Von dem kannte ich den Namen, sonst nichts. – Das Konzert fand ich schrecklich, meine Begleiterinnen waren empört – über mein Banausentum.

Auster (2): Die Sängerin, so wurde ich belehrt, hätte nicht nur einen berühmten Vater (Paul, ich sagte es bereits), sondern auch eine sensationelle Mutter, die skandinavisch-stämmige Siri Hustvedt, eine blonde Riesin aus Minnesota, die ebenfalls berühmte Werke verfasst habe. Eines davon las ich gestern („Die zitternde Frau“), eine tiefschürfende Krankengeschichte ihrer selbst über Migräne, Hysterie, Epilepsie und verwandte Themen. Ich war und bin beeindruckt. Im Netz der Erkenntnis bleibt ein merkwürdiger Umweg, um auf eine bemerkenswerte Lektüre zu stoßen. Immerhin.


20. Juli 2026

Fritz schmollt. Beschimpft angeblich eine ZDF’lerin wg. unbotmäßger Behandlung. Wie hätte er’s denn gern. Jetzt will er schon wieder aufbrechen. Fritz, wohin denn? Nach Russland? Sofort Abtreten wäre die bessere Lösung – jedenfalls für Deutschland.

Aufbruch (2): Heute will GB seinen Prime Minister wechseln (den Namen des Neuen werde ich mir nicht merken). Der wird bekanntlich nicht gewählt, sondern vom König ernannt. Warum? Ist halt so. Seit Jahr und Tag habe ich die Inseln gemieden, die für mich einmal ein tolles Reiseziel waren mit ihren spleenigen Leuten. Nur London habe ich umgangen.

Aufbruch (3): Seit Amelia kommt wieder eine zarte Hoffnung auf. Man erinnere sich an dieses völlig nach hinten losgegangene Belehrungsfilmchen der woken Regierung, die das Volk der Engländer mit der bösen lilahaarigen Rassistin abschrecken wollte. Doch die junge KI-Dame wurde zum heißgeliebten Schlager. Merke: Gut gemeint war in diesem Fall gut gemacht, aber anders als gedacht. Jetzt ist sie wieder da (I’m English). Na bitte:

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Amerika im Krieg: Es läuft nicht so toll, deswegen wird die Siegespropaganda, in der laufend Explosionen gezeigt werden, neuerdings von Wir-haben-auch-Verluste flankiert, die zur Begründung von neuerlichen Rache-Angriffen herhalten müssen: Heute Nacht starb wieder ein US-Soldat, die Nacht davor zwei, und das in Jordanien, damit seit Kriegsgbeginn im Februar 17 Mann. Die Zahlen nehmen wir zum Nennwert und ergänzen: mindestens 17, vermutlich aber ein Mehrfaches im zweistelligen Bereich.

Smoke rises from an explosion at an unknown location, during what U.S. Central Command (CENTCOM) says are strikes on Iran, in this screen grab taken from a handout video released on July 18, 2026. (U.S. Central Command/Handout via Reuters)
US Military Strikes Iran After Deaths of 3 US Service Members


19. Juli 2026

Sonntagsfrage: Warum ist heute früh am Morgen gar nicht Klima, sondern ziemlich kühl, obwohl die Menschen draußen im Lande glauben, dass die Wärme der letzten Tage am Klima liege.

Über Nacht (2): Der Widerstand gegen das Selbstverständlche hat genau einen Tag gedauert, dann hat Jens im Mutterglück das Handtuch geworfen. Jetzt haben die Polit-Experten die nächsten Wochen Zeit und Thema, sich mit dem Warum und dem Wohin zu befassen, und der Betroffene, seine Schwangeschaftsstreifen (gegen Zuzahlung) behandeln zu lassen.

Spahn (2): Noch mal in Ruhe und ohne den naheliegenden Spott über die Causa nachdenkend: Ist doch erstaunlich, wie weit es die eher schlichten Mitglieder der Junge-Führer-Clique des Klaus Schwab gebracht haben. – Apropos: Wo ist eigentlich die Annalena Bb. geblieben?

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