9. August 2026
Der Vorschlag des Redners fand breite Zustimmung. Mit anderen Worten: Alle waren froh, dass er endlich zu einem Ende gekommen war.
Manche Dinge ändern sich einfach nicht, oder anders ausgedrückt: nicht so einfach. So die Einwohner von Plauen am Rande Sachsens. Sie gehörten bereits 1989 zum allgemeinen Erstaunen zu den Ersten, die unübersehbar auf die Straße gingen. Gestern sollen es zehntausend gewesen sein. Was sie forderten, könnte Schule machen: Regierung weg, Neuwahlen, Volksentscheide. – Wir nähern uns deutlich der Schwelle, wo es nicht friedlich bleiben wird.
Wenn der Don wie heute Nacht von Einigungen im Nahostkrieg öffentlich schwatzt, so ist das nur insofern halbrichtig, als die USA gestern an zwischen den Persern und dem Nachbarstaat Oman besiegelten Absprachen über die Straße von Hormus nicht beteiligt waren, sondern deren Gegenstand. Als da wäre: Die Straße bleibt geschlossen, bis die USA aus der Gegend abgezogen sind, das persische beschlagnahmte Auslandsvermögen freigegeben und Entschädigung für die Kriegsschäden geleistet worden ist. Was bislang nur persischer Standpunkt war, findet Zustimmung in Oman. Im Gegenzug enthält es eine Beteiligung an der zu erhebenden Maut für die Straßennutzung.
Nahost (2): In ägyptischen Gewässern wurden erstmals Schiffe in Brandt geschossen. Jetzt rätselt man: Wer war das? Anders gefragt: Wem nutzt eine Ausweitung des Konflikts?
8. August 2026
Die Stadt Arbon, auf dem schweizerischen Ufer des Bodensees gelegen, ist tagsüber fast menschenleer. Ich vermute zunächst einen mir unbekannten hiesigen Feiertag, da auch alle Läden zu sind. Bis mich ein Zettel an einem der Schaufenster aufklärt, dass wg. Sommerferien geschlossen sei. Donnerwetter, sollte ich mich im schweizer Geschäftssinn so getäuscht haben?
Da lob ich mir doch Unteruhldingen, am gegenüberliegenden deutschen Ufer gelegen. Parkplatz weit außerhalb – gebührenpflichtig. Anreise zum See runter mit einem Trekker mit 2 Anhängern, Bähnle genannt – gebührenpflichtig. Pfahlbaudorf hinter Gitterzaun, großartiger Eintrittspreis. Ich merke an der Kasse an, dass ich keineswegs beabsichtigen würde, Mitinhaber zu werden. Das wird nicht lustig gefunden. Sodann schlägt die Museumspädagogik über die Pfahlbauern und Pfahlbäuerinnen zu. Auch damit: Man wisse nicht, ob es so war, wie man es sich jetzt vorstelle. Bleibt die Fragen, warum dann diese Häuser, durch die der Besucher (bitte nichts anfassen) geht?
Während ich die imaginären Vorfahren bestaune, tagt in Berlin der Bundes-Sicherheitsrat. Na klar, denn es handelt sich bei der gestrandeten Drohne in Leipzig auf dem Flughafen um einen hybriden Angriff. Aus dem Kreml erfolgt in ungewöhnlicher Geschwindigkeit eine scharfe Abfuhr gegenüber den zur Gewissheit aufgeblasenen Verdächtigungen. – Ich stelle mir die Frage, für wie blöd man die Leute eigentlich hält. Oder anders ausgedrückt: Für wie blöd muss ich die Leute halten, die mit solchen Nicht-Ereignissen öffentlich Politik machen? Komisch ist nur, dass mir sofort passende Gesichter einfallen. Bitte keine Namen.
6. August 2026
An der Bundesstraße am Nordufer des Bodensees liegt unübersehbar zwischen Immenstaad und Friedrichshafen eines der Zentren der deutschen Rüstungsindustrie. Beim Vorbeifahren an den ausgedehnten Liegenschaften von Airbus geht es mir durch den Kopf, dass ich nicht der Einzige bin, der diesen Standort kennt und einschätzt, dass hier Kriegswaffen konzipiert werden könnten, die gegen Russland zum Einsatz gelangen.
Kriegswaffen (2) Immer noch glauben die Leute hierzulande, der böse Putin würde bluffen, wenn er sagt, er werde die Nato-Kriegstreiber an ihren Standorten, egal wo, ins Visier nehmen lassen. Vor drei Tagen hat er Nägel mit Köpfen gemacht, und eine amerikanische Drohnen-Fabrik in Kiew wurde, soweit man hört, dem Erdboden gleichgemacht. Die US-gelenkte Presse schweigt. Was Wunder.
Kriegswaffen (3): Dem kleinen Mann aus Kiew ist inzwischen das Siegesgeschrei im Halse steckengeblieben. Er mault, dass er keine wirksamen Raketenabwehrwaffen besitze. Das klang vor Kurzem noch ganz anders. Da erinnerte er mich an den Luftwaffenchef Herrmann Göring, der tönte, er wolle Meier heißen, wenn es einem feindlichen Flieger jemals gelänge, ins Reichsgebiet einzudringen. Er kam bereits kurz drauf nicht wieder darauf zurück.
Kriegswaffen (4): Ein Dutzend Kilometer weiter auf der Bundesstraße nach Osten liegt der Flughafen von Friedrichshafen. An dessen Rand ein sehenswertes ziemlich neues Museum zur Erinnerung an den Flugzeugbau-Pionier Claude Dornier, der hier vom Bodensee aus ein Luftfahrt-Imperium aufbaute. Hierzu gehörten in beiden Weltkrieges die Impulse durch die militärische Nutzung und auch nach der Zerstörung Deutschlands 1945 der Neuaufstieg aus den Trümmern. Großartige Exponate und eine erfreulich nüchterne Darstellung ohne den heute üblichen moralinen Zeigefinger. Sensationell auch der Übergang von der Luft- zur Raumfahrt. Ich habe gestaunt.
Kriegswaffen (5): Komische Meldung vom Flughaften Leipzig. Drohnenfund mit Semtex-Sprengstoff, aber defektem Zünder. Wer war das? Wir werden es bald wissen, wenn die Experten den Dronenführerschein (?dem Putin seiner), der sicher am Tatort zurückblieb, gefunden haben werden. Nebenbei: Der tschechische Sprengstoff stammt ebenso aus Sowjetzeiten selig, wie die in ukrainischem Besitz befindlichen Antonow-Transport-Giganten, die dort ihre Heimat gefunden haben, um Kriegsgut nach Osten zu befördern.
5. August 2026
Es gilt der Merksatz: Nur aus der Ferne erscheinen die Dinge klar und eindeutig. Nach nur dreiTagen zeigt es sich nämlich, dass der Konflikt von Ceuta komplizierter ist als am Wochende angenommen. Geht man etwas näher ran, schält sich die marokkanisch-algerische Langzeit-Fehde aus dem Wüstensand. Jetzt bekam sie neue Nahrung, als Spanien vor Kurzem mit Algerien ein taufrisches Gaslieferungs-Abkommen schloss, dessen Gag es ist, nicht mehr die existente Oipeline, die über Marokko läuft, zu nutzen. Damit fallen dort zulande wichtige Wegelagerer-Gebühren weg (Wir kennen dieses Phänomen aus Polen und der Ukraine). Summa summarum: ein aktueller Racheakt, jedenfalls vor der Hand.
Ceuta (2): Dass sich die amerikanisch-israelische Allianz bei der Unterstützung des Geschehens auf das Völkerrecht beruft, lockt bestenfalls ein verächtliches Grinsen hervor. Diese Art Völkerrechtler sehen nicht nur ein neues gewinnträchtiges Konfliktfeld, sondern auch die Möglichkeit, an der Meerenge von Gibralta einen ihnen hörigen Pfosten einzuschlagen. Träumt weiter, Jungs.
Nahost: Heute kommt es, wenn man den großen Reden des US-Finanzministers, Bessent, wenn ich mich nicht irre, glauben will, zu einem tollen US-Iran-Deal. Soso. Vor Ort ist offenbar davon nichts bekannt. Nur eines ist gewiss: Das Morden in Gaza geht weiter. Gestern wurden nach israelischen Angaben dort 16 Palästinenser erschossen.
In Sachsen-Anhalt will Unseredemokratie im letzten Moment vor den Wahlen Anfang September die Fünfprozenthürde kippen, um die SPD weiter parlamentarisch vertreten erscheinen zu lassen. Endlich hat man geschnallt, dass es die kleinen und kleinsten Gruppen sein müssen, die einen AfD-Sieg verhindern können.
4. August 2026
Es lohnt, in der Säulenbasilika von Konstanz eine Weile stillzusitzen, um den Raum einwirken zu lassen. Es ist zu allererst verblüffend, dass die von außen deutlich gothiische Kathedrale von innen ganz anders aussieht. Es ist der romanische, Jahrhunderte alte Mittelbau, der mich beeindruckt. Den Ausbruch der Baumeister der beiden Seitenschiffe in die seinerzeit gerade in Mode kommende Gotik nehme ich nur aus den Augenwinkeln wahr. Den erst viel später hinzugekommenen Schnickschnack des Barock oder gar das Klassizismus blende ich, so gut es geht, aus. Wenn ich jetzt für ein paar Minuten den durcheinanderbrüllenden Klerus des Konzils von Konstanz (1414-18) wie einen immaginären Spielfilm einblende, sehe ich den letzten Versuch, in der weltbeherrschenden Christen-Kirche zu retten, was zu retten war. Den aus Böhmen angereisten Jan Hus verurteilten sie unter Bruch des Freien-Geleit-Versprechens zum Tode auf dem Scheiterhaufen, anstatt sich mit seinen Vorschlägen auseinanderzusetzen. Immerhin, sie gewannen 100 Jahre Zeit, dann würden deutsche Denker und Theologen der katholischen Kirche das vor Gedanken schützende Dach wegsprengen.
Hus (2): Die mitten im Kirchenraum aufragende hölzerne Kanzel steht auf einer imposanten Figur, die den alttestamentarischen Kirchenvater Abraham nebst Widder darstellt (unvoreingenommene Betrachter würden vielleicht sagen, das Gesicht sei auf boshafte Weise hebräisch ausgeprägt). Ich erwähne dies, weil es spätere Eiferer nicht daran hinderte, der Statue unter der tumultarisch vorgetragener Behauptung, es handele sich um den Ketzer aus Böhmen, die Nase abzubrechen, was ganz gewiss erheblicher Gewalteinwirkung bedurfte. Heute ziert die Figur eine Ersatznase. Geht man nah genug ran, sieht man das und findet es irgendwie tröstlich, dass es immer schon eifernde Idioten gab.
Seit meinem letzten Aufenthalt in Konstanz (wg. akademischer Eitelkeiten) im Jahre 1982 ist Sehenswertes hinzugekommen, so die auf der Spitze der Hafeneinfahrt stehende tonnenschwere Figur der Prostituierten Imperia, die während des Konzils Kaiser und Papst in der Hand gehabt haben soll. Sie dreht sich nun um sich selbst, dem Betrachter mal die unbekleidete Vorderfront, mal das gewaltige Hinterteil zuwendend. Ich betrachte mit Muße die zu der Dame pilgernden Muselmanen mit ihren verschleierten Frauen und hätte deren Kommentare zu gerne einmal gehört.
Imperia (2): Die Figur (und anderes aus seiner Hand im Bodenseeraum) stammt von Peter Lenk, einem Franken, der sich am Bodensee angesiedelt hat. Beim Betrachten seiner Werke, die auf dreiste Weise lustig sind, geht mir durch den Kopf, dass offenbar jede Zeit ihre Hofnarren ausprägt. Dieser Lenk, so will es mir scheinen, ist der Unsere.
3. August 2026
Es ist wirklich allerliebst, was auf den Blocs der Kinder Gottes so alles zum Ceuta-Konflikt geschieben steht. Rache für die Nichtteilnahme Spaniens am Iran-Krieg ist nur die kleinste Münze. Aber die größten dortigen Denker, deren realen Einfluss ich nicht abzuschätzen weiß, gehen weit darüber hinaus, indem sie eine aktuelle Chance wittern, das ganze EU-Europa zum Wohle der Koalitionäre aus Tel Aviv und DC aus dem Gleichgewicht zu bringen. Was wollen sie erreichen? Die augenblickliche israelische Auswanderung Richtung Griechenland und Zypern stoppen? Das wäre eine innenpolitische Zielsetzung, denn nichts kann für die Hardliner fataler sein, als wenn ihr eigenes Land durch die Flucht kriegsmüder Juden allmählich leer läuft.
Nahost (2): Wenn ich es richtig deute, so schweigen unsere Israel-Versteher-Medien bänglich stille. Verständlich, denn der Don hat vorgestern verkündet, dass er im Moment das ultimative Bomben Persiens unterbrochen habe, weil Verhandlungen anstünden. Frage mich, mit wem? Nehme an, dass die Saudis Stopp gerufen haben, nachdem, wie man hört, ein Emissär aus Teheran ihnen offengelegt hat, welche leicht zerstörbaren Ziele (Wasser & Öl) es auf ihrem Territorium noch zu treffen gibt. Saudi Arabien ist verletzlich wie kein Zweiter am Golf, und den US-Schutzschirm gibt es dort zulande nicht (mehr), wenn es ihn denn je in realiter gegeben haben sollte.
2. August 2026
Reisen bildet: Östlich der Autobahn bei Rottweil ragt ein dünner grauer Beton-Monsterturm in den schwäbischen Sommerhimmel. Nach unzutreffenden Mutmaßungen über ein Mahnmal für den letzten unbeschnittenen Schwaben, werde ich abends darüber aufgeklärt, dass es sich hier um eine Aufzugsversuchsanlage der Firma Krupp-Thyssen handelt.
Schwaben (2): Bei Böblingen herrscht üppiges Verkehrschaos, verursacht durch eine Autobahn-Baustelle, deren Zweck es offenbar ist, durch eine gewaltige Zigarrenschachtel aus Beton die Autostadt künftig vor dem Autolärm zu schützen. Fragt sich allerdings, ob dann, wenn dieser sehenswerte Bau fertig ist, noch namhafter Autoverkehr in der Gegend herrschen wird. Jetzt allerdings fällt mir ein Überangebot an Mecedes-Automobilen der Panzerkreuzer-Klasse auf. Deren teilverschleierte Insassen werden wohl demnächst auf fliegenden Teppichen vorbeieilen.
Die Invasion des spanischen Ceuta, jener skurrilen Enklave in Marokko, durch Glaubenskinder des Propheten hat zahlreiche Welterklärer auf den Plan gerufen. Am besten haben mir jene gefallen, die das Geschehen für ein Werk aus Tel Aviv halten, um Spanien zu bestrafen, weil es das große und gute Amerika in seinem Krieg für das Existenzrecht Israels nicht unterstützen will. Das klingt ziemlich schräg. Allerdings bin ich vorsichtig geworden, nachdem ich lernen musste, dass die Kriegsauslösung gegen Persien von der für sicher gehaltenen Prognose des Mossad ausgelöst wurde, dass die Ermordung des Führungspersonals von Teheran einen US-freundlichen Aufstand der Perser verursachen werde. – War wohl nix, wie man so sagt.
31. Juli 2026
Die beiden westlichen Kriegs-Haupthelden haben die Show-Bühne in Washington wieder verlassen. Sinn des Parallel-Auftritts von Selenskyj und Netanyahu (Ich stamme in direkter Linie von Moses ab) war die Demonstration für die amerikanische Öffentlichkeit, dass es sich hier um ein großes kriegerisches Gesamtgeschehen handele, in dem das große und gute Amerika zusammenstehen muss. Der kleine Mann aus Kiew bekommt Patriot-Luftabwehr-Raketen zum Selberbasteln, und der Mann aus Tel Aviv die Zusage, dass er sich im Moment nicht aktiv an der Bombardierung des Iran beteiligen muss. Im Gegenzug bläst er Trump die Idee eines großangelegten Hamas-Entwaffnungsplans ein, den dieser heute Nacht verkündet. Weiß man in Teheran auch schon davon?
Ostfront: Das gewaltsame Vorrücken der Russen in mehreren Kesselschlachten geht weiter. Vorletzte Nacht hat ein massiver Luftschlag gegen Kiew und andere Städte bis hin nach Lemberg (im Westen) stattgefunden. Wirklich einschneidend scheint die russische Seeblockade von Odessa zu sein. Dem Vernehmen nach ist der ukrainische Getreide-Export über das Schwarze Meer zum Stillstand gekommen.
Ostfront (2): Putins Ankündigung in dieser Woche, dass der Westen der Ukraine, sprich das Gebiet um Lemberg, auf Dauer nicht ukrainisch bleiben werde, wird man in Polen gerne gehört haben. Mit dem offenen Ausbruch eines ukrainisch-polnischen Krieges ist spätestens dann zu rechnen, wenn man in Berlin und Brüssel mitkriegt, dass die Ukraine-Karte nicht mehr zieht. Aber das kann noch etwas dauern, denn zur Zeit ist man damit beschäftigt, die eigene Industrie weiter zu zerstören.
30. Juli 2026
Fünf Tage Atempause. Kein Internet, kein Radio. Nichts. Frisch geräucherten Wels kennengelert und gegessen. Kaum wieder am Schreibtisch zerstiebt der beruhigende Eindruck in Nichts. Ein muslimischer Straftäter rast in Berlin Tiergarten in die Schwulen-Parade. Ein Toter und zahlreiche Verletzte. Er wird später von der Polizei erschossen – wenigstens das. Ein Richter hatte ihn zuvor contra legem auf freien Fuß setzen lassen. Wendet man auf den schwarzen Mann die Grundsätze seiner Kollegen aus dem Verfahren gegen Schäpe und andere an, stünde er jetzt wegen Teilnahme an einem Mord vor Gericht. Tut er aber nicht, darauf wette ich.
Atempause (2): Der Krieg in Nahost blieb wenige Tage ohne Tote, dann wurde ab Dienstag wieder geschossen. Das offizielle Amerika behauptet, es seien die US-Basen in Nahost völlig überraschend angegriffen worden, und es sei somit nötigt gewesen, heute Nacht zurückzubomben. Ich übersetze mal: Man konnte die iranischen Raketen nicht anfliegen sehen, weil die entsprechenden Radar-Stationen demoliert wurden. Wie man angesichts dieser Überraschung die anfliegenden Raketen alle abwehren konnte, ist allerdings rätselhaft.
25. Juli 2026
Gönne mir morgens fünf Minuten Direktschaltung ins Correspondents‘ Dinner im Waldorf Astoria. Ganz ohne Ton. Soviel falsches Blond sah ich in dieser Konzentration schon lange nicht mehr. Auch nicht soviel professionelles Zähnefletschen. – Letztes Jahr kroch dieselbe selbsternannte Elite am Boden herum, während Secret Service Agenten rücksichtslos über sie hinwegstiegen. Das hatte auch seinen merkwürdigen Reiz – Wichtigtuer in Panik.
Wichtigtuer (2): Unter den fragwürdig Wichtigen entdecke ich auch den US-Kriegsminister. Den sah ich kurz zuvor noch in einer Kongressanhörung, wo man ihm vorhielt, er habe bereits ab Kriegstag 1 und dann stets wiederholend gesagt, der Iran sei militärisch geschlagen, und er möge nun erklären, warum Nacht für Nacht von dort aus Raketen gegen die US-Basen am Golf abgeschossen würden. Er sagte, seine damalige Aussage sei nach wie vor richtig, denn er habe niemals behauptet, dass man alle Raketen erfasst habe, die der Feind im Verborgenen hortete. Auf erneutes Nachfragen, was er dagegen zu tun gedenke, bemerkte er, Amerika sei so groß und stark, dass niemand ihm widerstehen könne. Und auf nochmaliges Nachhaken: Das, was jetzt geschehe, sei geheim.
Wichtigtuer (3): Sein Boss, der Don, ist da weniger zurückhaltend. Er kündigte für dieses Wochenende den ultimativen Schlag gegen den Iran an. In Persien spricht man von einer noch nie dagewesenen Antwort. Wie auch immer: Das Wochenend ist im Orient angebrochen.

Wichtigtuer (4): Für kommenden Dienstag sind der kleine Mann aus Kiew und Dons Duzfreund Netanjahu im Weißen Haus angesagt. Wie sagte der Hausherr heute Nacht auf den Presse-Fressen sehr richtig: The show must go on.
24. Juli 2026
In den Leserbriefen bei Stephan Paetow entdeckt: „Wer trotz Klingbeil und Bas immer noch SPD wählt, kann kognitiv bestenfalls teilmöbliert sein.“
Teilmöbliert (2): Während das Repräsentantenhaus die Beendigung des Iran-Krieges verlangt, verwahrt sich der Senat gegen dieses Ansinnen. Und der Don nennt die ganze Abstimmerei unconstitional oder zu deutsch: verfassungswidrig. Nun, bis zum Jahreswechsel hat er noch Zeit, um zu bomben, danach werden aller Voraussicht nach die im November ins Amt gewählten Abgeordneten und Senatoren dem Präsidenten die Mittel entziehen. Da das im Weißen Haus bekannt ist, versteht man die Hektik, durch drastischen Waffeneinsatz eine Art Sieg zu inszenieren. Nur halt die Spritpreise, die Spritpreise, die wird er nicht in den Griff kriegen, wo gestern, wie von den Houthis angedroht, die ersten Tanker im Roten Meer unter Beschuss gerieten.
Teilmöbliert (3): Im Wettkampf künstlicher Intelligenzien ist gestern der Firma Open AI ein beeindruckender Teilsieg gelungen. Die Zauberer probierten eine Variante aus, die in der Lage ist, in krimineller Absicht in einen mächtigen Konkurrenten einzudringen und dort Schaden bis hin zur feindlichen Übernahme zu stiften. Im Computer-Chinesisch hört sich das alles ganz anders und irgendwie clean an (und man versteht nichts), auch sei es so, dass ihr Agent ohne Wissen seiner Führungsoffiziere aus einem strikt abgesperrten Raum ausgebrochen sei. So ein Agent, selbst wenn er nur virtuell existiert, ist schließlich auch nur ein Mensch oder so. Ja, da kommt noch einiges auf die Menschheit zu, wenn man diese Typen erst von der Leine lässt. Da hilft nur eines: Strom abstellen.
23. Juli 2026
Heute Nacht war’s in Folge der 12. siegreiche Angriff des großen und guten Amerika auf den Schurkenstaat im Nahen Osten. Der Leser der Westpresse fragt sich, ob da überhaupt noch ein Stein auf dem anderen steht. Doch dann erinnert er sich, dass das Land riesengroß ist, und fragt gemeinsam mit der Washington Post und dem Wall Street Journal, wie es möglich ist, dass die Perser Nacht für Nacht die US-Verbündeten am Golf und in Jordanien in einer Weise angreifen, dass bevorzugt in den US-Radarstellungen die Fetzen fliegen. Igendwas passt da nicht zusammen.

Passt nicht (2): Mit Saudi Arabien schließen die USA heute Nacht einen Atom-Deal. Man will behilflich sein beim Aufbau von Kernkraftwerken, um Russland und China eins auszuwischen. Sind die saudischen Prinzen sicher, dass das in Teheran richtig verstanden wird?
Passt nicht (3): Gestern beschließt das Bundeskabinett eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit in Atom-Angelegenheiten mit Russland. Dachte erst, ich hätte mich verlesen. Kann mir mal wer erklären, was da für uns herausspringt und was der Kolonialherr in DC dazu sagt. Ist er gefragt worden? Oder Johann der deutsche Außenzwerg und selbsterklärter Russlandhasser? Der tourt derweil durch Afrika. Hoffentlich verschenkt er dort nicht die letzten deutschen Museumsbestände. Wg. Herero und so.
Passt nicht (4): Der kleine Mann aus Kiew entlässt einen nach dem anderen aus seiner Regierung: Ministerpräsidentin, Verteidigungsminister, Oberbefehlshaber. Das harmoniert nicht besonders mit den andauernd verkündeten Siegesnachrichten. Es soll Massenproteste in Kiew geben, angeblich wg. des entlassenen Verteidigungsministers, einem Mitte-Dreißiger. Wie wäre es anzunehmen, dass die Leute einfach vom Krieg und ihrem Präsidenten die Schnauze voll haben? Ich nehme an, dass ihnen zudem schwant, warum jetzt in Kiew massiv russische Drohnen und Raketen einschlagen.
22. Juli 2026
Im Golfkrieg scheint beides Wirklichkeit zu werden: Entsprechend den Ankündigungen aus DC wurden zum Wochenbeginn in Persien Straßen und Bücken zestört. Entsprechend den Ansagen aus Teheran wurde daraufhin mit den Angriffen auf Meerwasser-Entsalzungsanlagen am Golf begonnen. Soweit ich erkennen konnte, war Saudi Arabien noch nicht das Ziel.
Im Meldungswust untergegangen: Die Houthis im Jemen verkündeten vorgestern die Sperrung der Meeres-Engstelle zwischen Afrika und der arabische Halbinsel (Straße von Bar al-Mandab). Ein Wüstensohn im entsprechend geschmückten Tarnfleck sprach es aus. Was das bedeutet, falls es durchgesetzt wird, ist klar. Nur, ob es gelingt, das ist die Frage.


Sperrung (2): Die Leute rechnen nervös nach, was denn nun hinsichtlich der Straße von Homus zutrifft. Stimmt es, was Trump behauptet, dann fahren da die Schiffe, wie sie es wollen. Stimmt, was die Perser sagen, so waren es gestern 30 und zwar die, die von ihnen die Erlaubnis hatten. Andere, die es versuchten, wurden angegriffen.
21. Juli 2026
Sie ist die Frau von… oder die Tochter von… Für die so Bezeichnete oft kein Zuckerschlecken, zumal wenn sie selbst etwas darstellt. Ein solcher Fall, so dachte ich, lag womöglich vor, als ich Karten für einen Auftritt der amerikanischen Sängerin Sophie Auster geschenkt bekam, von der mir sogleich versichert wurde, sie sei die Tochter des bekannten Autors Paul Auster. Von dem kannte ich den Namen, sonst nichts. – Das Konzert fand ich schrecklich, meine Begleiterinnen waren empört – über mein Banausentum.
Auster (2): Die Sängerin, so wurde ich belehrt, hätte nicht nur einen berühmten Vater (Paul, ich sagte es bereits), sondern auch eine sensationelle Mutter, die skandinavisch-stämmige Siri Hustvedt, eine blonde Riesin aus Minnesota, die ebenfalls berühmte Werke verfasst habe. Eines davon las ich gestern („Die zitternde Frau“), eine tiefschürfende Krankengeschichte ihrer selbst über Migräne, Hysterie, Epilepsie und verwandte Themen. Ich war und bin beeindruckt. Im Netz der Erkenntnis bleibt ein merkwürdiger Umweg, um auf eine bemerkenswerte Lektüre zu stoßen. Immerhin.
20. Juli 2026
Fritz schmollt. Beschimpft angeblich eine ZDF’lerin wg. unbotmäßger Behandlung. Wie hätte er’s denn gern. Jetzt will er schon wieder aufbrechen. Fritz, wohin denn? Nach Russland? Sofort Abtreten wäre die bessere Lösung – jedenfalls für Deutschland.
Aufbruch (2): Heute will GB seinen Prime Minister wechseln (den Namen des Neuen werde ich mir nicht merken). Der wird bekanntlich nicht gewählt, sondern vom König ernannt. Warum? Ist halt so. Seit Jahr und Tag habe ich die Inseln gemieden, die für mich einmal ein tolles Reiseziel waren mit ihren spleenigen Leuten. Nur London habe ich umgangen.
Aufbruch (3): Seit Amelia kommt wieder eine zarte Hoffnung auf. Man erinnere sich an dieses völlig nach hinten losgegangene Belehrungsfilmchen der woken Regierung, die das Volk der Engländer mit der bösen lilahaarigen Rassistin abschrecken wollte. Doch die junge KI-Dame wurde zum heißgeliebten Schlager. Merke: Gut gemeint war in diesem Fall gut gemacht, aber anders als gedacht. Jetzt ist sie wieder da (I’m English). Na bitte:
Amerika im Krieg: Es läuft nicht so toll, deswegen wird die Siegespropaganda, in der laufend Explosionen gezeigt werden, neuerdings von Wir-haben-auch-Verluste flankiert, die zur Begründung von neuerlichen Rache-Angriffen herhalten müssen: Heute Nacht starb wieder ein US-Soldat, die Nacht davor zwei, und das in Jordanien, damit seit Kriegsgbeginn im Februar 17 Mann. Die Zahlen nehmen wir zum Nennwert und ergänzen: mindestens 17, vermutlich aber ein Mehrfaches im zweistelligen Bereich.


19. Juli 2026
Sonntagsfrage: Warum ist heute früh am Morgen gar nicht Klima, sondern ziemlich kühl, obwohl die Menschen draußen im Lande glauben, dass die Wärme der letzten Tage am Klima liege.
Über Nacht (2): Der Widerstand gegen das Selbstverständlche hat genau einen Tag gedauert, dann hat Jens im Mutterglück das Handtuch geworfen. Jetzt haben die Polit-Experten die nächsten Wochen Zeit und Thema, sich mit dem Warum und dem Wohin zu befassen, und der Betroffene, seine Schwangeschaftsstreifen (gegen Zuzahlung) behandeln zu lassen.
Spahn (2): Noch mal in Ruhe und ohne den naheliegenden Spott über die Causa nachdenkend: Ist doch erstaunlich, wie weit es die eher schlichten Mitglieder der Junge-Führer-Clique des Klaus Schwab gebracht haben. – Apropos: Wo ist eigentlich die Annalena Bb. geblieben?