Kategorie: Uncategorized

Maxim Gorki… und Mura B.

Prolet-Kultur – Wie man einen Staat zerstört, Teil 5: Der Schriftsteller als Waffe… und Maxim Gorki

Mit diesem fünften und letzten Teil der Betrachtungen zum Krisenjahr 1923, wende ich mich der Kampfform der Beeinflussung zu. Nach all den geschilderten Misserfolgen, welche die sowjetrussischen Umstürzler im Laufe das Jahre hinzunehmen hatten, mussten nun die Schriftsteller an die Front. Sie hatten beträchtlichen Erfolg.

       Der Schriftsteller, um den es im Folgenden als den erfolgreichsten unter den Beeinflussern gehen soll, ist der Literaten-Star Maxim Gorki. Er war, um in einem sowjettypischen Bild zu schwelgen, ohne es zu wollen, Hammer und Amboss zugleich.

Eins

Auf dem Wege zur Sonne: der Wanderer Maxim Gorki

Bevor aus dem Mann der weltbekannte Maxim Gorki wurde, hieß er Alexej Maximowitsch Peschkow. Der kam 1868 in Nishnij Nowgorod – das liegt rund 450 km östlich von Moskau – als armer Leute Kind zur Welt. Frühzeitig verwaist und ohne nennenswerte Schulbildung vagabundierte er in Russland umher. Kurz vor der Jahrhundertwende gelang es ihm, eine erste Erzählung zu veröffentlichen. Zu der Zeit hatte er einen Posten als Journalist bei einer Lokalzeitung in Samara inne. Das befand sich nicht gerade im Zentrum Russlands, sondern rund 700 km Wolga-abwärts von seinem Geburtsort entfernt. Nun ja, die Wolga ist lang, und, wie der Russe so sagt, der Zar ist weit.

     Wir würden heute nichts von Gorki wissen, wenn er nicht 1903 mit seinem Bühnenstück Nachtasyl einen überraschenden Welterfolg gelandet hätte. Plötzlich war er wer. Ein Foto, das ihn mit einer gleichaltrigen berühmten Theaterdiva, Maria Andrejewa (1868-1953), zeigt, die seine Geliebte wurde, belegt den Wandel. Die aparte Russin war nicht nur eine bekannte Schauspielerin, sondern sie diente um die Jahrhundertwende prominenten Malern und Fotographen als Modell.

Von den Bildern, auf denen sie zusehen ist, hat es mir genau dieses eine aus dem Jahre 1905 besonders angetan, auf dem sie von zwei jungen Männern flankiert wird. Der eine ist ihr Sohn, der andere der soeben zu erstem zarten Ruhm gelangte Schriftsteller Maxim Gorki. Er war es, der die Schauspielerin mit seinen sozial-revolutionären Gedanken beeinflusste, als er ihr Liebhaber und später auch ihr Ehemann wurde.

       Dass Gorki mit sozialrevolutionären Gedanken liebäugelte, ja, von ihnen durchdrungen war, muss man nicht mühsam zu erklären suchen. Die Welt, aus der er stammte, lud zu solchen Ideen ein. Folgerichtig engagierte er sich 1905 bei der in Russland ausgebrochenen Revolution, wurde verhaftet und reiste 1906 bei erstbester Gelegenheit aus Russland aus. Sein erstes Auslandsziel wurde Amerika. Danach zog er weiter nach Italien, wo er in Sorrent eine Villa erstand, vis a vis der Insel Capri.

     Der nun folgende lange Zwischenstopp in der Sonne Italiens ist deswegen erwähnenswert, weil Gorkis sehenswertes Domizil der Anlaufpunkt für vielerlei russische Exilanten wurde, die bei ihm urlaubten, denn merke: Revoluzzen und vor allem die zugehörigen Fraktionskämpfe sind anstrengend, man bedarf der Erholung. Wir sind deswegen über dieses staunenswerte Detail des Sozialismus informiert, weil in einigen, viel später veröffentlichten Leninbüchern ein Foto auftaucht, auf welchem der Meister-Bolschewik und spätere Diktator Russlands beim Schachspiel auf Gorkis Terrasse im Kreise von Genossen zu sehen ist.

     Zur Geschichte dieses Bildes gehört, dass die sowjetischen Zensurkünstler von Auflage zu Auflage neue Retuschen vornehmen mussten, um missliebig Gewordene zu entfernen, respektive nach deren Rehabilitierung wieder zum Leben zu erwecken. Auch die Unbekannte vorn rechts, von der wir nur die linke Hand und ein Bein im gestreiften Rock sehen, musste manchmal weichen und ein andermal wieder platznehmen. Sie ist für mich das einzige Rätsel in diesem Suchbild. Oder doch nicht? Täusche ich mich, wenn ich auf Lenins Miene ein selbstgefälliges Sieger-Lächeln entdecke? Ein Teilnehmer berichtete später, dass Lenin die Partie verloren habe und außer sich gewesen sei.

1913, knapp vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, kehrte Gorki nach Russland zurück. Er blieb bis 1921, um erneut nach Italien auszuweichen. Aber innerhalb dieses Zeitraums hatten die Jahre ab der Oktoberrevolution es in sich. Da war er so etwas wie ein revolutionärer Nationalheld, der Vorzeige-Proletarier schlechthin.

       Bei den diversen Kongressen, die von den Bolschewiki zelebriert wurden, war er sichtbarer Mittelpunkt. Zum Zweiten Weltkongress der Kommunistischen Internationale 1920 veranstaltete er ein Massenspektakel im Freien, zu dem er die Dramaturgie entworfen hatte. Auf dem zugehörigen vielfach verbreiteten Teilnehmerfoto sehen wir ihn (mit kahlrasiertem Schädel) hinter Lenin stehen. Der kahle Schädel: eine Hommage an den Meister? Hinter Gorki eine Säule, und links hinter der Säule sein Sohn Maxim, auch er kahlrasiert und zudem Mitarbeiter bei der Geheimpolizei Tscheka.

Zwei

Bei Gorkis zu Hause

In diesen wenigen russischen Jahren vor und nach der Oktoberrevolution lebte Gorki mit seiner Frau Maria Andrejewa in einer hochherrschaftlichen riesengroßen Wohnung in Petrograd. In dieser gründeten die beiden 1918 mitten in den Wirren des Herrschaftswechsels einen Verlag, Всемирная литература, den Verlag für Weltliteratur. Nein, bescheiden war man bezüglich des eigenen Werkes nicht.

       Nun ist das Gründen eines Verlages und sein Betrieb zweierlei. Maria wusste Rat. Den Verlag würde ein Jurist führen, und sie wusste auch schon welcher. Es war Peter Petrowitsch Krjutschkow (1889-1938). Zwei Jahre zuvor, 1916, als Maria und Pjotr sich erstmals paarten, saß der Zar noch, wenn auch schon wacklig, auf seinem Thron. Was also hatte so ein Sprössling aus dem russischen Dienstadel, ein junger hoffungsvoller Jurist im Staatsdienst, der es bei etwas anderem Verlauf der Geschichte unter der Herrschaft des Zaren sicher einmal weit gebracht hätte, kurz drauf bei den Bolschewiki verloren?

       Zunächst war es ein Fall von Liebe und sonst gar nichts. Dabei ließ es sich offenbar nicht vermeiden, dass die Andrejewa ihren wesentlich jüngeren Geliebten mit revolutionärem Gedankengut infizierte, das sie selbst seit ihrer Liaison mit Gorki in sich trug. Für den jungen Mann mag das zunächst überraschend gewesen sein, kurze Zeit später war es lebensrettend, denn mehr als nur einer in seiner Position bezahlte nach der Oktoberrevolution die falsche Klassenzugehörigkeit mit dem Leben.

Nach der Weichenstellung durch Maria zog Krjutschkow zu dem Gorki-Paar in dessen Wohnung. Was mag der Hausherr dazu gesagt haben? fragt etwas entgeistert die Leserin. Wir wissen es nicht, allerdings das, was er kurz drauf tat, denn in der Wohnung tauchte – es muss ein wahrer Taubenschlag mit ungezählten Personen gewesen sein – noch im Verlauf des Jahres 1918 eine Frau auf, bei der ich mich streng disziplinieren muss, um nicht deren Lebensroman zu erzählen, der in drei fette Oktav-Bände nicht hineinpassen würde. Wir begnügen uns also mit Stichworten, die nur mit Gorki zu tun haben. Das sind schon ziemlich viele.

Drei

Auf die stürmische Art

Es geht um Maria Ignatjewa Budberg, genannt Mura (1892-1974), geborene Sakrewskaja, zum Zeitpunkt ihres Auftauchens noch verheiratete von Benckendorff. Die Grundbesitzers-Tochter aus Poltawa hatte als Zwanzigjährige standesgemäß geheiratet, der Ehemann, Johann von Benckendorff (1882-1919), entstammte dem deutschbaltischen Adel mit einem Gut in Jendel (Jäneda), Gouvernement Reval, also im heutigen Estland. Die Hochzeit fand 1912 nicht dort, sondern in London statt, wo ein Verwandter aus der gräflichen Linie der Benckendorffs der zaristisch-russische Botschafter war.  Sodann zog das Paar nach Berlin um, wo der frischgebackene Ehemann an der russischen Botschaft als Dritter Sekretär diente. Damit war’s im August 1914 nach dem Kriegsausbruch vorbei. Man kehrte nach Russland zurück, genauer gesagt auf das Gut im Estnischen.

(Drei Mann in einem Bett: Bruce Lockart, Jekabs Peterss, Maxim Gorki)

Irgendwann während des Krieges trennten sich die Eheleute, wenigstens räumlich, denn Mura Benckendoff befindet sich im Sommer 1918 in Moskau, wo sie eine heftige Affäre mit dem britischen Agenten und Diplomaten Robert Bruce Lockart (1887-1970) beginnt, die im September 1918 im Tscheka-Gefängnis endet, denn Lockart wird mit gutem Grund verdächtigt, den gewaltsamen Sturz der bolschewistischen Regierung vorbereitet zu haben. Er entkommt dem sicheren Tod aus diplomatischem Kalkül, dem des Agentenaustauschs zwischen Moskau und London, und wird, man kann’s nachvollziehen, für immer des Landes verwiesen.

       Für die Russin Mura von Benckendoff-Sakreskaja schien die letzte Stunde zu schlagen: falsche Klasse und konterrevolutionär zudem. Nur ein Wunder konnte sie retten. In ihrem Falle war es der Lette Jēkabs Peterss (1886-1938), Mitglied im Kollegium der Tscheka und ein berüchtigter Folterer. Der ließ sie aus der Haft raus. Ob sie hierbei einen Umweg durch sein Bett machte, ist umstritten. Wir sagen: Selbst wenn.

       Nunmehr reiste Mura – nicht aus eigenem Antrieb – von Moskau nach Petrograd, wo sie bei der Ankunft erneut festgesetzt, aber nach einem Rückruf in Moskau gleich wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Stehenden Fußes begab sie sich in Gorkis Wohnung, die sie so bald nicht wieder verlassen sollte. Was hatte sie zu bieten? Zunächst die Eintrittskarte, die galt dem Verlag. Sie sprach vier Sprachen fließend, Deutsch, Französisch, Englisch und Russisch, das Russische davon am wenigsten perfekt, ganz so wie in ihren Kreisen üblich. Und für Gorki? Sie war ungewöhnlich intelligent und gebildet. Zudem war sie, wie man das heute nennen würde, sexy, und sie war 24 Jahre jünger als Gorki und seine gleichaltrige Frau. Gorki war überwältigt, denn so eine Frau wie Mura hatte noch nie zu seinem Repertoire gehört. Seine Noch-Frau hatte keine Einwände, denn sie hatte schließlich ihren Pjotr.

       Mit Mura Budberg hatte sich die Tscheka in Gorkis Leben eingenistet. Sie, die Tscheka bzw. ihre Nachfolger, würden dort bis zu Gorkis Tod fest verankert bleiben, wie wir noch sehen werden. Doch zunächst gilt es von einem Ereignis zu berichten, das 1921, kurz vor Gorkis Wiederausreise aus Russland stattfand. Er erhielt Besuch von einem anderen Star der Weltliteratur, von H.G. Wells (1866-1946). Der linkslastige Brite war nach Russland gereist, um sich vom Wunder des Sowjetstaats ein eigenes Bild zu machen. Da lag es nahe, beim gleichgesinnten und zudem gastfreien Gorki Station zu machen. Mura erhielt Order aus Moskau, den Gast zu begleiten, offiziell hieß es: als Dolmetscherin.

Ein Foto, das die drei beieinander zeigt, hat die Zeitläufte überdauert. Es zeigt den verschmitzten, besitzergreifenden Gorki, die etwas tiefer kauernde, erstaunlich jung aussehende Mura und den leicht abwesend wirkenden Wells. Was das Bild beim besten Willen der Interpretation nicht offenbart, ist der Umstand, dass der Engländer und die Russin soeben eine heftige Liaison begonnen hatten, die Gorki bei aller Gastfreundschaft keineswegs gefiel. Vielleicht tröstete er sich damit, dass die Beziehung ohnedies nur einige Tage andauern könnte, bis der Gast wieder weg war, doch da irrte er sich.

       Es wird Gorki bei allem Im-Mittelpunkt-stehen in Russland der Revolution nicht gefallen haben. Zwar tanzte alles, was rot und mächtig war, durch seine Wohnung, aber es kann ihm nicht entgangen sein, dass die Bürger, die nicht zum roten Adel gehörten, hungerten, ihre Wertsachen für ein Stück Brot verkaufen, und die Frauen, deren Männer man erschossen hatte, auch sich selbst. Vielleicht sah er auch nichts davon und sehnte sich nur nach dem ungebundenen Leben in Sorrent zurück, an die Wärme, an die Sonne, an den italienischen Wein.

       Bleibt noch eine Dritte Variante, nämlich dass Mura ihn anstachelte, das Land der Väter zu verlassen. Doch zunächst trennte sich das Paar: Gorki reiste nach Westen, Mura von Petrograd nach Nordost. Ihr Zielland war das frisch aus der Taufe gehobene Estland, dort lag das Gut der Benckendorffs, wo ihre Kinder bei den Großeltern lebten. Den Vater hatten estnische Landarbeiter kurz zuvor erschlagen. Die estnische Regierung sah den Ankömmling ungern und nahm ihn unter Spionageverdacht vorübergehend fest.

Doch Mura, noch hieß sie offiziell Benckendorff, gelang ein Handstreich der bizarren Art. Sie heiratete Knall auf Fall einen anderen baltendeutschen Adligen und bis vorgestern noch zaristisch-russischen Offizier. Ich vermute, es ist dieser hier: Baron Nikolaj Antoljewitsch Budberg (1894-1971). Die Ehe hielt ein paar Tage – verrückt, aber wahr. Sie brachte ihr einen neuen Pass mit einem neuen Namen. Den neuen Namen behielt sie ihr Leben lang, und mit dem reiste sie im Frühjahr 1922 aus Estland aus. Ich nehme an per Schiff, denn sie traf auf Gorki im Ostseebad Heringsdorf, von wo das Paar, wie deutsche Polizeiakten wissen, nach Bad Saarow weiterreiste.

       Nun zurück zur Hauptperson: Nach Gorkis Wiederausreise 1921 endete seine Bedeutung für den Bolschewismus keineswegs. Ganz im Gegenteil. Vielmehr blieb er der Halbgott und ließ es sich, wie ich vermute, gerne gefallen. Von den Gründen muss jetzt die Rede sein.

Vier

Warum Gorki?

Es ist nicht ganz einfach, dem Erfolg von Maxim Gorki auf die Spur zu kommen. Es handelt sich nach meiner Einschätzung um ein ganzes Bündel von Gründen. Vorweg: Ich habe nicht vor, hier den Literaturkritiker zu spielen, die Deutsch- und Russischlehrer unter meinen ein oder zwei Lesern mögen sich also entspannt zurücklehnen. Zu Gorkis Können also kein Wort. Doch Erfolg ist nicht nur vom Können abhängig. Im Falle Gorkis muss man einen Blick auf sein Publikum und auf seine, Gorkis, Macher richten.

       Die Wirkung von Gorki im Deutschland der 1920er Jahre auf alles, was links und edel war, muss eine ungeheure gewesen sein. Mein Maßstab für diese Aussage sind die Werke aus der weiblichen Memoirenliteratur, die ohne Gorki nicht auskommen. Kein gesellschaftlicher Anlass, kein politischer Kongress ohne Gorki, wenigstens ein Zitat, besser noch ein Grußwort und am allerbesten seine Anwesenheit. Was also machte den Zauber dieses Mannes aus? Er hatte etwas zu bieten, was all diese vom Proletariat und seiner Herrschaft Berauschten nur als theoretische Hoffnung kannten: einmal ein echter Proletarier sein, ein Prolet gar. Da war er der Einzige weit und breit. Das ist meiner Meinung nach das Hauptmotiv für die hiesige Vergötterung.

       Warum er ausgerechnet auf Frauen so unwiderstehlichen Reiz ausübte? Ich weiß es beim besten Willen nicht zu sagen. Weiß auch über dessen Umgangsformen nichts. Dass es die eines auf Prolet getrimmten Salonbolschewiken waren, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Es war vielleicht – man sehe mir den hässlichen Vergleich nach – der selbe Reiz wie ihn ein bestimmter vulgärer draller Frauentypus auf manche Männer ausübt, die sonst von intellektuellen Frauen umringt werden.

       Mag alles sein, doch jetzt kommt die Hauptsache: Jeder Erfolg braucht seine Sponsoren. Im Falle von Gorki ist es seit der Oktoberrevolution die Regierung von Sowjetrussland, der späteren Sowjetunion. Das mag, solange Gorki bis 1921 in Russland ist, als eine Art Selbstläufer durchgehen. Aber danach, als er 1921 Russland mit durchaus diffusen Gedanken den Rücken gekehrt hatte? Jetzt wird die Sache interessant. Ich spreche von der Operation Gorki. Sie hieß im Geheimdienst-Russisch nicht wirklich so. Ich selbst habe sie zur Illustration so bezeichnet, weil ich die zugrundeliegende Fall-Akte noch nicht entdeckt habe.

Fünf

Wem kann man ein X für ein U vormachen, und wie macht man es?

Besondern Wert legten die sowjetischen Unterwanderungsspezialisten auf die Erringung der kulturellen Hegemonie. Mit anderen Worten: Sie wollten, dass ihre Zielpersonen die Sowjetunion liebten und bewunderten, und, jetzt kommt’s, dies auch mit dem Ziel der Nachahmung zum Ausdruck brachten. Die zugehörige Beeinflussung geschah stets zweigliedrig: teils durch plumpe Propaganda, zum Teil durch das Einspannen von Kultur-Prominenz vor den Karren des Sozialismus sowjetisch-russischer Bauart.

       Fürs deutsche Publikum, genauer gesagt: für dessen links-intellektuelle Schickeria,  wurde 1923 zu diesem Zweck ein spezieller Beeinflussungs-Apparat geschaffen: der Verlag Das Buch, später etwas bekannter unter dem Namen Das internationale Buch. Der Chef dieses frisch gegründeten Unternehmens, das zunächst bei der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin mehr oder weniger heimlich unterkroch, war ein Bekannter von uns aus Petrograd: Peter Petrowitsch Krjuschkow. Der war dort bis dahin, wie wir schon hörten, der Liebhaber von Gorkis Frau, Maria Andrejewa und der Leiter des von Gorki 1918 in seiner Wohnung gegründeten Verlags für internationale Literatur. Krjutschkow sprach das Deutsche fließend, denn die Mutter war eine Baltendeutsche aus – wie man so sagte – gutem Hause und der Vater ein russischer Staatsrat, mithin ein Mann des russischen politischen und kulturellen Establishments.

       Der von Krjutschkow in Berlin geleitete Verlag wurde zum Dreh- und Angelpunkt der Deutschland-Beeinflussung, deren Zielpersonen deutsche Intellektuelle und über diesen Treibriemen die breite Öffentlichkeit wurden. Krjutschkow hatte im krisengeschüttelten Deutschland ein starkes Argument bei der Hand: eine mit Dollar-Devisen gefüllte Kasse. Es entbehrt nicht der Komik, dass einer der Geldkuriere, die zwischen Moskau und Berlin verkehrten, der Schriftsteller Maxim Gorki war, denn den Weltstar würde an den Grenzen niemand genau kontrollieren. Wir lesen mit Behagen, wie sich solche Übergabetreffs in Berlin abspielten. Immer im selben Café, Gorki immer schlechtgelaunt und vor Entgegennahme der Quittung akribisch das Geld mehrfach nachzählend. So hat es eine später erzählt, die, wie man beim Dienst so sagt, solche Treffs abzusichern hatte.

Sechs

In eurem Bunde der Dritte

Mit Gorkis Absetzbewegung aus Sowjetrussland im Jahre 1921 begann die zweite Operation Gorki der jungen sowjetischen Geheimpolizei Tscheka, später GPU, OGPU, NKWD. Es war einer der leitenden Funktionäre, der die Sache Gorki zu seiner eigenen gemacht hatte und der damit, sicher ohne es zu ahnen, sein eigenes Schicksal an das des Schriftstellers band.

       Die Rede ist vom Genrich Jagoda (1891-1938). Der ehemalige jugendliche Anarcho-Kommunist war seit 1917 Mitglied der Bolschewiki und ab 1920 bei der Tscheka. Er stieg dort steil auf, war seit 1923 Erster stellvertretender Leiter der in GPU/OGPU umgetauften Behörde und schließlich ab dem 10. Juni 1934 Leiter der erneut, diesmal in NKWD umbenannten Staatssicherheits-Behörde. Ab dem 26.November 1935 trug er den schmückenden Titel eines Generalkommissars der Staatssicherheit.

       Jagoda entwickelte frühzeitig einen glasklaren Plan zum Schutze der Sowjetherrschaft. Hierzu gehörte es, Russland-Flüchtlinge zu System-Bekennern umzudrehen. Die Notwendigkeit hierfür entsprang der Tatsache, dass Hunderttausende, die Russland nach der Revolution und im Bürgerkrieg fluchtartig den Rücken kehrten, über die Sowjet-Herrschaft nichts Gutes zu berichten wussten. Vor allem die Aussagen über Massenerschießungen, Enteignungen, Massenelend, Seuchen und Hungersnöte wirkten nicht eben anziehend. So kam es darauf an, wenigstens die eine oder andere Gegenstimme von einigem Gewicht zu gewinnen, besonders wenn sie im westlichen Ausland zu hören und der Sprecher prominent und scheinbar unpolitisch war. Es nimmt also nicht wunder, dass die Tscheka-GPU bei Gorki ansetzte.

       Der Mann, der jetzt sein Meisterstück zu erbringen hatte, war der soeben bereits ins Bild getretene Neubolschewik Peter Krjutschkow. Er war ein Freund Gorkis. Dass er dessen Frau quasi geerbt hatte, tat dem Verhältnis der beiden keinen Abbruch. Zudem saß Krjutschkow in Berlin genau an der richtigen Stelle, um den Schriftsteller zu umgarnen. Er hatte das Geld und schuf die Verbindungen, damit Gorkis Geschäfte auch fürderhin blühen konnten. Krjutschkow tat, was er konnte, und das war wirklich enorm. Ich bezweifle, dass Gorki ahnte, was mit dem Geld passierte, dass er im Auftrag der Komintern heimlich in bar von Moskau nach Berlin transportierte. Auch zweifle ich, ob er eins und eins zusammenzählte, wenn er all die prächtigen Einladungen und Publikationsaufträge erhielt und annahm, um mündlich oder gedruckt vom Ruhme Moskaus vor den Ohren naiver Intellektueller zu künden. Er tat’s und nicht zu seinem Nachteil.

Sieben

Finale in Moskau

Im Jahre 1928 gelang es Krjutschkow, seinen angeblichen Freund Gorki nach Russland zurück zu locken. In Moskau würde er alles haben, was er zum Leben und Dichten brauchte, einschließlich einer Villa mit dem nötigem Personal und einem erstklassigen Sekretär, nämlich ihm selbst. Es hat nicht an Warnungen gefehlt, Gorki solle sich auf die Einflüsterungen von Krjutschkow nicht einlassen. So vom polnisch-stämmigen Alt-Bolschewiken und Lenin-Vertrauten Mieczyslaw Kozłowski (1867-1927). Dem erteilte Gorki eine rüde Abfuhr, indem er dem vorgeblichen Freund Krjutschkow eine makellose Gesinnung attestierte und zu dem Warner jeglichen Kontakt abbrach. Dass dieser kurz drauf im Alter von 60 Jahren plötzlich und unerwartet starb, will ich zumindest erwähnt haben.

       Es ist nicht glaubwürdig überliefert, was genau den Rückholplan auslöste, noch warum Gorki hierauf einging. Zwei Antworten erscheinen mir möglich. Der mittlerweile – nach der Austreibung seines Erzrivalen Trotzki – nahezu fest im Sattel sitzende Stalin, wollte durch den prominenten Gorki im Ausland kein unnützes Risiko mit einem unabhängigen Geist und potenziellen Trotzki-Unterstützer eingehen, sondern den Mann räumlich und körperlich unter Kontrolle bringen. Und dieser ging darauf ein, weil er als Sechzigjähriger das Wanderleben satt hatte.

       Gorki wird sich allerdings kaum vorgestellt haben, dass das Moskauer Domizil ein Leben im Goldenen Käfig werden würde. Denn genau das wurde es. Gorki war dicht von Mitarbeitern der Geheimpolizei umstellt, die seinen Besucher- und Postverkehr streng überwachten. Und schlimmer noch: Der Hauptüberwachungs- und Lenkungs-Spitzel an seiner Seite war sein angeblicher Freund Krjutschkow. Der wohnte mit Familie auf dem Gorki-Anwesen. Aus seinem Arbeitszimmer führte ein direkter Telefondraht zum Leiter der Staatssicherheit. Von Zeit zu Zeit wurde er zudem von Stalin vorgeladen, der sich unter vier Augen Bericht erstatten ließ.

       Ein Bild aus diesen Tagen zeigt Gorki Seit an Seit mit Krjutschkow und mit dessen Vorgesetzten, dem damals noch stellvertretenden Chef der Geheimpolizei Genrich Jagoda. Als die Aufnahme 1933 entstand, waren die Tage der angeblichen Freunde gezählt.

Auch nach seiner Ernennung zum Generalkommissar des NKWD blieb Genrich Jagoda dicht an Gorkis Seite. Ein ziemlich finsteres Foto zeigt die beiden im Jahre 1935. Es erweckt nicht den Eindruck, als sei dem Dichter diese Begleitung angenehm. Aber wir wollen die Szene nicht überinterpretieren. Das nächste sichere Datum ist der 18. Juni 1936. Das ist Gorkis Todestag. Drei Monate später wurde Jagoda als Chef der Staatssicherheit abgesetzt – einfach so.

Nach Gorki Tod wollten die Gerüchte nicht verstummen, dass der Mann ermordet worden sei. Zuzutrauen wäre es den uns bekannten Beteiligten allemal. Dass in einem solchen Fall der Befehl von Stalin kam, halte ich für sicher. Sein Motiv: Gorkis Villa war in Moskau ein gesuchter Treffpunkt der sowjetischen Kulturniki.

       Auch Chef Stalin lenkte nur zu gerne seine Schritte dorthin, um sich in angeblich zwangloser Umgebung als Kunst-Mäzen ein bisschen feiern zu lassen. Doch nur ein einziger gab sich, wenn Stalin anwesend war, zwanglos. Das war Gorki. Bei solchen Gelegenheiten soll er sich in einer Weise geäußert haben, dass die übrigen anwesenden Kultur-Schranzen sich am liebsten in Mauselöcher verkrochen hätten. Stalin war nicht der Mann, derartige Insubordinationen hinzunehmen. So einfach erklärt sich die Sache, falls Gorki tatsächlich einer Mörderhand zum Oper fiel. Wie auch immer: Für die Leichtgläubigen gab’s ein prunkvolles Gorki-Begängnis.

       Für Jagoda und Krjutschkow galten andere Maßstäbe: Beide starben am 15. März 1938, hinterrücks erschossen auf dem Truppenübungsplatz Butowo bei Moskau. Auf diese Weise wurden sie als angebliche Verschwörer nach dem 3. Moskauer Schauprozess hingerichtet, devot beklatscht von den Kräften des Fortschritts in Ost und West.

Zurück zum Start: Die ganze hier erzählte Geschichte hätte so nicht stattfinden können, wenn sie nicht von der Schauspielerin Maria Andrejewa eingefädelt und befördert worden wäre. Was wurde aus ihr? Sie starb – es wird gesagt: völlig verarmt – 1953 in Moskau. Mura Budberg erging es entschieden besser: Nachdem Gorki nicht mehr aus Russland raus durfte, trennte sie sich 1933 endgültig von ihm und zog nach London – ins Nachbarhaus von H.G. Wells, der ihr 1946 bei seinem Tode ein beträchtliches Vermögen hinterließ. Sie starb 1974 in Italien.

Der erste Resident in Berlin: Wladimir Bustrem

Wie man einen Staat destabilisiert – und wie nicht

Im folgenden Text schildere ich ein paar Gedanken über das Jahr 1923. Gewiss, das liegt hundert Jahre zurück. Es geht speziell um das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland. Ob etwas Vergleichbares auch heute stattfindet, überlasse ich der Phantasie des Betrachters.

Eins

Deutschland als Stolperstein auf dem Weg zur Weltherrschaft

An diesem Deutschland, dass 1918 mit Pauken und Trompeten den Weltkrieg verloren hatte, rieben sich ab dem Beginn der 1920er Jahre eine Reihe von Leuten, die sich auf dem Weg zur Weltherrschaft wähnten. Für den russischen Führer Wladimir Uljanow, der gerade eben unter seinem Kriegsnamen Lenin in einem gewaltsamen Staatsstreich in Russland die Macht an sich gerissen hatte, war es sonnenklar: Der Weg zur Weltrevolution führt über Deutschland. Erst dessen Unterwerfung würde den Sieg bedeuten.

       Heute wundert man sich, dass ein Machtzentrum wie das in Moskau, das durchaus noch nicht gefestigt war, sondern immer noch durch einen Bürgerkrieg und durch Kriege mit seinen Anrainern zu gehen hatte, nichts Dringlicheres zu tun hatte, als solche, nicht gerade naheliegende Ziele wie die Unterwerfung Deutschlands anzustreben. Und doch war es so.

       Der erste einschlägige Schritt wurde im Sommer 1918 getan. Noch war der Weltkrieg nicht zu Ende, und keineswegs war ausgemacht, wer denn da letztlich siegen werde, als die Sowjets, kaum hatten sie nach dem Waffenstillstand von Brest-Litowsk mit dem Reich diplomatische Beziehungen installiert, ihre Gesandtschaft in Berlin rücksichtslos nutzten, um deutsches Umsturzpersonal mit Waffen und Propaganda-Material auszustaffieren. Die Gelegenheit schien günstig. In Berlin wurde gehungert und der nur mühsam unterdrückte Munitionsarbeiter-Streik vom Januar 1918 lud zu den schönsten Hoffnungen ein.

Die Rechnung war ohne den deutschen Wirt gemacht, in diesem Fall waren es die politische Polizei Preußens und die kaiserlichen Beamten des Auswärtigen Amtes. Die stellten den sowjetischen Funktionären eine Falle am Bahnhof Friedrichstraße, indem sie mit handverlesenen Gepäckträgern behilflich waren, um die per Bahn ankommenden diplomatischen Transport-Kisten holterdiepolter die Treppen herabstürzen zu lassen, so dass sie aufplatzen und sich ihr verborgener Inhalt für jedermann sichtbar auf dem Vorplatz verteilte.

       Die deutschen Spitzendiplomaten benötigten keinen ganzen Tag, um die Botschaft mit dem gesamten Personal des Landes zu verweisen. Einen Tag später gab es keine kaiserliche Regierung mehr, denn man schrieb den 9. November 1918. Doch zwei Dinge mochten trotzdem partout nicht klappen: Eine Rückkehrgenehmigung für die an der Reichsgrenze ungeduldig wartenden Sowjet-Revolutionäre und ein bolschewistischer Aufstand aus eigener Kraft. Beidem stand der Sozialdemokrat Friedrich Ebert im Wege, der die Macht im Reich soeben aus den Händen des letzten kaiserlichen Reichskanzlers geerbt und das Erbe angenommen hatte.

       Über diese Vorgänge ist schon viel Papier beschrieben worden. Heutige fortschrittliche Geschichtsinterpreten wissen genau, dass Ebert die deutsche November-Revolution verraten habe. Man kann das auch ganz anders sehen. Und tut gut daran.

Zwei

Zweiter Anlauf, in Deutschland einen kommunistischen Umsturz herbeizuführen

Als sich der Pulverdampf der ersten beiden Nachkriegsjahre etwas gelegt hatte, zeigte es sich, dass die wilden Anläufe, in Deutschland die Weltrevolution einzuführen, gescheitert waren. Die Hoffnungsträger und Frontfiguren, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, waren frühzeitig aus ihren Verstecken gezerrt und ermordet worden. Ein Verräter hatte sie verpfiffen. Der Wahrscheinlichste in einer Reihe von Möglichen heißt für mich Wilhelm Pieck.

Auch die kommunistische Boheme-Revolution in München an der Jahreswende 1918/19 war grausam zusammengeschossen worden, und der gut drei Monate andauernde parallele Versuch in Berlin endete vor Exekutionskommandos, die niemand hierzu beauftragt hatte. Nicht anders ging es 1920/21 im Ruhrgebiet, in Halle und im Mansfelder Land zu.

       Das Häuflein der schließlich Übriggebliebenen stritt über den rechten Weg und spähte tiefsinnig in die Zukunft, ob sich nicht der revolutionäre Moment am Horizont der Ereignisse zeigen mochte. In Moskau sah man die Dinge anders. Wenn denn die deutschen Genossen aus eigener Kraft nichts bewirken konnten, so würde man ihnen Beine machen müssen. Heraus kam eine zweigliedrige Strategie. Man kann es auch so ausdrücken: Da man sich im Generalstab der Weltrevolution, der Komintern, nicht einig werden konnte, was man mit Deutschland zu machen habe, fuhr man einen Sowohl-als-auch-Angriff. Einerseits wurde versucht, ein ebenso stabiles wie heimliches Einflussnahme-Bein in dem real existierenden deutschen Entscheidungsapparat zu installieren, andererseits nicht auf einen Putsch à la russischer Oktoberrevolution zu verzichten.

       In dem vor dem Leser liegenden Aufsatz werde ich nun ausschließlich über den erstgenannten Weg berichten, den zweiten – die Vorbereitung des Deutschen Oktober – verschiebe ich auf den November, auf dessen 100. Jahrestag.

Drei

Beseitigung der Kriegsfolgenprobleme

Der Weg, mit dem Deutschen Reich nach dem Abbruch der Beziehungen im November 1918 wieder ins Geschäft zu kommen, führte über praktische Fragen des Alltags, die nach einer Regelung riefen. Dies waren wechselseitige Vermögensfragen und der leidige Austausch von Kriegsgefangenen und aller sonstwie nicht ins eigene Lager gehörigen Personen. So fing es an.

       Dann kam der Paukenschlag von Rapallo. Das war im April 1922. Die beiden Außenminister der Außenseiter-Staaten, Walther Rathenau und Georgij Tschitscherin, beschlossen zum Schrecken der sog. Weltgemeinschaft, ohne lange zu fragen, aus der von den Weltmächten des Westens auferlegten Isolierung herauszutreten. Sie befreiten sich so zum gegenseitigen Vorteil. Sowjetrussland und Deutschland  regelten mit einem Handstreich die Lösung der wechselseitigen Probleme der Kriegsfolgen, verzichteten in diesem Zusammenhang auf Reparationen und vereinbarten die sofortige Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen.

Wie vereinbart, so getan. In Moskau und in Berlin öffneten wieder die jeweiligen Botschaften, Handelsvertretungen traten hinzu und – unter der nicht allgemein zu bemerkenden Oberfläche – lief die militärische Zusammenarbeit beider Statten zu gegenseitigem Nutzen an. Russlands Rote Armee erhielt taktisch-strategische Aufbauhilfe und die Reichswehr Übungsgebiete für die vom Versailler Diktat verbotenen Waffen (Panzer, Flugzeuge, Giftgasmunition).

       Höchst einseitig hingegen verlief ein weiterer Zweig dieser Annäherung. Das war die Installierung eines ausgeprägten sowjetischen Agenten-Apparats zum Zwecke der Ausspähung, der Zersetzung und der Beeinflussung des Deutschen Reiches. Dieser Apparat bekam alsbald ein solides Standbein: Die sowjetische, einst: russische, Botschaft unter den Linden. Die Geheimdienstler, die man dort unter diplomatischer Legende akkreditierte, bildeten – so die sowjetische Diktion – eine Legalresidentur. Davon soll nun die Rede sein. Der Dreh- und Angelpunkt dieser geheimdienstlichen Unterwanderung würde der Resident sein. Es wurde ein Mann namens Wladimir Bustrem.

Vier

Revoluzzer im bürgerlichen Habit

Bustrem hieß wirklich so: Wladimir Wladimirowitsch Bustrem. Ich betone dies, weil er jahrelang anders hieß, nämlich Alexander Wassiljewitsch Loginow. Den Namen Loginow hatte er sich 1906 selbst gegeben, als er Mitglied der Militärorganisation der russischen Sozialisten wurde, jenes verschwindend kleinen Häufleins von Desperados, die sich den politischen Mord auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Wenn in jenen Kreisen von einem Andrej die Rede war, dann war es dieser Mann hier. Ich vermute, dass Bustrems spätere Angaben wenigstens insofern falsch sind, als die Militärorganisation nicht wie behauptet zur SDAPR, also zu den russischen Sozialdemokraten, sondern zum militanten Teil der Partei der Sozialrevolutionäre gehörte. Für uns heute ist das nahezu ohne Belang. Für die Betroffenen war das damals anders, denn Stalin ließ jene Konkurrenz-Sozialisten samt und sonders Ende der 1930er Jahre bei der Großen Säuberung über die Klinge springen – und nicht nur die.

Unserm Helden Bustrem war seine spätere Gewalttäter-Laufbahn nicht an der Wiege gesungen worden, denn er kam als Sohn eines deutschstämmigen Försters (vermutlich ursprünglich: Buström) 1883 in einem Ort namens Kem im Weißmeer-Gebiet von Archangelsk, genauer gesagt: von der gleichnamigen Hafenstadt rund 700 km nordwestlich gelegen, zur Welt. Nach dem frühen Tod des Vaters geriet er auf Abwege. Dass er trotzdem wenigstens zunächst eine ordentliche Schulausbildung erhielt, die ihn den spielerischen Umgang mit mehreren Sprachen lehrte, wirkt im Nachhinein wie ein Wunder.

       Bis er 1908 in Gefängnishaft und Verbannung geriet, hatte er einen weiten Weg durch das nördliche russische Reichsgebiet, Petersburg, das Baltikum und Finnland hinter sich gebracht. Was er in der wilden Zeit im Einzelnen tat, vermag ich nicht zu sagen. Erst nach der Februar-Revolution 1917 kam er wieder auf freien Fuß. Da befand er sich erneut in Archangelsk.

       In Haft und Verbannung hatte Bustrem eine für ihn wichtig werdende Verbindung geknüpft, die zu Mejer Trilisser, einem anderen Berufsrevolutionär, der allerdings zu den Bolschewiki gehörte. Dieser holte Bustrem in den soeben unter seiner Leitung ins Leben gerufenen Auslandsdienst (INO) der Tscheka. Als das 1922 passierte, war die berüchtigte Geheimpolizei Tscheka gerade dabei, ihren Namen in GPU, später OGPU zu wechseln. Sonst änderte sich nur wenig. Jetzt brauchte Bustrem nur noch einen Diplomatenpass und eine Fahrkarte nach Berlin, um in der neu eröffneten Botschaft seinen Geschäften nachzugehen.

Fünf

Wie installiert man einen Spionage-Stützpunkt?

Die Lenin‘sche Frage Was-tun-? wird sich Bustrem alsbald gestellt haben, denn über den Zweck seines Aufenthalts kann er keinen Zweifel gehabt haben: die Reichsinstanzen ausspähen, diese nach Möglichkeit beeinflussen, um sie zu destabilisieren, und die russische Emigration, bevorzugt die in Berlin, bekämpfen. Hierzu benötigt man Personen, die – wie man beim Dienst so sagt – über die notwendigen Zugänge verfügen.

       Recht bald muss Bustrem eine in seinem Sinne geniale Idee gefasst haben. Er nahm vor Ort einen Zuträger in Dienst. Es handelte sich hierbei um einen Mann namens Schmidt (Er hieß wirklich so). Dieser betrieb in Berlin seit etwa derselben Zeit eine Detektei. Warum er dies unter dem Namen Pan Kowaltschik tat, das mögen die Götter wissen. Vielleicht hatte er Anlass, die Spuren seiner Vergangenheit zu verwischen. Denn die sah so aus: Schmidt kam als Sohn deutscher Siedler in der Ukraine 1878 zur Welt, erhielt eine landwirtschaftliche Ausbildung in Kiew, Danzig und Brüssel, was ihn offenbar zum Betrieb einer Mühle und einer Molkerei befähigte, bevor dann 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, sodass er als deutschstämmiger, also feindlicher Untertan nach Odessa deportiert und dort interniert wurde.

       Nach der Februar-Revolution 1917 kam er vermutlich auf freien Fuß. Was er dann und vor allem nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges wo und auf wessen Seite tat, ist unklar. Er tauchte dann 1920 oder 1921 in Warschau auf, wo er vermutlich den polnischen Namen Kowaltschik annahm und beantragte unter Hinweis auf seine Vielsprachigkeit in russisch, polnisch, ukrainisch und deutsch, eine Detektei zu gründen, was die polnischen Behörden ihm verboten. So zog er nach Berlin weiter.

       Schmidt-Kowaltschik war nicht der einzige Nachrichtenhändler, der in Berlin sein Unwesen trieb, indem er Behörden, insbesondere der Polizei, und ausländischen Vertretungen seine Dienste nebst fragwürdigen Informationen anbot. Seine Zugänge in die Polizei müssen recht gut gewesen sein. Hier sattelte Bustrem auf. Dass Kowaltschik seinen Spionagegeschäften, nunmehr im Auftrag der Sowjets, nachging, fiel nicht weiter auf, denn diese Ausspähung-Profession übte er ja ohnedies aus.  So wurde es seine gutbezahlte Aufgabe, künftige Spione zu tippen und auf ihre Brauchbarkeit abzuklären. Wichtiger Job und guter Verdienst. Beide Seiten waren es zufrieden. Es dürfte in den kommenden Jahren bis Ende der 1930er Jahre kaum einen Sowjetagenten der Berliner Residentur gegeben haben, der nicht durch Kowaltschiks Hände  gegangen war. Das war ein munteres Häuflein von Polizisten, Diplomaten, Diplomatenfrauen und jene Riege von Landesverrätern, die von der Gestapo Jahre später unter dem Sammelnamen der Roten Kapelle zusammengefasst wurde.

       Eine solche Spinne im Netz birgt auch stets ein Risiko, denn sie weiß viel, zuweilen zu viel. Als Schmidt-Kowaltschik im Januar 1935, also bereits nach über einem Dutzend Jahren der einschlägigen Tätigkeit, von der Gestapo hochgenommen wurde, konnte er sich damit rausreden, dass er im konkreten Fall seinen Auftraggeber, einen Menschen namens Schröder, nicht persönlich kenne. Man nahm ihm das ab und ließ ihn nach einem Monat wieder laufen. In der Berliner Residentur hatte man die Luft angehalten, doch die Sache ging gut, denn Kowaltschik hielt tatsächlich dicht. Was wäre der für eine unbezahlbare Quelle gewesen.

       Nach dem Beginn der deutsch-sowjetischen Krieges im Juni 1941 riss die Verbindung ab. Sie soll im Juni 1945 wieder aufgenommen worden sein. Weiteres ist nicht bekannt.

       Doch zurück zu Bustrem, dem Residenten. Der wurde 1925 in die Zentrale nach Moskau zurückgerufen und durch andere ersetzt, die das eingeübte Spiel mit Fleiß weiterspielten. Ihre Lebensläufe würden jeden gut erfundenen Spionageroman sprengen. Ich habe nicht vor, sie hier im einzelnen auszuwalzen. Einer nach dem anderen musste dann wieder nach Moskau zurück, um dort auf Weisung von Stalin erschossen zu werden, der auf diese Weise seine Spionagemacke auslebte. Nur Bustrem kam mit dem Leben davon. Vielleicht lag es daran, dass er 1930 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Geheimdienst ausschied und in Deckung gegangen war – in irgend einem Forschungsinstitut des Nordens, was zur Komintern gehörte. 1943 soll er eines natürlichen Todes gestorben sein.

* * *

Dies alles geschah, um dem Deutschen Reich zu schaden und seine soeben ausgerufene Demokratie zu stürzen. Ich befinde mich deswegen um Meilen von jeglichem nostalgischen Spionage-Kitsch entfernt. Die Personen, die hier geschildert wurden, haben eine lange blutige Spur durch Deutschland gezogen. Ihr Antrieb war ideologische Verblendung. Aber einen sozialistischen Umsturz erzeugten sie mit all den Dutzenden von Landesverrätern, die sich den Sowjets angedient hatten, nicht – ganz im Gegenteil.      

Es gelang der kommunistische Umsturz auch nicht, als im selben Jahr 1923 das Deutsche Reich mit dem sowjet-gesteuerten Unternehmen Deutscher Oktober angegriffen wurde. Davon wird dann im November zu lesen sein.

Wera Gutschkowa

Dies ist eine Männerwelt – Frauen im Geheimdienst, zum Beispiel Wera Gutschkowa

Die Heldin dieser Geschichte, Wera Alexandrowna Gutschkowa (Вера Александровна Гучкова) kam im März 1906 in Moskau zur Welt. Der Vater, Alexander Gutschkow, war im Zarenreich ein wohlhabender, einflussreicher Mann. Alles sprach dafür, dass Tochter Wera ein sorgloses Dasein an der Sonnenseite des Lebens beschieden sein würde. Es kam anders.

       Doch zunächst lief alles glatt, denn im Geburtsjahr des Kindes, ging die kurzlebige gewaltsame Revolution des Jahres 1905/06 in Sankt Petersburg zu Ende. Die Reichen der heimlichen Hauptstadt Moskau richteten sich wieder in ihrem gewohnten Geschäftemachen und im behaglichen Wohlleben ein. Indes: der Friede hielt nur noch magere acht Jahre, dann begann der Erste Weltkrieg, der für Russland einen verheerenden Verlauf nahm.

       Spätestens Ende 1916 war den etwas klarer Blickenden klar, dass ein Weiterkämpfen in eine totale militärische Niederlage einmünden könnte. Eine solche Niederlage, das wussten die Gebildeten und Wohlhabenden, würde durchaus auch ihren eigenen Stand demolieren. Die Schuld an diesem Desaster gab man nur zu gerne dem Zaren und seiner Autokraten-Herrschaft, die nicht mehr reformierbar erschien.

       Mit an der Spitze der nunmehr aus der Deckung tretenden großbürgerlichen Rebellen stand Alexander Gutschkow. Er und seine Parteigänger führten mit nachdrücklicher britischer Hilfe den Sturz des Zaren im Februar 1917 herbei. Dieses politische Abenteuer gelang wegen des Zusammentreffens von zwei ganz unterschiedlichen, und wie sich zeigen sollte: nicht zusammenpassenden politischen Bewegungen, denn neben Gutschkow und den Seinen rebellierten auch die von Agitatoren der Sozialdemokratischen Partei Russlands mit deutscher Finanzhilfe aufgewiegelten Arbeiter in Petrograd (vormals Sankt Petersburg und später Leningrad), die sich mit den Soldaten der dortigen Garnison verbrüderten.

       So kam es in Russland zum Kuriosum einer Doppelherrschaft: auf der einen Seite die von der Duma – dem russischen Parlament – gebildete Vorläufige Regierung, in der Gutschkow vorübergehend zum Kriegsminister avancierte, und auf der anderen Seite die Arbeiter- und Soldatenräte, die Sowjets. Mit einem Militärputsch Anfang November 1917, der alsbald als die Große Sozialistische Oktoberrevolution glorifiziert wurde, entschied der aus dem Untergrund agierende Lenin den Machtkampf für sich und seine Bolschewiki. Sein Motto war einfach und für viele nachvollziehbar: Sofortige Ausstieg aus dem Krieg gegen Deutschland und Verteilung des Landes an das Landproletariat.

       Unter diesen Bedingungen war für Gutschkow in der russischen Führung kein Platz mehr, und bevor in Russland das große Morden gegen die verhasste Ausbeuterklasse begann, floh er mit seiner Familie außer Landes. Fortan lebte er, von vergeblichen Hoffnungen auf eine Rückkehr heimgesucht, wie so viele seiner Schicksalsgenossen in Paris.

       Nun tritt die Tochter Wera ins Bild. Noch keine Zwanzig heiratete sie den wesentlich älteren Pjotr Suwtschinskij. Er, Suwtschinskij, gehörte einer dieser sektenartigen Emigrantenzirkel an, wo man an die russische Sendung in einer asiatisch-europäischen Welt glaubte – eine Denkrichtung, die in den 1990er Jahren in Russland fröhliche Auferstehung feierte. Es versteht sich, dass solch rassen-zentriertes Denken mit den Vorstellungen der tonangebenden Bolschewiki in Moskau nicht harmonieren konnte, denn dort sprach man ungeniert von der kommunistischen Klassenherrschaft, weltweit. Mit dem kommunistischen, für sie neuen Denken kam Wera Gutschkowa alsbald in enge Berührung, denn sie lernte in einem Literaten-Salon, dem der ebenfalls exilierten Dichterin Marina Zwetajewa, zwei Herren kennen, die ihr Leben grundlegend verändern sollten.

       Alle beide – der eine als heimlicher Abgesandter aus Moskau, der andere als Emigrant – waren Mitglieder des Auslandsdienstes der sowjetischen Geheimpolizei, die in jenen 1920er-Jahren OGPU hieß. Die Bemühungen der OGPU, die Emigranten-Zirkel – zumal die in Berlin und in Paris – zu unterwandern und zu zersetzen, waren keineswegs die reine Willkür, sondern aus Sicht der Führung in Moskau überlebensnotwendig, denn wenn ihrer noch keineswegs fest etablierten Herrschaft von irgendwo Gefahr drohte, dann von hier.

       In diesem Milieu wurde die Gutschowa eine erfolgreiche Geheimagentin. Sie warb fleißig weitere Agenten an und infiltrierte – wie man beim Dienst so sagt – die russische Heimkehrerszene, für die es einen von der OGPU gesteuerten Verband gab. Der Zulauf muss beträchtlich gewesen sein, denn die Ärmlichkeit und Hoffnungslosigkeit, in der die meisten ehedem wohlhabenden russischen Emigranten lebten, war Antrieb genug, es noch einmal bei Mütterchen Russland zu versuchen. Hinzu kam, dass grelle Berichte über den Fortschritt des dortigen Arbeiter-Paradises Hoffnungen auf einen erfolgreichen Neustart in der Heimat weckten.

       Unaufgeklärt ist bis zum heutigen Tage, wie vielen der Rückreisenden durch die Agentin und deren Berichte brutal geschadet worden ist. Klar ist lediglich, dass ungezählte Rückwanderer ihren Entschluss bitter bereuten, als sie 1936-39 in die Mühlen der stalinistischen Säuberungen gerieten. Jahrelange Zwangsarbeit in einem Gulag oder der Genickschuss waren die Quittung für die Leichtgläubigkeit, in der alten Heimat willkommen zu sein.

       Für die Agentin Wera galten diese Maßstäbe nicht. Sie wurde 1936 zwar auch nach Moskau beordert, doch nicht um reglementiert werden, ganz im Gegenteil. Sie unterrichtete an einer der Fremdsprachen-Schulen beim jetzt in NKWD umbenannten Geheimdienst. Ich nehme an, dass dies nur eine Parkposition war, denn in Wirklichkeit wurde sie zu einer Agentenehe veranlasst. Ihr Liebesobjekt wurde der schottische Millionärssohn Robert Traill, der sich als glühender Sozialismusverehrer und Journalist zu dieser Zeit in Moskau aufhielt. Die Dame nahm ihren Parteiauftrag recht ernst, denn alsbald muss sie schwanger geworden sein. Viel Zeit blieb dem Paar für die einschlägige Betätigung nicht, denn Traill zog es im Februar 1937 nach Spanien. Im dortigen Bürgerkrieg kam er im Sommer auf der Seite der Guten – wie man es heutzutage formulieren würde – ums Leben.

       Wie dem auch sei, bis es dazu kam, hatte er gut funktioniert, denn die Heirat der Gutschkowa – ihre erste Ehe war bereits vor geraumer Zeit wieder geschieden worden – verschaffte der Agentin einen nagelneuen und dazu auch noch echten britischen Pass, der es ihr ermöglichte, ungehindert in der weiten Welt herumzureisen. Ihr erstes Reiseziel war erneut Frankreich. Dort galt es einen im Absprung befindlichen sowjetischen Spitzenagenten, der als NKWD-Resident in Westeuropa gearbeitet hatte und folglich Ross und Reiter genauestens kannte, aus dem Wege zu räumen. So waren damals die Sitten.

       Der sorgsam ausbaldowerte Mord fand am 4. September 1937 in Genf statt. Das Opfer, der abgesprungene Ex-Agent Ignaz Reiss, Klarname: Ignatij Porezkij, wurde auf die konventionelle Weise erledigt: Ihn töteten die Kugeln aus mehreren Tatwaffen auf offener Straße. Am anschließenden Fluchtgeschehen war die Gutschkowa aktiv beteiligt. Insider vermuteten indessen, dass dies nicht ihr einziger Tatbeitrag gewesen sei. Doch verschiedene Stempel in ihrem britischen Pass verschafften ihr ein Alibi. Deswegen ließ die in Amtshilfe für die schweizerischen Behörden nicht sonderlich engagiert ermittelnde französische Polizei sie wieder laufen.

       Erst zwei Jahre später tritt die Russin erneut in unser Blickfeld. Gleich nach Eintritt der Grande Nation in den Zweiten Weltkrieg sperrte man dortzulande alle Deutschen und Russen als unerwünschte Ausländer in Internierungslager ein. Hinsichtlich der Deutschen versteht man das, denn Frankreich hatte soeben, am 3. September 1939, dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Bei den Russen verhielt es sich nun so, dass man denen den Hitler-Stalin-Pakt vom Vormonat ausgesprochen übel nahm, denn der zerschlug die lange gehegte Hoffnung, Deutschland – wie schon ein viertel Jahrhundert zuvor – erneut einkreisen zu können.

       Die Gutschkowa kam – britischer Pass hin oder her – in eines der Internierungslager, die bereits zu Jahresbeginn 1939 ihren Betrieb aufgenommen hatten, um das Heer der aus dem Spanischen Bürgerkrieg entfliehenden Internationalisten einzusperren. Deren Flucht war geboten, denn die Guten hatten durchaus nicht gesiegt, vielmehr nahm das siegreiche Franco-Regime für die nächsten Jahrzehnte seinen Lauf.

       Nun tritt Bruno von Salomon ins Bild. Er war im selben Lager interniert, kam aus Spanien, wo er ebenso wenig für den Sieg der Volksfront hatte beitragen können, wie all die anderen desillusionierten Gestalten, die weder mit der Weimarer Republik, noch mit den dann an die Macht gelangenden Nationalsozialisten etwas am Hut hatten und froh sein mussten, wenn sie deren Verfolgung entgingen. Heute werden ihnen von den hierzu berufenen Widerstandslisteraten Kränze gefochten. Dabei mag es hier sein Bewenden haben. Eine der Schleifen, die in diesen Kränzen fehlt, ist die Affäre von Salomon und Gutschkowa im französischen KZ. Ich verkneife mir hier das Bild des Wer-mit-wem der Brüder Salomon zu entwerfen. Es wäre ein Abstieg in die politischen Gewalttaten und ein Leben in allen denkbaren Praktiken einer Intellektuellen-Kaste, die das, was später einmal die Sexuelle Revolution genannt wurde, um Jahrzehnte vorwegnahm.

       Doch halt, nicht weiter auf solchem Pfad ins Abseits. Der Russin muss bald klar geworden sein, dass mit diesem lungenkranken Deutschen für ihre Fluchtpläne nichts anzufangen war, deswegen wandte sie ich einem anderen zu, Alexander Halpern (auf russisch: Galpern). Auch er ein ehemaliger Untertan des Zaren, auch er ein Emigrant. Er ging nach der Oktoberrevolution  nach England und wurde dort ein wohlsituierter britischer Staatsbürger. Ganz nebenbei war er mehreren Geheimdiensten dienlich, mindestens dem englischen, dem US-amerikanischen, auch die Gestapo kannte ihn, wenn auch nicht als eigenen V-Mann. In seinem sonstigen Leben war Halpern seit 1925 mit einer weiteren Exilrussin verheiratet. Das Paar führte eine sog. offene Ehe. Heißt zu deutsch: Man delektierte sich daran, wenn der andere fremdging. Gegen eine Liaison mit der Gutschkowa werden also kaum Einwendungen bestanden haben.

       Was genau Halpern in Südfrankreich verloren hatte, wo er die Gutschkowa aufgabelte (oder sie ihn), das verschweigen die Biographen diskret. Suchte er sie gezielt, so kommt wohl nur ein sowjetischer Auftraggeber in Frage. Die Gestapo muss ähnliches vermutet haben, denn sie stellte beide im Frühjahr 1941 in einem nicht gerade genial zu nennenden Eintrag ins Fahndungsbuch für die Sowjetunion: „„A83 Alexandrowna, Vera (?1910-), sowjetische Agentin (Deckname: A. Halperin), Murmansk, RSHA IVE5.“

       In Wirklichkeit reisten beide heimlich über Spanien und Portugal nach England aus. Wieder kommt eine Lücke in Gutschkowas Lebenslauf, über die man nichts genaues sagen kann. Erst 1947 tauchte sie wieder auf, als sie das Buch des sowjetischen Überläufers Wiktor Krawtschenko „Ich wählte die Freiheit“ ins Französische übersetzt hatte. Damit nicht genug: Sie wurde 1949 für eben diesen Krawtschenko als Dolmetscherin in einem Pariser Prozess tätig, als er die französische kommunistisch-orientierte Zeitung Les Lettres françaises verklagte, die ihm Lügen vorwarf. Der Prozess sollte mehr Staub aufwirbeln als das Buch selbst, denn Krawtschenko lud Zeugen auf Zeugen gegen das Moskauer Regime in den Zeugenstand – und gewann. Es war die Zeit, als bei den normalen Linken die Vorstellung von der wunderbaren Sowjetunion im Nebel der Desillusion verschwand.

       Biographen der Gutschkowa behaupten, auch sie selbst habe die große Wende vollzogen und sei auf die im Schwange befindliche, militante antisowjetische Linie eingeschwenkt. Ich habe da, gelinde gesagt, meine Zweifel. Wir befinden uns in den Vierziger-Fünfziger Jahren auf dem Höhepunkt der sowjetischen Bemühungen, die West-Gesellschaften zu zersetzen. Im britischen Establishment arbeiteten Dutzende von Sowjetagenten, die der Upper Class angehörten. Es gibt kaum einen besseren Schutz gegen Enttarnung als das öffentliche Arbeiten für die Gegenseite. Das passt recht gut zusammen mit dem, was danach kam, denn Gutschkowa bot ihre Dolmetscher-Dienste hochrangigen britischen Delegationen an, die amtlich oder geschäftlich in die Sowjetunion reisten. Einspruch von den Russen kam nie.

       1987 ist die Gutschkowa-Suwtschinskaja-Traill dann 81jährig in Cambridge gestorben. Das ist wie eine ironische Schluss-Note. Die härtesten britischen Sowjet-Agenten, die ab den 1930er Jahren gegen ihr Land arbeiteten, erhielten, als sie schließlich Mann um Mann enttarnt wurden, die Sammelbezeichnung Cambridge-Five. Die Zahl fünf ist sicher untertrieben. Solange die Akte der Gutschkowa gesperrt ist, wird man über ihr wahres Gesicht nach dem Zweiten Weltkrieg nichts Genaues sagen können.

Quellen in Auswahl: Dallin: Sowjetspionage, S. 89 f.; Kantorowicz: Exil in Frankreich, S. 86-88 [erwähnt von der Beziehung zwischen Salomon und Gutschkowa kein Wort]; Rogowin: Die Partei der Hingerichteten, Bd. 5, S. 347-349, 561 f.; Roewer u.a.: Lexikon der Geheimdienste im 20. Jahrhundert;  https://ru.wikipedia.org/wiki/Гучкова,_Вера_Александровна; https://international-brigades.org.uk/roll/robert-traill/; Reichssicherheitshauptamt (Hg.): Sonderfahndungsliste SU; https://archiveshub.jisc.ac.uk/search/archives/94972fd4-7cd6-3315-9a97-c4bab00a9967.

Die Nackte auf dem heißen Blech-Dach: Tina Modotti

Einige unzeitgemäße Bemerkungen über eine Ikone

In diesem kurzen Beitrag geht es um linke Ikonographie am Beispiel der Tina Modotti. Sie war eine Fotografin, eine Stummfilm-Darstellerin, ein Modell, eine Komintern-Agentin, und sie ist ein Liebling aller gerecht und billig und feminin Denkenden. Kratzen wir ein wenig an der Fassade:

Eins

Nun wäre ich im Traum nicht darauf gekommen, an Modotti einen Gedanken zu verschwenden, doch der vorbeifahrende Linienbus wollte es anders. Die Erschütterungen, die er in meinem Arbeitszimmer routinemäßig erzeugt, waren diesmal Anlass, dass ein von mir unordentlich aufgeschichteter Bücherstapel umstürzte und das seit langem Auszumusternde, Doppelte oder als offensichtlich idiotisch Wegzuwerfende sich auf dem Fußboden ohne erkennbare Ordnung verteilte. Ich war also genötigt, jedes Buch noch einmal in die Hand zu nehmen. Es waren ziemlich viele.

       Mein Auge blieb, wie man so sagt, an einem roten Sonderangebots-Aufpapper hängen, der auf 1,95 € lautete. Er verunstaltete unentfernbar das Buch Auf den Spuren von Tina Modotti. Ich kann mich nicht entsinnen, es wenigstens durchgeblättert, geschweige denn gelesen zu haben. Der Name der Beschriebenen sagte mir nichts, und schon gar nicht der Name der Autorin Christiane Barckhausen.

       Was nun folgte, könnte man einen Selbsterforschungs-Prozess nennen. Mein Arbeitsrechner meldete, dass ihm Modotti bekannt sei. Der Fundort, nämlich das von mir mitverfasste Lexikon der Geheimdienste, machte mich stutzig. Nun gut, man kann nicht jeden der dort verzeichneten Tausenden von Namen im Kopf haben. Wirklich nicht. Und richtig, der Treffer bezog sich gar nicht auf Modotti selber, sondern auf diesen Mann hier:

Vidali, Vittorio (27.9.1900-1983), italienischer Kommunist, sowjetischer Agent. In den 1920er Jahren als Komintern-Agent in den USA, Ende der 1920er Jahre in Mexiko (Deckname: Enea Sormenti), dort 1930 ausgewiesen. Zurück nach Moskau; von dort aus Spionageaufträge auf dem Balkan und in Mitteleuropa. Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg 1936-39 (Deckname: Carlos Contreras). Dort Arbeit für das NKWD. Ende Juni 1937 Mörder von Andres Nin, den Führer der trotzkistischen POUM im spanischen Bürgerkrieg, den er im Garten des Prado auf Anweisung des NKWD-Residenten Alexander Orlow  (Lew ®Feldbin) erschießt. 1939 Emigration nach Mexiko. Dort mit Naum Ejtingon Leiter des (fehlgeschlagenen) Mordanschlags auf Leo Trotzki in Coyoacán bei Mexiko City am 24.5.1940. Vermutlich 1942 an der Ermordung seiner Lebensgefährtin, der Fotografin und Komintern-Agentin Tina Modotti (1896-5.1.1942), beteiligt. 1947 Rückkehr nach Italien; Politiker unter seinem wirklichen Namen; u.a. 1954-63 kommunistischer Parlamentsabgeordneter, 1963-68 Senator.

Nach solchem Einstieg war die Neugierde geweckt und gedanklichen Abschweifungen vom Arbeitsprogramm des Tages Tor und Tür geöffnet.

Zwei

Die hier portraitierte Modotti stammte – wichtig genug in der kommunistischen Ikonen-Malerei – aus der italienischen Arbeiterschaft, also der richtigen, der Vater war Arbeiter, die Mutter Hausfrau. Wann und wie sich die Tochter, die in Wirklichkeit gar nicht Tina hieß, aus diesem Milieu löste, habe ich nirgends glaubhaft beschrieben gefunden. Ist auch letztlich ohne Bedeutung.

       Sie tritt Anfang der 1920er Jahre aus der Anonymität heraus, als sie nach erfolgter Auswanderung der Familie nach Kalifornien wenig bis gar nicht bekleidet in Stummfilmen auftritt und als Modell bekannter Maler und Fotografen dient. Jetzt im Nachhinein ist es unklar, ob dieses Heraustreten aus der Masse schon damals so gesehen wurde, oder ob es sich hier um Memoiren-Redseligkeit und späteren Recherche-Fleiß handelt, denen wir solche Lebensweg-Daten verdanken. Irgendwann in diesen Tagen muss sie in den USA den französischen Adligen Roubaix de l’Abrie Richey geheiratet haben, von dem ich gelesen habe, dass er sie alsbald zur Witwe machte.

       Wie auch immer, der eigentliche Durchbruch erfolgte nach ihrer Ausreise nach Mexiko, wo sie mit dem amerikanischen Fotografen Edward Weston zusammenlebte, der sie gründlich in die Kunst mit der Kamera einführte. Nachdem sich der Geliebte Ende 1925 in die USA absetzt, macht sie alleine weiter, hat mit ersten Fotos Erfolg und etabliert sich in der linken Künstlerschickeria um Diego Rivera in Mexico-City.

       Die Verbindung zur Komintern, der in Moskau ansässigen Zentrale der Weltrevolution, schafft deren Mexiko-Resident Arnold Waag, den sie vermutlich unter dessen Decknamen Stirner kennenlernt. Nachdem dieser Weg eröffnet ist, tritt ein neuer Mann in Modottis Lebensbahn ein. Sie fotografiert ihn, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es hätte jeden Gangster-Film aus Hollywood schmücken können. Der Mann ist tatsächlich ein Gangster. Es ist der Komintern- und spätere NKWD-Agent Enea Sormenti, in Wirklichkeit der Italiener Vittorio Vidali – ein Auftragsmörder.

       Von nun an ist nicht mehr trennscharf zu unterscheiden, ob ihr die Verbindung zu den Sowjets bei der Arbeit nutzt, oder ob es diesen nutzt, dass sie ein etabliertes Mitglied der mit Stalins Russland sympathisierenden Kunstszene ist. 1930 wird dieses Doppelleben unterbrochen, denn der mexikanische Staat weist Modotti wg. unterstellter terroristischer Umtriebe aus. Zufall oder auch nicht: Mit dem selben holländischen Dampfer muss auch Komintern-Mann Vidali das Land Richtung Europa verlassen.

(Als die Arbeiter Illustrierte Zeitung (AIZ) zum 1. Mai 1931 mit dem Frontcover des bereits Jahre alten Modotti-Fotos einer Fahnenträgerin aus Mexiko erscheint, ist die Fotografin in Moskau angekommen. Fortan gibt es keine Fotografien mehr von ihr, denn sie ist Untergrundkämpferin für die Sache des Kommunismus geworden. Sie reist fortan mit Decknamen und Falsch-Papieren in Europa herum, um schließlich wieder in Mexiko zu landen, wo sie 45jährig stirbt.)

Drei

Der Rest ihres Lebens ist schnell erzählt, weil es im Grunde die weißen Flecken sind, die ihren Weg markieren. Von Mexiko geht die Reise via Deutschland nach Moskau, wo sie fortan als Mitarbeiterin der Komintern beschäftigt wird. Dieser Generalstab der Weltrevolution sendet die Vielsprachige (italienisch, deutsch, englisch, spanisch und vermutlich französisch) als Kurier und Organisatorin in sein Westeuropäisches Büro in Paris. Fortan heißt sie Maria. Dann, nach sechs Jahren kommt das nächste große Abenteuer, der Spanische Bürgerkrieg (1936-39).

       Als sie dem Chaos am Ende dieses Kriegsgeschehens schließlich über Frankreich entkommt, hat sie eine wüste Karriere an der Seite ihres Lebensgefährten Vittorio Vidali hinter sich. Dieser NKWD-Agent betätigte sich auf Geheiß seiner sowjetischen Vorleute als Auftragskiller. Seine Zielpersonen sind linke Abweichler, an denen in Spanien kein Mangel war. Zu Vidalis Opfern zählte Andres Nin, der Führer der spanischen Anarchisten. Für solche Leute war in Moskaus Lesart des Sozialismus kein Platz. So sorgte man, wenn auch auf Umwegen, zum Sieg der Franco-Partei, allem Geschwafel von der internationalen Solidarität zum Trotz. Ich erwähne diesen Umstand, weil bei der Lektüre der reichhaltigen sozialistischen Erbauungsliteratur über den Spanischen Bürgerkrieg stets der unzutreffende Eindruck erzeugt wird, das sog. Gute habe gesiegt, während in Wirklichkeit das Gegenteil zutraf – Francos Diktatur ging als Sieger in die Geschichte ein.

       Ob Modotti beim Leute-Umlegen behilflich war, vermag ich nicht zu sagen. Ihre Biografen halten diese Sache nicht für erwähnenswert. Indessen: Dass sie vom Tun ihres Lebensgefährten nichts mitbekam, schließe ich aus, und was genau Modotti in der Zeit in Spanien machte, weiß ich auch nicht. Klar ist hingegen, dass Modotti nach der Flucht aus Spanien versuchte, mit dem Schiff und echten spanischen Falschpapieren als Carmen Ruiz Sánchez auftragsgemäß aus Europa zu entkommen. Ihr Zielland war die USA, wo man sie nicht einreisen ließ, denn mittlerweile hatte das FBI eine Personenakte über sie angelegt, in der sie als sowjetische Agentin bezeichnet wurde.

       Eine Einreise nach Mexiko gelang hingegen, wo sich Modotti wegen ihrer Ausweisung im Jahre 1930 nunmehr vermutlich als Illegale unter einem Falschnamen aufhielt. Inwieweit ihr Aufenthalt in Mexiko-City von den Behörden geduldet wurde, lasse ich mal offen. Jedenfalls hat sie in ihrem verbleibenden Lebensrest nicht wieder für öffentliches Furore gesorgt. Erst ihr Tod brachte sie wieder in die Schlagzeilen.

       Erwähnenswert bleibt noch, dass sie hier in Mexiko wieder mit ihrem Gefährten aus Spanien, Vittorio Vidali zusammenkam, der eingetroffen war, um den Stalins Erzfeind Leo Trotzki umzubringen. Der Anschlag misslang, wurde aber bald darauf von anderen Agenten mit Erfolg zu einem Ende geführt. Modotti und Vidali blieben liiert, bis sie am 5. Januar 1942 in einem Taxi auf dem Nachhauseweg starb. Die festgestellte Todesursache war ein Herzanfall der 45jährigen. Bald machte das Gerücht die Runde, Genosse Vidali – er sich weigerte, die Leiche zu identifizieren, und er vermied es, auf ihrer Beerdigung zu erscheinen – habe Hand angelegt. Ich weiß nicht, ob es so war. Und: Warum sollte er das tun?

Vier

In den sozialistischen Ländern gehörte Modotti bald zu den Ikonen. Vor allem Frauen, man versteht das, berauschten sich an dieser Frau, die so wunderbar in ein scheinbar selbstbestimmtes Sozialistinnen-Leben zu passen schien und deren früher mysteriöser Tod gut ins Legenden-Stricken passte. Nach dem Ende des realen Sozialismus sowjetischer Bauart, ging das Erbe an die West-Linken über. In deren Händen ist Modotti heute noch.

       Schnell noch ein Blick auf die Autorin des beinahe in den Ramsch geratenen Buches. Christiane Barckhausen (*2.5.1942) war nach einem 2jährigen Studium der Ethnologie Dolmetscherin, Journalistin und Buchautorin in der DDR. Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten ließen es dem Ministerium für Staatssicherheit naheliegend erscheinen, sie als Agentin in den immerwährenden Klassenkampf einzubinden. So diente sie Jahr und Tag (1963-73) als Geheime Mitarbeiterin Tatjana der Hauptabteilung II (Spionageabwehr) unter dem Deckmantel einer Angestellten der DDR-Botschaft von Cuba in Ost-Berlin. Nachdem ein Gegenspionage- sprich: Doppelspiel mit dem französischen Dienst in West-Berlin keinen Erfolg brachte, wurde sie auf Binnenoppositionelle umgepolt und später ganz fallengelassen.      

Davon ist in ihrem Modotti-Buch selbstverständlich keine Rede. Dafür aber, dass sie zu Recherche-Zwecken jahrelang in der westlichen Welt herumreiste, was bekanntlich sonst kaum ein DDR-Bürger vermochte. Das ging nach meiner Auffassung mit Sicherheit nur mit dem Segen ihres ehemaligen geheimdienstlichen Zweitarbeitgebers. Ob diese Genehmigung mit einem neuerlichen Auftrag verbunden war, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls haben die Akten des MfS, soweit wir sie kennen, hierüber nichts vermerkt.

© 2026

Theme von Anders NorénHoch ↑